Torgewinn – wann ist ein Tor erzielt?
Der Torerfolg ist das zentrale Spielziel des Handballs. Wir befassen uns in diesem Abschnitt mit den Voraussetzungen für die Anerkennung eines Tores.
Inhalt
Der offizielle Regeltext
Voraussetzungen für die Anerkennung eines Tors
5. Kein Tor!
6. Kein Tor!
Die Bilder und die Videos oben verdeutlichen, dass ein Tor nur dann anerkannt werden darf, wenn der Ball die Torlinie zwischen den beiden Pfosten vollständig überquert hat (siehe dazu vor allem die Bilder 3 und 4 im Vergleich). Dieses Kriterium allein reicht allerdings für die Toranerkennung nicht aus. Es müssen weitere Voraussetzungen gegeben sein, damit ein Tor auch tatsächlich anerkannt werden darf:
- Der Werfer, seine Mitspieler bzw. die Offiziellen seiner Mannschaft dürfen vor oder während der Wurfausführung keine Regelwidrigkeit begangen haben (Deitails dazu siehe unten).
- Das Spiel darf in dem Moment, in dem der Ball die Torlinie vollständig überquert, nicht unterbrochen sein.
Praxistipp:
Der Torschiedsrichter sollte, sobald der Ball sich nach einem Wurf Richtung Tor bewegt, möglichst dicht an der Torauslinie (außerhalb des Spielfelds) stehen, um zweifelsfrei beurteilen zu können, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat. Nur wenn er den ganzen Ball sehen kann, kann er sicher auf ‘Tor’ entscheiden.
Regelwidrigkeiten oder Pfiffe vor/während der Wurfausführung
Ein besonderes Kriterium ist der exakte Zeitpunkt einer Regelwidrigkeit bzw. einer Unterbrechung durch einen Pfiff des Schiedsrichters/Zeitnehmers/Delegierten.
Pfiffe oder Regelwidrigkeiten, bevor der Ball die Torlinie überquert hat
Entscheidung:
Pfiff = kein Tor!
Entscheidung:
Regelwidrigkeit des Angreifers = kein Tor!
Entscheidung:
Regelwidrigkeit des Abwehrspielers = Tor (Vorteil)!
Das Bild zeigt beispielhaft eine Wurfsituation: Der Ball befindet sich über dem Torraum, aber noch nicht im Tor. Erfolgt jetzt ein Pfiff eines Schiedsrichters, des Zeitnehmers oder des Delegierten, darf das Tor, falls der Ball (Zehntelsekunden später) ins Tor fliegt, nicht anerkannt werden!
Beachte:
Überquert der Ball die Torlinie nach einem Pfiff/Signal, darf in keinem Fall auf Tor entschieden werden. Maßgebend ist der Beginn des Pfiffs/Signals.
Das gilt auch, wenn beispielsweise der Pfiff des Zeitnehmers unberechtigter Weise erfolgte – das Spiel wurde auf jeden Fall unterbrochen. Ebenso unterbricht selbstverständlich auch ein Pfiff des Schiedsrichters das Spiel. Ein solcher Pfiff kann regeltechnisch allerdings nie „unberechtigt“ sein.
Ähnliche Aspekte gelten für Regelwidrigkeiten der Angreifer:
- Gelangt der Ball ins Tor, nachdem der Angreifer ein Foul oder einen Schrittfehler begangen hatte, darf dieses Tor nicht anerkannt werden.
- Auch Mitspieler oder Mannschaftsoffizielle des Werfers können natürlich vor oder während einer Wurfausführung (ohne Ball) Regelwidrigkeiten bzw. Unsportlichkeiten begehen, die, falls der Torwurf erfolgreich war, zur Nichtanerkennung des Tors führen. So kann ein Kreisspieler beispielsweise Abwehrspieler regelwidrig sperren oder diese festhalten, sodass der Werfer erst dadurch freie ‘Wurfbahn’ hat.
Für Regelwidrigkeiten der Abwehrspieler vor oder während der Wurfausführung gilt allgemein: Vorteil gewähren, die Vergehen ggf. nach Anerkennung des Tors ahnden. Info 1 und 2 stellen Regelwidrigkeiten von Angreifern solchen von Abwehrspielern vor/während der Wurfausführung gegenüber.
Sonderfälle: Torentscheidung, verletzter Torwart
1. Eigentore sind möglich!
Mit Ausnahme des Abwurfs können alle formellen Würfe und alle sonstigen Würfe aus dem laufenden Spiel zu einem Eigentor führen. Denkbar ist auch, dass ein Abwehrspieler – regelwidrig im Torraum stehend – von einem vom Tor abprallenden Ball getroffen wird, der von seinem Körper ins Tor springt. Gemäß Regel 9:1, Absatz 2, muss auch hier auf Tor entschieden werden.
2. Eine am Spiel nicht beteiligte Person verhindert ein Tor.
Verhindert z. B. ein Zuschauer ein Tor (siehe Bild), muss auf Tor entschieden werden, wenn die Schiedsrichter davon überzeugt sind, dass der Ball ohne Eingreifen des Dritten ins Tor gelangt wäre. Dasselbe gilt, wenn ein Tor durch einen Gegenstand verhindert wird. In jedem Fall – auch wenn der Ball ohne das Eingreifen nicht in das Tor gelangt wäre – ist der Sachverhalt im Spielprotokoll zu vermerken.
Hinweis:
‘Dritte’ im Sinne der Regel 9:1, Kommentar, sind alle nicht im Spielprotokoll eingetragenen Personen, also auch Ordner, Vereinsfunktionäre, Sanitäter etc. Handelt es sich bei der im Bild gezeigten Person um eine im Spielprotokoll eingetragene (z. B. um einen Mannschaftsoffiziellen), ist die Wirkung ihrer Aktion abzuwarten. Gelangt der Ball nicht ins Tor, ist auf 7-m-Wurf zu entscheiden und der Offizielle mit Bericht zu disqualifizieren (8:10b). Ebenso ist zu verfahren, wenn ein Torerfolg durch einen Gegenstand verhindert wird und dieser Gegenstand durch eine am Spiel beteiligte Person auf dem Spielfeld platziert wurde (z. B. schleudert ein Mannschaftsoffizieller einen Erste-Hilfe-Koffer auf die Spielfläche).
3. Tore dürfen grundsätzlich nur bis zum anschließenden Anwurf annulliert werden!
Die Annullierung eines zunächst anerkannten Tors darf nur bis zum Anpfiff des Anwurfs erfolgen. Danach bleibt den Schiedsrichtern nur das Eintragen des Vorfalls in das Spielprotokoll.
Hatte der Zeitnehmer das Spiel bereits vor dem Torerfolg unterbrochen und die Uhr angehalten, ist das Tor auch nachdem Anpfiff zu annullieren, sofern die Schiedsrichter die Unterbrechung erst zu diesem Zeitpunkt wahrnehmen.
Haben die Schiedsrichter ein Tor, das unmittelbar vor dem Schlusssignal erzielt wurde, anerkannt, kann es auch dann nicht mehr annulliert werden, wenn sich anschließend herausstellen sollte, dass das Spiel zu spät beendet wurde. Auch hier bleibt nur ein entsprechender Vermerk im Spielprotokoll.
4. Tore immer sofort anzeigen!
Anerkannte Tore müssen für alle Beteiligten eindeutig und klar angezeigt werden. Deshalb sollte ein Tor sofort nach Anerkennung durch die Schiedsrichter auf der Anzeigetafel erscheinen – und nicht erst nach dem Anpfiff zum Anwurf.