Das Handwerkszeug für die Spielleitung
In diesem Kapitel geht es um die allgemeinen Grundlagen der Spielleitung: die Aufgaben der Schiedsrichter, wann das Spiel und ggf. die Spielzeit zu unterbrechen sind.
Inhalt
- Die Spielleitung aus regeltechnischer Sicht
- Allgemeine Aufgaben im Spiel
- Das Spiel beobachten: Spielunterbrechung – ja oder nein?
- Freie Fahrt dem Vorteil!
- Regeltechnisch vorgeschriebene Spielunterbrechungen – und der richtige Zeitpunkt
- Nach Unterbrechung des Spiels: Die Situation klären und handeln!
- Maßnahmen und Formalitäten bei einer Spielzeitunterbrechung
- Wer entscheidet bei gegensätzlicher Auffassung?
- So vermeiden Sie Differenzen untereinander
- Wann muss ein Spiel abgebrochen werden?
Die Spielleitung aus regeltechnischer Sicht
Die grundsätzlichen Aufgaben der Schiedsrichter im Spiel fasst Regel 17 zusammen:
- Tore zählen und notieren (17:8)
- Verwarnungen, Hinausstellungen und Disqualifikationen notieren (17:8)
- Jede Regelwidrigkeit ahnden (17:5)
- die Spielzeit kontrollieren (17:9)
Ganz allgemein sind die Unparteiischen, so Regel 17:5, verantwortlich für einen Spielablauf im Einklang mit den Spielregeln. Hinsichtlich ihrer Aufgabe, jede Regelwidrigkeit zu ahnden, bekommen sie vom Regelwerk Rückendeckung: „Entscheidungen der Schiedsrichter aufgrund ihrer Tatsachenfeststellung oder Beurteilung sind unanfechtbar“ (17:11).
Schiedsrichter treffen also auf Basis
- ihrer Beobachtungsperspektive
- eines möglichst optimalen Stellungsspiels
- ihrer regeltechnischen Kenntnisse sowie
- der Beurteilung der (taktischen) Spielsituation (= Spielverständnis) eine nach bestem Wissen und Gewissen abgewogene Entscheidung, die dem Regelwerk nach in den meisten Fällen unanfechtbar ist, aber immer eine subjektive Entscheidung bleibt. Daraus resultieren häufig unterschiedliche Ansichten von Spielern, Trainern und Zuschauern über Schiedsrichterentscheidungen!
Tatsachenfeststellungen der Schiedsrichter sind unumstößlich; es gibt aber eine Ausnahme: „Gegen eine aufgrund einer Tatsachenfeststellung getroffene Entscheidung kann Einspruch eingelegt werden, sofern sie im Widerspruch zum Regelwerk steht.“ (17:11).
Beispiele:
- Verwarnung statt der zwingenden Hinausstellung bei einem Wechselfehler
- Hinausstellung statt Disqualifikation eines Offiziellen, nachdem ein anderer Offizieller bereits eine Verwarnung und Hinausstellung erhalten hatte.
Allgemeine Aufgaben im Spiel
Auch wenn das Regelwerk grundsätzlich nicht mehr zwischen Feld- und Torschiedsrichter unterscheidet – die Schiedsrichter sollen das Spiel gleichberechtigt und gleich verantwortlich leiten (17:1) –, ist diese Aufgabenteilung für die Spielpraxis unerlässlich:
- Der Feldschiedsrichter eröffnet das Spiel mit dem Anpfiff des Anwurfs. Er pfeift alle Würfe an, die zwingend (15:5) oder nach seiner Beurteilung anzupfeifen sind, und beobachtet aus seiner Position vor allem das Spiel in der Spielfeldtiefe und auf der Ballseite.
- Der Torschiedsrichter ist in erster Linie für die Entscheidungen ‘Tor oder kein Tor?’, sowie die Frage „Verhinderung einer klaren Torgelegenheit, 7-Meter ja oder nein“ verantwortlich. Durch zwei kurze Pfiffe und Handzeichen 12 bestätigt er, dass ein reguläres Tor erzielt wurde. Im Gegensatz zum Feldschiedsrichter konzentriert sich der Torschiedsrichter in seiner Beobachtung mehr auf die Zone entlang der Torraumlinie und vor allem auf das Spielgeschehen auf der ballnahen Seite.
