Tempospiel – eine fehlerträchtige Spielphase!
Eine flächendeckende Beobachtung des Spielgeschehens in Tempospielphasen ist oft recht schwierig. Gute Lauftechnik und ein situationsangepasstes Stellungsspiel der Unparteiischen sind Grundvoraussetzungen für richtige Entscheidungen.
Inhalt
Situationsangepasste Lauftechnik
Das heute übliche Tempospiel stellt besondere Anforderungen an die Lauftechnik und an das Stellungsspiel der Schiedsrichter. In Gegenstoßsituationen müssen alle Spieler in Zweikämpfen (!), in Tiefe und Breite gestaffelt, in voller Laufbewegung möglichst zu jeder Zeit beobachtet werden. Detaillierte Spielanalysen haben zwei grundsätzliche Fehlerquellen identifiziert:
1. Die Situation des schnellen Ballwechsels
Abwehrspieler – vor allem Außenverteidiger – mit einer sehr guten Situationsantizipation versuchen, möglichst früh – oft schon vor Ballbesitz ihrer Mannschaft – zum Gegenstoß zu starten. Eine vergleichbare Situationsantizipation ist aber auch von den Schiedsrichtern zu fordern, da sie sonst Spieler im Gegenstoß stören oder sogar behindern könnten (siehe Bildreihen 1 bis 4). Speziell den Feldschiedsrichtern ist es aber nicht immer möglich, sich sofort nach außen zur Seitenlinie zu orientieren. In solchen Fällen ist es besser, kurz zu stoppen, sich vom Ballhalter und dessen Gegenspieler überlaufen zu lassen und erst dann dem Gegenstoß entlang der Seitenlinie zu folgen (siehe im Vergleich die Bildreihen 1 und 3).
2. Tempospielphasen im Mittelfeld
Eine Mannschaft, die im Angriff den Ball verliert, versucht in erster Linie, sich möglichst schnell in der eigenen Hälfte in einer Abwehrformation zu organisieren.
Viele Mannschaften versuchen aber auch, den Gegner bereits im Mittelfeld zu stören, gegen prellende oder passende Spieler Angreiferfouls zu provozieren oder aber Pässe direkt abzufangen. Auch darauf müssen Schiedsrichter gefasst sein und ihr Stellungsspiel situationsgerecht anpassen (siehe Bildreihe 4).
Häufige Fehler, die eine optimale Beobachtung des Spielgeschehens in Tempospielphasen einschränken, betreffen die Lauftechnik der Schiedsrichter. Wie die Infos 1 und 2 sowie Bildreihe 4 zeigen, versuchen viele Schiedsrichter, die möglichst schnell ihre Grundposition als Torschiedsrichter an der Torauslinie einnehmen wollen, das Spielgeschehen im Vorwärtslauf zu beobachten. Unsere Fotos belegen, dass sie dabei nur einen sehr begrenzten Blickwinkel haben und keinesfalls die in den Infos 1 und 2 skizzierten Beobachtungsräume vollständig erfassen können.
Ein Hauptproblem dabei ist eine fehlerhafte Lauftechnik. Beim Vorwärtslauf reicht eine Kopfdrehung zum Spielfeldrand nicht aus, um das relevante Spielgeschehen ausreichend zu beobachten. Vielmehr muss man sich im gesamten Oberkörper drehen.
Noch ein wichtiger Hinweis: Wie in Info 2 beschrieben, kann der Torschiedsrichter in Gegenstoß-Phasen durchaus auch außerhalb des Spielfeldes laufen. So hat er einen besseren Blickwinkel vor allem dann, wenn der Ball auf seiner Seite gespielt wird.
Abwurfsituation – an deutliche Zeichengebung und frühen Start denken
Handzeichen sollen grundsätzlich nur wenn erforderlich gegeben werden. Für die Spieler besonders wichtig ist allerdings die sofortige (Spiel-)Richtungsanzeige (Handzeichen Nr. 9).
Bei Betreten des Torraums oder Berühren des im Torraum liegenden/rollenden Balls (6:5) ist auf Abwurf zu entscheiden und nur das Handzeichen Nr. 8 zu geben, damit für alle sofort erkennbar ist, dass der Ball durch den Torwart vom Torraum aus wieder ins Spiel gebracht werden muss. Aus taktischer Sicht kann die nun angreifende Mannschaft sofort einen Gegenstoß einleiten.
Bei allen anderen Entscheidungen in der Nähe der Torraumlinie gegen die ballbesitzende Mannschaft (Angreifervergehen, Schrittfehler) ist, wenn erforderlich, die Richtung des Freiwurfs anzuzeigen (Handzeichen Nr. 9).
Wie verhält sich nun der Torschiedsrichter in der Abwurfsituation?
Um rechtzeitig eine adäquate Feldschiedsrichterposition zu erreichen (z .B. bei einem unmittelbar folgenden Gegenstoß), kann der Torschiedsrichter durchaus schon starten (siehe Info 3), während der Torwart den Abwurf ausführt. Er sollte etwa auf Höhe der Freiwurflinie beobachten, ob der Torwart den Abwurf korrekt ausführt, und gleichzeitig die Spieler auf seiner Höhe im Blick haben.
Auch der Feldschiedsrichter sollte bei einem Pfiff seines Partners seine Position erst dann verlassen, wenn er sicher ist, dass die Spielfortsetzung mit Abwurf erfolgen soll. Ein voreiliger Start zum anderen Tor ohne Absicherung (Blickkontakt zum Partner) kann wie eine vermeintlich widersprüchliche Entscheidung der Schiedsrichter wirken und für die Spieler ein falsches ‚Signal’ zur Spielfortsetzung sein. Hatte sich der Torschiedsrichter nämlich für eine andere Spielfortsetzung entschieden, ist der Unmut bei Spielern, Offiziellen wie Zuschauern in der Regel groß.