Es ist mehr erlaubt, als man meinen könnte: So darf man den Ball spielen
Hier geht es im ersten Teil um die Möglichkeiten des Einzelspielers, den Ball ohne Einwirkung eines Gegenspielers zu spielen, und im zweiten um das Spielen des Balls innerhalb der Mannschaft.
Inhalt
- Der offizielle Regeltext
- Mit welchen Körperteilen?
- Verschiedene Formen des Ballbesitzes
- Sich mit Ball bewegen – wann ist ein Schritt ausgeführt?
- Ballannahme im Sprung
- Wie erfolgt die Landung nach der Ballannahme im Sprung?
- Praxisproblem: Schrittfehler erkennen!
- Den Ball tippen, prellen, rollen
- Der Ball darf grundsätzlich in jeder Körperlage gespielt werden
- Ein Spieler fällt mit Ball zu Boden – wie darf er weiterspielen? (Kommentar zur Regel 7:3)
- Den kontrollierten Ball mehrfach berühren – was ist erlaubt, was nicht?
- Fußabwehr – liegt eine regelwidrige Abwehrhandlung vor?
- Wann ist eine Fußabwehr zu bestrafen?
- Spieleraktionen ohne Ball außerhalb des Spielfelds
Der offizielle Regeltext
Regel 7 ist zweigeteilt: Die Ziffern 7:1 bis 7:6 beschreiben die regelkonformen Möglichkeiten des einzelnen Spielers, den Ball zu spielen (Balltechnik). Die Ziffern 7:7 bis 7:10 erläutern fehlerhaftes Verhalten beim Spielen des Balls. Die Ziffern 7:11 und 7:12 in Verbindung mit Erläuterung 4 befassen sich mit dem Spielen des Balls innerhalb der gesamten Mannschaft, dem sogenannten passiven Spiel.
Mit welchen Körperteilen?
Worum geht es in 7:1 bis 7:6?
- Ballannahme: Verschiedene Möglichkeiten der Annahme des Balls (unter Beachtung der Schrittregel)
- Ballbesitz: Regeltechnische Beschränkungen der Ballkontrolle, Formen der Ballführung (z. B. Tippen, Prellen)
- Bewegung mit Ball: Fortbewegung mit Ball unter Beachtung der regeltechnischen Begrenzungen durch die Schrittregel, wenn der Ball z. B. nach einem Tippen/Prellen wieder aufgenommen wird (= Ballaufnahme).
- Spielen des Balls: Wie darf der Ball gespielt werden, aus welcher Körperlage, mit welchen Körperteilen?
Den Ball werfen, fangen, stoppen, stoßen, schlagen – laut 7:1 ist das alles erlaubt!
Achtung:
Für die Beurteilung der Regelkonformität ist bedeutsam, wann ein Spieler den Ball tatsächlich (mit einer oder beiden Händen) gefasst hat. Abzugrenzen vom Fassen sind Pritschen, Tippen und natürlich Prellen.
Womit der Ball gespielt werden darf, fasst die Grafik zusammen: Außer mit Fuß und Unterschenkel im Prinzip mit allen Körperteilen. Soweit es nicht um das Spielen des Balls mit der Hand geht, beschreibt das Regelwerk hier eher theoretische Möglichkeiten, die in der Praxis äußerst selten vorkommen. Denkbar sind aber z. B. Situationen, in denen der Ball vom Tor (oder Torwart) zurückprallt und einen Spieler am Körper trifft.
Interessanter ist schon, wie der Ball gespielt werden darf. In den letzten Jahren haben sich mit dem Spieltempo auch schnellere Techniken des Spielens des Balls entwickelt. Beispiele:
- Fangen mit einer Hand in voller Laufbewegung (z. B. bei Gegenstößen!)
- Weiterspielen des Balls zum Mitspieler durch Pritschen oder Tippen: Der Ball wird hier gar nicht mehr gefasst (das kostet Zeit!), sondern mit einer kurzen Berührung möglichst schnell weitergeleitet.
Verschiedene Formen des Ballbesitzes
Zunächst einige, für das Verstehen des gesamten Regelwerks wichtige Definitionen (siehe dazu auch die Grafik):
Die Ballkontrolle
Ein Spieler kontrolliert einen Ball, wenn er ihn mit mindestens einer Hand gefasst hat. Das Regelwerk gibt klar vor, was in dieser Situation erlaubt, und was verboten ist:
- Der Ballhalter darf den gefassten Ball maximal 3 Sekunden halten (7:2), auch wenn dieser auf dem Boden liegt (13:1a), und er darf sich ohne Tippen/Prellen mit dem gefassten Ball maximal 3 Schritte bewegen (7:3).
