Der 7-m-Wurf: keine Strafe, sondern Wiederherstellung einer klaren Torgelegenheit!
Neben den Ausführungsbestimmungen zum 7-m-Wurf rückt in diesem Abschnitt der Begriff der klaren Torgelegenheit in den Mittelpunkt.
Inhalt
Wann ist auf 7-m-Wurf zu entscheiden?
Der 7-m-Wurf ist als das ‘Duell’ zwischen Werfer und Torwart für die Zuschauer eine besonders attraktive Spielsituation. Allerdings entzünden sich immer wieder Diskussionen an der Frage, ob die Entscheidung auf 7-m-Wurf berechtigt war oder nicht.
Der einst gängige Satz - der 7-m ist keine Bestrafung, sondern nur die Wiederherstellung einer klaren Torgelegenheit - hat seit der umfassenden Regelreform aus dem Jahr 2016 keine Gültigkeit mehr. Richtig ist nun: Der 7-m ist die Wiederherstellung einer klaren Torgelegenheit (Ausnahme bei Vergehen in den letzten 30 Sekunden).
Zunächst rückt für Situationsbeurteilung und Entscheidungsfindung der Schiedsrichter der Begriff der ‘klaren Torgelegenheit’ zunächst in den Mittelpunkt. Bei der Aufarbeitung der Regeln 14:1 und 14:2 sowie der diese ergänzenden Erläuterung 6 erläutern wir im Folgenden unterschiedliche Grundsituationen und Entscheidungskriterien für eine 7-m-Entscheidung.
Wann ist ein 7-m-Wurf zu geben?
Bei regelwidrigem Vereiteln einer klaren Torgelegenheit ...
- ... auf der gesamten Spielfläche
- ... durch Spieler oder Mannschaftsoffizielle der gegnerischen Mannschaft
- ... durch einen unberechtigten Pfiff
- ... durch Eingreifen einer nicht am Spiel beteiligten Person
- ... durch ‘höhere Gewalt’ (z. B. Lichtausfall)
- ... durch Vergehen in den letzten 30 Sekunden des Spiels nach Regel 8:11a+b
Der offizielle Regeltext
Regelwidriges Vereiteln einer klaren Torgelegenheit – Grundsituationen
1. Aktionen mit Ball- und Körperkontrolle
Die erste Grundsituation beschreibt die bekannten Wurfszenarien von Angreifern an der Torraumlinie (siehe auch Bildreihe 1 unten). Die klare Torgelegenheit ergibt sich aus zwei Kriterien:
- Volle Ball- und Körperkontrolle
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein Spieler, der seine Wurfaktion nicht jederzeit – trotz Bedrängnis – voll kontrollieren kann, auch nicht in der Lage ist, zielgenau zu werfen. - Kein Gegenspieler kann den Werfer mit zulässigen Mitteln stoppen.
An der Torraumlinie hat ein Gegenspieler dann keine Chance mehr, einen Torwurf regelgerecht zu verhindern, wenn er nicht in frontaler Grundposition den direkten Weg zum Tor versperren kann.
2. Ganz wichtig: Vorteil gewähren!
Regel 14:2 macht bei ‘7-m-würdigen’ Aktionen an der Torraumlinie eine wichtige Einschränkung: Es darf(!) nicht auf 7-m-Wurf entschieden werden, wenn der Angreifer die volle Ball- und Körperkontrolle behält (siehe auch Bildreihe 2).
Die Beobachtungs- und Entscheidungsfolge der Schiedsrichter ist deshalb die folgende:
- Behält der Angreifer trotz regelwidriger Bedrängnis die uneingeschränkte Ball- und Körperkontrolle?
- Wenn ja, muss zunächst Vorteil gewährt werden (14:2, 13:2). Auf keinen Fall vorschnell unterbrechen!
- Erzielt der Angreifer trotz regelwidriger Bedrängnis ein Tor, muss es anerkannt werden.
