Das Stellungsspiel der Schiedsrichter bei defensiveren Abwehrformationen
Viele in engen Räumen und oft gleichzeitig stattfindende Zweikämpfe, teilweise von der Ballseite abgewandt, charakterisieren die Anforderungen an die Spielleitung bei tendenziell defensiven Abwehrformationen. Der Lösungsschlüssel: die richtige Beurteilung von Aktionen und Reaktionen insbesondere auch bei Sperren!
Inhalt
Das Grundproblem – die Kontrolle der Nahwurfzone
Bei einer 6:0-Abwehr konzentrieren sich die meisten Spieleraktionen und Zweikämpfe ausgehend von der Torraumlinie auf einen Raum bis etwa 10 bis 12 Meter vor dem Tor. Das konzentrierte Beobachten des Spielgeschehens in engen Räumen erfordert ein sehr gutes, der jeweiligen Spielsituation laufend angepasstes Stellungsspiel. Die Infos 1 und 2 zeigen beispielhaft, dass der Feldschiedsrichter seine Position häufig verändern muss, um Zweikämpfe besonders zwischen Rückraum- und Halb- bzw. Innenverteidigern der 6:0-Abwehr aus einer diagonalen Perspektive effektiv beobachten zu können. Korrekturen seiner Position sind auch immer dann notwendig, wenn beispielsweise Rückraumspieler seine Sicht versperren (siehe Info 1).
Hauptproblem der Schiedsrichter ist bei einer 6:0-Abwehr die Kontrolle der Nahwurfzone. Viele regelwidrige Zweikämpfe sind hier im Kampf um taktisch vorteilhafte Positionen im Raum an der Tagesordnung. Vor allem das permanente Festhalten von Gegenspielern stellt ein Problem für nahezu jeden Schiedsrichter dar. Die Bildreihe 1 zeigt dazu ein sehr häufig zu beobachtendes Problem: Der Kreisspieler will sich in den freien Raum hinter der offensiven Innenverteidigung absetzen und zum Anspiel anbieten. Das Festhalten des Kreisspielers verhindert hier oft ein attraktives, erfolgreiches Kreisanspiel – ein an sich „kleines“ Foul, aber mit großer Benachteiligung der angreifenden Mannschaft. Wie in Info 3 skizziert, muss vor allem der Torschiedsrichter die Zweikämpfe zwischen Kreisläufer und Abwehrspieler ohne Ball in der Nahwurfzone gezielt überwachen – und das so früh wie möglich, also schon in ihrer Entstehung, d. h. beim Lauf des Kreisspielers in eine Sperrstellung.
Legende
- rote Pfeile bzw. roter Kreis = zu korrigierende Grundposition eines Schiedsrichters
- grüne Fläche = Grundsätzlich Beobachtungsraum des Feldschiedsrichters
- gelbe Fläche = Grundsätzlich Beobachtungsraum des Torschiedsrichters
- rote Fläche = Fokus des jeweiligen Schiedsrichters in einer Spielsituation
Parallelstoß-Aktionen – ohne optimale Aufgabenteilung geht gar nichts!
Aufgrund der im Allgemeinen extrem ballorientierten Grundbewegungen der Spieler einer 6:0-Abwehr ergeben sich recht häufig 2-gegen-1-Situationen auf den Halb- und Außenpositionen (siehe Info 4).
In solchen, oft schwierig zu beurteilenden Spielsituationen müssen sich beide Schiedsrichter auf ihre jeweiligen Beobachtungsschwerpunkte (Info 4) konzentrieren:
- Der Torschiedsrichter muss vor allem die seitlichen Bewegungen der Abwehrspieler verfolgen und entscheiden, ob Lücken in der Abwehr rechtzeitig geschlossen werden konnten (= Kriterium für das Vorliegen eines Angreiferfouls).
- Der Feldschiedsrichter muss seine Position so verändern, dass er in den Raum zwischen Angreifer und Gegenspieler Einblick hat (um etwa regelwidrige Aktionen von Seiten der Abwehrspieler erkennen zu können).
Anders als in Info 4 sollten sich die Schiedsrichter nicht in einer Hälfte quasi gegenüberstehen! Ihre Beobachtungsräume sollten etwa einen rechten Winkel bilden!
Besonders wichtig:
Der Torschiedsrichter muss in solchen Situationen die Pfeife am „langen Arm“ haben, damit er keinesfalls zu früh pfeift!