- Für Gegenspieler bestehen, was den Angriff auf einen gefassten Ball betrifft, ebenfalls erhebliche Einschränkungen (z. B. 8:2a, siehe dazu unsere Erläuterungen in Kapitel 1.5).
Die Ballannahme
Einem Spieler wird der Ball von einem Mitspieler zugespielt oder nach Prellen wieder aufgenommen bzw. er fängt einen Pass des Gegners ab. Diese erste Form des Ballkontakts darf unterschiedlich (7:3, 7:3 a-d) ausfallen.
Die Ballaufnahme
Im Unterschied zur Ballannahme ist der Spieler hier bereits in Ballbesitz. Nach Tippen (= den Ball einmal auf den Boden prellen) oder Prellen (= mehrfaches Prellen des Balls auf den Boden) nimmt er ihn auf. Die Ballaufnahme führt damit (wieder) zur Ballkontrolle.
Achtung:
Regeltechnisch besteht nach einer Ballannahme (ohne anschließendes Tippen/Prellen) und einer (nach Tippen/ Prellen erfolgten) Ballaufnahme kein Unterschied. Der Ball darf maximal 3 Sekunden gehalten bzw. mit dem gefassten Ball dürfen maximal 3 Schritte ausgeführt werden (s. Grafik).
Der Ballbesitz
In Ballbesitz ist ein Spieler, der den (nicht gefassten) Ball tippt oder prellt. Im Gegensatz zur Ballkontrolle (= regeltechnisch deutlich eingeschränkte Möglichkeit für Gegenspieler, diesen Ball zu spielen) birgt der bloße Ballbesitz aus der Sicht des Gegenspielers mehr Chancen, ihn regelgerecht zu erobern: Er darf den Ball beim Tippen/Prellen jederzeit herausspielen.
Dasselbe gilt, wenn sich Spieler einer Mannschaft den Ball untereinander zuspielen, sie sind dann auch in Ballbesitz. Der in der Luft befindliche (also von niemandem kontrollierte) Ball darf jedoch jederzeit abgefangen werden.
Anmerkung:
Anders verhält es sich bei sogenannten freien Bällen. Hier befindet sich momentan (z. B. nach einem Abpraller) keine Mannschaft in Ballbesitz, zwei oder auch mehr Spieler „kämpfen“ um diesen!
Sich mit Ball bewegen – wann ist ein Schritt ausgeführt?
Bei der Beurteilung von Schrittfehlern nach Regel 7:3 ist ein besonders wichtiges Kriterium, wann ein Spieler den Ball fängt (= Ballkontrolle) bzw. aufnimmt (= Ballaufnahme) und wie er danach den Boden berührt. Regeltechnisch unterscheiden wir hier drei Situationen:
Der Spieler hat bei Erlangung der Ballkontrolle ...
1. ... mit beiden Füßen Bodenkontakt.
Mit dem nächsten Schritt ist der erste der (ohne Tippen/Prellen) insgesamt 3 erlaubten Schritte verbraucht (siehe Bildreihe 1, Regel 7:3a).
2. ... mit einem Fuß Bodenkontakt.
Diese Form der Ballannahme – häufig im Laufen/Sprinten – wird auch als ‘Ballannahme mit Annahmeschritt’ bezeichnet: Der Ball wird bei ständigem Bodenkontakt während eines Rechts- oder Linksschritts an- bzw. aufgenommen. Mit dem nächsten Bodenkontakt ist bereits einer der regeltechnisch zur Verfügung stehenden 3 Schritte verbraucht (siehe Bildreihe 2, Regel 7:3b).
3. ... keinen Bodenkontakt (befindet sich im Sprung).
Je nachdem, wie nach der Ballan- bzw. Ballaufnahme der Boden berührt wird (siehe Bildreihen 3 und 4, Regeln 7:3c und d), ergeben sich regeltechnisch unterschiedliche Schrittzahlen.
