Strafen klar und eindeutig anzeigen!

Strafen müssen unmissverständlich und für jeden sichtbar angezeigt werden. Mit der Zeit entwickelt man als Schiedsrichter auch das notwendige Fingerspitzengefühl, um die Zeichengebung mit angemessener Gestik/Mimik zu begleiten: Kühle Sachlichkeit statt Theatralik, lautet die Empfehlung.  

Was ist beim Anzeigen von Strafen zu beachten?

Beim Anzeigen von Strafen haben Schiedsrichter grundsätzlich drei Aspekte zu berücksichtigen: 

  • Regeltechnische Bestimmungen und Formalien (z. B. Handzeichen)  
  • Gestik/Mimik beim Anzeigen der Strafen gegenüber dem fehlbaren Spieler  
  • Das Verhalten in besonderen Situationen (z. B. wenn ein zu bestrafender Spieler am Boden liegt). 

Regeltechnische Bestimmungen und Formalien

Eine Strafe wird immer nach einer Spielunterbrechung ausgesprochen. Außer bei einer Verwarnung muss bei sämtlichen Strafen mit dem vorgeschriebenen Handzeichen (Zeichen 15) in Richtung Zeitnehmer sofort Time-out angezeigt werden. 

Während der Spielzeitunterbrechung ist genügend Zeit für alle weiteren notwendigen Maßnahmen: 

1. Anzeigen der Strafe gegen den fehlbaren Spieler oder Mannschaftsoffiziellen  

–    Verwarnung: Hochhalten der Gelben Karte (16:2, Zeichen 13)  
–    Hinausstellung: Hochhalten eines gestreckten Arms mit zwei erhobenen Fingern (16:4, Zeichen 14)  
–    Disqualifikation ohne Bericht: Hochhalten der Roten Karte (16:7, Zeichen 13)  
–    Disqualifikation mit Bericht: Zuerst Hochhalten der Roten Karte (16:7, Zeichen 13) und anschließendes Hochhalten der blauen Karte (16:8, Zeichen 13) am / in Höhe Zeitnehmertisch.  

Mit einer Hand wird die Strafe angezeigt, die andere zeigt dabei unmissverständlich auf die fehlbare Person.    
Generell sollte derjenige Schiedsrichter die Strafe anzeigen, der das Spiel unterbrochen hat. Es schadet zwar nicht, wenn gleich beide Schiedsrichter die Strafe anzeigen; das sollte jedoch nicht die Regel sein. Einer der Unparteiischen sollte während der Spiel(zeit)unterbrechung immer die Gesamtsituation im Blick haben. Werden gegen zwei Spieler (z. B. Angreifer und Abwehrspieler) gleichzeitig Strafen ausgesprochen, sind diese deutlich nacheinander anzuzeigen.

2. Bestätigung (Handzeichen) durch den Sekretär

Die Schiedsrichter sollten sich vergewissern (Blickkontakt), dass die Identifizierung des fehlbaren Spielers/Offiziellen durch den Sekretär zweifelsfrei erfolgt ist. Dessen Bestätigung sollte abgewartet werden. Es wird empfohlen, dass der Sekretär zur Bestätigung die entsprechende Karte in Richtung Schiedsrichter hochhält bzw. das IHF-Handzeichen deutlich wiederholt. 

3. Notieren der Strafen

Schiedsrichter und Sekretär notieren sodann die Nummer des fehlbaren Spielers/Offiziellen und die Art der Bestrafung. Der Sekretär notiert zusätzlich den Zeitpunkt der Maßnahme. 

4. Wiederanpfiff

Nach jeder Bestrafung muss das Spiel wieder angepfiffen werden, bei einer Hinausstellung bzw. Disqualifikation aber erst dann, wenn der betreffende Spieler das Spielfeld bzw. den Auswechselraum verlassen hat. Für Offizielle ist dies nur bei Disqualifikationen zu beachten.


Leitlinien für das Anzeigen von Strafen

Schiedsrichter sollten sich darüber im Klaren sein, dass schon Sanktionen gegen Spieler oder Offizielle an sich leicht Emotionen entstehen lassen. Umso wichtiger ist, dass das Anzeigen der Strafe in einer Art und Weise erfolgt, die solche Emotionen nicht noch verstärkt. Deshalb wird die Beachtung der folgenden Leitlinien für ein kontrolliertes Vorgehen empfohlen: 

Strafen nicht aggressiv anzeigen!

