A. Allgemeine Hinweise
Allgemeine Spielidee
Mit den Regelbestimmungen zum passiven Spiel möchte die IHF attraktive Spielweisen mit hohem Tempo (Gegenstoß, schneller Anwurf), wenigen Unterbrechungen (Kontinuität) und einer guten Balance zwischen Angriff und Verteidigung fördern.
Die Schiedsrichter sollten daher bei der Bewertung von passivem Spiel aktive Abwehrspielweisen belohnen, die kein Foulspiel beinhalten.
Tempospielphasen, die eindeutig auf die Schaffung von Torgelegenheiten abzielen, sollten nicht in die unmittelbare Bewertung des passiven Spiels einbezogen werden.
Ziele
Die Anwendung der Regeln zum passiven Spiel verfolgt die folgenden Ziele:
- Reduzierung ereignisarmer Spielphasen (Beispiele: Spieler gehen langsam von ihrer eigenen in die gegnerische Spielfeldhälfte; taktische Spielweisen im Angriff, die nur dazu dienen, Zeit zu gewinnen);
- Unterbindung unattraktiver Spielweisen und gezielter Spielverzögerungen;
- Reduzierung von Spielunterbrechungen;
- Förderung von aktiven, ballorientierten Abwehrspielweisen, die darauf abzielen, den Ball zu erobern und den Angriff des Gegners zu unterbrechen, ohne dabei Fouls zu begehen.
Voraussetzung ist, dass die Schiedsrichter über die gesamte Spielzeit hinweg passive Spielweisen einheitlich erkennen und beurteilen.
Situationen
Passives Spiel kann in allen Spielphasen des Angriffs einer Mannschaft entstehen, einschließlich der folgenden Beispiele:
- langsame Spielfeldüberbrückung;
- im ersten Positionsangriff (d.h. in der normalen Aufbauphase);
- nach erfolglosen Angriffsaktionen oder durch einen Freiwurf unterbrochenen Angriffsaktionen (d.h. kürzere Aufbauphase);
- nach Spielunterbrechungen (z.B. Team-Time-out).
Vor allem in folgenden Spielsituationen pflegt passives Spiel gehäuft aufzutreten:
- knapper Spielstand gegen Spielende;
- Unterzahl-Situationen (5 gegen 6; 4 gegen 6; andere);
- Situationen mit leerem Tor: die angreifende Mannschaft spielt ohne Torwart (7 gegen 6; 6 gegen 6; andere);
- aktive Abwehrspielweisen stören/unterbrechen das Tempo des Angriffs und verhindern einen gezielten Tempowechsel (siehe detaillierte Kriterien);
- unterschiedliche Leistungsniveaus der beiden Mannschaften (allgemeine Überlegenheit einer Mannschaft, insbesondere in der Abwehr);
- erfolglose Angriffsaktionen einer Mannschaft über einen längeren Zeitraum.
Beobachtung des passiven Spiels
Um eine Tendenz zum passiven Spiel erkennen und bewerten zu können, müssen verschiedene Beobachtungskriterien auf alle Elemente des Angriffs einer Mannschaft von der Balleroberung bis zum Ballverlust herangezogen werden. Es gibt jedoch besondere Situationen, in denen die Schiedsrichter sofort auf passives Spiel entscheiden können.
Die in den folgenden Präzisierungen genannten Kriterien treten im Spiel selten allein auf, sondern müssen von den Schiedsrichtern in der Regel in der Gesamtheit beurteilt werden.
Unabhängig davon gibt es Situationen (siehe Kapitel E), in denen die Schiedsrichter sofort auf direktes passives Spiel entscheiden können.
Hinweis: Auch wenn es nicht möglich ist, auf passives Spiel zu entscheiden, wenn der Ball nicht im Spiel ist, sollten die Aktionen der ballbesitzenden Mannschaft auch in solchen Situationen berücksichtigt werden, wenn das Spiel nicht unterbrochen wurde.
