Tor oder nicht? Der Torschiedsrichter muss von seiner Position an der Torraumlinie entscheiden, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat. – Achtung: Dabei nie zu früh den Torraum betreten, um nicht Gefahr zu laufen, durch eine unglückliche Ballberührung das Spiel zu beeinflussen.

Torgewinn – wann ist ein Tor erzielt?

Der Torerfolg ist das zentrale Spielziel des Handballs. Wir befassen uns in diesem Abschnitt mit den Voraussetzungen für die Anerkennung eines Tores.

Der offizielle Regeltext

Regel 9: Der Torgewinn

9:1 Ein Tor ist erzielt, wenn der Ball die Torlinie vollständig überquert hat (Abb. 4), sofern vor dem oder beim Wurf der Werfer, seine Mitspieler oder Offizielle sich nicht ­regelwidrig verhalten haben. Der Torschiedsrichter ­bestätigt durch zwei kurze Pfiffe und Handzeichen 12, dass ein Tor erzielt ist.
Gelangt der Ball ins Tor, obwohl ein Spieler der abwehrenden Mannschaft eine Regelwidrigkeit begangen hat, ist auf Tor zu erkennen. 
Hat ein Schiedsrichter, der Zeitnehmer oder der Delegierte das Spiel unterbrochen, bevor der Ball die Torlinie vollständig überquert hat, darf nicht auf Tor entschieden werden. 
Spielt ein Spieler den Ball in das eigene Tor, führt dies zum Torgewinn für die gegnerische Mannschaft, ausgenommen, der Torwart führt einen Abwurf aus (12:2 Absatz 2).

Kommentar:
Wird dem Ball der Weg ins Tor durch eine nicht am Spiel beteiligte Sache oder Person (Zuschauer etc.) verwehrt, muss auf Tor entschieden werden, wenn die Schiedsrichter der Überzeugung sind, dass der Ball ansonsten ins Tor gelangt wäre. 

9:2 Wenn auf Tor entschieden wurde und der Schiedsrichter den Anwurf angepfiffen hat, kann das Tor nicht mehr annulliert werden (siehe jedoch 2:9 Kommentar).
Ertönt direkt nach einem Torerfolg und vor der Anwurfausführung das Schlusssignal (Halbzeit oder Spielende), so zeigen die Schiedsrichter (ohne Anwurf) deutlich an, dass sie auf Tor entschieden haben.

Kommentar:
Ein von den Schiedsrichtern anerkanntes Tor sollte sofort auf der Anzeigetafel angezeigt werden.

9:3 Die Mannschaft, die mehr Tore erzielt hat als die gegnerische Mannschaft, ist Sieger. Haben beide Mannschaften die gleiche Anzahl Tore oder kein Tor erzielt, ist das Spiel unentschieden (2:2).

Voraussetzungen für die Anerkennung eines Tors

Die Bilder und die Videos oben verdeutlichen, dass ein Tor nur dann anerkannt werden darf, wenn der Ball die Torlinie zwischen den beiden Pfosten vollständig überquert hat (siehe dazu vor allem die Bilder 3 und 4 im Vergleich). Dieses Kriterium allein reicht allerdings für die Toranerkennung nicht aus. Es müssen weitere Voraussetzungen gegeben sein, damit ein Tor auch tatsächlich anerkannt werden darf:

  1. Der Werfer, seine Mitspieler bzw. die Offiziellen seiner Mannschaft dürfen vor oder während der Wurfausführung keine Regelwidrigkeit begangen haben (Deitails dazu siehe unten).
  2. Das Spiel darf in dem Moment, in dem der Ball die Torlinie vollständig überquert, nicht unterbrochen sein.

Regelwidrigkeiten oder Pfiffe vor/während der Wurfausführung

Ein besonderes Kriterium ist der exakte Zeitpunkt einer Regelwidrigkeit bzw. einer Unterbrechung durch einen Pfiff des Schiedsrichters/Zeitnehmers/Delegierten.


Pfiffe oder Regelwidrigkeiten, bevor der Ball die Torlinie überquert hat

Das Bild zeigt beispielhaft eine Wurfsituation: Der Ball befindet sich über dem Torraum, aber noch nicht im Tor. Erfolgt jetzt ein Pfiff eines Schiedsrichters, des Zeitnehmers oder des Delegierten, darf das Tor, falls der Ball (Zehntelsekunden später) ins Tor fliegt, nicht anerkannt werden! 


