Der Spielerwechsel – Fehler ziehen immer eine Hinausstellung nach sich
Spieler dürfen jederzeit und wiederholt gewechselt werden. Häufig werden zwei oder gar drei Spieler gleichzeitig ausgewechselt, was die Gefahr eines Wechselfehlers vergrößert.
Inhalt
Spieler richtig ein- bzw. auswechseln
Auswechselspieler dürfen mit einer Ausnahme jederzeit eingewechselt werden: Ist nach dem Schlusssignal (Halbzeit/Spielende) noch ein Freiwurf auszuführen, darf nur die werfende Mannschaft einen Spieler wechseln (2:5).
Ein korrekter Wechselvorgang setzt zweierlei voraus. Der betreffende Spieler
- muss teilnahmeberechtigt und
- darf momentan nicht hinausgestellt sein.
Beim Wechselvorgang ist darauf zu achten, dass
- zunächst der auszuwechselnde Spieler das Spielfeld regelgerecht, d. h. über die eigene Auswechsellinie, verlässt und
- dann der einwechselnde Spieler es ebenfalls nur über die eigene Auswechsellinie betritt (4:4).
Wann darf ein Spieler die Spielfläche außerhalb der eigenen Auswechsellinie verlassen?
- Bei Hinausstellungen, jedoch in sportlicher Weise (keine Vergehen im Sinne unsportlicher Verhaltensweisen), da die Schiedsrichter das Spiel ohnehin erst wieder anpfeifen, wenn der hinausgestellte Spieler die Spielfläche verlassen hat (siehe auch Bildreihe 5).
- Wenn er die Spielfläche ohne Wechselabsicht nur kurzfristig verlässt (siehe das Beispiel in Bildreihe 6).
- Bei schweren Verletzungen, nach Spielzeitunterbrechung und Zustimmung der Schiedsrichter.
Wechselfehler, zusätzliche Spieler und ihre Ahndung
Ein Wechselfehler liegt vor, wenn sowohl der Spieler, der das Spielfeld verlässt, als auch der Spieler, der das Spielfeld betritt, gleichzeitig mit mindestens einem Fuß auf dem Spielfeld stehen:
Eine Missachtung der Auswechsellinien liegt vor, wenn ein Spieler, der die Spielfläche verlässt oder betritt mit beiden Füßen auf der falschen Seite der Auswechsel- oder Mittellinie steht:
Ein Spieler gilt als zusätzlicher Spieler, wenn dieser mit beiden Füßen auf der Spielfläche steht und kein Mitspieler das Spielfeld verlässt:
Die Bildreihen 1 bis 4 zeigen vier typische Wechselfehler, die Bildreihen 5 und 6 dagegen Beispiele wie richtig gewechselt wird.
Wer ist der fehlbare Spieler?
- Der einwechselnde Spieler, wenn er das Spielfeld zu früh betritt.
- Grundsätzlich der Spieler, der (als erster Spieler) das Spielfeld nicht über die eigene Auswechsellinie betritt oder verlässt.
- Ein zusätzlicher Spieler (4:6), der das Spielfeld unabhängig von einer Auswechslung betritt.
- Ein Spieler, der vom Auswechselraum regelwidrig in das Spielgeschehen eingreift.
- Ein hinausgestellter Spieler, der das Spielfeld vor Ablauf seiner Hinausstellungszeit betritt.
In allen Fällen ist grundsätzlich
- der fehlbare Spieler mit einer Hinausstellung zu bestrafen,
- seine Mannschaft auf der Spielfläche für die folgenden 2 Minuten um einen Spieler zu reduzieren.
Wenn der Zeitnehmer das Spiel wegen eines Wechselfehlers unterbrochen hat, wird es mit Freiwurf für die andere Mannschaft wieder aufgenommen. In anderen Fällen wird es mit dem der Situation im Moment der Spielunterbrechung entsprechenden Wurf fortgesetzt.
Unterbricht der Pfiff des Zeitnehmers eine klare Torgelegenheit der nicht fehlbaren Mannschaft, ist das Spiel mit 7-m-Wurf fortzusetzen (14:1a; Erl. 7).