Nach einem Tor sollen sich die Schiedsrichter zunächst auf den Anpfiff zur Spielfortsetzung konzentrieren. Denn viele Mannschaften versuchen nach Hinnahme eines Tors von Zeit zu Zeit einen so genannten „schnellen Anwurf“ (= langer Pass vom Torwart zu einem anwurfbereiten Spieler in der Anwurfzone). Sobald sich der Anwerfende in einer korrekten Grundposition innerhalb der Anwurfzone befindet, müssen die Schiedsrichter anpfeifen, um die Ballbesitzer nicht zu benachteiligen. Deshalb sollten die Schiedsrichter ein Tor grundsätzlich erst nach dem Anpfeifen des Anwurfs notieren, und zwar nicht gleichzeitig, damit immer einer von ihnen die Spieler beobachten kann.
Das Notieren von Strafen ist einfacher: Bei Hinausstellungen und Disqualifikationen schreibt die Regel eine Spielzeitunterbrechung vor (2:8). Das Notieren erfolgt nach dem Anzeigen der Strafe für den fehlbaren Spieler.
Was müssen Schiedsrichter im Spiel überwachen bzw. notieren?
Sie sind im Spiel verantwortlich für
- das Notieren von Toren, Verwarnungen, Hinausstellungen, Disqualifikationen und besonderen Vorkommnissen
- die Überwachung der Spielzeit
Hinweis:
Auf bestimmten Ebenen (national und international) sind die Schiedsrichter von diesen Aufgaben befreit (Übernahme durch Zeitnehmer/Sekretär zusammen mit dem Delegierten), damit eine optimale Beobachtung des Spielgeschehens gewährleistet ist.
Bei einer Verwarnung erfolgt eine Spiel-, aber keine Spielzeitunterbrechung (Pfiff) durch die Schiedsrichter und das Zeigen der Gelben Karte in Richtung des fehlbaren Spielers. Danach sollten die Schiedsrichter zunächst schnellstmöglich das Spiel wieder anpfeifen und die Verwarnung erst unmittelbar danach notieren.
Sonderregelung bei bestimmten nationalen und internationalen Spielen
Bei bestimmten Spielen müssen die Schiedsrichter keine Notizen vornehmen; auch von der Verantwortung für die Kontrolle der Spielzeit sind sie entbunden. Hintergrund ist, die Schiedsrichter wegen des im Handball enorm gewachsenen Spieltempos von formalen Aufgaben zu entlasten. Diese Maßnahmen haben sich bewährt.
Das Spiel beobachten: Spielunterbrechung – ja oder nein?
Zunächst ein Beispiel:
Im Rahmen eines schnellen Gegenstoßes läuft ein Angreifer prellend frei in Richtung Tor. Ein Gegenspieler verfolgt ihn und stößt ihn kurz von hinten. Der Angreifer kann sich jedoch wieder fangen, bleibt trotz dieser Regelwidrigkeit unter voller Körper- und Ballkontrolle und wirft auf das Tor.
Der übervorsichtige Schiedsrichter, der gemäß Regel 17:5 jede Regelwidrigkeit ahnden und keine ‘Härte’ aufkommen lassen will, handelt hier falsch, wenn er das Spiel nach dem regelwidrigen Stoß unterbricht.
Regel 17:5 weist auf zwei weitere ganz zentrale Regeln hin:
- Gemäß 13:2 haben die Schiedsrichter die Aufgabe, Kontinuität im Spiel zuzulassen, wobei ‘zulassen’ hier sogar als ‘fördern’ zu verstehen ist. Vorschnelle Unterbrechungen des Spiels durch Freiwurf-Entscheidungen unbedingt vermeiden!