Zeigen Sie diese ruhig und sachlich an, ohne übertriebene Eile oder mit demonstrativen Gesten; umso mehr, wenn der fehlbare Spieler (oder seine Mitspieler) seine Strafe für unberechtigt hält und protestiert. Jeder übertriebene Aktionismus der Schiedsrichter würde einen möglichen Konflikt noch verstärken! Lassen Sie bei der Anzeige die Pfeife möglichst nicht im Mund. Der ursächliche Pfiff ist längst vorbei. 

Kein provozierendes, demonstratives oder theatralisches Auftreten oder Hinterlaufen!

Ist eine Regelwidrigkeit zu ahnden, sprinten Sie nicht hektisch los, um sich dann vor dem Spieler ‘aufzubauen’ und die Strafe demonstrativ anzuzeigen. Auch ein hämisches Grinsen beim Anzeigen von Strafen ist fehl am Platz. Ferner sollten Sie aufgrund körpersprachlicher Erkenntnisse die Strafe möglichst nicht im Gehen oder in einer Schrittstellung anzeigen.  
Für alle Entscheidungen gilt: Emotionsloses, sachlich-ruhiges Auftreten der Schiedsrichter ist gefragt.  

Schauen Sie dem fehlbaren Spieler/Offiziellen in die Augen!

Strafen haben eine wichtige Funktion: Der Betroffene erhält die eindeutige Botschaft, dass er die Grenzen des Erlaubten/Geduldeten überschritten hat. Durch Blickkontakt zeigen Sie als Schiedsrichter zugleich Ihre Entschlossenheit, Ihre konsequente Linie bei weiteren Vergehen einzuhalten. Ein Nicht-in-die-Augen-Schauen könnte dahin missverstanden werden, dass Sie Zweifel an der Richtigkeit Ihrer Entscheidung oder Probleme mit einem konsequenten Auftreten haben ...  

Strafen nur gegen Stehende aussprechen!

Manchmal liegt ein Spieler nach einem regelwidrigen Zweikampf noch am Boden und täuscht in der Hoffnung, eine drohende Bestrafung so noch abwenden zu können, eine Verletzung vor. Auf jeden Fall abwarten, bis der Spieler aufgestanden ist, und erst dann die Strafe anzeigen (siehe Bildreihe 1). 

Bildreihe 1: Ablauf und Zeichengebung bei einer Verwarnung

Korrektes Anzeigen einer Verwarnung

Info 1: Tipps für den Bestrafungsablauf

So sollte es sein: Strafen ruhig und sachlich anzeigen – jegliche Theatralik sowie übertriebene Gestik und/oder Mimik ist fehl am Platze.
So verhalten Sie sich richtig:
  • Strafen nicht aggressiv anzeigen!
  • Kein provozierendes, demonstratives oder theatralisches Auftreten!  
  • Versuchen, Blickkontakt zum fehlbaren Spieler/Offiziellen zu erhalten bzw. halten!
  • Warten mit der Anzeige einer Strafe, solange der betreffende Spieler noch am Boden liegt!  
  • Spieler beim Bestrafungsvorgang niemals berühren!
  • Nicht auf Diskussionen einlassen!  
  • Im Gespann Einigkeit demonstrieren!

Blickkontakt zu dem fehlbaren Spieler/Offiziellen aufnehmen!

So gehen Sie vor:
  • Time-out (grundsätzlich nicht bei einer Verwarnung), aber bei allen anderen Strafen geben!
  • Den fehlbaren Spieler eindeutig benennen (mit der gestreckten Hand auf ihn zeigen)!  
  • Überzeugen Sie sich, ob der Sekretär und ggf. der Partner die Trikotnummer erkennen konnte!  
  • Strafe notieren  
  • Nach jeder Strafe das Spiel wieder anpfeifen! 

Spieler beim Bestrafungsvorgang nicht berühren!

