Der Torraum gehört zum Torwart – der Luftraum darüber allen

Regelgerechte und regelwidrige Aktionen mit und ohne Ball beim Betreten des Torraums durch Angriffs- und Abwehrspieler.


Der offizielle Regeltext

Regel 6: Der Torraum

6:1 Der Torraum darf nur vom Torwart betreten werden (siehe jedoch 6:3). Der Torraum, zu dem auch die Torraumlinie gehört, gilt bereits als betreten, wenn er von einem Feldspieler mit irgendeinem Körperteil berührt wird.

6:2 Beim Betreten des Torraums durch einen Feldspieler ist wie folgt zu entscheiden:
a)
Abwurf, wenn ein Spieler der angreifenden Mannschaft mit Ball den Torraum der gegnerischen Mannschaft berührt. Dasselbe gilt, wenn er nicht in Ballbesitz ist, aber durch das Betreten des Torraums einen Vorteil erlangt (12:1).  
b)
Freiwurf, wenn ein Abwehrspieler seinen Torraum betritt und dadurch einen Vorteil erlangt, ohne aber eine klare Torgelegenheit zu vereiteln (13:1b, siehe auch 8:7f)
c)
7-m-Wurf, wenn ein Abwehrspieler durch das Betreten des Torraums eine klare Torgelegenheit vereitelt (14:1a; siehe auch 8:8i). Mit „Betreten“ ist im Sinne dieser Regel das Berühren der Torraumlinie oder ein deutliches Eintreten in den Torraum zu verstehen.

6:3 Das Betreten des Torraums bleibt ungeahndet:
a)
wenn ein Spieler, nachdem er den Ball gespielt hat, den Torraum betritt, sofern dieses für die Gegenspieler keinen Nachteil bedeutet.
b)
wenn ein Spieler ohne Ball den Torraum betritt und sich dadurch keinen Vorteil verschafft.

6:4 Der Ball ist als „außerhalb des Spiels“ anzusehen, wenn der Torwart Ball- und Körperkontrolle im Torraum erlangt  hat (12:1). Der Ball muss dann durch einen Abwurf wieder ins Spiel gebracht werden (12:2).

6:5 Der im Torraum auf dem Boden rollende Ball bleibt „im Spiel“ und ist im Ballbesitz der Mannschaft des Torwarts. Nur der Torwart darf den Ball berühren. Nimmt der Torwart den Ball auf, ist dieser „außerhalb des Spiels“ und er hat ihn laut Regeln 6:4 und 12:1-2 wieder ins Spiel zu bringen (siehe jedoch 6:7b).
Berührt ein Mitspieler des Torwarts den im Torraum rollenden Ball, ist auf Freiwurf (13:1a) zu entscheiden (siehe jedoch 14:1a, in Verbindung mit Erläuterung 6c). Bei Berührung durch einen Spieler der gegnerischen Mannschaft ist auf Abwurf (12:1 (III)) zu entscheiden.
Der Ball ist „außerhalb des Spiels", sobald er im Torraum auf dem Boden liegen bleibt (12:1 (II)). In dieser Situation ist die Mannschaft des Torwarts im Ballbesitz und nur der Torwart darf den Ball berühren. Er hat ihn wieder laut Regel 6:4 und 12:1-2 ins Spiel zu bringen (siehe jedoch Regel 6:7b). Berührt ein Spieler einer der beiden Mannschaften den Ball, bleibt die Spielfortsetzung immer Abwurf (12:1 Abs.2, 13:3). 
Befindet sich der Ball in der Luft über dem Torraum, darf er unter Beachtung der Regeln 7:1 und 7:8 gespielt werden.

6:6 Berührt ein Spieler der abwehrenden Mannschaft bei ­einem Abwehrversuch den Ball, der dann vom Torwart gehalten wird oder im Torraum liegen bleibt, geht das Spiel mit Abwurf weiter (6:4-5).