- Wenn ein Angreifer trotz der Regelwidrigkeit die volle Ball- und Körperkontrolle behält, darf nicht mehr auf 7-m-Wurf entschieden werden, wenn er die klare Torgelegenheit anschließend vergibt.
- Begeht der Angreifer während oder nach der Regelwidrigkeit des Abwehrspielers selbst eine Regelwidrigkeit (häufig vorkommendes Beispiel: Schrittfehler), ist der Vorteil aufgehoben (Spiel unterbrechen).
Im Kern müssen die Schiedsrichter hier gemäß 14:2 vor allem die Ball- und Körperkontrolle des regelwidrig bedrängten Angreifers sorgfältig beurteilen.
Beachte:
Kann sich ein Angreifer am Torraum nach (!) einer Regelwidrigkeit gegen ihn in Richtung Tor durchsetzen und im Besitz der vollen Ball- und Körperkontrolle frei zum Torwurf ansetzen (= Vorteil wurde gewährt), darf nicht auf 7-m-Wurf entschieden werden, wenn er die klare Torgelegenheit vergibt (14:2, Absatz 1).
3. Regelwidriges Vereiteln einer klaren Torgelegenheit auf dem ganzen Spielfeld
Selten, aber denkbar ist die im Bild oben dargestellte Spielsituation: In der eigenen Hälfte fängt ein Abwehrspieler den Ball ab und prellt allein Richtung gegnerisches Tor. Zwischen ihm und dem gegnerischen Tor befindet sich kein gegnerischer Spieler. Sein direkter Gegenspieler agiert von hinten. Wenn dieser den Ballhalter jetzt festhält, umreißt oder so stößt, dass er die Ball- und Körperkontrolle verliert, muss auf 7-m-Wurf entschieden werden!
Beachte:
Zwischen Torwart und Ballhalter darf sich kein Gegenspieler befinden, andernfalls wäre nicht von einer klaren Torgelegenheit auszugehen!
Durch die Regeländerungen im Jahr 2016 agieren Mannschaften deutlich häufiger ohne Torwart (leeres Tor), da man nunmehr einen beliebigen Feldspieler, ohne Leibchen, für den Torhüter einwechseln kann. Dadurch nimmt die Wahrscheinlichkeit drastisch zu, dass es bei einem Ballverlust der angreifenden Mannschaft einen 7-m-Wurf als Spielfortsetzung zu geben hat. Nämlich genau in den Situationen, in denen der nunmehr ballbesitzende Angreifer erkenntlich in Richtung des leeren Tores schaut und eine Wurfbewegung ausführt bzw. auszuführen vermag, diese aufgrund der Regelwidrigkeit des Gegenspielers aber nicht zustande kommt.
4. Regelwidriges Vereiteln einer klaren Torgelegenheit durch den Torwart
In Gegenstoß-Situationen, in denen ein Angreifer einen langen Pass erwartet, kommt es vor, dass der Torwart seinen Torraum verlässt, um einen solchen (langen) Gegenstoß-Pass abzufangen. Dabei handelt es sich um eine sehr verletzungsträchtige Spielsituation. Um den hier häufig zu beobachtenden Zusammenprall zwischen Torwart und Angreifer zu vermeiden, schiebt das aktuelle Regelwerk dem Torwart die volle Verantwortung zu. Nur er ist aufgrund seiner Position in der Lage, den Gegenspieler und die Flugbahn des Balles gleichzeitig zu beobachten. Der Angreifer hingegen konzentriert sich auf den Ball, muss daher seinen Blick rückwärts wenden und kann deshalb den Torwart nicht wahrnehmen. Kommt es zum Zusammenprall, ist der Torwart gemäß Regel 8:5 Komm. zu disqualifizieren! Zusätzlich müssen die Schiedsrichter auf 7-m-Wurf entscheiden, wenn sie überzeugt sind, dass der Angreifer ohne das regelwidrige Eingreifen des Torwarts den Ball erreicht hätte. Die Positionen weiterer Abwehrspieler sind dabei völlig ohne Belang, da in der entsprechenden Situation das Tor der abwehrenden Mannschaft ja verwaist ist.