Die Schiedsrichter sollten bei der Beurteilung der Tendenz zum passiven Spiel die folgenden Kriterien zugrunde legen:
- allgemeine Kriterien vor dem Spiel (besondere Situation des Spiels (Rangfolge, Bedeutung des Endergebnisses, K.o.-System usw.), allgemeine Merkmale des Spiels usw.);
- zusätzliche Kriterien in der jeweiligen Spielsituation (Zeit, aktueller Spielstand, Spielverlauf, Strafen, Verlängerung, Leistung der Mannschaften usw.);
- Spielphasen (Tempospiel mit Gegenstößen (1., 2. und 3. Welle), schneller Anwurf, erster Positionsangriff mit normaler Aufbauphase, kürzere Aufbauphase (Neuorganisation);
- spezifische Beobachtungskriterien in den verschiedenen Spielphasen (siehe Punkt B. Anzeigen des Vorwarnzeichens).
Insbesondere ist stets die Wirkung regelgerechter, aktiver Abwehrarbeit zu berücksichtigen.
B. Anzeigen des Vorwarnzeichens
Das Anzeigen des Vorwarnzeichens sollte besonders in folgenden Spielsituationen erfolgen:
1. Nach Rückeroberung des Balls: Spieler gehen langsam von ihrer eigenen in die gegnerische Spielfeldhälfte
Passives Spiel kann bereits in dem Moment beginnen, in dem eine Mannschaft in ihrer eigenen Spielfeldhälfte in Ballbesitz gelangt. Ein wichtiges Beobachtungskriterium ist dabei, wie sich die Mannschaft aus der eigenen in die gegnerische Spielfeldhälfte bewegt. Dies gilt auch für Situationen, in denen der Ball nicht im Spiel ist (siehe auch Erläuterung 2).
Hinweis: Ähnliche Situationen können auch bei Positionsangriffen auftreten, um die Verteidigung auszubremsen. Ein typisches Beobachtungskriterium ist: Nach Rückeroberung des Balls, gehen die Spieler langsam von ihrer eigenen in die gegnerische Spielfeldhälfte
Hinweis: Die Schiedsrichter können das Vorwarnzeichen zu Beginn des ersten Positionsangriffs mit normaler Aufbauphase anzeigen, wenn der Ball sehr langsam in die gegnerische Hälfte gespielt wird.
2. Ein Spieler verzögert die Wurfausführung
Beispiele:
- Verzögerung eines Freiwurfs (durch Vortäuschen, den Ort der Ausführung nicht zu kennen oder anderes Verhalten);
- Verzögerung eines Anwurfs (Torwart gibt den Ball langsam heraus, es wird ein bewusst schlechter Pass zur Mitte gespielt oder es wird langsam mit dem Ball zur Mitte gegangen);
- Verzögerung eines Abwurfs oder eines Einwurfs.
Hinweis: Die Schiedsrichter weisen die Mannschaften an, derartige Verzögerungen zu unterlassen, sobald sie diese zum ersten Mal bemerken. Das Vorwarnzeichen kann nicht angezeigt werden, solange der Ball nicht im Spiel ist; es kann angezeigt werden, sobald der Ball wieder ins Spiel gebracht wird. Die Zeit, in der der Ball nicht im Spiel war, ist jedoch als Teil der kürzeren/längeren Aufbauphase zu betrachten.
In bestimmten Situationen (z.B. kurz vor Spielende, in Unterzahl-Situationen) wird den Schiedsrichtern empfohlen, Time-out zu geben, anstatt die Uhr laufen zu lassen. Das Spiel wird dann entsprechend der Spielsituation vor der Unterbrechung fortgesetzt.
3. Vorwarnzeichen bei verspätetem Spielerwechsel in der normalen Aufbauphase
Beobachtungskriterien sind besonders:
- Alle Spieler haben ihre Angriffspositionen eingenommen;
- Die Mannschaft startet mit einer vorbereitenden Passfolge die Aufbauphase;
- In diesem Moment erfolgt ein Spielerwechsel dieser Mannschaft.
Hinweis: Die Schiedsrichter sollten sicher sein, dass ein Feldspieler der angreifenden Mannschaft ausgewechselt wird und nicht der Torwart wieder ins Spiel kommt (keine Auswirkungen auf das mögliche passive Spiel).
- Zusätzliches Kriterium: Die Mannschaft wartet auf den Auswechselspieler.
Anmerkung: Eine Mannschaft, die aus der eigenen Spielfeldhälfte heraus einen Tempogegenstoß (Konter, schneller Anwurf) spielt, diesen jedoch in der gegnerischen Spielfeldhälfte nicht bis zu einer Wurfgelegenheit ausspielen kann, darf anschließend während des Übergangs zur normalen Aufbauphase noch zügige Wechsel von einem oder mehreren Spielern vornehmen, was von den Schiedsrichtern nicht als passives Spiel gewertet wird.
