Die Struktur der Regel 8

Beurteilungs- und Entscheidungskriterien – diese Leitlinie der Regel 8 setzt die Maßstäbe für die Methodik der Schiedsrichter-Schulung. Hier zunächst eine Übersicht über Aufbau und Struktur der Regel 8.

Beurteilungs- und Entscheidungskriterien, der Ansatz für die Schulung von Schiedsrichtern

In fast jedem Spiel gibt es auch wieder neue Situationen, die die Schiedsrichter erkennen, beurteilen und entscheiden müssen. Mit der Struktur der Regel 8 sollen die Schiedsrichter für die Beurteilung von Spielsituationen allgemeine Kriterien und einige Beispiele an die Hand bekommen.  

Die Regel 8 kennt zwei Arten von Vergehen:

  • Regelwidrigkeiten (Fouls) in Zweikämpfen beim Verhalten gegenüber dem Gegenspieler (Regel 8:2 bis 8:6) und
  • unsportliches Verhalten (Regel 8:7 bis 8:11).

Regelwidrigkeiten

Die Info 1, unterteilt nach Regelwidrigkeiten und Unsportlichkeiten, veranschaulicht die Struktur der Regel 8. Bei der Beurteilung von Regelwidrigkeiten müssen zunächst die in der linken Spalte aufgeführten Kriterien geprüft werden. 

Erkennt der Schiedsrichter eine Regelwidrigkeit, sollte er für die Beurteilung, ob neben der Entscheidung über die Spielfortsetzung eine persönliche Strafe auszusprechen ist, zunächst immer die vier allgemeinen Kriterien prüfen (Stellung, Körperteil, Intensität, Auswirkung).

Wichtig: Diese müssen in ihrem Zusammenwirken beurteilt werden! Und zusätzlich ist immer auch die konkrete Spielsituation mitzubeurteilen. So ist z. B. relevant, ob die Regelwidrigkeit gegen einen Spieler begangen wird, der gerade eine klare Torchance hat oder sich bei einem Gegenstoß in hohem Tempo bewegt.  
Wie eine bestimmte Regelwidrigkeit zu ahnden ist, ist dann der Folgespalte zu entnehmen.   
In dieser sind zunächst regelkonforme Aktionen (8:1) und Regelwidrigkeiten aufgeführt, die unter Berücksichtigung der Kriterien der linken Spalte bei erstmaliger Ahndung normalerweise keine persönliche Strafe nach sich ziehen. Mit 8:3 beginnt der, in seinen Auswirkungen progressive Strafenkatalog über die direkte Hinausstellung bis hin zur Disqualifikation mit schriftlichem Bericht.

Besonders wichtig sind die sogenannten ergänzenden Kriterien, die verdeutlichen, wann direkt – auch ohne vorangehende Verwarnung – auf Hinausstellung, Disqualifikation bzw. Disqualifikation mit schriftlichem Bericht entschieden werden sollte. Ziel ist es, die Schiedsrichter anzuhalten, Regelwidrigkeiten über das gesamte Spiel hinweg gleich und konsequent zu ahnden.

Liegen zum Beispiel Kriterien für eine direkte Hinausstellung (8:4 und 8:8) vor, muss diese ausgesprochen werden, auch wenn zuvor noch keine Verwarnung erteilt wurde. 

Dieselbe Konsequenz ist auch beim Vorliegen von Kriterien für eine Disqualifikation (8:5, 8:6, 8:9, 8:11) geboten.

