Anwurf nach einem Tor – hier ist seitens der Schiedsrichter höchste Aufmerksamkeit gefordert
Der Anwurf zu Beginn jeder Halbzeit ist eher unspektakulär. Konsequentes Tempospiel mit dem sogenannten ‘schnellen’ Anwurf nach einem Gegentor jedoch stellt an die Schiedsrichter hohe Anforderungen.
Inhalt
- Der offizielle Regeltext
- Wann erfolgt ein Anwurf?
- ANWURF AUS DER ANWURFZONE ZU BEGINN JEDER HALBZEIT – ALLE SPIELER MÜSSEN IN IHRER HÄLFTE DER SPIELFLÄCHE ODER GGF. IN DER ANWURFZONE SEIN!
- Anwurf nach einem Tor: beliebige Position der Spieler der abwehrenden (nicht anwerfenden) Mannschaft
- Die Ausnahme bei der Wurfausführung: Überschreiten der Mittellinie bzw. der Anwurfzone bereits nach dem Anpfiff erlaubt!
- Fehler der anwerfenden Mannschaft
- Fehler unbedingt vor dem Anpfiff korrigieren!
- Fehler der gegnerischen Mannschaft bei der Anwurfausführung
- Weitere mögliche Situationen während der Anwurfausführung
Der offizielle Regeltext
Wann erfolgt ein Anwurf?
Ein Anwurf erfolgt grundsätzlich in folgenden Situationen:
- Zu Spielbeginn durch die Mannschaft, die beim Losen gewonnen und sich für den Anwurf entschieden hat, oder durch die Mannschaft, die beim Losen verloren hat, wenn sich der Gegner für die Seitenwahl entschieden hat (siehe Bild links).
- Zu Beginn der 2. Halbzeit durch die Mannschaft, die bei Spielbeginn nicht Anwurf hatte.
- Nach jedem Torerfolg, jedoch nicht mehr, wenn nach einem Torerfolg und vor der Anwurfausführung das Schlusssignal (Halbzeit oder Spielende) ertönte (9:2 Absatz 2).
- Zu Beginn jeder Halbzeit eventueller Verlängerungen.
Zur Ausführung des Anwurfs (mit und ohne Anwurfzone)
Der Anwurf muss zwingend angepfiffen werden (15:5). Diese Aufgabe übernimmt jeweils der Feldschiedsrichter, der sich seitlich so postieren sollte, dass er beim Anpfiff den Werfer und seine Mitspieler im Blick hat. Nach einem Torerfolg ist also ein schnelles Umschalten vom Tor- zum Feldschiedsrichter erforderlich. Zu langes Verharren als Torschiedsrichter nach dem Torerfolg führt zu einem räumlichen Nachteil und schlechtem Stellungsspiel.
Ein bestimmtes Handzeichen ist für den Anwurf nicht vorgeschrieben. In der Praxis hat es sich aber bewährt, dass sich der Feldschiedsrichter vor dem Anpfiff des Spiels bzw. der 2. Halbzeit sowie bei Spielfortsetzung nach Time-out mit erhobenem Arm und Blickkontakt zum Zeitnehmertisch der Einsatzbereitschaft aller Beteiligten vergewissert.
ANWURF AUS DER ANWURFZONE ZU BEGINN JEDER HALBZEIT – ALLE SPIELER MÜSSEN IN IHRER HÄLFTE DER SPIELFLÄCHE ODER GGF. IN DER ANWURFZONE SEIN!
Die Bilder oben zeigen korrekte Aufstellungen von Werfer, Mit- und Gegenspielern beim Anwurf zu Beginn jeder Halbzeit.
Werfer
- Aus der Anwurfzone (10:3b).
- Anpfiff kann nur dann erfolgen, wenn sich der Ball und der Werfer vollständig innerhalb der Anwurfzone habefinden.
- Er darf die Anwurfzonenlinie mit keinem Körperteil überschreiten, bevor der Wurf als ausgeführt gilt (13:1a, 15:7 Abs. 3).
- Der Werfer darf sich innerhalb der Anwurfzone bewegen, den Ball jedoch nach dem Anpfiff nicht mehr prellen.
- Der Anwurf kann im Laufen ausgeführt werden.
- Es ist nicht erlaubt, bei der Ausführung zu springen (kein Sprungwurf!).