Ergänzende Hinweise zu diesen Regelbestimmungen finden sich unter „Die Struktur der Regel 8“ und auf den weiteren Seiten in der Rubrik „Verhalten dem Gegenspieler gegenüber“).
In Bildreihe 3 liegt zunächst eine klare Torgelegenheit vor: Der Angreifer nimmt trotz Bedrängnis durch zwei von der Seite agierende Gegenspieler den Ball an und hat ihn im Folgenden voll unter Kontrolle.
Der direkte Weg Richtung Tor ist frei, die Abwehrspieler können den Torwurf nur noch mit einem kurzen Stoßen/Festhalten von der Seite unterbinden.
Achtung:
Die Situation genau beobachten und die Abwehrspieler auch dann bestrafen, wenn sie wie in Bild 3 die Arme ausbreiten, um den Schiedsrichtern zu signalisieren, dass sie sich angeblich regelkonform verhalten haben!
6. Regelwidriges Vereiteln einer klaren Torgelegenheit – Spieler noch nicht in Ballbesitz
Die Bildreihen 4 und 5 zeigen folgende häufig vorkommende Grundsituation: Ein Kreisspieler startet in einen freien Raum, will dort das Anspiel aus dem Rückraum annehmen und dann von der Torraumlinie aus ungehindert auf das Tor werfen.
In beiden Bildreihen verhindert regelwidriges Festhalten des Kreisspielers dessen Ballannahme im freien Raum. Eine klare Torgelegenheit ist aus folgenden Gründen zu bejahen:
- Freier Weg zum Tor
- Der Kreisspieler ist zwar noch nicht in Ballbesitz, aber zur Ballannahme bereit.
- Die Schiedsrichter sind davon überzeugt, dass kein Gegenspieler die Ballannahme mit zulässigen Mitteln hätte verhindern können.
Beachte:
Eine weitere Voraussetzung für eine 7-m-Entscheidung ist, dass der Pass auch tatsächlich in Richtung des Kreisspielers gespielt wurde.
Die Schiedsrichter müssen völlig überzeugt sein, dass der Kreisspieler ohne die Regelwidrigkeit den Ball erreicht hätte.
7. Vereiteln einer klaren Torgelegenheit durch Mannschaftsoffizielle
Beispiele:
- Ein Mannschaftsoffizieller läuft vom Auswechselraum aus auf das Spielfeld und fängt einen auf das leere Tor zuspringenden Ball ab.
- Ein Mannschaftsoffizieller behindert den Gegenstoß eines Spielers der gegnerischen Mannschaft, der allein auf das Tor zuläuft.
Grundsätzlich gilt hier: Niemals auf Tor entscheiden! Gemäß 14:1a muss stattdessen auf 7-m-Wurf entschieden werden, der Mannschaftsoffizielle ist gemäß 8:10b zu disqualifizieren.
Zusätzlich gelten die Regeln 8:11a und 8:11b nicht nur für Spieler, sondern ebenso für die Offiziellen. Kommt es daher zu Vergehen, die nach den genannten Regeln mit einer Disqualifikation zu ahnden sind, wird zusätzlich auf 7-m-Wurf entschieden.
8. Unberechtigter Pfiff des Zeitnehmers verhindert eine klare Torgelegenheit
Beispiel:
Ein Spieler von Mannschaft A läuft im Gegenstoß allein auf das gegnerische Tor zu. In diesem Moment unterbricht der Zeitnehmer das Spiel mit einem Pfiff, da Mannschaft B seiner Meinung nach einen nicht teilnahmeberechtigten Spieler auf dem Spielfeld hat. Nach Klärung der Situation (Irrtum des Zeitnehmers) müssen die Schiedsrichter jetzt die klare Torgelegenheit für Mannschaft A mit einer 7-m-Entscheidung wiederherstellen (14:1b).