Unsportliches Verhalten

In derselben Systematik wie bei den Regelwidrigkeiten behandelt der Regeltext von 8:7 bis 8:11 unsportliches Verhalten. Bei unsportlichem Verhalten gibt es – wie bei den Regelwidrigkeiten -, neben der Progressionsreihenfolge, auch zwei Versionen der Roten Karte:   

a) Disqualifikation ohne Bericht  
b) Disqualifikation mit schriftlichem Bericht

Bei einer Disqualifikation mit Bericht kann die spielleitende Stelle nach Erhalt des schriftlichen Berichts (Eintrag im Spielprotokoll bzw. Spielbericht) über die Verhängung weiterer Strafen (z. B. längere Spielsperren) entscheiden.
Bei bestimmten Unsportlichkeiten müssen die Schiedsrichter zwischen grob unsportlichem (8:9 / Disqualifikation ohne Bericht) und besonders grob unsportlichem (8:10 / Disqualifikation mit schriftlichem Bericht) Verhalten unterscheiden.


Aufbau und Struktur der Regel 8

Info 1: Beurteilungskriterien, Regelwidrigkeiten, Unsportlichkeiten, Ahndung

Progressive Bestrafung

  • nur eine Verwarnung pro Spieler
  • nur drei Verwarnungen pro Team

Direkte Hinausstellung

  • Gefährdung eines Gegenspielers wird in Kauf genommen
  • bei schwerwiegenden Unsportlichkeiten

Disqualifikation ohne Bericht

  • Automatisch bei der dritten Hinausstellung 
  • Direkte Disqualifikation 
    – bei Gesundheitsgefährdung 
    – bei grob unsportlichem Verhalten
    – aufgrund eines spezifischen unsportlichen Verhaltens oder eines spezifischen regelwidrigen Verhaltens in den letzten 30 Sekunden

Disqualifikation mit schriftlichem Bericht

  • bei einer besonders rücksichtslosen, besonders gefährlichen, vorsätzlichen oder arglistigen Regelwidrigkeit
  • bei besonders grob unsportlichem Verhalten

Der offizielle Regeltext

Regel 8: Regelwidrigkeiten und unsportliches Verhalten

Regelkonforme Aktionen

8:1 Es ist erlaubt,  
a) dem Gegenspieler mit der offenen Hand den Ball herauszuspielen.  
b) mit angewinkelten Armen Körperkontakt zum Gegenspieler aufzunehmen, ihn auf diese Weise zu kontrollieren und zu begleiten.  
c) den Gegenspieler im Kampf um Positionen mit dem Rumpf zu sperren.  

Kommentar:
Sperren heißt, den Gegenspieler daran zu hindern, in einen freien Raum zu laufen. Die Einnahme der Sperrstellung, das Verhalten in der Sperre und das Lösen aus der Sperre müssen grundsätzlich passiv gegenüber dem Gegenspieler erfolgen (s. jedoch 8:2b).

Regelwidrigkeiten, die normalerweise nicht zu persönlichen Strafen führen (beachte jedoch die Beurteilungskriterien 8:3 a-d)

8:2 Es ist nicht erlaubt, 

a) dem Gegenspieler den Ball aus der Hand zu entreißen oder wegzuschlagen.  
b) den Gegenspieler mit Armen, Händen, Beinen zu sperren, ihn durch Körpereinsatz wegzudrängen oder wegzustoßen; dazu gehört auch ein gefährdender Einsatz von Ellbogen in der Ausgangsposition und in der Bewegung.  
c) den Gegenspieler am Körper oder an der Spielkleidung festzuhalten, auch wenn er weiterspielen kann.  
d) in den Gegenspieler hineinzurennen oder -springen.

Regelwidrigkeiten, die zu einer persönlichen Strafe laut Regel 8:3-6 führen

8:3 Regelwidrigkeiten, bei denen die Aktion überwiegend oder ausschließlich auf den Körper des Gegenspielers abzielt, müssen zu einer persönlichen Strafe führen. Zusätzlich zur Entscheidung auf Freiwurf oder 7-m-Wurf ist mindestens progressiv zu bestrafen, beginnend mit einer Verwarnung (16:1a), dann Hinausstellung (16:3b) und Disqualifikation (16:6d). 
Für schwerere Regelwidrigkeiten sind aufgrund der nachstehenden Beurteilungskriterien drei weitere Stufen vorgesehen:
– Regelwidrigkeiten, die mit einer sofortigen Hinausstellung zu ahnden sind (8:4)  
– Regelwidrigkeiten, die mit einer Disqualifikation zu ahnden sind (8:5)  
– Regelwidrigkeiten, die mit Disqualifikation und schriftlichem Bericht zu ahnden sind (8:6).