- Die Richtung des Anwurfs ist beliebig. Der Ball darf auch zu einem Feldspieler in die eigene Hälfte gespielt werden, nicht jedoch in den eigenen Torraum zum Torwart.
Mitspieler
- Irgendwo in der eigenen Spielfeldhälfte
- Vor dem Anpfiff dürfen sie die Mittellinie nicht überqueren, es sei denn, sie befinden sich innerhalb der Anwurfzone (15:6).
Gegenspieler
- Beim Anwurf zu Spielbeginn bzw. zu Beginn der 2. Halbzeit müssen sie sich in der eigenen Spielfeldhälfte befinden (10:4). Beachte: Beim Anwurf nach einem Tor dürfen sie in beiden Hälften agieren!
- Müssen sich außerhalb der Anwurfzone befinden und dürfen Ball oder Gegenspieler innerhalb der Anwurfzone nicht berühren, bis der Wurf als ausgeführt gilt.
- Sie dürfen sich direkt außerhalb der Anwurfzone aufhalten.
Beachte:
Der Anwurf gilt als ausgeführt, wenn
- der Ball zunächst die Hand des Werfers verlässt und anschließend die Anwurfzonenlinie vollständig überquert hat oder
- der Ball gepasst und von einem Mitspieler berührt oder kontrolliert wurde, obwohl dies innerhalb der Anwurfzone erfolgt ist.
Anwurf nach einem Tor: beliebige Position der Spieler der abwehrenden (nicht anwerfenden) Mannschaft
Gegenüber dem Anwurf zu Beginn einer Halbzeit bestehen zum Anwurf nach einem Torerfolg wichtige Unterschiede. Während im ersten Fall die formellen Bestimmungen der Regeln 10:4, Abs. 1, und 15:3 zu beachten sind (alle Spieler müssen sich in der eigenen Hälfte befinden), dürfen sich die Abwehrspieler beim Anwurf nach einem Torerfolg in beiden Hälften der Spielfläche aufhalten (10:4, Abs. 2), müssen aber dabei jedoch – auch wie im ersten Fall – außerhalb der Anwurfzone befinden und dürfen Ball oder Gegenspieler innerhalb der Anwurfzone nicht berühren, bis der Wurf als ausgeführt gilt (15:4, 8:7c.).
Die Mitspieler des Anwerfenden müssen sich in beiden Fällen bis zum Anpfiff des Anwurfs noch in der eigenen Spielfeldhälfte befinden (Ausnahme: Es sei denn, sie befinden sich innerhalb der Anwurfzone.). Direkt nach dem Anpfiff jedoch dürfen sie die Mittellinie überqueren, auch wenn der Ball die Hand des Werfers noch nicht verlassen hat.
Entscheidend ist beim Anwurf nach einem Tor also nicht die Wahrnehmung für die Position der Mitspieler ‘Ball verlässt die Hand des Werfers’, sondern das akustische Signal (Pfiff). Dies begünstigt eine schnelle Anwurfausführung (Beobachtungskriterien und regeltechnische Bestimmungen siehe Info 1).
Beachte:
Was die Ausführungsart des Anwurfs betrifft, haben die Schiedsrichter nunmehr die Anwurfzone zu beobachten.
Die Ausnahme bei der Wurfausführung: Überschreiten der Mittellinie bzw. der Anwurfzone bereits nach dem Anpfiff erlaubt!
Da ein Anwurf nach einem Tor angepfiffen werden muss, auch wenn die Gegenspieler noch nicht in ihre eigene Spielfeldhälfte zurückgelaufen sind, ergibt sich hier die taktische Möglichkeit, Gegenspieler bei einer schnellen Anwurfausführung zu überlaufen und so eine kurzfristige Überzahl zu erreichen.
Die Schiedsrichter müssen eine schnelle Anwurfausführung ermöglichen. Info 2 veranschaulicht die taktische Bedeutung der regeltechnischen Bestimmungen aus zwei Perspektiven: Da der Werfer den Ball innerhalb von drei Sekunden nach dem Anpfiff spielen muss, kann ein Mitspieler den Anwurf im günstigsten Fall schon weit in der gegnerischen Hälfte annehmen (vergleichbar mit einem Gegenstoßpass).
Fehler der anwerfenden Mannschaft
Die taktisch motivierte schnelle Anwurfausführung birgt – trotz Anwurfzone – natürlich weiterhin Fehlerquellen speziell für die ballbesitzende Mannschaft.