Ballannahme im Sprung
Erfolgt die Ballannahme ohne Bodenkontakt im Sprung, ist nach Art der folgenden Bodenberührung zu unterscheiden:
1. Der erste Bodenkontakt erfolgt mit einem Fuß (Bildreihe 3, Regel 7:3c)
Mit diesem ersten Bodenkontakt ist noch keiner der regeltechnisch zur Verfügung stehenden Schritte verbraucht! Erst mit dem folgenden nächsten Schritt – mit demselben Bein (= Hüpfer) oder mit dem anderen Bein (= Schritt) – wird regeltechnisch der 1. Schritt ausgeführt.
Diese Form der Ballannahme im Sprung und folgendem Bodenkontakt mit einem Fuß (siehe oben Bildreihe 3) wird recht häufig angewendet, um aus dem Lauf (oder nur einem Schritt!) sofort auf das Tor zu werfen.
2. Der erste Bodenkontakt erfolgt mit beiden Füßen gleichzeitig (Bildreihe 4, Regel 7:3d)
Wird der Ball im Sprung gefangen und landet der Spieler danach mit beiden Füßen gleichzeitig (!) auf dem Boden, hat er regeltechnisch auch noch keinen Schritt ausgeführt – wie oben.
Diese Form der Ballannahme (auch als ‘Nullkontakt’ bezeichnet) wird schon im Jugendbereich intensiv trainiert, da sie mehrere Vorteile hat: Bei korrekter Ausführung befindet sich der Spieler – meist in paralleler Grundstellung – in einer stabilen Ausgangsposition. Er kann einen Durchbruch sowohl zur Wurfarmseite als auch zur Wurfarmgegenseite mit der maximal zur Verfügung stehenden Schrittanzahl ausführen, ohne (zeitaufwendig und im Zweikampf gefährlicher) den Ball tippen bzw. prellen zu müssen.
Besonders schwierig zu erkennen ist für die Schiedsrichter, ob ein Spieler den Ball mit oder ohne Bodenkontakt annimmt. In Bildreihe 4 (siehe oben) wird die Ballannahme in der Luft etwas überdeutlich gezeigt. In der Regel springen Spieler etwas flacher nach vorn, um in Tornähe sofort den Zweikampf aufnehmen zu können (Distanz zum Gegenspieler verkürzen). Häufig erfolgt auch eine Kombination: Nach der Ballannahme im Sprung wird noch ein Schritt oder Hüpfer ausgeführt, um anschließend mit gleichzeitigem Bodenkontakt beider Füße in die parallele Grundstellung zu springen. Regeltechnisch wird bei dieser Kombination jedoch bereits ein Schritt ‘verbraucht’.
Wie erfolgt die Landung nach der Ballannahme im Sprung?
Zwei Beobachtungskriterien für die Schiedsrichter:
- Erfolgte die Ballannahme noch vor dem Bodenkontakt?
- Wie landete der Spieler?
Regel 7:3d betont die gleichzeitige Bodenberührung beider Füße nach einer Ballannahme im Sprung. Recht häufig begehen Spieler hier Fehler, indem sie die Landung eben nicht mit beiden Füßen gleichzeitig, sondern kurz hintereinander ausführen (so genannter Doppelkontakt, siehe Bildreihe 5). Damit ist regeltechnisch jedoch bereits 1 Schritt ausgeführt.
Fehler entstehen auch dann, wenn der Spieler nicht ausbalanciert in der parallelen Grundstellung landet. Auch hier werden häufig, z. B. um die Vorwärtsbewegung abzufangen, ein oder sogar zwei kleinere Schritte ausgeführt.
Hinweis:
Gemäß Regel 7:3 ist es erlaubt sich mit dem Ball höchstens 3 Schritte zu bewegen, nachdem der Ball von einem anderen Spieler angenommen oder nach Prellen wieder aufgenommen wird. Wenn ein Spieler den Ball erhält oder fängt, während seine beiden Füße den Boden nicht berühren, wird das Aufsetzen eines Fußes oder beider Füße gleichzeitig auf den Boden nicht als Schritt gewertet. Nullkontakt = kein Schritt!
Praxisproblem: Schrittfehler erkennen!
Viele Kontroversen entstehen bei der Ahndung von Schrittfehlern, weil die Beurteilung aufgrund des Spieltempos, intensiver Zweikämpfe mit Körperkontakt – auch Letzterer hat natürlich Einfluss auf die Schrittgestaltung! – sowie variantenreicher Techniken im Spielen des Balls bzw. bei der Anwendung von Täuschungen nicht gerade einfach ist. Da ein Mitzählen aufgrund des Bewegungstempos unmöglich ist, bleibt den Schiedsrichtern nur, sich bestimmte Handlungsmuster genau einzuprägen (s. auch Videos unten).