6:7 Wenn der Ball in den eigenen Torraum gespielt wird ist wie folgt zu entscheiden: 
a) Tor, wenn der Ball in das Tor gelangt; 
b) Freiwurf, wenn der Ball im Torraum liegen bleibt oder wenn der Torwart den Ball berührt und dieser nicht in das Tor gelangt (13:1b); 
c) Einwurf, wenn der Ball die Torauslinie überquert (11:1); 
d) Weiterspielen, wenn der Ball den Torraum durchquert und ins Spielfeld zurückgelangt, ohne dass ihn der Torwart berührt.

6:8 Ein Ball, der aus dem Torraum in das Spielfeld zurückgelangt, bleibt im Spiel.


Wie darf ein Angreifer mit Ball den Torraum nutzen?

Grundsätzlich darf nur der Torwart den Torraum betreten (6:1).

Aus den Regeln 6:3a und 6:5, letzter Absatz, ergibt sich für Angreifer eine Reihe erlaubter Spielhandlungen über dem Torraum:

  • Sprung in den Torraum mit Ball bei Absprung vor der Torraumlinie: Vor dem Bodenkontakt im Torraum muss der Ball die Hand des Werfers verlassen haben (Bildreihe 1).  
  • Ballannahme im Sprung über dem Torraum: Auch hier muss der Spieler vor der Torraumlinie abgesprungen sein und der Ball vor dem Bodenkontakt im Torraum wieder gespielt worden sein (Bildreihe 2).

Bildreihe 1: Sprung in den Torraum mit Absprung vor der Torraumlinie

Bildreihe 2: Ballannahme im Sprung über dem Torraum mit Absprung vor der Torraumlinie

Aus diesen Möglichkeiten (siehe Bildreihen) ergibt sich eine oft schwierige Beobachtungsaufgabe für die Schiedsrichter: Hatte der Ball die Hand des Werfers bereits verlassen, bevor dieser mit einem Körperteil (meist der Fuß) den Torraum berührte?


Der Angreifer betritt den Torraum

Die Torraumlinie ist integraler Bestandteil des Torraums (6:1, 1:4). Berührt ein Feldspieler sie mit irgendeinem Körperteil – und sei es nur mit der Fußspitze –, gilt dies bereits als Betreten des Torraums (6:1).
Jede Berührung des Torraums durch einen Angreifer mit Ball oder eine Berührung des Torraums durch den Angreifer ohne Ball mit der Absicht, sich einen Vorteil zu verschaffen, ist grundsätzlich mit Abwurf für die gegnerische Mannschaft (6:2a) zu ahnden. Die Bilder unten zeigen die gängigsten Spielsituationen zu dieser Thematik:


Unerlaubte Berührungen des Torraums mit und ohne Ball

‘Übergetreten’: Ein Angriffsspieler mit Ball springt in den Torraum und berührt diesen beim Absprung.
‘Abgestanden’: Der Ballbesitzer berührt nach einem Sprung den Torraum, bevor der Ball seine Hand verlassen hat.
‘Übertreten ohne Ball’: Ein Angreifer springt ohne Ball in den Torraum, um im Sprung den von einem Mitspieler zugespielten Ball anzunehmen.

Im Gegensatz zu Regel 6:3b verschafft sich hier der Angriffsspieler einen klaren Vorteil. Auch hier muss deshalb auf Abwurf gegen seine Mannschaft entschieden werden.

Das Erkennen sogenannter ‘abgestandener’ Torwürfe gehört zum Beobachtungsbereich des Torschiedsrichters. Wie in der Rubrik "Schiedsrichter, Sekretär und Zeitnehmer" beschrieben, muss dieser dabei aus seiner Grundposition an der Torauslinie einen Schritt rückwärts und/oder seitwärts gehen, wenn die Aktion auf seiner Seite erfolgt, um so die gesamte Wurfaktion (z. B. eines in den Torraum springenden Außenspielers) besser beobachten zu können.

‘Abgestandene’ Würfe entstehen oft dann, wenn Angriffsspieler die Wurfausführung möglichst lange verzögern und z. B. im Sprung Wurftäuschungen ausführen.  