Bildreihe 1 zeigt die korrekte Wurfausführung. Der Werfer nimmt den Ball häufig nach einem langen Pass vom Torwart an und läuft in Richtung Anwurfzone. Hier muss er in seiner Vorwärtsbewegung die Anwurfzone im Blick haben, um zum Anpfiff des Anwurfs mit dem Ballvollständig in der Anwurfzone zu sein. Dieses führt bei einem schnellen Anwurf oft zu einer nicht regelgerechten Position, da sich der Ausführende ja gedanklich schon auf den optimalen Pass konzentriert.
In den Beispielen in Info 3 wird deutlich, dass sich der Gegenspieler mit jedem Körperteil außerhalb der Anwurfzone – auch in der Projektion oberhalb aufhalten muss.
Info 4 zeigt demgegenüber einige der hier aufgeführten typischen Fehler:
- Kein Betreten der gegnerischen Hälfte außerhalb der Fläche zum Anwurf.
- Der Werfer agiert deutlich vor der Mittellinie.
- Mitspieler sind bereits vor dem Anpfiff über der Mittellinie.
- Der Anwurf wird im Sprung ausgeführt.
- Gelangt der Ball nach dem Anwurf über die Seitenlinie, ohne von einem weiteren Mitspieler berührt worden zu sein, gibt es Einwurf für die gegnerische Mannschaft.
- Wird der Ball vom Anwerfenden einem Mitspieler übergeben oder nach dem Anpfiff von zwei Spielern der anwerfenden Mannschaft gleichzeitig berührt, bedeutet das: Freiwurf für den Gegner.
Beachte:
Für alle Fehler gilt: Bei falscher Ausgangsstellung des Werfers (oder seiner Mitspieler) darf der Schiedsrichter nicht anpfeifen. Grundsätzlich sind alle Fehler vor der Wurfausführung zu korrigieren (15:6).
Fehler unbedingt vor dem Anpfiff korrigieren!
Die Konsequenzen aus Fehlern des Anwerfenden oder seiner Mitspieler richten sich danach, ob der Anwurf bereits angepfiffen war oder nicht (siehe Info 5).
Daraus lässt sich folgender Grundsatz ableiten:
Fehler des Anwerfenden oder seiner Mitspieler immer vor dem Anpfiff korrigieren!
Zwar zieht eine solche Korrektur keine Sanktion für die ballbesitzende Mannschaft nach sich, taktisch kann sie ihr jedoch schaden, wenn z. B. ein räumlicher Vorteil (Überlaufen von Gegenspielern) wegen der Korrektur nicht mehr besteht. Dann ist die Korrektur für die betreffende Mannschaft eine Lehre: Beim nächsten Mal werden alle auf eine korrekte Anwurfausführung achten. Daher sollte der Feldschiedsrichter von Beginn an auf eine korrekte Ausführung achten.
Sämtliche Fehler des Anwerfenden nach dem Anpfiff führen dagegen zum Ballverlust (Freiwurf für den Gegner). Regel 15:7, letzter Satz, verweist allerdings ausdrücklich auf den Vorteilsgedanken (13:2 Absatz 1). Ein Beispiel: Nach dem Anpfiff des Anwurfs, aber bevor der Ball seine Hand verlassen hat (Ballkontrolle), überquert der Anwerfende die Anwurfzone. Unmittelbar danach spielt er einen Querpass, den ein außerhalb der Anwurfzone stehender Gegenspieler abfängt. Gemäß 15:7 gilt der Anwurf im Sinne eines möglichst kontinuierlichen Spielflusses und des Vorteilsgedankens trotz falscher Ausführung als ausgeführt, das Spiel läuft also weiter, da die fehlbare Mannschaft den Ball ja verloren hat.
Fehler der gegnerischen Mannschaft bei der Anwurfausführung
Zunächst ist auf einen wichtigen Unterschied zwischen den Situationen beim Gegenstoß und beim Anwurf hinzuweisen:
In Gegenstoßsituationen dürfen Abwehrspieler auf dem ganzen Spielfeld verteidigen, aktiv Passwege blockieren, Laufwege des Ballhalters oder der Spieler ohne Ball versperren usw.