Die Bildreihen 6 und 7 zeigen zwei sehr häufig vorkommende Spielhandlungen: In Bildreihe 6 nimmt der Angreifer aus der Ballannahme die Wurfauslage ein. Damit hat er aber bereits alle drei Schritte verbraucht. Vor dem nächsten muss er daher den Ball prellen/tippen oder abspielen bzw. einen Torwurf ausführen.
Ein besonderes Problem haben die Schiedsrichter bei Zweikämpfen mit Überlegen oder Überziehen des Wurfarms (Bildreihe 7). Dabei führt der Angreifer beim Durchbruch zur Wurfarmgegenseite den Wurfarm über den Kopf des Abwehrspielers. Je nach Vorbereitung der Spielhandlung kommt es zum Körperkontakt, was die Beurteilung der Zahl der Schritte noch schwieriger macht.
Der Durchbruch erfolgt dabei wie in Bildreihe 7 mit einem Sprung (aus der Grundstellung) oder auch mit einem Schritt. Das Wechseln des Balls von der einen in die andere Hand ist dabei erlaubt (7:5).
Regelgerechte „Überzieher“ sind in der Regel nur dann zu beobachten, wenn es dem Angreifer gelingt, mit Ballannahme und Täuschungshandlung einen Bewegungsvorsprung gegenüber dem Abwehrspieler zu erreichen.
Den Ball tippen, prellen, rollen
Gemäß Regel 7:4 darf der Ball im Stehen oder Laufen einmal (= Tippen, siehe Bildreihe 8) oder mehrfach (= Prellen) mit einer Hand auf den Boden geprellt werden. Ebenso darf ein auf dem Boden rollender Ball mehrfach mit einer Hand berührt werden.
Für alle Arten der Ballbewegung gilt: Nach der Ballaufnahme sind, da der Ball jetzt gefasst ist (= Ballkontrolle), die weiteren Handlungsmöglichkeiten begrenzt. Man darf den Ball maximal 3 Sekunden halten oder mit ihm höchstens 3 Schritte ausführen. Ferner ist zu beachten, wie viele Schritte nach der Ballaufnahme verbraucht werden (siehe Bildreihe 9).
Regeltechnisch ist bedeutsam, wann das Tippen oder Prellen beginnt: Der Spieler muss den Ball mit der Hand (oder einem anderen Körperteil) in Richtung Boden lenken (7:4). Die Flugrichtung des Balls wird hierbei also bewusst geändert. Aus dieser Formulierung ergibt sich auch die Beurteilung eines typischen Prellfehlers (Bildreihe 10): Dort wird der Ball beim Prellen nicht direkt zu Boden gelenkt, seine Flugrichtung wird nicht geändert – der Ball wird geführt.
Steckt für den Schiedsrichter hinter der Richtungsänderung des Balls (die ja bereits durch ein Anwerfen entstehen kann) keinerlei ‘Lenken’, so kann dies auch nicht der Beginn des Prellvorgangs sein. Der Spieler darf den Ball also mit zwei Händen fassen, wiederholt mit einer Hand auf den Boden prellen und danach abermals mit zwei Händen fassen, bevor die Drei-Schritte-Begrenzung/3-Sekunden-Frist beginnt.
Erkennen von Schrittfehlern
Tipps zum Erkennen von Schrittfehlern:
Wie bereits erwähnt, ist das Zählen von Schritten in der Praxis kaum möglich. Anhand folgender Kriterien lässt sich aber die Entscheidung „Schrittfehler ja oder nein“ erleichtern:
- Beginnt die Aktion nach Zuspiel oder eigenem Prellen?
Merke: Ein Nullkontakt ist nach Zuspiel oder eigenem Anprellen möglich (aber Ballannahme während beider Füße den Boden nicht berühren). - Erfolgt die Aktion zur oder gegen die Wurfarmseite?
Merke: Die Möglichkeit eines Schrittfehlers bei Aktionen gegen die Wurfarmseite ist größer als zur Wurfarmseite. - Erfolgt der Absprung mit dem „richtigen“ oder „falschen“ Bein?
Merke: Springt ein Rechtshänder mit dem rechten („falschen“) Bein ab, verfolgt er damit das Ziel, einen Schrittfehler zu vermeiden. Insofern sind Schrittfehler bei Absprung mit dem „falschen“ Bein eher unwahrscheinlich.