RA steht beim Wurf bereits mit dem rechten Bein im Torraum – Abwurf ist die korrekte Entscheidung.
LA steht beim Wurf bereits mit dem linken Bein im Torraum. Ist zwar schwer zu sehen, aber wird in Zeitlupe deutlich.

Tipp: ‘Abgestandene’ Würfe sind häufig am Bewegungsrhythmus des Werfers zu erkennen. Erst folgt die Landung, dann der (regelwidrige) Wurf. Diese unterschiedlichen Bewegungsphasen sind in der Beobachtung gut zu trennen, vorausgesetzt, der Schiedsrichter kann die gesamte Wurfaktion einwandfrei beobachten.  

Regelwidriges Abspringen in den Torraum ohne Ball (siehe oben, das dritte Bild) zu erkennen, erfordert eine gute Aufgabenteilung zwischen Tor- und Feldschiedsrichter. Häufig wird dabei der Ball vom Außenspieler zu einem auf der ballfernen Seite in den Torraum abspringenden Rückraumspieler gespielt. Konzentrieren sich beide Schiedsrichter auf die Ballseite, ist ein regelwidriges Betreten des Torraums beim Absprung des Rückraumspielers kaum wahrzunehmen.


Ohne Ball darf ein Angreifer den Torraum durchaus betreten, es sei denn, er verschafft sich dadurch einen Vorteil!

Regel 6:3 beschreibt zwei Spielsituationen:

  • Betreten des Torraums nach Spielen des Balls (6:3a)
    Laufen beispielsweise mehrere Spieler mit vollem Tempo einen Gegenstoß, kann es durchaus vorkommen, dass ein Angriffsspieler nach einem Abspiel seinen Lauf nicht mehr rechtzeitig vor dem Torraum stoppen kann (Bildreihe 3). Dieses Betreten des Torraums bleibt straffrei, wenn der Angriffsspieler die Gegenspieler – und hier vor allem den Torwart! – nicht behindert oder irritiert und den Torraum auf dem kürzesten Weg sofort wieder verlässt.  
    Bildreihe 4 zeigt ein weiteres Beispiel im Positionsangriff ­einer Mannschaft. 
  • Betreten des Torraums ohne Vorteil (6:3b)  
    Bildreihe 5 zeigt sehr gut, wann sich ein Angriffsspieler einen Vorteil verschafft.  
  • Betreten des Torraums mit Vorteil (6:2a).  
    Agiert der Abwehrspieler wie in Bild 1 an der Torraumlinie in korrekter Grundposition, darf er vom Gegenspieler nicht einfach durch den Torraum hinterlaufen werden (Bilder 2 bis 4). Dies ist taktisch ein erheblicher Vorteil für den Angreifer und muss sofort geahndet werden. Für die richtige Beurteilung dieser Situation sind eine gute Teamarbeit und eine klare Aufgabenteilung der Schiedsrichter Grundvoraussetzung.

Bildreihe 3: Betreten des Torraums beim Gegenstoß ohne Vorteil

Bildreihe 4: Betreten des Torraums ohne Vorteil

Bildreihe 5: Der Angreifer verschafft sich einen Vorteil

Sondersituation: vorgetäuschter Torraumpass (versuchter Kempa)!

Bildreihe 6 und Info 1 erläutern eine spezielle Regelauslegung für solche Situationen, in denen ein Angreifer ohne Ball in den Torraum springt, aber nicht angespielt wird (Betreten des Torraums mit Vorteil, 6:2a).

Bildreihe 6: Angreifer springt in den Torraum, wird aber nicht angespielt

Wie die Bilder zeigen, werden die Abwehrspieler durch das gezielte Springen des Rückraumspielers in den Torraum irritiert. Ob dieser Torraumpass (versuchter Kempa) vom Angriffsspieler nur vorgetäuscht wird oder nicht, ist für die Entscheidung der Schiedsrichter unerheblich. Mit dem regelwidrigen Betreten des Torraums ohne Ball verschafft er seiner Mannschaft einen Vorteil.