Beachte:

Überquert der Ball die Torlinie nach einem Pfiff/Signal, darf in keinem Fall auf Tor entschieden werden. Maßgebend ist der Beginn des Pfiffs/Signals.  
Das gilt auch, wenn beispielsweise der Pfiff des Zeitnehmers unberechtigter Weise erfolgte – das Spiel wurde auf jeden Fall unterbrochen. Ebenso unterbricht selbstverständlich auch ein Pfiff des Schiedsrichters das Spiel. Ein solcher Pfiff kann regeltechnisch allerdings nie „unberechtigt“ sein. 
Ähnliche Aspekte gelten für Regelwidrigkeiten der Angreifer:

  • Gelangt der Ball ins Tor, nachdem der Angreifer ein Foul oder einen Schrittfehler begangen hatte, darf dieses Tor nicht anerkannt werden.  
  • Auch Mitspieler oder Mannschaftsoffizielle des Werfers können natürlich vor oder während einer Wurfausführung (ohne Ball) Regelwidrigkeiten bzw. Unsportlichkeiten begehen, die, falls der Torwurf erfolgreich war, zur Nichtanerkennung des Tors führen. So kann ein Kreisspieler beispielsweise Abwehrspieler regelwidrig sperren oder diese festhalten, sodass der Werfer erst dadurch freie ‘Wurfbahn’ hat.   

Für Regelwidrigkeiten der Abwehrspieler vor oder während der Wurfausführung gilt allgemein: Vorteil gewähren, die Vergehen ggf. nach Anerkennung des Tors ahnden. Info 1 und 2 stellen Regelwidrigkeiten von Angreifern solchen von Abwehrspielern vor/während der Wurfausführung gegenüber.

Info 1: Regelwidrigkeiten des Angreifers

  • Der Werfer zieht beim Wurf den Wurfarm gegen den Abwehrspieler durch und trifft ihn.
  • Der Angreifer betritt beim Wurf den Torraum.
  • Torwurf erst nach der Landung im Torraum – der Werfer hatte den Ball beim Bodenkontakt noch in der Hand.
  • Der Werfer begeht vor dem Torerfolg ein Foul.
  • Ein Angreifer durchquert den Torraum, wird anschließend angespielt und erzielt ein Tor.
  • Falsche Sperrstellungen, Festhalten oder z. B. Stoßen durch Mitspieler des Werfers

Info 2: Regelwidrigkeiten der Abwehr

Der Kreisspieler setzt frei zum Wurf an, während der Abwehrspieler – regelwidrig im Torraum agierend – ihn behindert.
  • Der Abwehrspieler umklammert, stößt oder hält den Werfer während der Wurfausführung fest.
  • Der Abwehrspieler agiert während der Wurfausführung regelwidrig im Torraum oder durchläuft ihn.
  • Ein Abwehrspieler foult einen Angreifer vor der Ballannahme.
  • Ein Abwehrspieler hält einen Kreisspieler fest, der sich in einen freien Raum absetzen will. Im Folgenden nimmt der Kreisspieler, obwohl er vom Abwehrspieler festgehalten wird, den Ball an und setzt zum Torwurf an.

Sonderfälle: Torentscheidung, verletzter Torwart

1. Eigentore sind möglich!

Spieler spielt seinen Torhüter an, der außerhalb des Torraums steht. Dieser lässt sich für eine Parade feiern und der Ball geht ins Tor. Es gab zuvor keine Unterbrechung, sodass das Tor zählt.

Mit Ausnahme des Abwurfs können alle formellen Würfe und alle sonstigen Würfe aus dem laufenden Spiel zu einem Eigentor führen. Denkbar ist auch, dass ein Abwehrspieler – regelwidrig im Torraum stehend – von einem vom Tor abprallenden Ball getroffen wird, der von seinem Körper ins Tor springt. Gemäß Regel 9:1, Absatz 2, muss auch hier auf Tor entschieden werden.

2. Eine am Spiel nicht beteiligte Person verhindert ein Tor.

Ein Zuschauer verhindert ein Tor.

Verhindert z. B. ein Zuschauer ein Tor (siehe Bild), muss auf Tor entschieden werden, wenn die Schiedsrichter davon überzeugt sind, dass der Ball ohne Eingreifen des Dritten ins Tor gelangt wäre. Dasselbe gilt, wenn ein Tor durch einen Gegenstand verhindert wird. In jedem Fall – auch wenn der Ball ohne das Eingreifen nicht in das Tor gelangt wäre – ist der Sachverhalt im Spielprotokoll zu vermerken.   