Der Ball darf grundsätzlich in jeder Körperlage gespielt werden
Seitdem regeltechnisch die Möglichkeit besteht, einen liegenden, rollenden oder springenden Ball im (Hecht-)Sprung zu erkämpfen, haben attraktive Szenen mit dem Kampf um freie Bälle deutlich zugenommen. Hier ist die Regel 7:6 einschlägig. Freie Bälle werden entweder im Zweikampf oder auch häufig – z. B. kurz bevor sie die Seitenlinie überqueren – im Sprung erkämpft. Hat ein Spieler den Ball auf diese Weise regelgerecht, d. h. ohne Behinderung eines Gegenspielers, unter Kontrolle gebracht, versucht er häufig, die Situation sofort taktisch zu nutzen. Dabei wird der Ball aus jeder Körperlage (s. Bildergalerie) möglichst schnell zu einem Mitspieler weitergeleitet.
Erlaubte Formen des Passens
Eine weitere typische Spielsituation sind so genannte ‘Rebounds’: Der Ball prallt vom Tor oder Torwart in Richtung Torraumlinie ab. In der Luft über dem Torraum darf er gespielt werden. Das nutzen Angreifer wie Abwehrspieler. Beim Absprung in den Torraum oder auch kurz davor darf jedoch keine Regelwidrigkeit (Stoßen, Festhalten) begangen werden.
Ein Spieler fällt mit Ball zu Boden – wie darf er weiterspielen? (Kommentar zur Regel 7:3)
Es entstehen oft Situationen, in denen Spieler mit Ball zu Boden fallen. Beispiele:
- Sturz ohne Fremdverschulden aus dem Lauf/Prellen
- Erkämpfen eines liegenden, rollenden oder springenden Balls im Hechtsprung
- Erkämpfen von Abprallern vom Tor/Torwart/Abwehrblock
Dabei kann es vorkommen, dass Spieler, die den Ball im Fallen/ Hechten regelgerecht unter Kontrolle gebracht haben, über den Hallenboden rutschen. Der Kommentar zur Regel 7:3 klärt, wie das Spiel in solchen Situationen fortzusetzen ist:
- Allgemein gilt: das Rutschen mit Ball innerhalb des Spielfeldes und außerhalb der Torräume ist regelkonform: Der Spieler darf aufstehen und den Ball weiterspielen!
- Hatte der Spieler den Ball vor dem Fallen geprellt und/oder schon ein bis zwei Schritte ausgeführt, muss er nach dem Aufstehen den Ball unmittelbar weiterspielen, um keinen Schrittfehler zu begehen.
- Hatte der Spieler vor dem Fallen nicht geprellt und keinen Schritt ausgeführt, darf er aufstehen und so weiterspielen, als hätte er den Ball gefangen (z. B. Prellen, drei Schritte als Spielfortsetzung).
Diese Regelvorgaben gelten auch für Situationen, in denen ein Spieler mit einem (Hecht-) Sprung einen freien Ball erkämpft.
Voraussetzung für das Weiterspielen nach dem Aufstehen: er muss den Ball regelgerecht unter Kontrolle bringen!
Hinweis: Sollte der Sturz aufgrund eines Spielfeldmangels (z. B. feuchte Stelle) erfolgt sein, sollten die Schiedsrichter das Spiel unmittelbar oder nach Vorteilsgewährung mit Time-out unterbrechen und den Mangel beheben lassen.
Den kontrollierten Ball mehrfach berühren – was ist erlaubt, was nicht?
Während Kontroversen zwischen Schiedsrichtern und Trainern über vermeintliche oder tatsächliche Schrittfehler häufiger vorkommen, sind sie bei Beanstandungen von technischen Fehlern beim Spielen des Balls (Ballannahme oder der Ballkontrolle) eher selten:
- mehrfaches Berühren des Balls beim Versuch, ihn unter Kontrolle zu bringen: erlaubt.
- mehrfaches Berühren des kontrollierten Balls: nicht erlaubt.
Um den praktischen Bezug dieser Regeln plastischer zu machen, gehen wir zunächst von den drei Spielsituationen (siehe auch unten Info 1) aus, die im Spiel durchaus vorkommen können (Spieler mit balltechnischen Mängeln).
