Manndeckung

Defensive Abwehrformationen erfordern andere Beobachtungsschwerpunkte und Aufgabenteilungen zwischen den Schiedsrichtern als offensive. Hier erläutern wir die Manndeckung und deren spezifische Problembereiche.

Manndeckung – auf die neuen Anforderungen reagieren!

Viele Schiedsrichter haben Probleme, wenn eine Mannschaft plötzlich – meist gegen Ende des Spiels – mit offensiver Manndeckung über das gesamte Spielfeld agiert. Denn diese völlig andere Spielweise stellt auch völlig andere Anforderungen an die Unparteiischen. 

Ein derart vergrößertes Beobachtungspensum erfordert, dass sich die Schiedsrichter flexibel an die jeweilige Spielentwicklung anpassen, also ihre Grundpositionen situationsgerecht verändern (siehe auch Info 1): 

  • Der Feldschiedsrichter beobachtet aus diagonaler Position auf Höhe der Seitenlinie in erster Linie das Spielgeschehen mit Ball in der Tiefe.  
  • Der Torschiedsrichter darf jetzt nicht in seiner üblichen Grundposition hinter der Torauslinie verharren, wenn sich das Spielgeschehen eher im Mittelfeld konzentriert.  
    Vielmehr muss er seine Grundposition konsequent nach vorn Richtung Nahwurfzone verschieben, damit er besseren ‘Kontakt’ zum Spielgeschehen hat. Aus dieser neuen Grundposition beobachtet er vor allem Spieleraktionen ohne Ball.

Generell müssen die Schiedsrichter bei einer Manndeckung auf weite, raumgreifende Laufbewegungen aller Angreifer gefasst sein, weil diese zum Freilaufen ohne und mit Ball Breite und Tiefe des Spielfelds nutzen möchten (siehe Bild oben).

Schließlich kann eine Manndeckung auch situativ, z. B. bei einer Unterzahl der Angreifer, gespielt werden. Hier versuchen die Verteidiger, ihre Überzahl für ein gezieltes Versperren von Laufwegen der Angreifer zu nutzen, um so passive Spielweisen zu provozieren (siehe Bildreihe 1). 

Info 1: Beobachtungsschwerpunkte – verändertes Stellungsspiel

In der Abbildung ist deutlich die in Richtung Spielfeldtiefe veränderte, diagonale Grundstellung der Schiedsrichter bei einer Manndeckung in Mittelfeld zu erkennen. 

Die Beobachtungsräume der Schiedsrichter, die sich in der Spielpraxis aber überlappen müssen, sind farbig hervorgehoben.  

Wichtig: 

  • Gerade bei einer Manndeckung dürfen beide Schiedsrichter nicht statisch agieren, sondern müssen ihre Position fortlaufend dem Spielgeschehen anpassen!  
  • Beide Schiedsrichter agieren eher in der Nähe der Seitenlinien, wenn nötig auch kurzfristig außerhalb der Spielfläche, um Spieleraktionen nicht zu stören.

So sieht es der Feldschiedsrichter

Der Feldschiedsrichter kann aus seiner in Richtung Seitenlinie versetzten Position in der Diagonalperspektive vor allem die Aktionen mit Ball im Mittelfeld beobachten. Deutlich ist der im Vergleich zu einer Raumdeckung wesentlich größere Beobachtungsraum zu erkennen. 

Flächendeckendes Erkennen und Ahnden von Regelwidrigkeiten verlangt daher eine konsequente Aufgabenteilung! 

So sieht es der Torschiedsrichter

Der Torschiedsrichter befindet sich hier ca. 6 m entfernt von der Torauslinie nahe der Seitenlinie. Er hat so zwar den Torwart im Rücken, kann aber das Spielerverhalten in seinem Blickfeld viel besser verfolgen. Vor allem das Freilaufen von Spielern ohne Ball aus der Tiefe oder von den Außenpositionen gehört zu seinen wesentlichen Beobachtungsaufgaben.

Bildreihe 1: Passive Spielweisen bei Manndeckung