- Gemäß 14:2 sollen Schiedsrichter in Situationen, in denen
– eine Entscheidung auf 7-m-Wurf in Betracht kommen könnte,
– ein Gegenspieler eine Regelwidrigkeit begeht, der ballbesitzende Angreifer aber unter voller Ball- und Körperkontrolle bleibt,
Vorteil gewähren und nicht auf 7-m-Wurf entscheiden, wenn trotz der Regelwidrigkeit ein Tor erzielt wird. Erst wenn der Spieler aufgrund der Regelwidrigkeit eindeutig die Ball- und Körperkontrolle verliert oder einen Regelfehler (z. B. ‘Schritte’) begeht, ist auf 7-m-Wurf zu entscheiden.
Für die gerade beschriebene Situation ergibt sich aus 13:2, 14:2 das folgende regeltaktische (= Regelauslegung unter Berücksichtigung technisch-taktischer Aspekte der jeweiligen Spielsituation) Verhalten:
- Grundsätzlich Vorteil gewähren, da eine klare Torgelegenheit gegeben ist (Gegenstoß-Situation, keine Abwehrmöglichkeit aus frontaler Grundposition möglich).
- Vorteil so lange gewähren, wie der Angreifer trotz Regelwidrigkeit des Gegenspielers
– unter voller Ball- und Körperkontrolle bleibt,
– selbst keine Regelwidrigkeit (z. B. Schrittfehler) begeht. - Bei Torerfolg: Tor und ggf. nachträgliche Bestrafung
- Vergibt der Angreifer bei voller Ball- und Körperkontrolle die klare Torgelegenheit: kein 7-m, aber je nach Art des Vergehens nachträgliche Bestrafung des Abwehrspielers (14:2).
Für die Spielleitung lassen sich daraus essenzielle Leitlinien (s. Grafik) ableiten:
Spielunterbrechung – ja oder nein?
Vorteil hat Vorfahrt!
- Das Spiel erst unterbrechen, wenn aufgrund einer bestimmten Regelwidrigkeit (etwa Festhalten/Umklammern des Ballhalters) kein Weiterspielen mehr möglich ist oder der Angreifer, dem Vorteil gewährt wurde, einen regeltechnischen Fehler (z.B. einen Schrittfehler) begeht.
- Das Spiel dann unterbrechen, wenn der Ball nicht mehr gespielt werden kann (Spieler liegt auf dem Ball, Ball im Aus usw.).
- Unverzügliche Spielunterbrechungen bei Regelwidrigkeiten oder Vergehen, aber immer unter Beachtung des Vorteilsgedankens.
Beachte:
Die wichtigste Maxime des Handballspiels: Vorfahrt dem Vorteil!
Freie Fahrt dem Vorteil!
Vorteil gewähren
Vor jeder Spielunterbrechung muss ein Schiedsrichter sich fragen, ob ein regeltechnisch nicht zwingend vorgeschriebener Pfiff der nicht fehlbaren Mannschaft Nachteile bringen könnte. Wenn ja, darf er nicht pfeifen, denn sonst würde er im Grunde die fehlbare Mannschaft noch belohnen.
Solche Situationen kommen im Spiel recht häufig vor, wie folgende Beispiele zeigen:
- Zweikampfsituationen: Der Ballhalter wird festgehalten; zunächst abwarten, ob trotz dieser Behinderung ein Tor erzielt werden kann.
- Gezieltes Weiterspielen des Balls trotz regelwidriger Aktionen:
– Regelwidrigkeit gegen den Ballhalter, der jedoch noch zu einem günstig postierten Mitspieler abspielen kann (siehe Bild in der Grafik).
– Regelwidrigkeit gegen einen Spieler ohne Ball, während sich ein anderer Spieler mit Ball in einer klaren Torwurfsituation befindet. - Gegenstoßsituationen:
– Regelwidrige Aktionen von Abwehrspielern, der Ballhalter kann jedoch gezielt eine bestehende Überzahl ausspielen.
– Ein Spieler der abwehrenden Mannschaft bleibt während eines Gegenstoßes ohne erkennbare Verletzung liegen. - 7. Feldspieler/leeres Tor:
– Regelwidrige Aktionen nach Ballverlust gegenüber dem neuen Angreifer können dennoch zu einem Weiterspielen des Balles genutzt werden, sodass der Angreifer sehr bald auf das leere Tor werfen kann. - In den letzten 30 Sekunden des Spiels darf nach einer Aktion, die nach Regel 8:5 oder 8:6 eine Disqualifikation und Strafwurf zur Folge hat (8:11b), noch ein einziger Pass für den Vorteil zugelassen werden.