4. Vorwarnzeichen bei zu langen Aufbauphasen im Positionsangriff
Grundsätzlich ist jeder Mannschaft vor Beginn einer gezielten Angriffshandlung mit Tempowechsel ein Positionsangriff mit einer entsprechenden Aufbauphase zuzugestehen. Es gibt zwei verschiedene Aufbauphasen:
Erster Positionsangriff mit normaler Aufbauphase
Nach Balleroberung findet der erste Positionsangriff einer Mannschaft in der gegnerischen Spielfeldhälfte statt, wenn keine Manndeckung durch die Verteidiger in der Hälfte der angreifenden Mannschaft gespielt wird (ggf. auch nach einem erfolglosen Tempogegenstoß oder schnellem Anwurf). Dieser erste Positionsangriff kann länger dauern, beispielsweise aufgrund von Spielerwechseln.
Charakteristische Merkmale der normalen Aufbauphase im ersten Positionsangriff sind besonders:
- Spielerwechsel;
- Spieler nehmen ihre Positionen im Positionsangriff ein;
- Vorbereitende Passfolge und/oder taktische Angriffsaktionen (z.B. Kreuzbewegungen, Übergänge ohne Tempowechsel) mit taktischen Absprachen (Kommunikation) innerhalb der angreifenden Mannschaft;
- Vorbereitung und Einleitung einer gezielten taktischen Angriffsaktion (Beispiele: Eröffnung mit individuellen Aktionen (1 gegen 1) oder kooperative taktische Mittel (Kreuzbewegungen, Übergänge) usw.).
Hinweis: Nach einer vorbereitenden Aufbauphase dienen die folgenden Kriterien als Indikatoren dafür, ob eine Mannschaft eine gezielte taktische Angriffsaktion einleitet:
- Gezielter Tempowechsel bei allen Angriffsaktionen (Pässe, Läufe usw.);
- Angriffsaktionen in Richtung Tor in gefährlichen Zonen;
- Aktionen, bei denen die Angreifer Körperkontakt mit den Verteidigern aufnehmen (z.B., wenn die Verteidiger die Angreifer festhalten und/oder regelwidrig sperren);
Kürzere Aufbauphasen
Es gibt zwei verschiedene Situationen, in denen die angreifende Mannschaft die nächste gezielte Angriffsaktion aus einer kürzeren Aufbauphase heraus starten kann:
- Das Spiel wird nach einem erfolglosen Angriffsversuch fortgesetzt (erfolgloser Versuch ohne Spielunterbrechung (z.B. Wurfausführung).
Nach einer Aufbauphase spielt die angreifende Mannschaft eine gezielte taktische Angriffsaktion mit Tempowechsel, die jedoch nicht zum Abschluss des Angriffs führt (keine Torgelegenheit, die angreifende Mannschaft gelangt nach einem Fehlwurf oder geblockten Wurf wieder in Ballbesitz usw.) - Nach einer gezielten taktischen Angriffsaktion wird das Spiel unterbrochen und mit Wurfausführung (Freiwurf, Einwurf usw.) fortgesetzt.
Das Folgende gilt für beide Situationen:
Die angreifende Mannschaft kann eine weitere Aufbauphase spielen, um sich neu zu organisieren und das nächste gezielte taktische Mittel vorzubereiten. Diese nächste Aufbauphase muss jedoch kürzer sein.
Zusätzliches Kriterium: Eine kürzere Aufbauphase sollte aus vier bis sechs Pässen nach einem Freiwurf, einem Einwurf oder einem Abwurf nach einem von den Verteidigern geblockten Torwurf bestehen.
Spielfortsetzung in verschiedenen Situationen
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über verschiedene Situationen, die entweder mit einer normalen oder einer kürzeren Aufbauphase beginnen können.