Hinweis:
In Regel 14:1b heißt es, auf 7-m-Wurf wird entschieden bei unberechtigtem Pfiff von einer anderen Person als den Schiedsrichtern während einer klaren Torgelegenheit. Dies meint, dass die Schiedsrichter keinen unberechtigten Pfiff machen können.
Beispiel:
9. Vereiteln einer klaren Torgelegenheit durch ‘höhere Gewalt’
Auch bei ‘höherer Gewalt’ (z. B. Stromausfall) muss, wenn eine Mannschaft im fraglichen Moment eine klare Torgelegenheit hatte, diese nach der Spielzeitunterbrechung gemäß 14:1c durch einen 7-m-Wurf wiederhergestellt werden.
10. Vereiteln einer klaren Torgelegenheit durch eine nicht am Spiel beteiligte Person
Beachte:
Sind die Schiedsrichter der Überzeugung, dass der Ball ins Tor gelangt wäre, wenn die am Spiel nicht beteiligte Person nicht eingegriffen hätte, muss auf Tor entschieden werden (9:1 Kommentar)!
Auch eine am Spiel nicht beteiligte Person (Zuschauer) kann eine klare Torgelegenheit verhindern, z. B. durch
- Betreten der Spielfläche oder
- einen Pfiff aus dem Zuschauerraum.
Die Schiedsrichter müssen auch hier nach Time-out und Klärung der Situation als Spielfortsetzung auf 7-m-Wurf für die benachteiligte Mannschaft entscheiden (14:1c).
Nicht auf 7-m-Wurf, sondern auf Torerfolg wird entschieden, wenn eine nicht am Spiel beteiligte Person
- einen sich dem leeren Tor nähernden Ball abwehrt (s. Bild oben) und die Schiedsrichter überzeugt sind, dass der Ball andernfalls ins Tor gelangt wäre (9:1 Kommentar).
Das gleiche gilt, wenn ein an sich sicherer Torerfolg durch eine nicht zum Spiel gehörende Sache verhindert wird.
Achtung:
Wurde die Sache von einer am Spiel beteiligten Person (z. B. schleudert ein Offizieller der gegnerischen Mannschaft einen Gegenstand zum Ball) auf das Spielfeld gebracht, um einen Torerfolg des Gegners zu verhindern, ist gemäß Regel 8:10b auf 7-m-Wurf und Disqualifikation des Offiziellen zu entscheiden.
11. Der 7-m-Wurf bei spezifischem unsportlichen oder spezifischem regelwidrigen Verhalten in den letzten 30 Sekunden
Um den Unsportlichkeiten rund um die letzten Aktionen eines Handballspiels Herr zu werden, wurde mit den Regeländerungen im Jahr 2016 Folgendes eingeführt:
Häufig versuchen Mannschaften mit unlauteren, besonders unsportlichen Mitteln dafür zu sorgen, dass die gegnerische Mannschaft keine Möglichkeit mehr bekommt, um ein weiteres Tor zu erzielen. Dies erlebt man häufig, wenn der Spielstand besonders eng ist (es geht um den Ausgleichs- oder gar Siegtreffer). Mannschaften ziehen dann häufig in den letzten 30 Sekunden alle Register, um einen Torerfolg zu verhindern.
Liegt daher ein dementsprechendes Vergehen nach der Regel 8:11a oder 8:11b vor, wird unter Beachtung der (besonderen) Vorteilsbestimmungen (s. 8:11b/8:10bII) auf einen zusätzlichen 7m-Wurf entschieden.
Der hierbei auszusprechende 7-m-Wurf ist in dem Sinne konträr zu einem „normalen“ 7-m-Wurf anzusehen, da hierbei keine zwingende klare Torgelegenheit vorliegen muss.
Die Ausführung des 7-m-Wurfs
Neben Werfer, Mit- und Gegenspielern müssen die Schiedsrichter bei der Ausführung eines 7-m-Wurfs auch das Verhalten des Torwarts im Auge haben. Die korrekte Aufstellung beim 7-m-Wurf zeigt das Bild unten.