3. Tore dürfen grundsätzlich nur bis zum anschließenden Anwurf annulliert werden!

Die Annullierung eines zunächst anerkannten Tors darf nur bis zum Anpfiff des Anwurfs erfolgen. Danach bleibt den Schiedsrichtern nur das Eintragen des Vorfalls in das Spielprotokoll. 
Hatte der Zeitnehmer das Spiel bereits vor dem Torerfolg unterbrochen und die Uhr angehalten, ist das Tor auch nachdem Anpfiff zu annullieren, sofern die Schiedsrichter die Unterbrechung erst zu diesem Zeitpunkt wahrnehmen.  
Haben die Schiedsrichter ein Tor, das unmittelbar vor dem Schlusssignal erzielt wurde, anerkannt, kann es auch dann nicht mehr annulliert werden, wenn sich anschließend herausstellen sollte, dass das Spiel zu spät beendet wurde. Auch hier bleibt nur ein entsprechender Vermerk im Spielprotokoll.

4. Tore immer sofort anzeigen!

Anerkannte Tore müssen für alle Beteiligten eindeutig und klar angezeigt werden. Deshalb sollte ein Tor sofort nach Anerkennung durch die Schiedsrichter auf der Anzeigetafel erscheinen – und nicht erst nach dem Anpfiff zum Anwurf.

Info 3: Verletzter Torwart (Regel 6:8)

Der Torwart wird von einem Wurf aus dem Spiel heraus getroffen und ist handlungsunfähig. Grundsätzlich hat in solchen Fällen der Schutz des Torwarts oberste Priorität. Im Hinblick auf die Wiederaufnahme des Spiels sind folgende Situationen denkbar:   

a) Der Ball geht ins Seiten- oder Toraus, liegt oder rollt im Torraum. Korrekte Regelanwendung: Spiel sofort unterbrechen, Wiederaufnahme mit Einwurf bzw. Abwurf.  

b) Die Schiedsrichter haben das Spiel unterbrochen, bevor der Ball ins Aus gelangte oder im Torraum liegen blieb/rollte. Korrekte Regelanwendung: Das Spiel wird mit dem entsprechenden Wurf wieder aufgenommen. 

c) Der Ball befindet sich über dem Torraum in der Luft. Korrekte Regelanwendung: Ein bis zwei Sekunden warten, bis eine Mannschaft im Ballbesitz ist. Spiel unterbrechen, Wiederaufnahme mit Freiwurf für die Ball besitzende Mannschaft. 

d) Der Schiedsrichter pfeift zum Zeitpunkt, in dem der Ball noch in der Luft ist. Korrekte Regelanwendung: Wiederaufnahme des Spiels mit Freiwurf für die Mannschaft, die zuletzt in Ballbesitz war. 

e) Der Ball springt vom handlungsunfähigen Torwart zu einem Angreifer. Korrekte Regelanwendung: Spiel sofort unterbrechen, Wiederaufnahme mit Freiwurf für die Ball besitzende Mannschaft. 


Der Torwart wird beim Wurf im Gesicht getroffen, der Abpraller wird ins leere Tor geworfen, die Schiedsrichter haben nicht unterbrochen, der Trainer betritt ohne Aufforderung Spielfeld und wird verwarnt. – Da ein klarer Wirkungstreffer des Torwarts vorliegt, hätte das Spiel unterbrochen und mit Freiwurf für Blau wieder fortgeführt werden müssen. Das Tor darf nicht zählen!

f) Der Torwart wird bei der Ausführung eines 7-m-Wurfs am Kopf getroffen. Korrekte Regelanwendung: Das Spiel ist unverzüglich durch Time-Out zu unterbrechen. Hinsichtlich der Spielfortsetzung sind folgende Situationen zu unterscheiden: 

  1. Der sich nicht bewegende Torwart wird im Gesicht getroffen. Die SR entscheiden auf Disqualifikation für den Werfer. Spielfortsetzung mit Abwurf.
  2. Der sich bewegende Torwart wird am Kopf getroffen. SR entscheiden auf keine Bestrafung des Werfers. Spielfortsetzung Analog a) – e).

Hinweis:
In solchen Fällen ist niemals ein 7-m-Wurf möglich. Der Schiedsrichter hat das Spiel zum Schutz des Torwarts bewusst unterbrochen; es handelt sich demnach um keinen „unberechtigten Pfiff“ nach Regel 14:1b.


Beim 7-m-Wurf wird Torhüterin am Kopf getroffen. Das Spiel wird sofort unterbrochen, da die Torhüterin sich nicht bewegt hat, entscheiden die Schiedsrichter korrekt auf Disqualifikation für die Werferin und Abwurf.