Info 1: Regelauslegung bei vorgetäuschtem Anspiel über dem Torraum

Beispiel 1: Vorgetäuschter Torraumpass (versuchter Kempa) zum Außenspieler

Der linke Rückraumspieler täuscht einen Torraumpass zum anlaufenden Linksaußen vor (Bild 1). Linksaußen springt hoch in den Torraum, erhält den Ball jedoch nicht. Gegnerischer Torwart und Abwehr werden so einen Moment abgelenkt, während der Angriff versucht, eine Wurfsituation in die Gegenrichtung herauszuspielen (Bild 2). Mit dem regelwidrigen Betreten des Torraums verschafft sich der Angriff einen Vorteil.


Beispiel 2: Mitspieler täuscht das Annehmen eines Torraumpasses (versuchter Kempa) vor

Während Rückraum-Mitte den Ball hoch in den Torraum spielt, laufen jetzt sowohl Linksaußen als auch Rückraum-Links zum Absprung in den Torraum an (Bild 1). Während Rückraum-Links die Annahme nur vortäuscht (Ziel: Ablenkung des Torwarts), nimmt Linksaußen den Pass an und wirft auf das Tor (Bild 2). Das regelwidrige Betreten des Torraums durch Rückraum-Links verschafft den Angreifern einen Vorteil.


Beispiel 3: Absprung in den Torraum hinein vortäuschen

Situation wie in Beispiel 2: Linksaußen und Rückraum-Links laufen gleichzeitig an, um über dem Torraum einen Torraumpass (versuchter Kempa) von Rückraum-Mitte anzunehmen (Bild 1). Rückraum-Links täuscht die Annahme über dem Torraum nur vor und stoppt seinen Lauf kurz vor Erreichen der Torraumlinie (Bild 2). Regelgerechtes Verhalten!

Betreten des Torraums durch Abwehrspieler

Das Betreten des Torraums kommt bei Abwehrspielern weitaus häufiger vor als bei Angreifern. Gerade bei Zweikämpfen in engen Räumen ist ein Berühren der Torraumlinie manchmal unvermeidlich, zumal die Angreifer in der Regel mit erheblicher Geschwindigkeit anrennen. 
Bei solchen Aktionen am Torraum muss der Schiedsrichter darüber befinden, ob sich ein Abwehrspieler durch das Betreten des Torraums einen (taktischen) Vorteil verschafft hat (dann 6:2b). Vereitelt er dadurch gar eine klare Torgelegenheit, muss auf 7-m-Wurf (6:2c). entschieden werden. Bildreihe 7 (weiter unten) zeigt sehr gut, was mit „Verschaffen eines taktischen Vorteils durch Betreten des Torraums“ gemeint ist.

Eine nicht unerhebliche regeltechnische Ergänzung hat 6:2c erfahren, indem klargestellt wurde, dass mit „Betreten“ im Sinne dieser Regel  das Berühren der Torraumlinie zu verstehen ist(Vorteilsgedanke!).

Häufig begründen die Schiedsrichter eine 7-m-Entscheidung mit dem Alibizeichen „Betreten des Torraums“, ohne dass der dafür erforderliche Vorteil des Abwehrspielers gegeben war. Auch rechtfertigt es regeltechnisch keine 7-m-Entscheidung, wenn der Abwehrspieler die Torraumlinie berührt, während der Angreifer sich eine klare Torgelegenheit gar nicht erarbeiten will (kein Vorteil des Abwehrspielers).

Die Nutzung des Torraums durch den Verteidiger muss einen Nachteil für die angreifende Mannschaft darstellen. Eine klare Torchance ist nach wie vor das wesentliche Entscheidungskriterium für 7-Meter. Der erste Körperkontakt zwischen Angreifer und Verteidiger muss erfolgen, wenn sich der Verteidiger im Torraum befindet oder sich selbst in den Torraum zurückzieht, ohne geschoben zu werden.