Beurteilungskriterien: 
Bei der Beurteilung, zu welchen persönlichen Strafen die Regelwidrigkeiten führen, finden die folgenden Entscheidungskriterien Anwendung, die je nach Situation kombiniert heranzuziehen sind:  
a) Stellung des Spielers, der die Regelwidrigkeit begeht (Frontalposition, seitlich oder von hinten);  
b) Körperteil, auf den die Regelwidrigkeit abzielt (Oberkörper, Wurfarm, Beine, Kopf/Hals/Nacken);  
c) Intensität der Regelwidrigkeit (Wie intensiv ist der Körperkontakt, oder/und die Regelwidrigkeit gegen den Gegenspieler, der sich in voller Bewegung befindet);  
d) Auswirkung der Regelwidrigkeit:  
– Kontrolle über Körper und Ball werden beeinträchtigt;  
– Beweglichkeit wird eingeschränkt oder unterbunden;  
– das Weiterspielen wird unterbunden. 

Bei der Beurteilung von Vergehen ist auch die jeweilige Spielsituation relevant (z. B. Wurfaktion, Absetzen in den freien Raum oder Situation im schnellen Lauf)

Regelwidrigkeiten, die mit einer direkten Hinausstellung zu ahnden sind

8:4 Im Fall besonderer Regelwidrigkeiten ist direkt auf Hinausstellung zu entscheiden, unabhängig davon, ob der Spieler zuvor eine Verwarnung erhalten hat.   
Dies gilt besonders für solche Regelwidrigkeiten, bei denen der fehlbare Spieler eine Gefährdung des Gegenspielers in Kauf nimmt (beachte auch 8:5 und 8:6).  
Solche Regelwidrigkeiten sind beispielsweise unter Berücksichtigung der Beurteilungskriterien in 8:3:   
a) Vergehen, die mit hoher Intensität oder bei hoher Laufgeschwindigkeit begangen werden;   
b) den Gegenspieler für längere Zeit festhalten oder ihn zu Boden ziehen;  
c) Vergehen gegen Kopf, Hals oder Nacken;  
d) starker Schlag gegen den Körper oder gegen den Wurfarm;  
e) der Versuch, den Gegenspieler aus der Körperkontrolle zu bringen (z. B. den Gegenspieler im Sprung an den Beinen/Füßen halten, siehe jedoch 8:5a);  
f) mit hoher Geschwindigkeit in den Gegenspieler hineinlaufen oder -springen.

Regelwidrigkeiten, die mit einer Disqualifikation zu ahnden sind

8:5 Ein Spieler, der seinen Gegenspieler gesundheitsgefährdend angreift, ist zu disqualifizieren (16:6a). Die hohe Intensität der Regelwidrigkeit oder die Tatsache, dass diese den Gegenspieler unvorbereitet trifft und er sich deshalb nicht schützen kann, machen die besondere Gefahr aus (siehe nachstehenden Kommentar zu Regel 8:5).   
Neben den in Regel 8:3 und 8:4 angegebenen Merkmalen gelten folgende Entscheidungskriterien:  
a) der tatsächliche Verlust der Körperkontrolle im Lauf oder Sprung oder während einer Wurfaktion;  
b) eine besonders aggressive Aktion gegen einen Körperteil des Gegenspielers, insbesondere gegen Gesicht, Hals oder Nacken, (Intensität des Körperkontakts);  
c) das rücksichtslose Verhalten des fehlbaren Spielers beim Begehen der Regelwidrigkeit. 