Nicht selten dokumentiert eine bewusst unterlassene Spielunterbrechung mehr Fingerspitzengefühl und Spielverständnis als ein noch so gutgemeinter Pfiff!
Die Leitlinien lauten also:
- So selten wie möglich, jedoch so oft wie nötig pfeifen!
- Niemals die Pfeife im Mund behalten, sondern immer ‘am langen Arm’!
Der Ratschlag, die Pfeife niemals im Mund zu behalten, hat einen besonderen Grund: Die durch das Zum-Mund-Führen der Pfeife gewonnenen Zehntelsekunden verhindern einen allzu frühen Pfiff und damit häufig genug das Abpfeifen eines Vorteils.
Ein gewährter Vorteil enthebt allerdings nicht der Pflicht, nach Abschluss der Situation (z. B. einer klaren Torgelegenheit) den fehlbaren Spieler zu bestrafen. Denn:
Konsequente Vorteilsgewährung erfordert auch eine konsequente nachträgliche Bestrafung von Regelwidrigkeiten/Unsportlichkeiten.
Eine nachträgliche Bestrafung muss auch noch mehrere Ballstationen (2 bis 3 Pässe) nach dem fraglichen Foul möglich sein! Es ist nicht möglich, der fehlbaren Mannschaft nach Ballbesitzwechsel und vor einer progressiven Strafe noch einen Vorteil zu gewähren.
Die Vorteilsgewährung hat aber auch ihre Grenzen: Begeht der Angreifer nach einem an ihm begangenen Foul seinerseits eine Regelwidrigkeit (z. B. einen Schrittfehler), muss der Schiedsrichter sofort pfeifen.
Regeltechnisch vorgeschriebene Spielunterbrechungen – und der richtige Zeitpunkt
Unverzügliche Spielunterbrechungen
Zwingend pfeifen, aber wann?
In den in der Grafik aufgeführten Beispielen hat der Schiedsrichter keine Wahl: Er muss das Spiel unterbrechen – allenfalls ist die Frage, wann.
Diese stellt sich nicht nach einer Torentscheidung. Auch in den meisten anderen Fällen (Punkte 2 bis 5) muss sofort unterbrochen werden.
Anders sieht es z. B. bei progressiv zu bestrafenden Regelwidrigkeiten aus. Wird ein Ballhalter im Zweikampf regelwidrig attackiert, kann er aber den Ball z. B. noch zu einem freien Mitspieler passen, müssen die Schiedsrichter die Torchance noch zulassen, bevor der Feldschiedsrichter das Spiel zwecks progressiver Bestrafung unterbricht.
Bei Wechselfehlern entfällt der Vorteil grundsätzlich, da hier nicht die Schiedsrichter, sondern der Zeitnehmer das Spiel unverzüglich unterbrechen muss (ausgenommen ein Delegierter sitzt am Tisch).
Wann ist eine Spielzeitunterbrechung regeltechnisch zwingend vorgeschrieben?
Grundsätzlich
- vor einer Hinausstellung (16:4)
- vor einer Disqualifikation (16:7)
- bei Team-Time-out (2:8b, Erl. 3)
- bei Pfiff des Zeitnehmers/Delegierten (2:8c; Erläuterung 7)
- bei notwendiger Rücksprache zwischen den Schiedsrichtern (2:8d; 17:6, 17:7)
Wann ist eine Spielzeitunterbrechung nicht zwingend vorgeschrieben, aber dringend empfohlen?
- bei vermuteten Verletzungen (Jedoch sollte der Wurf eines Angreifers, falls eine klare Torgelegenheit besteht, noch abgewartet werden, z. B. Zurückprallen des Balls vom Tor, Einleitung eines Gegenstoßes, wenn der soeben gescheiterte Angreifer verletzt erscheint.)