Betreten des Torraums (gemäß 6:2c)

Bei dieser Regelbestimmung ist jedoch immer auch zu beachten, auf welchem Weg der Abwehrspieler diese Position erreicht hat. Bei einem unmittelbar zuvor erfolgten Lauf durch den Torraum in seine Abwehrposition ist immer auf 7-m-Wurf zu entscheiden. Weitere Beispiele zu diesem besonderen Aspekt des Betretens des Torraums finden sich in den Bildreihen 7 bis 11.


Bildreihe 7: Torraum betreten – taktischer Vorteil

Bildreihe 8: In den Torraum gedrängt

Bildreihe 9: Regelgerechter Abwehrblock vor der Torraumlinie

Bildreihe 10: Regelwidriges Betreten des Torraums

Ein Abwehrspieler läuft durch den Torraum – scheinbar harmlos, oft aber mit großer Wirkung

7-m-Entscheidung ist korrekt: Der Abwehrspieler läuft durch den Torraum, beim Sprung des Angreifers ist er immer noch mit einem Fuß im Raum. Zudem müsste die Reaktion des Torwarts auf die Schiedsrichterentscheidung bestraft werden, zumal er in diesem Spiel bereits ermahnt worden war.

 

Wird ein Außenspieler freigespielt und setzt er im Folgenden aus einem kurzen Anlauf zum Sprung in den Torraum an, kann sein Gegenspieler, der sich zuvor nach innen orientiert hatte, oft nicht mehr rechtzeitig eine frontale Grundposition erreichen, um den Durchbruch des Außenspielers regelgerecht zu verhindern (siehe Bildreihe 12): Außenabwehrspieler durchlaufen dann häufig scheinbar unbeteiligt den Torraum in Richtung Torauslinie (siehe Bilder 2 und 3). Diese harmlos anmutende Aktion verfolgt aber ein Ziel: Der anlaufende Außenspieler soll irritiert, seine Konzentration beim Wurf gestört werden. Solche unsportlichen Verhaltensweisen müssen konsequent geahndet werden!

Info 2 unten zeigt, wie ein Durchlaufen des Torraums während einer Wurfaktion leicht zu einer Gefährdung des Werfers führen kann.

Bildreihe 11: Ein Abwehrspieler läuft bei der Wurfaktion eines Angreifers durch den Torraum

Info 2: Problem und Lösung

Der Abwehrspieler läuft in die Flugkurve des in den Torraum springenden Außenangreifers.

Problem: Gefährdung durch einen in den Torraum laufenden Abwehrspieler
Wie in Bildreihe 11 zu sehen, läuft der Abwehrspieler ohne erkennbare Abwehraktion durch den Torraum, um die Konzentration des im Sprung befindlichen Gegenspielers beim Torwurf zu stören. Dabei kann er, wie das Bild rechts zeigt, seinen Gegenspieler durchaus gefährden, wenn er direkt in dessen Flugbahn läuft.

Auch die Passivität vorgaukelnde „Schutzhaltung“ des Abwehrspielers darf die Schiedsrichter hier nicht von einer klaren Entscheidung gegen ihn ablenken.

Lösung: 7-m-Wurf und Bestrafung entsprechend der Situation und den Beurteilungs- bzw. Entscheidungskriterien

  1. Wiederholtes Durchlaufen des Torraums, um eine Wurfaktion zu stören, muss als unsportliches Verhalten bestraft werden.
  2. Liegt, wie im Bild rechts, eine Gefährdung vor, muss unmittelbar eine Hinausstellung erfolgen (8:4).

Das Blocken von Torwürfen im Torraum – ein klarer und unerlaubter Vorteil für die Abwehr

Abwehrspielerin Nr. 13 springt im Torraum ab und blockt den Wurf – korrekte 7-m-Entscheidung.