Kommentar:
Auch Vergehen mit geringem Körperkontakt können sehr gefährlich sein und zu schweren Verletzungen führen, wenn der Spieler sich im Sprung oder im Lauf befindet und nicht in der Lage ist, sich zu schützen.  
In diesem Fall ist die Gefährdung des Spielers und nicht die Intensität des Körperkontakts maßgebend für die Beurteilung, ob auf Disqualifikation zu entscheiden ist.  
Dies gilt auch, wenn ein Torwart den Torraum verlässt, um den für den Gegenspieler gedachten Ball abzufangen. Er trägt die Verantwortung dafür, dass dabei keine gesundheitsgefährdende Situation entsteht.  

Er ist zu disqualifizieren, falls er:   
a) in Ballbesitz gelangt, aber in der Bewegung einen Zusammenprall mit dem Gegenspieler verursacht;   
b) den Ball nicht erreichen oder kontrollieren kann, aber einen Zusammenprall mit dem Gegenspieler verursacht. 

Sind die Schiedsrichter in diesen Situationen überzeugt, dass der Gegenspieler ohne das regelwidrige Eingreifen des Torwarts den Ball erreicht hätte, ist auf 7-m-Wurf zu entscheiden.

Disqualifikation aufgrund einer besonders rücksichtslosen, besonders gefährlichen, vorsätzlichen oder arglistigen Aktion (mit schriftlichem Bericht)

8:6 Stufen die Schiedsrichter eine Aktion als besonders rücksichtslos, besonders gefährlich, vorsätzlich oder arglistig ein, reichen sie nach dem Spiel einen schriftlichen Bericht ein, damit die zuständigen Instanzen über weitere Maßnahmen entscheiden können.  
Hinweise und Merkmale, die als Beurteilungskriterien in Ergänzung zu Regel 8:5 dienen:  
a) besonders rücksichtslose oder besonders gefährliche Vergehen;  
b) eine vorsätzliche oder arglistige Aktion, die ohne jeglichen Bezug zu einer Spielhandlung stattfindet. 

Kommentar:
Wenn ein Vergehen nach Regel 8:5 oder 8:6 in den letzten 30 Sekunden begangen wird mit dem Ziel, ein Tor zu verhindern, ist das Vergehen als ein besonders grob unsportliches Verhalten gemäß 8:11b zu beurteilen und zu ahnden.

Unsportliches Verhalten, das zu einer persönlichen Strafe laut Regeln 8:7-10 führt

Als unsportliches Verhalten gelten verbale und nonverbale Ausdrucksformen, die nicht mit dem Sportsgeist vereinbar sind. Dies gilt sowohl für Spieler als auch für Mannschaftsoffizielle auf der Spielfläche wie außerhalb. Für die Ahndung von unsportlichem und grob unsportlichem Verhalten werden vier Stufen von Vergehen unterschieden:

  • Vergehen, die progressiv zu ahnden sind (8:7)  
  • Vergehen, die mit einer direkten Hinausstellung zu ahnden sind (8:8)  
  • Vergehen, die mit einer Disqualifikation zu ahnden sind (8:9)  
  • Vergehen, die mit Disqualifikation und schriftlichem Bericht zu ahnden sind (8:10a,b) 