Bei einer schnellen Anwurfausführung nach einem Tor hingegen, die taktisch durchaus mit einer Gegenstoßsituation verglichen werden kann und bei der sich häufig ebenfalls nahezu sämtliche Spieler (auch der Anwerfende) in voller Laufbewegung befinden, ist das Spiel nach einem Torerfolg unterbrochen und der Ball regeltechnisch nicht im Spiel (siehe auch 13:3)! Die Verhinderung der Ausführung von Anwürfen durch Spieler, die nach einem Torerfolg in die eigene Spielfeldhälfte zurücklaufen, ist klar geregelt.
Um eine schnelle Ausführung des Anwurfes sicherzustellen, wurde ein sog. Korridor mit drei unterschiedlichen Zonen, die Anwurfzone (ROT), die orangene Zone (ein 3 Meter Zirkel um die Anwurfzone) und eine gelbe Zone, die außerhalb der 3m Zone bis zur Torraumlinie geht (s. Abbildungen) festgelegt. Eine Markierung auf dem Spielfeld erfolgt aber nicht.
Für die die Beurteilung bzw. Bestrafung von Störaktionen ist zu unterscheiden, ob ein Abwehrspieler nach einem Torerfolg beim Zurücklaufen sich innerhalb des Korridors befindet oder er diesen kreuzt. Wichtig: Der Abwehrspieler trägt die Verantwortung nicht vom Ball getroffenen zu werden.
1. DER ABWEHRSPIELER LÄUFT INNERHALB DES KORRIDORS
Wenn nach einem Torerfolg der Abwehrspieler (vorherige Angreifer) zurück in seine Spielfeldhälfte läuft und durch den Pass zum Anwurfausführenden vom Ball getroffenen wird, ist folgende Auslegung gültig bzw. anzuwenden:
- Der Abwehrspieler befindet sich in der roten Zone = direkte Hinausstellung
- Der Abwehrspieler befindet sich in der orangenen Zone = direkten Hinausstellung
- Der Abwehrspieler befindet sich in der gelben Zone = keine Bestrafung
2. ABWEHRSPIELER LÄUFT IN DEN KORRIDOR HINEIN
Wenn nach einem Torerfolg der Abwehrspieler (vorherige Angreifer) zurück in seine Spielfeldhälfte läuft und dabei in den Korridor hineinläuft bzw. diesen kreuzt und durch den Pass zum Anwurfausführenden vom Ball getroffenen wird, ist folgende Auslegung gültig bzw. anzuwenden:
- Der Abwehrspieler befindet sich in der roten Zone = direkte Hinausstellung
- Der Abwehrspieler befindet sich in der orangenen Zone = direkte Hinausstellung
- Der Abwehrspieler befindet sich in der gelben Zone = direkten Hinausstellung
Videobeispiel
- Der Abwehrspieler rennt diagonal in den Korridor.
- Der Abwehrspieler bewegt sich innerhalb der gelben Zone, aber außerhalb der orangen Zone.
- In der gelben Zone ist er dafür verantwortlich, nicht in den Weg des Balls zu laufen.
- Er bewegt sich in den Weg des Balles. Der Werfer ist bereit, den Ball zu fangen.
- Der Torwart hat eindeutig nicht die Absicht, den Gegner zu treffen, der in den Weg des Balls läuft.
- Egal ob in der gelben, orangen oder roten Zone, die Strafe ist eine direkte 2-Minuten-Strafe, wenn der Spieler nicht aktiv versucht, den Kontakt zu vermeiden.
ABWERFEN EINES GEGENSPIELERS BEIM ANWURF
Zurücklaufende Spieler nach einem Torerfolg müssen genau auf ihren Laufweg achten, um eine Strafe zu vermeiden. Sie müssen sich außerhalb der Anwurfzone befinden und dürfen Ball oder Gegenspieler innerhalb der Anwurfzone nicht berühren, bis der Wurf als ausgeführt gilt.
Auch wenn die Position eines Abwehrspielers innerhalb der Anwurfzone nicht korrekt ist, es allerdings keine Auswirkung auf die (schnelle) Ausführung des Anwurfes hat, sprich der zurücklaufende Spieler nimmt keinen Einfluss auf die Ausführung, ist immer die richtige Lösung: Vorteil laufen lassen, im Nachgang Hinweis an den Spieler.
Diesen Umstand nutzen aber einige Ausführende aus und werfen diese Spieler an.
Wie mit einem unsportlichen Verhalten des Anwurfausführenden umzugehen ist, zeigen die beiden Beispiele:
Von den vorgenannten Beispielen zu unterscheiden ist ein unsportliches Verhalten des Torwarts, der einen Gegenspieler absichtlich anwirft, um dessen progressive Bestrafung zu provozieren.