Fehlbare Spieler/Offizielle kehren dem Schiedsrichter vielfach den Rücken zu, wenn dieser die Strafe aussprechen will. Hier sollten Sie den Betreffenden auf keinen Fall durch Berühren bewegen, sich umzudrehen. Denn ein Berühren durch die Schiedsrichter kann zu (weiteren) Provokationen genutzt werden. Ist der Partner in solchen Situationen besser postiert, kann er dem fehlbaren Spieler die Strafe zusätzlich anzeigen. Ein Blickkontakt beim Anzeigen von Strafen kann natürlich nicht erzwungen werden.  

Nicht auf Diskussionen einlassen!

Nicht selten versuchen Spieler/Offizielle, die eine Strafe erhalten sollen/haben, den Schiedsrichter in eine Diskussion zu verwickeln. Auf einen solchen Dialog sollten die Schiedsrichter sich auf keinen Fall einlassen, da die Situation sonst leicht außer Kontrolle geraten kann. Manchmal hilft, sich einfach von der Situation abzuwenden.  

Im Gespann Einigkeit demonstrieren!

Diskussionen über Strafen oder das (vorschnelle) Anzeigen unterschiedlicher Strafen sollten die Schiedsrichter auf jeden Fall vermeiden. Eine gute Blickverbindung und Kommunikation untereinander helfen dabei!

Bei Disqualifikationen mit und ohne Bericht sollte folgende Vorgehensweise angewendet werden:

  • Time-out    
  • SR kommen zusammen, damit evtl. Unklarheiten ausgeräumt werden können.   
  • Der Schiedsrichter, der die Entscheidung zur Spielunterbrechung getroffen hat, soll auch die Disqualifikation anzeigen.
  • Dieser Schiedsrichter informiert auch vor Wiederanpfiff den Zeitnehmer/Sekretär und im Falle einer Disqualifikation mit Bericht zeigt er auch die blaue Karte.  
Außendarstellung:
  • Grundsätzlich sollen die Schiedsrichter keinerlei Handzeichen bzgl. des Disqualifikationsgrundes geben. Hierdurch werden u. a. Fehlinterpretationen der Schiedsrichterentscheidung seitens Dritter vermieden. Außerdem werden nicht regelkonforme Handzeichen unterlassen.  
  • Eine Kommentierung gegenüber am Spiel Beteiligten (Offizielle und Spieler) sollte zunächst auf die Bekanntgabe der getroffenen Entscheidung beschränkt bleiben. Weitere Erläuterungen sollen, wenn überhaupt erforderlich, auf ein Mindestmaß reduziert werden. Grundsätzlich sollten auf dem Spielfeld möglichst wenige verbale bzw. keine nonverbalen Kommentierungen (Handzeichen) erfolgen.  
  • Eine Erläuterung des Sachverhaltes kann nach dem Spiel (ggf. in der Kabine) erfolgen.  
  • Kommt es in der Schlussphase zu einer roten Karte, sollen die Schiedsrichter immer kurz Rücksprache mit dem Kampfgericht und – wenn vorhanden – dem Delegierten halten. 

Das methodische Vorgehen beim Anzeigen von Strafen

Als Schiedsrichter sollten Sie die beim Anzeigen einer Strafe die notwendigen Schritte, Maßnahmen und Handzeichen am besten automatisieren. Bildreihe 2 zeigt exemplarisch den Ablauf bei einer Hinausstellung und die entsprechende Zeichengebung. In der Ausgangssituation liegt der fehlbare Spieler am Boden.  

Neben den vorgeschriebenen regeltechnischen Maßnahmen und Handzeichen sind der Blickkontakt der Schiedsrichter zu fehlbarem Spieler, Zeitnehmer und Sekretär und schließlich die Kontrolle der Zeitmessanlage (ist die Hinausstellung ausgewiesen?) vor der Spielfortsetzung von besonderer Bedeutung. Nach Wiederanpfiff sollte sich der Schiedsrichter zudem durch einen kurzen Blick zur Zeitmessanlage davon überzeugen, dass diese wieder gestartet wurde.

Bildreihe 2: Ablauf und Zeichengebung bei einer Hinausstellung

Korrektes Anzeigen einer Zeitstrafe