Unsportliches Verhalten, das progressiv zu ahnden ist

8:7 Die unter a bis f genannten Handlungen sind Beispiele für unsportliches Verhalten, das progressiv zu ahnden ist, beginnend mit einer Verwarnung (16:1b):  
a) Protest gegen Schiedsrichterentscheidungen sowie verbale oder nonverbale Aktionen, um eine bestimmte Entscheidung der Schiedsrichter herbeizuführen;  
b) den Gegenspieler oder Mitspieler verbal oder mit Gesten zu stören oder einen Gegenspieler anzuschreien, mit dem Ziel, ihn abzulenken;  
c) Verzögerung der Wurfausführung der gegnerischen Mannschaft durch das Nichteinhalten des 3-m-Abstands oder andere Verhaltensweisen;  
d) der Versuch, durch Provokationen oder Überreaktionen ein Vergehen vorzutäuschen oder die Wirkung eines Vergehens zu übertreiben, um eine Spielzeitunterbrechung oder eine unverdiente Strafe eines gegnerischen Spielers zu provozieren (siehe auch 8:8h);  
e) aktives Abwehren von Würfen oder Pässen mit dem Fuß oder Unterschenkel, wenn diese Bewegung die Körperfläche des Spielers vergrößert.. Rein reflexartige Bewegungen wie z. B. Schließen der Beine werden nicht bestraft (siehe auch Regel 7:8 und 8:8f);   
f) wiederholtes Betreten des Torraums aus taktischen Gründen.

Unsportliches Verhalten, das direkt mit einer Hinausstellung zu ahnden ist

8:8 Bestimmte Unsportlichkeiten werden als schwerwiegender angesehen und haben deshalb eine direkte Hinausstellung zur Folge, unabhängig davon, ob der betreffende Spieler oder Offizielle zuvor eine Verwarnung erhalten hat. Hierzu gehören u. a. folgende Vergehen:  

a) lautstarker Protest mit intensivem Gestikulieren oder provokativem Verhalten;  
b) wenn der Spieler bei einer Entscheidung gegen seine Mannschaft den Ball nicht sofort fallen lässt oder niederlegt, sodass er spielbar ist;  
c) einen in den Auswechselbereich gelangten Ball blockieren.
d) wenn der Wurf eines in einer freien Spielsituation ungehindert werfenden Spielers den Kopf des Torwarts trifft; oder wenn der 7-m-Werfer den Torwart am Kopf trifft und dieser nicht seinen Kopf Richtung Ball bewegt, um den Wurf zu blocken;
e) wenn der Werfer eines Freiwurfs, der nach dem Schlusssignal gemäß Regel 2:4 ausgeführt wird, den Abwehrspieler am Kopf trifft und dieser nicht seinen Kopf Richtung Ball bewegt, um den Wurf zu blocken.
f) deutliches Abspreizen oder Anheben eines bzw. beider Unterschenkel oder Füße mit dem Ziel, einen Pass oder Torwurf zu blocken/wegzuschlagen, was einen deutlichen Einfluss auf die Spielsituation zur Folge hat (siehe auch Regel 7:8 und 8:7e);
g) aktives Verhindern der Wurfausführung der gegnerischen Mannschaft und Nichteinhalten des 3-m-Abstands und/oder andere Regelverstöße, die die Ausführung des Wurfs verhindern;
h) der Versuch, die Schiedsrichter durch Simulieren hinsichtlich der Aktionen eines Gegenspielers zu täuschen, wenn nur in sehr geringem Maße oder gar kein Kontakt mit dem betreffenden Körperteil hergestellt worden ist, um eine Spielzeitunterbrechung oder eine unverdiente Strafe eines gegnerischen Spielers zu provozieren (siehe auch 8:7d);
i) Abwehren oder Fangen eines Wurfs auf ein leeres Tor durch einen Spieler, wenn dieser dabei den Torraum betritt.
j) wenn ein Mannschaftsoffizieller, der außerhalb des Spielfelds steht, den Ball oder einen Spieler berührt (siehe auch Regel 8:10b (I)), während er seiner Mannschaft Anweisungen gibt und so versehentlich in das Spiel eingreift.