Aber Vorsicht: Bildreihe 2 zeigt ein typisches Fehlverhalten der in die Abwehr zurücklaufenden Mannschaft. Der Abwehrspieler ignoriert die Anwurfzone und den damit vorgeschriebenen Mindestabstand zum Anwerfenden und läuft durch Anwurfzone, während die angreifende Mannschaft den Anwurf innerhalb der Zone ausführt.
Beachte: Oberstes Gebot: Vorteil gewähren!
Entsteht für die anwerfende Mannschaft kein spürbarer Zeit-/Raumnachteil, müssen die Schiedsrichter eine schnelle Anwurfausführung ermöglichen. Ansonsten würden sie die ballbesitzende Mannschaft erheblich benachteiligen, zumal der gegnerische Spieler in Bildreihe 2 nicht aktiv stört.
Weitere mögliche Situationen während der Anwurfausführung
1. Ein Spieler der zuvor angreifenden Mannschaft bleibt nach dem Torerfolg (verletzt?) am Boden liegen?
Hier ist ‘Fingerspitzengefühl’ gefragt: Sind die Schiedsrichter absolut sicher, dass der verletzte Spieler auf der Spielfläche versorgt werden muss – Beurteilung vor dem Hintergrund der vorangegangenen Torwurfsituation –, sollte auf Time-out entschieden werden. Ansonsten sollte der Anwurf konsequent angepfiffen werden!
Erkennen die Schiedsrichter jedoch ein unsportliches Verhalten des liegenbleibenden Spielers (etwa eine Verzögerungsabsicht durch Simulieren einer Verletzung, 8:7d), ist (ggf. nachträglich) progressiv zu bestrafen.
Die Schiedsrichter sollten den am Boden liegenden Spieler während der Angriffsaktion in die Gegenrichtung im Auge behalten.
2. Störversuche bei der Anwurfausführung in den letzten 30 Sekunden
Wenn in den letzten 30 Sekunden ein Spieler oder Offizieller die Anwurfausführung des Gegners verzögert oder behindert und damit der gegnerischen Mannschaft die Chance genommen wird, in eine Torwurfsituation zu kommen oder eine klare Torgelegenheit zu erreichen, ist der fehlbare Spieler gemäß 8:11a zu disqualifizieren und der nicht fehlbaren Mannschaft ein 7-m-Wurf zuzusprechen.
Auch das "Nichteinhalten des Abstands" führt zu einer Disqualifikation + 7-m-Wurf, wenn der Anwurf in den letzten 30 Sekunden des Spiels nicht ausgeführt werden kann. Wenn der Anwurf ausgeführt ist und von einem zu nahe stehenden Spieler geblockt wird, der das Wurfergebnis aktiv zerstört oder den Werfer während der Ausführung stört, ist die Regel 8:11a ebenfalls anzuwenden.
Beachte: Wird das Spiel wegen einer Wurfverhinderung (hier der Anwurf) in den letzten 30 Sekunden unterbrochen, die nicht direkt mit der Wurfvorbereitung oder der Wurfausführung zusammenhängt (beispielsweise Wechselfehler, unsportliches Verhalten im Auswechselbereich der abwehrenden Mannschaft), ist die Regel 8:11a auch anzuwenden.
3. Manndeckung beim Anwurf
Gegen Spielende versucht eine knapp in Rückstand liegende Mannschaft häufig, gegnerische Spieler schon beim Anwurf eng zu decken und damit gegen Anspiele abzuschirmen.
Hier haben die Schiedsrichter darauf zu achten, ob Mitspieler des Anwerfenden in die Anwurfzone einlaufen können. Solange der Anwerfende den Ball noch nicht gespielt hat, dürfen die Gegenspieler dies nicht verhindern! Tun sie das doch, ist eine progressive Bestrafung (ggf. mit Time-out) erforderlich. Erfolgt ein derartiges Vergehen in den letzten 30 Sekunden und wird hierdurch der Anwurf verhindert, ist der fehlbare Spieler gemäß Regel 8:11a zu disqualifizieren und der nicht fehlbaren Mannschaft wird ein 7-m-Wurf zugesprochen.