Werfer
- maximal 1 Meter hinter der 7-m-Linie, jedoch nicht seitlich versetzt
Mitspieler
- Beliebige Position, jedoch nicht zwischen Torraum- und Freiwurflinie
Gegenspieler
- Mindestens 3 Meter von der 7-m-Linie (nicht zwingend auch vom Werfer) entfernt
Torwart
- darf bis zur Torwartgrenzlinie aus dem Tor gehen (darf sie berühren; Präzisierung im Kommentar zu Regel 5:11)
Beachte das STELLUNGSSPIEL BEIM SIEBENMETER – DER RICHTIGE (NEUE) BLICKWINKEL
Mitten im Geschehen statt an der Seitenauslinie heißt es beim Stellungsspiel des Feldschiedsrichters beim Siebenmeter. Eine Verbesserung der Grundposition des Feldschiedsrichters ist mehr Richtung Mitte auf Höhe 9 bis 10 Meter. Der Grund ist, dass so der Feldschiedsrichter einen besseren Blickwinkel hat, um einen direkten Kopftreffer zu erkennen.
1. Fehler des Torwarts
Info 1 gibt einen Überblick über regelkonforme und regelwidrige Ausgangsstellungen und Aktionen des Torwarts bei einem 7-m-Wurf.
Beachte:
Solange der Ball die Hand des Werfers nicht verlassen hat, darf der Torwart die Torwartgrenzlinie nicht überschreiten, überlaufen oder überspringen (aber betreten), vgl. 5:11.
Für alle Fehler des Torwarts gilt:
- Falsche Ausgangsstellung vor dem Anpfiff korrigieren
- Fehler nach dem Anpfiff:
– Ball trotzdem im Tor = Tor (Vorteil)
– Fehlwurf = Wiederholung des 7-m-Wurfs (14:9) - Eine persönliche Bestrafung des Torwarts erfolgt nicht.
2. Fehler des Werfers
Seit einigen Jahren bevorzugen einige 7-m-Spezialisten eine Ausführung, bei der sie eine Grundposition nicht unmittelbar an der 7-m-Linie wählen. Gerade wenn der Torwart sehr weit vor dem Tor agiert, erscheint es ihnen günstiger, ihre Ausgangsposition etwas nach hinten zu verlegen.
Gemäß 14:5 hat der Werfer hier eine Toleranzzone von maximal 1 Meter zu Verfügung. Falsche Ausgangsstellungen des Werfers (siehe das Bild rechts, aber auch seitlich versetzter Positionen) muss der Feldschiedsrichter vor dem Anpfiff korrigieren.
Alle Fehler des Werfers nach dem Anpfiff führen zum Ballverlust bzw. zu einem Freiwurf für die gegnerische Mannschaft. Auch hier ist vornehmlich der den Wurf anpfeifende Feldschiedsrichter gefordert.
Besonders schwierig zu beurteilen sind 7-m-Ausführungen per Fallwurf. Entscheidendes Kriterium ist hier der Moment, in dem der Ball die Hand verlässt. Bis zu diesem (schwierig auszumachenden) Moment darf der Werfer nicht
- nach vorn abspringen (sogenannter Sprungfallwurf), er muss also mit mindestens einem Fuß weiterhin den Boden vor der 7-m-Linie berühren
- den Boden mit einem weiteren Körperteil (beim Fallwurf häufig eine Hand) oder dem Ball berühren,
- die 7-m-Linie berühren oder gar überschreiten (14:5).
Fehler nach Anpfiff:
- Ball länger als 3 Sekunden halten
- 7-m-Linie berühren oder überschreiten, bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat.
- Werfer berührt vor der Ausführung des Wurfes mit dem Ball den Boden.
- Sprungwurf: Der Werfer springt nach vorn ab (kein Bodenkontakt), bevor der Ball seine Hand verlassen hat.
Beispiel:
Wie im Video zu erkennen, erfolgte der Anpfiff des Feldschiedsrichters trotz falscher Aufstellung einiger Spielerinnen von Mannschaft WEISS. Diese sind damit durch den Anpfiff in ihren (falschen) Position legitimiert und damit voll aktionsfähig geworden.