 

Grob unsportliches Verhalten, das mit einer Disqualifikation zu ahnden ist

8:9 Bestimmte Vergehen werden als grob unsportlich angesehen und sind mit Disqualifikation zu ahnden. Folgende Vergehen dienen als Beispiel:  
a) Demonstratives Wegschlagen oder Wegwerfen des Balls nach einer Schiedsrichterentscheidung.  
b) Der Torwart zeigt demonstrativ, dass er sich weigert, einen 7-m-Wurf abzuwehren.   
c) Den Ball während einer Spielunterbrechung absichtlich auf einen Gegenspieler werfen. Ist der Wurf sehr hart und aus kurzer Entfernung geworfen, kann dies auch als „besonders rücksichtsloses Vergehen“ im Sinne der Regel 8:6 angesehen werden.  
d) Revanche nehmen nach einem erlittenen Foul. 

Disqualifikation aufgrund eines besonders grob unsportlichen Verhaltens (mit schriftlichem Bericht)

8:10 Stufen die Schiedsrichter ein Verhalten als besonders grob unsportlich ein, ahnden sie dieses Vergehen gemäß den nachfolgenden Bestimmungen.   

Bei folgenden Vergehen (a, b), die als Beispiele dienen, reichen sie nach dem Spiel einen schriftlichen Bericht ein, damit die zuständigen Instanzen über weitere Maßnahmen entscheiden können:   

a) Beleidigung oder Drohung gegenüber einer anderen Person, wie z. B. Schiedsrichter, Zeitnehmer/Sekretär, Delegierter, Mannschaftsoffizieller, Spieler, Zuschauer. Sie kann in verbaler oder nonverbaler Form (z. B. Mimik, Gestik, Körpersprache, Körperkontakt) erfolgen.   
b) (I) Das Eingreifen eines Mannschaftsoffiziellen in das Spielgeschehen auf der Spielfläche oder vom Auswechselraum aus oder (II) das Vereiteln einer klaren Torgelegenheit durch einen Spieler, entweder durch ein (laut Regel 4:6) unerlaubtes Betreten der Spielfläche oder vom Auswechselraum aus (siehe auch Regel 8:8j).

Disqualifikation und 7-m-Wurf aufgrund eines spezifischen unsportlichen Verhaltens oder eines spezifischen regelwidrigen Verhaltens in den letzten 30 Sekunden

8:11 Bei folgenden Vergehen (a, b) wird der nicht fehlbaren Mannschaft ein 7-m-Wurf zugesprochen:

a) Wenn der Ball in den letzten 30 Sekunden nicht im Spiel ist und ein Spieler oder Offizieller die Wurfausführung des Gegners verzögert oder behindert und damit der gegnerischen Mannschaft die Chance genommen wird, in eine Torwurfsituation zu kommen oder eine klare Torgelegenheit zu erreichen, ist der fehlbare Spieler/Offizielle zu disqualifizieren und der nicht fehlbaren Mannschaft ein 7-m-Wurf zuzusprechen. Dies gilt bei jeglicher Art der Wurfverhinderung (z. B. Vergehen mit begrenztem körperlichem Einsatz, Störung der Wurfausführung wie: Pass abfangen, Stören der Ballannahme, Ball nicht freigeben).   
b) Wenn der Ball in den letzten 30 Sekunden im Spiel ist und der gegnerischen Mannschaft
(1) durch ein Vergehen eines Spielers gemäß Regel 8:5 bzw. 8:6 sowie 8:9, 8:10a bzw. 8:10b (II) 
(2) durch ein Vergehen eines Offiziellen gemäß Regel 8:10a bzw. 8:10 (I)
die Chance genommen wird, in eine Torwurfsituation zu kommen oder eine klare Torgelegenheit zu erreichen, wird der fehlbare Spieler bzw. der fehlbare Offizielle gemäß den entsprechenden Regeln disqualifiziert und der gegnerischen Mannschaft wird ein 7-m-Wurf zugesprochen.   

Erzielt der gefoulte Spieler oder ein Mitspieler noch vor der Spielunterbrechung ein Tor, entfällt der 7-m-Wurf.

Hinweis: Bei Verstößen gegen Regel 8:6 oder 8:10 haben die Schiedsrichter einen schriftlichen Bericht einzureichen.