 

In defensiven Abwehrformationen (6:0-, 5:1-Abwehr) versuchen speziell die Innenverteidiger, Torwürfe aus dem Rück­raum nach einem Absprung aus dem Torraum heraus zu blocken. Beispiel: In Bildreihe 12 sinken die Abwehrspieler beim Sprungwurfansatz des Rückraumschützen in den Torraum zurück, um den Wurf von dort aus (günstigerer Winkel) zu blocken.  
Dieses regelwidrige Betreten des Torraums birgt einen erheblichen taktischen Vorteil, da die Blockposition für die Abwehrspieler umso erfolgversprechender wird, je weiter sie diese in Richtung Tor verlagern können.

Hier müssen die Schiedsrichter differenzieren (siehe auch Info 3): Springen Abwehrspieler vor der Torraumlinie ab und rückwärts in den Torraum, um einen Ball zu blocken, ist dies gemäß Regel 6:5, Absatz 4, regelgerecht, wenn sie den Ball in der Luft (ohne jeglichen Bodenkontakt im Torraum) berühren.

Bildreihe 12: Blocken von Torwürfen nach Zurücksinken in den Torraum

Info 3: Abwehraktionen im Torraum

Im Torraum stehend wird der Wurf des Rückraumspielers geblockt. Das muss mit 7-m-Wurf geahndet werden.

Ball im Torraum – unterschiedliche Situationen

Die diversen Situationen, in denen ein Ball in den Torraum gelangen kann, werden mit ihren Konsequenzen für die Spielfortsetzung in den Regeln 6:4 bis 6:8 beschrieben.
Der besseren Übersichtlichkeit wegen haben wir diese Situationen tabellarisch zusammengefasst.


Ball im Torraum – unterschiedliche Situationen und Konsequenzen für die Spielleitung


Grundsätzlich sind dabei zwei Situationen zu unterscheiden:

Ball ist im Spiel und der Ball ist nicht im Spiel. Gemäß Regel 7 gilt der Ball ab dem Zeitpunkt der Ausführung eines formellen Wurfs als „im Spiel“, bis das Spiel durch einen Pfiff der Schiedsrichter, des Zeitnehmers oder des Delegierten unterbrochen wird oder die Schiedsrichter eine Entscheidung über Abwurf oder Einwurf treffen.

1. Der Ball ist im Spiel

Der auf dem Boden im Torraum rollende Ball wurde vom Spieler ins Tor gestoßen, die Schiedsrichter gaben Tor. – Das ist nicht korrekt und es hätte einen Abwurf geben müssen!

Hier ist der Ball frei spielbar. Wer ihn spielen darf, ist davon abhängig, wo sich der Ball befindet.

  • Rollt der Ball im Torraum, darf nur der Torwart ihn aufnehmen. 
  • Befindet sich der Ball über dem Torraum in der Luft, dürfen ihn Torwart, Mit- und Gegenspieler spielen. Mit- und Gegenspieler dürfen jedoch den Torraum dabei nicht berühren. Sie müssen versuchen, ihn von einer Position außerhalb des Torraums zu spielen, oder aber in den Torraum springen. Ebenso haben Mit- und Gegenspieler die Bestimmungen der Regeln 7:1 und 7:8 zu beachten.

2. Der Ball ist nicht m Spiel

Auch hier sind wiederum zwei Situationen zu unterscheiden:

  • Der Ball bleibt im Torraum liegen (eher selten) 
  • Der Torwart hat den Ball unter Kontrolle gebracht.   

Die Formulierung ‘Ball aus dem Spiel’ bedeutet, dass der Ball jetzt – außer vom Torwart – durch keinen anderen Spieler mehr berührt werden darf. Nur der Torwart darf ihn – immer mittels Abwurf – ins Spiel bringen.   
Die Spielfortsetzung Abwurf müssen die Schiedsrichter mit ­klarer Zeichengebung (Handzeichen 8) signalisieren. Aus taktischer Sicht bestehen hier nämlich wesentliche Unterschiede:  
Gelangt der Ball in den Torraum und ist er nicht mehr im Spiel, wechselt der Ballbesitz, d. h., die vorher angreifende Mannschaft muss zurück in die Abwehr, die vorher abwehrende muss auf Angriff umschalten!