Das Verhalten von WEISS 3 spielt in dieser Situation insofern keine Rolle, da WEISS 3 erst nach ca. 4 Sekunden die Freiwurflinie überschreitet bevor der Ball die Hand der Werferin verlassen hat. Auch regeltechnisch wäre das Verhalten nicht zu beanstanden, wenn der Wurf innerhalb der 3 Sekunden ausgeführt worden wäre.
Das jetzt zu ahndende regelwidrige Verhalten ist ausschließlich der 7-m-Werferin zuzurechnen, die den 7-m-Wurf nicht innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits von drei Sekunden ausgeführt hat. Die regeltechnische Konsequenz kann daher nur lauten: Freiwurf für das gegnerische Team.
Nicht ohne Belang ist beim 7-m-Wurf auch Regel 14:4: Nach dem Anpfiff muss der 7-m-Wurf als Torwurf (Abspiel nicht erlaubt) innerhalb von 3 Sekunden ausgeführt werden.
Gelegentlich führen Schützen mehrfache Wurftäuschungen durch, bevor sie dann endgültig werfen. Dann ist es denkbar, dass das Zeitlimit überschritten wird.
Kommentar:
Ist vor der 7-m-Ausführung die Spielzeit unterbrochen und zeigt die Hallenuhr die Spielzeit 29:57 oder 59:57 an, so ist der 7-m Wurf vor dem Ertönen des Schlusssignals auszuführen. Führt der Werfer den Wurf nicht vor dem Schlusssignal aus, so ist der 7-m nicht zu wiederholen und das Spiel damit beendet, oder es ist Halbzeit.
Entscheidung:
Freiwurf gegen den Werfer, da er den Ball deutlich länger als die zulässigen 3 Sekunden hält, eher er den 7-m-Wurf ausführt.
Sollte der Werfer den Ball bei der Ausführung verlieren und die abwehrende Mannschaft dadurch überraschend in Ballbesitz kommen, ist das Spiel nicht zu unterbrechen, sondern entsprechend Regel 13:2 Vorteil zu gewähren:
Entscheidung:
Nimmt der Werfer den Ball selbst wieder auf, nachdem er ihn verloren (oder – wie im Video – nach dem Anpfiff auf den Boden getippt hat), muss das Spiel hingegen unterbrochen und zugunsten der abwehrenden Mannschaft auf Freiwurf entschieden werden.
3. Fehler der Gegenspieler
dWenn Gegenspieler vor dem Anpfiff die Freiwurflinie berühren oder gar überschreiten bzw. den 3-m-Abstand zur 7-m-Linie nicht einhalten, müssen die Schiedsrichter zunächst immer korrigieren (siehe Bild und Entscheidung oben).
Nach dem Anpfiff ist wieder das Kriterium ‘Hat der Ball die Hand des Werfers verlassen?’ maßgebend: Vorher darf kein Gegenspieler die Freiwurflinie berühren oder überschreiten!
Diese Situation kommt bei beiden Mannschaften recht häufig vor, und zwar in dem Bestreben, einen möglicherweise von Tor oder Torwart zurückprallenden Ball sofort aufzunehmen, da dieser in der Luft über dem Torraum frei spielbar ist.
Gelangt der Ball ins Tor, ist bei Fehlern der Gegenspieler immer auf Vorteil (Tor) zu entscheiden; wird der Ball gehalten oder springt er von Pfosten oder Latte zurück, muss der 7-m-Wurf ohne persönliche Bestrafung des/der fehlbaren Spieler(s) wiederholt werden (14:8).
Zurufe gegnerischer Spieler oder Offizieller während des Wurfs sind nicht erlaubt. Sieht der Schiedsrichter einen Zusammenhang zwischen einem Zuruf und einem Fehlwurf, erkennt er auf Wiederholung des 7-m-Wurfs; der fehlbare Spieler oder Offizielle wird bestraft (8:7b).