Tabelle 1: Spielfortsetzung in verschiedenen Situationen
| Situation | … mit normalen Aufbau | … mit kürzerem Aufbau |
| Tempospiel | ||
| Tempogegenstoß/schneller Anwurf (1., 2., 3. Welle) – Unterbrechung durch Freiwurf oder Abbruch und Übergang zur Aufbauphase | X | |
| Tempogegenstoß/schneller Anwurf – gezielter Übergang von der 3. Welle zum Positionsangriff (mehrere Passfolgen mit gezielten taktischen Aktionen) – Unterbrechung durch Freiwurf oder Abbruch und Übergang zur Aufbauphase | X | |
| Tempogegenstoß/schneller Anwurf – gezielter Übergang von der 3. Welle zum Positionsangriff – Antäuschen eines Übergangs zur normalen Aufbauphase – gezielte finale Aktion – Unterbrechung durch Freiwurf | X | |
| Beginn des Positionsangriffs | ||
| Normale Aufbauphase – taktische Mittel mit erfolglosem Tempowechsel – Neuorganisation (ohne Unterbrechung) | X | |
| Normale Aufbauphase – taktische Mittel mit erfolglosem Tempowechsel – Unterbrechung durch Freiwurf | X | |
| Normale Aufbauphase – taktische Mittel mit erfolglosem Tempowechsel – geblockter Wurf oder Pass (die angreifende Mannschaft bleibt in Ballbesitz) | ||
| Hinweis: Der Ball ist für eine bestimmte Zeit frei | X | |
| Während eines (längeren) Positionsangriffs | ||
| Freiwurf/Einwurf nach einer kürzeren Aufbauphase | X | |
| Erfolgloser Angriff nach einer kürzeren Aufbauphase – Weiterspielen | X | |
| Kürzere Aufbauphase – taktische Mittel mit erfolglosem Tempowechsel – geblockter Wurf oder Pass (die angreifende Mannschaft bleibt in Ballbesitz) | ||
| Hinweis: Der Ball ist für eine bestimmte Zeit frei | X | |
| Während eines (längeren) Positionsangriffs | ||
| Freiwurf/Einwurf nach einer kürzeren Aufbauphase | X | |
| Erfolgloser Angriff nach einer kürzeren Aufbauphase – Weiterspielen | X | |
| Kürzere Aufbauphase – taktische Mittel mit erfolglosem Tempowechsel – geblockter Wurf oder Pass (die angreifende Mannschaft bleibt in Ballbesitz) | ||
| Hinweis: Der Ball ist für eine bestimmte Zeit frei | X | |
| Team-Time-out | ||
| Die Mannschaft erobert den Ball in ihrer eigenen Hälfte – sofort Team-Time-out | X | |
| Alle Spieler befinden sich auf ihrer Position/die Mannschaft beginnt die erste normale Aufbauphase – sofort Team-Time-out | X | |
| Normale Aufbauphase – taktische Mittel mit erfolglosem Tempowechsel – Team-Time-out | X | |
| Special situations (Außergewöhnliche Situationen) | ||
| Hinausstellung gegen die verteidigende Mannschaft (mit oder ohne Anzeigen des Vorwarnzeichens) – das Spiel wird ohne Anzeigen des Vorwarnzeichens fortgesetzt | X |
6 7-m-Wurf – der Ball wird vom Torwart abgewehrt – die angreifende Mannschaft bleibt in Ballbesitz – der Positionsangriff geht weiter|X| Die angreifende Mannschaft führt einen Torwurf aus (mit oder ohne Anzeigen des Vorwarnzeichens) – der Ball prallt vom Tor oder Torwart direkt zu ihr zurück oder ihr ist aufgrund dessen ein Einwurf zuzusprechen|X| |
5. Typische Beobachtungskriterien bei zu langen Aufbauphasen
Die folgenden Beobachtungskriterien, die oft kombiniert auftreten, sind bei zu langen Aufbauphasen relevant:
- Der angreifenden Mannschaft gelingt kein Tempowechsel zwischen der Aufbauphase und einer gezielten taktischen Angriffsaktion, die zu einer Torgelegenheit führt;
- häufige Ballannahmen im Stand oder in Rückwärtsbewegungen;
- mehrfaches Prellen des Balls im Stand oder in Rückwärtsbewegungen (ohne direkten Einfluss eines Gegenspielers);
Anmerkung: Vorbereitende 1 gegen 1-Aktionen, bei denen der ballführende Spieler, oft mit Prellen des Balls, versucht, den direkten Gegenspieler in eine bestimmte Richtung zu bewegen, um dann eine gezielte Angriffsaktion einzuleiten, sind nicht zu berücksichtigen.