Sollte im Spielverlauf der Torwart ausgewechselt werden, um einen siebten Feldspieler einzusetzen, sind folgende Situationen zu beachten:

  • Sollte nach einem Wurfversuch durch die gegnerische Mannschaft auf das leere Tor (kein Torwart im Tor) der Ball im Torraum liegen bleiben oder über die Torauslinie gehen, ohne dass ein Mitspieler diesen vorher berührt hat, muss der Torwart wieder eingewechselt werden, um den Abwurf auszuführen (12:2).

Die Mannschaft ist in Unterzahl, der Torwart auf der Bank – Gegner kommt in Ballbesitz und wirft aufs leere Tor, allerdings neben das Tor. Die Schiedsrichter geben richtigerweise Time-out, da der Torwart den Abwurf ausführen muss.

Mannschaft in Unterzahl mit dem Torwart auf der Bank. Der Gegner kommt in Ballbesitz und wirft aufs leere Tor, allerdings neben das Tor. Die Schiedsrichter geben richtigerweise Time-out, da der Torwart den Abwurf ausführen muss.

Die Schiedsrichter entscheiden im Einzelfall, ob ein Time-out notwendig ist (z. B. bei Verzögerung bei Unterzahl). Will ein Feldspieler den Abwurf ausführen, müssen die Schiedsrichter den Wechsel eines Feldspielers mit einem Torwart veranlassen, was jedoch nicht zu einer progressiven Strafe führt. Dagegen darf nach Torerfolg ein Feldspieler den Torraum betreten, um den Ball aus dem Tor zum Anwurf herauszuholen.


Ist der Ball im Torraum, aber noch im Spiel, kann (noch) offen bzw. unklar sein, welche Mannschaft in Ballbesitz gelangt. Gegebenenfalls kann hier um einen freien Ball gekämpft werden.

Solche oft heiklen Situationen werden in Info 4 und 5 behandelt, s. weiter unten.

Regeltechnische Besonderheiten

Regeltechnische Besonderheiten sind bei Unterbrechungen durch

  • Zeitnehmer, Delegierten (Team-Time-out, Wechselfehler etc.) 
  • Schiedsrichter wegen progressiver Bestrafung

zu beachten:

Zu 1.: „rollender Ball ist im Spiel“

Nach Wechselfehlern oder progressiver Bestrafung ist das Spiel mit Freiwurf für die nicht fehlbare Mannschaft fortzusetzen.

Zu 2.: „im Torraum liegender Ball oder unter Kontrolle des Torwarts“

Nach Wechselfehler oder progressiver Bestrafung ist das Spiel mit Abwurf fortzusetzen.

Zu 1., Fall 1: „Ball rollt im Torraum“

Team-Time-out kann hier nur der abwehrenden Mannschaft gewährt werden: Denn ein im Torraum rollender Ball kann nur vom Torwart regelgerecht gespielt werden; der unter Kontrolle gebrachte oder im Torraum liegende Ball befindet sich außerhalb des Spiels; das heißt: Faktisch besteht schon eine Wurfentscheidung (Abwurf).

Zu 1., Fall 2: „Ball über dem Torraum in der Luft“

Hier kann es sein, dass der angreifenden Mannschaft noch das Recht auf ein Team-Time-out zusteht, z. B. wenn sich der Ball nach einem Wurf noch in der Luft (über dem Torraum) befindet. Ebenso, wenn dieser Wurf vom Tor abprallte oder vom Torwart abgewehrt wurde und noch kein Abwehrspieler Ballkontrolle erlangt hat.


Ball noch im Spiel!

Das Bild links in Info 4 zeigt eine typische Situation: Der Ball springt nach einer Abwehraktion zurück in Richtung Spielfeld. Der Torwart versucht, ihn noch per Hechtsprung zu erreichen, der Angreifer nimmt den springenden Ball jedoch vor ihm an und wirft ihn in das leere Tor.