Entscheidung:
- Vor dem Anpfiff: Korrektur
- Nach dem Anpfiff
– Tor, wenn der Ball ins Tor gelangt
– Wiederholung des 7-m-Wurfs, wenn nicht
Fehler der Mitspieler wie das Berühren oder Überschreiten der Freiwurflinie, nach Anpfiff des 7-m-Wurfs, aber bevor der Ball die Hand des Werfers verlassen hat (siehe Bild und Entscheidung oben) – häufig laufen Spieler bereits nach vorn, obwohl der Werfer nur Wurftäuschungen ausführt –, führen zu einem Freiwurf für die gegnerische Mannschaft (14:8).
Offensichtlich bewusste Verzögerungen bei der Ausführung des 7-m-Wurfs
Bei 7-m-Entscheidungen ist Time-out nicht zwingend vorgeschrieben (14:3, Erl. 2). Vielmehr liegt es im Ermessen der Schiedsrichter, wann eine Mannschaft die Wurfausführung gezielt verzögert und wann die Spielzeit deshalb unterbrochen werden sollte.
Grundsätzlich dürfen die Schiedsrichter einen 7-m-Wurf erst anpfeifen, wenn der Torwart seine Grundposition eingenommen hat. Bei erkennbaren Verzögerungen durch den Torwart oder den Werfer sollten die Schiedsrichter hier (auch unter Beachtung von Spielstand und -zeit) trotzdem Time-out anzeigen (siehe auch Info 2).
Beispiele:
- Torwartwechsel
- Der Torwart nimmt seine Grundposition nicht ein.
- Der Werfer wird gewechselt.
- Der Werfer nimmt die Wurfposition nicht ein, dreht sich ab und/oder prellt den Ball.
Will der Torwart, nachdem alle Spieler eine korrekte Ausgangsstellung eingenommen haben, noch wechseln, müssen die Schiedsrichter dies zunächst durch einen entsprechenden Hinweis verhindern. Erfolgt keine Reaktion, muss der Torwart gemäß Regel 14:10 i. V. m. 8:7c schon beim ersten Mal progressiv bestraft werden (unsportliches Verhalten).
Gibt der Torwart den Ball nicht an den Werfer heraus, ist diese Unsportlichkeit ebenfalls progressiv zu bestrafen (8:7c).
Erst nach der Wurfausführung erkannte Fehler
Ein hinausgestellter oder nicht teilnahmeberechtigter Spieler führt den 7-m-Wurf aus. Erst nachträglich wird dieser Regelverstoß bemerkt, die Schiedsrichter geben zwecks Klärung des Sachverhalts Time-out:
- Wenn der Torwart den Ball gehalten hat, dieser über die Torauslinie oder zu irgendeinem Feldspieler gelangte: Bestrafung gemäß 4:3 und 4:6, danach Spielfortsetzung mit Freiwurf für die Mannschaft des Torwarts an der gegnerischen Auswechsellinie.
- Wenn der Ball ins Tor gelangte: Bestrafung wie oben; anschließend Wiederholung des 7-m-Wurfs.
Beachte:
Wird diese Regelwidrigkeit erst nach Anerkennung des Tors und nach dem Anpfiff bemerkt, kann das Tor nicht mehr annulliert werden! Der Vorgang sollte jedoch im Spielprotokoll vermerkt werden.
Regelwidrigkeiten nach Regel 4:6 können zudem nur bestraft werden, wenn der zeitliche Abstand zum Regelverstoß nicht zu groß ist (Beispiel: es folgte bereits eine Angriffsaktion des Gegners). Bei Vergehen nach 4:3 kann die Bestrafung zum Zeitpunkt der Feststellung erfolgen. Ansonsten ist nur noch eine Eintragung im Spielprotokoll möglich. Wurde das Spiel zur Klärung des Sachverhalts unterbrochen, wird es mit dem der Spielsituation bei der Unterbrechung entsprechenden Wurf fortgesetzt.