Das moderne Tempospiel erfordert eine neue Lauftechnik
Lauftechnik und Stellungsspiel der Schiedsrichter müssen sich dem heutigen Tempospiel anpassen. Das erfordert allerdings mehr, als nur schnell zu laufen! Eine mangelhafte Beobachtung des Spielgeschehens ist häufig auf zu langsames Zurücklaufen oder die Durchführung eines Funktionswechsels mit dem Rücken zum Spielgeschehen zurückzuführen. Im Folgenden stellen wir eine Lauf- und Bewegungstechnik vor, mit der man den Blick nicht vom Spielgeschehen abwenden muss.
Inhalt
Nachteile des traditionellen Laufverhaltens
Vor allem in Gegenstoßsituationen oder bei einer schnellen Anwurfausführung sind die Schiedsrichter zusätzlich gefordert: Sie müssen den Standard-Funktionswechsel teilweise in hohem Lauftempo durchführen, aber den Überblick behalten, Spieler nie aus den Augen verlieren und mögliche Laufwege von Spielern – in Gegenstoßsituationen sind nahezu alle Spieler, in Tiefe und Breite gestaffelt, in der vollen Laufbewegung – nicht stören oder sogar blockieren.
Das früher in Tempo-Spielphasen in nahezu sämtlichen Spielklassen zu beobachtende Lauf- und Bewegungsverhalten der Schiedsrichter hat klare Nachteile:
- Das oft geschulte Rückwärtslaufen des Schiedsrichters beim Funktionswechsel von der Feld- in die Torschiedsrichterposition kostet eindeutig zu viel Zeit.
- Körperdrehung und Vorwärtslauf ohne Beobachtung des Spielgeschehens sind eine gefährliche Fehlerquelle!
- Anmerkung: Viele Mannschaften versuchen, Gegenstöße bereits im Mittelfeld zu stören bzw. zu unterbinden. Die damit verbundenen Zweikämpfe muss ein im Vorwärtslauf in Richtung Torschiedsrichterposition zurücklaufender Schiedsrichter beobachten können!
- Die traditionellen Laufwege zurück in Richtung Torschiedsrichterposition (auf einer Längsseite innerhalb, wenn möglich oder nötig auch außerhalb des Spielfelds) können sowohl Angreifer als auch Verteidiger stören. Auch auf den Spezialistenwechsel im Bereich des Auswechselraums ist zu achten.
- Laufwege der Feldschiedsrichter, die auf der Bankseite laufen, sollten dem Spiel der Mannschaften ohne Torwart entsprechend auch angepasst werden.
Wir erläutern hier deshalb ein dem modernen Tempospiel angepasstes Lauf- und Bewegungsverhalten.
Grundsätzliche Laufwege beim Standard-Funktionswechsel
Wechsel von der Feldschiedsrichter- in die Torschiedsrichterposition:
- Der Schiedsrichter orientiert sich, permanent das Spielgeschehen beobachtend, mit seitlicher Drehung sofort in Richtung Seitenlinie.
- Je nach Situation kann er auch außerhalb des Spielfelds laufen, um die Spieler nicht zu stören.
- Ist es dem Schiedsrichter (z. B. wegen Werbebanden) nicht möglich, außerhalb des Spielfelds zu laufen (Laufweg A in Info 1), sollte das nahe der Seitenlinie (= Laufweg B) geschehen.
- Generell gilt: Den Überblick zu behalten, ist wichtiger, als nur möglichst rasch die Grundposition an der Torauslinie zu erreichen
Wechsel von der Torschiedsrichter- in die Feldschiedsrichterposition:
- Das Laufverhalten so gestalten, dass alle Spieler wenigstens peripher wahrgenommen werden können.
- Auf geradem Weg dem Spielgeschehen über die Mittellinie folgen (Laufweg C).
- Nach einem Tor tendenziell nach außen laufen, damit die Anwurfsituation gut beobachtet werden kann (Laufweg D).
- Den Anwurf aus diagonaler Beobachtungsposition kurz vor der Mittellinie anpfeifen.