- mehrere Pässe zwischen zwei Spielern ohne Kontakt mit der Abwehr (keine gefährlichen Aktionen in Richtung Tor);
- der Ball wird in die eigene Spielfeldhälfte der angreifenden Mannschaft zurückgespielt, obwohl die gegnerische Mannschaft sie nicht unter Druck setzt;
- aktive Abwehrspielweisen unterbrechen das Tempo der Pässe/Bewegungen der Angreifer;
- allgemein: kein Kontakt mit der Verteidigung; bei 1 gegen 1-Aktionen: frühzeitiges Abdrehen des Ballhalters, Warten auf Spielunterbrechungen durch die Schiedsrichter, kein räumlicher Vorteil des Ballhalters im Zweikampf;
- der Ball wird weit vom Tor und/oder den Verteidigern weggespielt.
Hinweis:
Zusätzliche Kriterien für die Bewertung von kürzeren Aufbauphasen
Nach vier bis sechs Pässen in einer kürzeren Aufbauphase (je nach Leistungsniveau der Mannschaften) muss die angreifende Mannschaft die nächste Angriffsaktion mit einem Tempowechsel und in Richtung Tor einleiten (z.B.: 1 gegen 1, Kooperationen in Gruppen, Kreuzbewegungen, Übergänge). Die angegebene Anzahl von Pässen dient lediglich zur Orientierung, die Pässe sind von den Schiedsrichtern nicht zu zählen.
Benötigt eine Mannschaft im selben Angriff eine zweite oder weitere kürzere Aufbauphasen, kann die Anzahl der vorbereitenden Pässe geringer als vier bis sechs sein. In jedem Fall aber sollten die Schiedsrichter der angreifenden Mannschaft wenigstens drei Pässe für eine kürzere Aufbauphase zugestehen, es sei denn, die angreifende Mannschaft hat die Wurfausführung verzögert.
Aktives Abwehrspiel
Was die Balance zwischen Angriff und Verteidigung anbelangt, so müssen die Schiedsrichter vor allem die Auswirkungen aktiver Abwehrspielweisen berücksichtigen. Durch aktive Abwehrspielweisen versuchen die Verteidiger, die angreifende Mannschaft unter Druck zu setzen, ohne dabei das Spiel zu unterbrechen (ohne Fouls/Freiwürfe). Die Mannschaften verfolgen mit aktiven Abwehrstrategien die folgenden taktischen Ziele.
Pässe/Räume angreifen/blockieren:
- Angreifer in den hinteren Teil des Spielfelds drängen (Angreifer können z.B. einen Pass nicht sicher annehmen und müssen sich daher zurückziehen);
- das Tempo des Angriffs stören/unterbrechen;
- das Timing der taktischen Mittel stören/unterbrechen;
- nicht gewollte Pässe oder Würfe provozieren;
- technische/taktische Fehler provozieren.
Hinweis: Die Schiedsrichter sollten klar zwischen einem überwiegend foulorientierten Abwehrverhalten und aktiven Abwehrspielweisen, bei denen versucht wird, die Angreifer (ohne Fouls) unter Druck zu setzen, unterscheiden.
Fouls, die zu einem Freiwurf führen
Häufige Unterbrechungen, die zu einem Freiwurf führen, können auch zur Beurteilung des passiven Spiels herangezogen werden. Beobachtungskriterium ist besonders: Der ballführende Angreifer ermöglicht eine Unterbrechung (Stoppen der Vorwärtsbewegung in Richtung Tor, Abwenden vom Tor, Warten auf den Pfiff der Schiedsrichter)
Hinweis: Angriffsaktionen, die eindeutig darauf abzielen, Fouls zu provozieren, die zu einer Unterbrechung durch Freiwurf führen, anstatt Torgelegenheiten zu schaffen, sind Indikatoren für passives Spiel.
Zu beachten ist der Unterschied in der taktischen Zielsetzung im Vergleich zu normalen 1 gegen 1-Aktionen, die auf einen erfolgreichen Durchbruch in Richtung Tor oder einen Stellungsvorteil gegenüber dem Gegenspieler abzielen.
Wichtig: Die Art des regelmäßigen Körperkontakts muss stets von den Schiedsrichtern bewertet werden.
Allgemeine Hinweise:
Die Schiedsrichter müssen immer die Situation des gesamten Angriffs von Anfang an beurteilen:
- Gibt es von Anfang an eine Tendenz zum passiven Spiel?
- Wie ist die Situation im Spiel (Spielstand, Spielzeit, Strafe, allgemeine Überlegenheit einer Mannschaft usw.)?