- bei äußeren Einflüssen, z. B. muss die Spielfläche gewischt werden
- wenn eine Mannschaft offenkundig auf Zeit spielt, verzögert (z.B. die Ausführung eines formellen Wurfs, ein Spieler wirft den Ball weg oder gibt ihn nicht frei, oder der Ball prallt ab und landet dadurch weit von der Stelle des fälligen Einwurfs entfernt, was zu ungewöhnlicher Verzögerung führt)
- wenn der Ball die Decke berührt oder von einer über der Spielfläche befestigten Vorrichtung (11:1) abprallt und dadurch weit von der Stelle des fälligen Einwurfs entfernt landet, was zu einer ungewöhnlichen Verzögerung führt
- bei einem Wechsel eines Feldspielers mit einem Torwart zur Ausführung des Abwurfs
- bei Unmöglichkeit der Spielfortsetzung (z. B. durch äußere Einflüsse: Ball weit im Aus, Wasser auf der Spielfläche, Gegenstände aus dem Zuschauerbereich auf der Spielfläche)
Nach Unterbrechung des Spiels: Die Situation klären und handeln!
Für das Vorgehen der Schiedsrichter ist zunächst entscheidend, ob nur eine Spielunterbrechung oder gar eine Spielzeitunterbrechung erfolgen muss/soll. Behandeln wir erst einmal die bei einer Spielunterbrechung notwendigen Maßnahmen der Schiedsrichter.
Maßnahmen und Formalitäten bei einer Spielunterbrechung
1. Wie wird das Spiel fortgesetzt?
Schon beim Pfiff zur Spielunterbrechung sollten die Schiedsrichter diese Frage für sich klären. Spielfortsetzung meint hier:
- Art der Spielfortsetzung: (z. B. Anwurf, Abwurf, Freiwurf, 7-m-Wurf, Einwurf)
- Wer bekommt den Ball?
Wichtig: Noch keine entsprechenden Handzeichen (z. B. Spielrichtung) geben, wenn noch eine spielerbezogene Maßnahme ansteht.
2. Spielerbezogene Maßnahmen
Neben einer ggf. angebrachten Ermahnung kann eine Verwarnung ausgesprochen werden. Diese wird dem Spieler und danach dem Zeitnehmer/Sekretär angezeigt.
3. Spieltechnische Maßnahmen
Hier müssen ggf. Ausführungsort und Aufstellung von Mit- und Gegenspielern für die Wurfausführung überprüft werden.
Achtung: Fehler der ballbesitzenden Mannschaft vor dem Anpfiff sind grundsätzlich zu korrigieren.
4. Handzeichen
Grundsätzlich vorgeschrieben ist das Anzeigen der Wurfrichtung. Aber auch das Handzeichen für den Abwurf ist besonders dann wichtig, wenn vorher ein gegnerischer Spieler regelwidrig den Torraum betreten hatte.
Beachte:
Handzeichen nur wenn erforderlich geben. Aber: Wichtig für die Mannschaften ist die sofortige Richtungsanzeige bzw. das Handzeichen für Abwurf und Einwurf!
5. Spielfortsetzung ohne/mit Wiederanpfiff?
Einwurf, Freiwurf und Abwurf müssen generell nicht angepfiffen werden, anders nach einer Korrektur durch die Schiedsrichter (z. B. den Ausführungsort betreffend).
Notwendige Formalitäten bei Spielzeit- und Spielunterbrechung
Maßnahmen und Formalitäten bei einer Spielzeitunterbrechung
Gleicher Ablauf, jedoch mit einigen zusätzlichen Maßnahmen:
- Mit dem Pfiff zur Spielzeitunterbrechung muss zunächst das Handzeichen für Time-out in Richtung des Zeitnehmers gegeben werden. – Sinnvoll ist zudem ein kurzer Blick zur Hallenuhr, um festzustellen, dass diese auch angehalten wurde.
- Beim Anzeigen einer Bestrafung des fehlbaren Spielers (Hinausstellung, Disqualifikation) muss mit der Spielfortsetzung gewartet werden, bis dieser die Spielfläche verlassen hat.