Situation 1: Ballkontrolle
Ein Spieler hat den Ball gefangen (Ball in beiden Händen gefasst = Ballkontrolle), während er sich im Stand oder in einer Vorwärtsbewegung befindet. Bevor er ihn getippt oder geprellt hätte, fällt er ihm aus der Hand.
Laut 7:7 darf er den kontrollierten Ball wieder berühren, wenn dieser vorher den Boden oder einen anderen Spieler berührt hatte (dasselbe gilt bei einer Torberührung, die aber in diesem Beispiel nicht in Betracht kommt).
Fasst er also schnell nach und nimmt er den Ball schon vor einer Bodenberührung direkt wieder auf, ist auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft zu entscheiden. Berührt er den Ball hingegen erst nach der Bodenberührung oder wurde der Ball zwischenzeitlich von einem anderen Spieler berührt, gilt dies als erlaubte Ballaufnahme (7:4). Er darf jetzt noch 3 Schritte ausführen bzw. den Ball maximal 3 Sekunden lang halten.
Situation 2: Ballaufnahme
Im Unterschied zu Situation 1 fällt der Ball dem Spieler, der ihn nach dem Prellen kontrolliert hatte (= Ballaufnahme, gefasster Ball in beiden Händen), aus den Händen. Jetzt greift nicht Regel 7:7 (Ballberührung, nachdem der Ball den Boden, einen anderen Spieler oder das Tor berührt hatte), sondern Regel 7:4. Nach der Ballaufnahme hat der Spieler den Ball quasi gespielt. Würde er ihn erneut berühren, müsste auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft entschieden werden.
Folglich ist der Ball jetzt frei spielbar für alle übrigen Spieler beider Mannschaften.
Achtung: In der Praxis versucht der regeltechnisch an der erneuten Ballberührung gehinderte Spieler häufig, den Ball mit dem Körper vor dem Zugriff gegnerischer Spieler abzuschirmen. Die Schiedsrichter müssen genau beobachten, ob darin eine Regelwidrigkeit zu sehen ist (z. B. regelwidriges Sperren).
Situation 3: Ballannahme
Misslingt dem Spieler im Unterschied zu Situation 1 bereits der Versuch, einen ihm zugespielten Ball unter Kontrolle zu bringen, ihn also mit einer oder beiden Händen zu fassen, greift Regel 7:7. Selbst wenn der Ball jetzt wie in Bildreihe 11 wegspringt, darf der Spieler diesen bei dem Versuch, ihn unter Kontrolle zu bringen, sogar mehrfach berühren.
Regel 7:7 ermöglicht übrigens die im Spiel äußerst selten vorkommende so genannte ‘Selbstvorlage’: Bildreihe 12 zeigt so eine Spielsituation, die durchaus denkbar ist, und, da sie einen gewissen taktischen Überraschungseffekt birgt, gar nicht so konstruiert erscheint.
Ball trifft Schiedsrichter – Schiedsrichter sind ‘Luft’
Schiedsrichter sollten ihre Laufwege und ihr Stellungsspiel auf dem Spielfeld der jeweiligen Situation so anpassen, dass sie weder das Spiel stören noch Laufwege von Spielern blockieren oder Passwege bzw. Anspielräume für Tempogegenstöße kreuzen. Wird ein Schiedsrichter dennoch von einem Ball berührt, besagt Regel 7:9, dass weitergespielt wird. Die Ballberührung hat keinerlei regeltechnische Folgen, selbst wenn der Schiedsrichter die ballbesitzende Mannschaft in Situationen wie auf dem Foto eindeutig behindert.
Beachte:
- Wenn der Ball den Schiedsrichter (auf der Spielfläche stehend) trifft und der Ball gelangt danach ins Tor, ist auf Tor zu erkennen (ausgenommen beim Abwurf, bei dem kein Eigentor möglich ist).
- Wenn der Ball beim Abwurf den Schiedsrichter (im eigenen Torraum stehend) trifft und der Ball verbleibt im Torraum, wird der Abwurf mit Anpfiff wiederholt.
- Wenn der Ball beim Abwurf den Schiedsrichter (im Spielfeld stehend) trifft, geht das Spiel weiter. Es ist dem Torwart allerdings nicht erlaubt, den Ball direkt danach wieder im Spielfeld zu berühren (Freiwurf für die andere Mannschaft).
Fußabwehr – liegt eine regelwidrige Abwehrhandlung vor?