Lauftechnik
Beim Wechsel von der Feld- in die Torschiedsrichterposition läuft man grundsätzlich vorwärts, um dem Spieltempo auch folgen zu können.
Dabei muss man sich allerdings im Oberkörper drehen – dies erfordert eine sehr gute Beweglichkeit und Laufkoordination, um so jederzeit auch das rückwärtige Spielgeschehen im Blick zu haben (siehe z. B. die Bilder 2 bis 7 in Bildreihe 1).
Wichtig ist auch der Moment, in dem der Ballbesitz zwischen den Mannschaften wechselt (Bilder 1 bis 4 in Bildreihe 2):
Der (bisherige) Feldschiedsrichter dreht sich nach innen – so ist der Blickkontakt zum Spielgeschehen gewährleistet – und läuft erst dann seitwärts und anschließend diagonal nach vorn in Richtung Seitenlinie bzw. andere Spielfeldhälfte.
Häufig wird hier der Fehler gemacht, sich beim Start nach außen (vom Spielfeld weg) abzudrehen, dadurch geht jedoch der Blick auf das Spielgeschehen verloren.
Nur schnell zu laufen, ist ebenfalls nicht immer ratsam. Die Bilder 9 bis 13 in Bildreihe 1 und die Bilder 13 bis 16 in Bildreihe 2 zeigen, dass der Schiedsrichter je nach Situation (z. B. bei einem Zweikampf) abstoppen muss, um die Aktion genau beobachten zu können.
Grundposition beim Anwurf
Bildreihe 3 zeigt, dass der Torschiedsrichter nach Anzeigen des Torerfolgs (Bild 1) zunächst nach vorn in Richtung Mittellinie sprinten muss. Der Laufweg sollte entsprechend Laufweg D in Info 1 entlang der Seitenlinie verlaufen.
Etwa drei Meter vor der Mittellinie sollte der Torschiedsrichter abstoppen, um den Anwurf aus günstiger diagonaler Beobachtungsposition heraus anpfeifen zu können. Ein Abstoppen erst unmittelbar auf Höhe der Mittellinie ist nicht erforderlich, manchmal sogar hinderlich, da durchlaufende Spieler die Sicht zum anwerfenden Spieler verdecken können.
Wie ist ein Funktionswechsel auszuführen?
Entsprechend der Anweisung soll nicht im laufenden Spiel gewechselt werden. In Gegenstoßsituationen sowie nach einem Tor sollten die Schiedsrichter die Seiten grundsätzlich nicht diagonal wechseln.
Bildreihe 4 zeigt eine in der Praxis recht häufige Form des Funktionswechsels:
Auf Bild 1 ist die momentane Aufgabenteilung zwischen Tor- und Feldschiedsrichter erkennbar. Nach einer 7-m-Entscheidung läuft der Feldschiedsrichter sofort diagonal auf die linke Seite (Bild 2).
Beide Unparteiischen kommen kurz zusammen, tauschen z. B. einige Beobachtungen aus dem jüngsten Spielverlauf aus (ohne dadurch eine zügige Ausführung des 7-m-Wurfs zu behindern) und führen quasi bereits jetzt den Funktionswechsel durch.
Beachte:
Der Schiedsrichter rechts in Bild 3 (verdeckt, bisher Torschiedsrichter) übernimmt nun die Funktion des Feldschiedsrichters und ist damit für die Beurteilung der Wurfausführung verantwortlich. Er muss prüfen, ob der zum Wurf antretende Spieler Rechts- oder Linkshänder ist, denn der Feldschiedsrichter sollte den 7-m-Wurf auf der Wurfarmseite des Schützen anpfeifen.
In Bild 4 nimmt der (neue) Feldschiedsrichter zur Beobachtung der Wurfausführung seine Grundposition ein (Schnittpunkt der gedachten Verlängerungen von 7-m- und Freiwurflinie) und sichert die Aufmerksamkeit des Zeitnehmers durch Blickkontakt (falls Time-out gegeben worden war). Inzwischen läuft der Partner diagonal in Richtung Torauslinie, um die Torschiedsrichterposition einzunehmen.