Ansonsten erfolgen dieselben Maßnahmen wie bei der Spielunterbrechung.
Weitere Informationen zum methodischen Ablauf beim Anzeigen von Strafen finden Sie in der Rubrik „Strafen“.
Wer entscheidet bei gegensätzlicher Auffassung?
Pfeifen bei einer Regelwidrigkeit beide Schiedsrichter oder sind sie gegensätzlicher Auffassung darüber, welche Mannschaft in Ballbesitz kommen soll, gilt die gemeinsame Entscheidung, die von den Schiedsrichtern nach einer kurzen Absprache getroffen wird. Gelangen sie nicht zu einer gemeinsamen Entscheidung, hat die Meinung des Feldschiedsrichters Vorrang (17:7). Time-out ist hier Pflicht.
Bei unterschiedlichen Auffassungen über das Strafmaß gegen dieselbe Mannschaft gilt die von den Schiedsrichtern nach Rücksprache untereinander getroffene gemeinsame Entscheidung. Kommen die Schiedsrichter nicht zu einer gemeinsamen Entscheidung, gilt immer die schwerwiegendere Strafe (17:6).
Ein Beispiel:
Schiedsrichter A entscheidet auf 7-m-Wurf und Hinausstellung, während Schiedsrichter B auf 7-m-Wurf und Disqualifikation besteht. Gemäß der Vorgabe müssen die Schiedsrichter nach Rücksprache untereinander, eine gemeinsame Entscheidung treffen.
Werden gegensätzliche Auffassungen der Schiedsrichter offenkundig, ist zunächst Time-out Pflicht. Das Spiel muss nach ihrer Einigung unbedingt angepfiffen werden (2:8d).
Fassen wir zusammen:
Grundsätzlich sollten Schiedsrichter gegensätzliche Entscheidungen möglichst vermeiden, da so gegenüber Spielern, Offiziellen und Zuschauern Probleme in der Spielleitung offenkundig werden. Dabei helfen die in der Grafik unten genannten Empfehlungen. Tritt gleichwohl eine Situation mit gegensätzlich angezeigten Entscheidungen ein, müssen die Schiedsrichter sofort Time-out geben, dann zur Abstimmung zusammenkommen und danach die abgesprochene Entscheidung anzeigen.
So vermeiden Sie Differenzen untereinander
Wann muss ein Spiel abgebrochen werden?
Grundsätzlich hat auch hier der Spielgedanke absoluten Vorrang: Zunächst müssen die Schiedsrichter alle Möglichkeiten ausschöpfen, einen Spielabbruch zu verhindern (17:12).
Sodann liegt es im Prinzip in ihrem Ermessen, ein Spiel abzubrechen.
In den folgenden Situationen könnte ein Spielabbruch unvermeidlich sein:
- Kompletter Lichtausfall
Natürlich muss – je nach den jeweiligen Durchführungsbestimmungen – eine gewisse Zeit gewartet werden, ob der Schaden behoben werden kann. Wenn nicht, müssen die Schiedsrichter unter Bewertung der Lichtverhältnisse entscheiden, ob das Spiel abgebrochen werden muss. - Wassereinbruch
Wird der Hallenboden zu feucht, drohen ernsthafte Verletzungen; kann die Hallenfläche nicht mehr getrocknet werden, müssen die Schiedsrichter das Spiel schon aus Gründen der Vorsicht abbrechen. Unter Umständen kann ein Spiel aber z. B. in einer anderen Halle fortgesetzt werden. - Zuschauer-Ausschreitungen
Ist die Sicherheit von Spielern, Schiedsrichtern und Offiziellen wegen Zuschauer-Ausschreitungen nicht mehr gewährleistet, können die Schiedsrichter das Spiel abbrechen. Je nach Veranstaltung haben sie aber auch die Option, das Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortzusetzen. - Die Anzahl der Spieler einer Mannschaft auf der Spielfläche sinkt unter 5. Hier liegt es gemäß Regel 4:1 ebenfalls im Ermessen der Schiedsrichter, ob das Spiel abzubrechen ist.
Weitere Informationen dazu finden Sie in der Rubrik „Mannschaft, Spieler“.