Das Spiel über den Kreis oder Außen ist ein zentrales taktisches Instrument. Aus dem Rückraum werden die Kreisspieler bzw. Außenspieler selbst auf engstem Raum mit teilweise risiko- und trickreichen Bodenpässen angespielt. Häufig spielen die Angreifer dabei den Ball direkt durch die Beine eines in frontaler Grundstellung agierenden Abwehrspielers.
Was muss der Schiedsrichter hier beachten:
Schließt danach der Abwehrspieler seine Beine wie in Bildreihe 13 reflexartig, gilt das nicht als Unsportlichkeit gemäß 8:7e bzw. 8:8e. Gemäß 7:8 und 13:1b muss aber auf Freiwurf für die angreifende Mannschaft erkannt werden.
Info 2 veranschaulicht den regeltechnisch wichtigen Unterschied, ob ein Abwehrspieler z. B. beim Herauslaufen aus der Abwehr den Ball wie im linken Foto mit Fuß/Unterschenkel berührt, was keine persönliche Strafe nach sich zieht, oder ob eine aktive Fußabwehr erfolgt; sie muss gemäß Regel 8:7e sofort progressiv bestraft werden.
Wenn ein stehender Abwehrspieler, der sich nicht bewegt hat, angeworfen wird, ist weiterspielen zu lassen.
Wann ist eine Fußabwehr zu bestrafen?
Das deutliche Abspreizen oder Anheben eines bzw. beider Unterschenkel oder Füße mit dem Ziel, einen Pass oder Torwurf zu blocken/wegzuschlagen, was einen deutlichen Einfluss auf die Spielsituation zur Folge hat, ist mit einer direkten Hinausstellung zu bestrafen (8:8e).
Aber das aktive Abwehren von Würfen oder Pässen mit dem Fuß oder Unterschenkel, wenn diese Bewegung die Körperfläche des Spielers vergrößert ist hingegen (nur) progressiv zu bestrafen (8:7e). Andererseits ist eine Berührung des Spielballs aus der normalen Vorwärtsbewegung heraus von der erwähnten regelwidrigen Abwehr zu unterscheiden.
Unabhängig von den Beispielen ist entsprechend Regel 7:8 das Berühren des Balls mit Fuß/Unterschenkel erlaubt, wenn der betreffende Spieler angeworfen wird.
Spieleraktionen ohne Ball außerhalb des Spielfelds
Eine Unsitte in nahezu allen Leistungsbereichen ist z.B., dass Außenspieler ihren Anlauf zum Sprung in den Torraum teilweise deutlich außerhalb des Spielfelds starten (siehe Bildreihe 16). Dabei erfolgt die Ballannahme zwar erst innerhalb des Spielfelds, aufgrund des mit 1 bis 2 Metern außerhalb des Spielfelds verlängerten Anlaufs verschafft sich der Außenangreifer aber einen regelwidrigen Vorteil: Seine Anlaufgeschwindigkeit ist höher, er kann so viel weiter in den Torraum springen und damit seinen Wurfwinkel verbessern.
Spieler außerhalb des Spielfelds:
Für diese Fälle ist die Vorgehensweise für die Schiedsrichter gemäß 7:10 und in Verbindung mit 13:1a wie folgt:
- Korrektur durch den Schiedsrichter (Hinweis)
- Bei Nichtbeachtung bzw. verzögerter Beachtung des Korrekturhinweises sowie im Wiederholungsfall Freiwurf für den Gegner (jedoch keine persönliche Bestrafung).
Verlässt ein Spieler das Spielfeld ohne Ball, fordern die Schiedsrichter ihn auf, ins Spielfeld zurückzukehren (Korrektur!). Kommt er dieser Aufforderung nicht unverzüglich nach, muss – natürlich auch im Wiederholungsfall – auf Freiwurf für den Gegner entschieden werden. Selbst im Wiederholungsfall hat jedoch keine persönliche Bestrafung des fehlbaren Spielers zu erfolgen (7:10, Abs.2).
Auf den Bildern unten werden schließlich die regeltechnischen Bestimmungen von 7:10, Absatz 1, zu der Frage erläutert, wann sich ein Spieler regelwidrig außerhalb des Spielfelds bewegt, während der Ball sich noch innerhalb des Spielfelds befindet.
Gemäß Regel 7:10 ist es nicht erlaubt, den Ball zu berühren, solange irgendein Körperteil den Boden außerhalb der Spielfläche berührt.