Zweikämpfe um den Ball und um Positionen im Raum
Wer in einer Spielsituation die bessere Position innehat, hat einen Vorteil. Deshalb ist der Kampf (ohne Ball) um Positionen im Raum genauso wichtig wie Zweikämpfe mit Ball.
Entwicklungstendenzen im Handball: Das Spiel ohne Ball wird immer wichtiger!
Schiedsrichter müssen heutzutage nicht nur
- Spielhandlungen und Regelwidrigkeiten im Kampf um den Ball und
- Spielhandlungen und Regelwidrigkeiten überwiegend oder ausschließlich gegen den Körper eines Gegenspielers
unterschieden können.
Denn in den letzten Jahren haben auch Spielhandlungen ohne Ball zunehmend an taktischer Bedeutung gewonnen. Besonders das unterstützende Kreisläuferspiel (Sperren, Hinterlaufen, Gegenziehen) ist zu einem häufig spielentscheidenden Faktor geworden. Im Rahmen des Zusammenspiels bzw. taktischer Auslösehandlungen spielen besonders Sperren eine wichtige Rolle.
Das Regelwerk berücksichtigt daher neben dem Kampf um den Ball auch den Kampf um Positionen im Raum (8:1c - den Gegenspieler im Kampf um Positionen mit dem Rumpf zu sperren). Kurz gesagt: Wer eine erfolgversprechende Position innehat – dadurch einen bestimmten Raum quasi „beherrscht“ –, hat einen taktischen Vorteil!
Das Video oben zeigt einen Positionskampf zwischen einem Kreisspieler und seinem Gegenspieler. Der Angreifer versucht hier, den Raum an der Torraumlinie freizusperren. So kann er von seinem Mitspieler angespielt werden. Der Abwehrspieler hingegen muss versuchen, möglichst vor dem Kreisspieler zu agieren (was ihm vorliegend regelgerecht nicht mehr gelingt). Gelänge ihm das, würde er seinerseits den Raum kontrollieren und z. B. einen Lauf seines Gegenspielers in diesen Raum versperren können.
Die Konsequenzen für die Schiedsrichter:
- Konsequente Beobachtung auch der Spielhandlungen ohne Ball in der Nahwurfzone
- Konsequente Aufgabenverteilung zwischen Tor- und Feldschiedsrichter
Beachte:
Regelwidrigkeiten – vom Angreifer wie vom Abwehrspieler – beim Kampf um Positionen im Raum (z. B. bei Sperren) sind keine Kavaliersdelikte, sondern müssen von Anfang an konsequent geahndet werden! Sonst besteht die Gefahr, dass attraktive Spielweisen im Keim erstickt und die betreffenden Mannschaften benachteiligt werden.