Taktische Mittel im Angriff zur Täuschung der Schiedsrichter
Bei der aktuellen Spielentwicklung ist zu beobachten, dass insbesondere in Situationen, in denen die angreifende Mannschaft in Unterzahl oder mit leerem Tor spielt, Angriffsaktionen (z.B. Kreuzbewegungen, Übergänge) eingeleitet werden, ohne dass die Absicht besteht, direkt zum Torabschluss zu kommen. Solche Aktionen dienen ausschließlich dazu, die Schiedsrichter zu täuschen und Zeit zu gewinnen.
Beobachtungskriterien sind besonders:
- Die Spieler laufen parallel zur Freiwurflinie ohne Kontakt mit der Verteidigung (oft weit vom Tor entfernt);
- Die ballführenden Spieler wenden sich früh vom Tor ab (frühe Oberkörperdrehung in Richtung des Passes; Blickkontakt mit dem Ballempfänger, Spieler schauen nicht in Richtung Tor), insbesondere in 1 gegen 1-Aktionen;
- Die Rückraumspieler täuschen Pässe in die Tiefe zum Kreisläufer an, ohne eine ernsthafte Gefahr darzustellen (Räume öffnen für einen möglichen Pass in die Tiefe oder Breite und somit für gute Torgelegenheiten);
- häufige Positionswechsel, ohne gefährliche Bereiche anzugreifen (z. B. den Raum zwischen zwei Verteidigern).
Bewertung des passiven Spiels im Spiel 7 gegen 6
Die Schiedsrichter müssen die veränderte Spielstruktur berücksichtigen. Generell können unterschiedliche Taktiken beobachtet werden, wenn eine Mannschaft 7 gegen 6 spielt:
- weniger Bewegungen (keine klaren Vorwärts- oder Kreuzbewegungen);
- die Rückraumspieler sind dichter an der Verteidigung positioniert;
- Tempowechsel mit explosiven, schnellen Pässen;
- taktisches Prellen, um die Verteidiger in ihrer Position zu halten;
- wiederholte Rückpässe, um die Gegenspieler auf einer Angriffsseite zu halten.
Ansonsten gelten die gleichen Beobachtungskriterien für passives Spiel. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Mannschaften in diesen Situationen oft lange Angriffe spielen, da ein Ballverlust den Gegnern die Möglichkeit geben würde, zu einem Abschluss auf das leere Tor zu kommen.
Das Verhalten der Verteidiger ist ein weiteres wichtiges Beobachtungskriterium (aktive Abwehrspielweisen (ohne Fouls), die dazu dienen, den Schwung der Angreifer in Überzahlsituationen zu unterbrechen, sollten belohnt werden).
Umgang mit passivem Spiel gegen Ende des Spiels
Im Allgemeinen sollte die Linie für Entscheidungen bezüglich des passiven Spiels während des gesamten Spiels die gleiche sein.
Bei einem Angriff in der letzten Minute des Spiels, der oft der allerletzte Angriff sein kann, versucht die angreifende Mannschaft jedoch möglicherweise nur, eine gezielte taktische Aktion einzuleiten, um kurz vor Ende des Spiels eine Torgelegenheit zu schaffen.
Das Anzeigen des Vorwarnzeichens für passives Spiel einige Sekunden vor Ende des Spiels (entsprechend der Linie für das gesamte Spiel) wäre nicht sinnvoll, da es keinerlei Folgen haben würde.
Daher sollten die Schiedsrichter über das Anzeigen des Vorwarnzeichens entscheiden, sobald klare Beobachtungskriterien für passives Spiel erfüllt sind (Balance zwischen angreifender und verteidigender Mannschaft), je nach Spielsituation (verbleibende Spielzeit, allgemeine Situation (Spielstand, Endergebnis)) und Verhalten der angreifenden Mannschaft ab dem Zeitpunkt des Ballgewinns. Allerdings muss der angreifenden Mannschaft genügend Zeit für eine normale Aufbauphase zugestanden werden.
C. Handhabung des Vorwarnzeichens
Erkennt ein Schiedsrichter (Feld- oder Torschiedsrichter) eine Entwicklung zu passivem Spiel, hebt er den Arm (Handzeichen 17), um anzuzeigen, dass ein gezieltes Herausspielen einer Torwurfgelegenheit nicht erkennbar ist. Die Schiedsrichter sollten das Vorwarnzeichen gleichzeitig zeigen, wenn ein Spieler den Ball unter Kontrolle gebracht hat.