Beobachtungskriterium für die Schiedsrichter hinsichtlich der Anerkennung des Tors ist hier:

  • Kein regelwidriges Berühren des Torraums? 
  • Keine Regelwidrigkeit (z. B. Wegstoßen, falsches Sperren mit den Armen vor der Ballaufnahme)?

Info 4: Bälle über dem Torraum sind frei spielbar

Einen vom Torwart zurückprallenden Ball darf der Angreifer über dem Torraum annehmen.
Er darf dabei jedoch nicht den Torraum berühren oder vor der Ballannahme eine Regelwidrigkeit begangen haben.

Info 5: Angreifer spielen den Ball über dem Torraum

Erlaubt sind folgende Aktionen:

  • Sogenannte Kempa-Zuspiele
  • Pass aus dem Rückraum oder von den Außenpositionen in den Torraum zum Kreisspieler  
  • Bodenpässe dürfen generell durch den Torraum gespielt werden.  
  • Freie Bälle über dem Torraum 
    – in Richtung Tor werfen, fausten usw. 
    – in Richtung Spielfeld zurückspielen, tippen, ­schlagen usw.
Der Angreifer versucht, den vom Boden abspringenden Ball im Sprung zu spielen.

Wie die Bilder in Info 4 sowie in Info 5 zeigen, versuchen Spieler jede Möglichkeit zu nutzen, um freie Bälle über dem Torraum zu spielen. Springt der Ball dabei nur sehr flach vom Boden ab, ist eine regelkonforme Ballannahme – d. h. ohne Bodenkontakt bei Ballbesitz – mit einem nachfolgenden Torwurf (siehe Info 4) nur noch sehr schwer auszuführen.
Häufig versuchen Spieler deshalb, den springenden Ball zu einem Mitspieler zu lenken, damit ihr Team so regelgerecht wieder in Ballbesitz gelangt (siehe Info 5). Auch dabei aber darf der Betreffende keinen Bodenkontakt im Torraum haben.


Ball in den eigenen Torraum spielen: Auf die Ballkontrolle kommt es an!

Dass ein Abwehrspieler den Ball bei voller Ballkontrolle zum eigenen Torwart in den Torraum spielt, kommt sicher eher selten vor. Häufiger ist dagegen, dass Abwehrspieler z. B. beim Abfangen eines Passes (siehe Bildreihe 13) oder beim Blocken eines Torwurfs den Ball als letzter Feldspieler berühren, bevor er die Torraumlinie überquert.

Die Schiedsrichter müssen nun beurteilen: Spielte der Abwehrspieler den Ball kontrolliert zurück in den eigenen Torraum oder handelte es sich um die unbeabsichtigte Folge einer Ballberührung während einer Abwehraktion?

Bildreihe 13: Den Ball im Rahmen einer Abwehraktion in den eigenen Torraum lenken

Info 6: Ball in den eigenen Torraum spielen

Die Unterscheidung zwischen Regel 6:6 und 6:7 konzentriert sich auf die Frage, ob der Mitspieler des Torwarts die Ballkontrolle hatte oder nicht. Wie Info 6 zeigt, entscheidet über die Spielfortsetzung nur ein kleiner Unterschied:

  • Ballberührungen des Abwehrspielers z. B. beim Blocken von Torwürfen – oder, wie in Bildreihe 14, im Kampf um den Ball – haben dann keine Konsequenzen, wenn niemand Ballkontrolle (Ball gefasst) hatte und der Ball anschließend in den Torraum gelangte (Spielfortsetzung je nach Situation, siehe Info 6). 
  • Spielt ein Spieler, der den Ball kontrolliert, diesen zurück in den eigenen Torraum und berührt der Torwart ihn, muss auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft entschieden werden (weitere Spielfortsetzungen siehe Info 6). 
  • Wenn ein Spieler den Ball bewusst in Richtung eigener Torraum lenkt/führt (das ist als Ballkontrolle zu bewerten), ist ebenfalls auf Freiwurf zu entscheiden, wenn der Torwart den Ball anschließend berührte.