4. Progressive Bestrafung eines Abwehrspielers, dessen Mannschaft nach dem Gegentor einen schnellen Anwurf ausführen will
Wenn die Schiedsrichter bei einer regelwidrigen Aktion eines Abwehrspielers, die eine Hinausstellung erfordert, zunächst Vorteil gewähren und die angreifende Mannschaft dann ein Tor erzielt, fällt die Bestrafung des fehlbaren Abwehrspielers jetzt mit dem Versuch seiner Mannschaft zusammen, einen schnellen Anwurf auszuführen.
Lösung: Auf jeden Fall ist umgehend die Bestrafung vor Ausführung des Anwurfs auszusprechen. Dies verhindert zwar die schnelle Anwurfausführung, aber schließlich hatte die betroffene Mannschaft die Regelwidrigkeit ja selbst begangen! Eine Verwarnung sollte in derartigen Situationen vermieden werden.
5. Wenn der Pass des Torwarts zum Anwurf nicht wie geplant ankommt
Häufig ist zu beobachten, dass der Pass nach einem Tor durch den Torwart zum Werfer (aus den unterschiedlichsten Gründen) sehr unpräzise ist oder gar kein Werfer bereitsteht, um den Ball anzunehmen, und der Ball dann über die Mitte in die gegnerische Hälfte gespielt wird.
Lösung: Zunächst sei erwähnt, dass es sich bei der Bewertung „passives Spiel durch Verzögerung des Anwurfs“ nicht um eine neue Regel, sondern um eine Auslegung handelt. Dabei haben die Schiedsrichter zu differenzieren, ob der sogenannte Überwurf oder schlechte Pass das Ergebnis eines eher unbeabsichtigten Fehlers ist oder ob damit eine gezielte Spielverzögerung verbunden sein soll. Den Schiedsrichtern kommt also die Aufgabe zu, passives Spiel als taktisches Mittel zu erkennen und entsprechend zu ahnden.
Gemäß der untenstehenden Übersicht ist bei erkennbaren Fangfehlern (selbst im Wiederholungsfall) kein Vorwarnzeichen passiv anzuzeigen.
Der Überwurf führt bei jeder Mannschaft einmalig zur Ermahnung (gleichgültig ob in der ersten oder zweiten Halbzeit) und erst im Wiederholungsfall zum Vorwarnzeichen.
Hier ist jedoch die Besonderheit zu beachten, wenn eine Mannschaft in Unterzahl spielt. Da liegt die Möglichkeit nahe, dass die Aktion bewusst mit dem Ziel eines Zeitgewinns erfolgt sein könnte. Deshalb soll in solchen Fällen direkt Time-out gegeben werden, damit die fehlbare Mannschaft aus ihrem Missgeschick keinen Vorteil erlangen kann. . Das Vorwarnzeichen kann nicht angezeigt werden, solange der Ball nicht im Spiel ist; es kann angezeigt werden, sobald der Ball wieder ins Spiel gebracht wird..
Bei einer erkennbaren Verzögerung der Anwurfausführung (z. B. Pass ist zu hoch, tief oder zu kurz) ist auch ohne Unterzahl das Vorwarnzeichen im Wiederholungsfall anzuzeigen (situativ kann auf Time-out entschieden werden).
Übersicht
| Situation | Vorgehensweise |
| Erkennbare Fangfehler | Kein Vorwarnzeichen passiv (auch im Wiederholungsfall oder in der 2. Halbzeit) |
| Torwart passt den Ball zu hoch (Überwurf) | Die Schiedsrichter weisen die Mannschaften an, derartige Verzögerungen zu unterlassen, sobald sie diese zum ersten Mal bemerken. Im Wiederholungsfall Vorwarnzeichen, sobald der Ball wieder ins Spiel gebracht wird. |
| Torwart passt den Ball ins Leere bei Unterzahl | Time-out, Vorwarnzeichen sofort, sobald der Ball wieder ins Spiel gebracht wird. |
| Erkennbare Verzögerung der Ausführung (Pass zu hoch/weit/kurz, sehr langsam) | Die Schiedsrichter weisen die Mannschaften an, derartige Verzögerungen zu unterlassen, sobald sie diese zum ersten Mal bemerken. Im Wiederholungsfall Vorwarnzeichen, sobald der Ball wieder ins Spiel gebracht wird. |
In bestimmten Situationen (z.B. kurz vor Spielende, in Unterzahl-Situationen) wird den Schiedsrichtern empfohlen, Time-out zu geben, anstatt die Uhr laufen zu lassen.