Bei regelwidrigem Betreten der Spielfläche gemäß Regel 4:4-6 (fehlerhafte Auswechslung oder zusätzlicher Spieler auf der Spielfläche) während einer klaren Torgelegenheit haben die Schiedsrichter oder die Delegierten das Recht, die Vorteilsregel gemäß Regel 13:2 anzuwenden, bis die klare Torchance beendet ist, wenn der fehlbare Spieler die klare Torchance nicht direkt beeinträchtigt. Wird der Vorteil gegeben, findet Regel 8:10b keine Anwendung.
Der Delegierte oder Delegierte wartet mit dem Pfiff, bis die klare Torchance vorbei ist. Ein Zeitnehmer (wenn kein Delegierter am Tisch sitzt) muss trotzdem sofort pfeifen, wenn er einen zusätzlichen Spieler auf dem Spielfeld oder einen Wechselfehler wahrnimmt.
Bei einem Wechselfehler durch einen bereits hinausgestellten Spieler ist wie folgt zu verfahren:
- Erneute Hinausstellung des fehlbaren Spielers
- Für die Restzeit von dessen vorausgegangener Hinausstellung muss die Mannschaft nun einen zweiten Spieler vom Spielfeld nehmen (5 gegen 7). Dies ist für den Spieler, der zusätzlich vom Feld muss, keine persönliche Strafe.
Die Grafik zeigt die korrekte Vorgehensweise von Zeitnehmer und Schiedsrichter bei Spielerwechsel bis zum Wiederanpfiff und die Videos unten ein paar Beispiele aus der Praxis zum Spielerwechsel.
Wechselfehler auch bei Time-out möglich!
Die Wechselbestimmungen müssen sowohl bei Spiel- als auch bei Spielzeitunterbrechungen beachtet werden. Das Spielfeld darf von mehr als den erlaubten 6 Feldspielern und maximal einem Torwart (insgesamt 7 Spielern) je Mannschaft grundsätzlich nur während eines Team-Time-outs betreten werden (4:4). Eine weitere Ausnahme stellen die Bestimmungen zur Betreuung verletzter Spieler auf der Spielfläche dar (4:11), wenn im Falle einer Verletzung und Time-out nach Erlaubnis der Schiedsrichter eine dritte Person (Spieler) die Spielfläche betritt (4:11).
Achtung: Im Falle einer Verletzung dürfen nach Erlaubnis durch die Schiedsrichter maximal zwei teilnahmeberechtigte Personen der betreffenden Mannschaft das Spielfeld betreten (4:11). Dies dürfen auch hinausgestellte Spieler sein.
DIE NACHFOLGENDE REGELUNG GILT IM BEREICH DES DHB FÜR DEN VOM DHB UND DEN LIGAVERBÄNDEN GEFÜHRTEN SPIELBETRIEB sowie für die Verbände, die für ihren Spielbetrieb (verbandsübergreifend, gesamter Bereich oder auf einzelne Spielklassen bezogen) die Regel 4:11, Abs 2. beschlossen haben (siehe daher die entsprechenden Durchführungsbestimmungen):
Ein Spieler, der wegen einer Verletzung behandelt wurde, muss anschließend für drei Angriffe seiner Mannschaft aussetzen, er darf aber durch einen anderen Spieler ersetzt werden. Dazu muss er nach der Behandlung das Spielfeld umgehend verlassen. Betritt er zu früh wieder das Spielfeld, wird dies als Wechselfehler geahndet.
Die Pflicht zum Aussetzen endet in jedem Fall mit dem Ende der Halbzeit oder mit einer Hinausstellung für den Spieler.
Die Pflicht auszusetzen gilt nicht, wenn
- die Verletzung aus einer Regelwidrigkeit resultiert, für die der Gegenspieler progressiv bestraft wird;
- ein Torwart behandelt werden muss, der vom Ball am Kopf getroffen wurde.
Hinweis:
Mögliche Wechselfehler bei der Freiwurfausführung nach Halbzeit oder Schlusssignal wird unter Freiwurf nach Halbzeit | Schlusspfiff erläutert.