Das Handzeichen soll anzeigen, dass die ballbesitzende Mannschaft keinen Versuch unternimmt, eine Torgelegenheit zu erreichen, oder wiederholt die Spielfortsetzung verzögert.
Das Handzeichen ist anzuzeigen, bis:
- der Angriff beendet ist oder
- das Handzeichen nicht mehr gültig ist (s. nachfolgende Hinweise).
Ein Angriff beginnt mit dem Ballbesitz und endet mit einem Torerfolg oder Ballverlust.
Das Vorwarnzeichen wird normalerweise bis zum Ende eines Angriffs angezeigt. Während eines Angriffs gibt es jedoch zwei Situationen, in denen die Beurteilung „Passives Spiel” nicht länger gültig ist und die Wirkung des Handzeichens aufgehoben wird.
- Die ballbesitzende Mannschaft führt einen Torwurf aus und der Ball prallt vom Tor oder Torwart direkt zu ihr zurück oder ihr ist aufgrund dessen ein Ein- oder Abwurf zuzusprechen.
- Ein Spieler oder Offizieller der abwehrenden Mannschaft erhält eine persönliche Bestrafung wegen regelwidrigen oder unsportlichen Verhaltens gemäß Regel 16.
In diesen beiden Situationen wird der ballbesitzenden Mannschaft eine neue normale Aufbauphase gestattet.
Richtlinien für das Anzeigen des Vorwarnzeichens
Das Vorwarnzeichen sollte in folgenden Situationen nicht angezeigt werden:
Bei klaren und torgefährlichen Vorwärtsbewegungen der angreifenden Mannschaft;
Wenn taktische Mittel mit einem Tempowechsel beginnen.
Das Vorwarnzeichen sollte generell nicht unmittelbar nach der Ausführung eines Freiwurfs angezeigt werden. Der angreifenden Mannschaft wird zunächst die Möglichkeit einer neuen Aufbauphase gegeben (siehe Übersicht in Tabelle 1). Spielsituationen, in denen das Anzeigen des Vorwarnzeichens angebracht ist:
- Pässe in den hinteren Teil des Spielfelds;
- Pässe zu Mitspielern in Rückwärtsbewegungen;
- Mögliche Passwege für den ballführenden Spieler werden durch aktive Abwehrspielweisen aktiv blockiert;
- Der ballführende Spieler dreht sich vom Tor weg.
Dies gilt im Allgemeinen, wenn der Schwung bzw. das Tempo des Positionsangriffs unterbrochen oder die taktischen Mittel gestört werden.
D. Nach Anzeigen des Vorwarnzeichens
Nach Anzeigen des Vorwarnzeichens für passives Spiel hat die angreifende Mannschaft maximal vier Pässe, um den Angriff mit einem Torwurf abzuschließen (7:11-12).
Hinweis: Nationalverbände haben das Recht, für ihren Bereich je nach Alters- und Leistungsstruktur abweichende Regelungen für die Anzahl der Pässe zu treffen. Es sind maximal sechs Pässe erlaubt.
Nicht als Pass gezählt wird:
- Das versuchte Anspiel, wenn der Ball vom Mitspieler infolge eines geahndeten Fouls eines Abwehrspielers nicht unter Kontrolle gebracht wird.
- Das versuchte Anspiel, wenn der Ball vom Abwehrspieler ins Seiten- oder Toraus gelenkt wird.
- Ein Wurfversuch, der vom Gegner geblockt und ins Seiten- oder Toraus gelenkt wird.
Entscheidungskriterien nach Anzeigen des Vorwarnzeichens:
Hinweise zur maximalen Anzahl von Pässen:
1. Vor dem erfolgten 4. Pass:
- Wird dem angreifenden Team während der Anzeige des Vorwarnzeichens ein Freiwurf oder Einwurf zugesprochen, hat dies keine Auswirkung auf die gesamte Anzahl Pässe
- Wenn ein Pass oder ein Torwurf durch einen Feldspieler der abwehrenden Mannschaft geblockt wird und der Ball zur angreifenden Mannschaft gelangt (auch bei einem Abwurf), wird dies als Pass gewertet.
2. Nach dem erfolgten 4. Pass:
- Wird nach dem 4. Pass auf Freiwurf, Einwurf (oder Abwurf) für die angreifende Mannschaft entschieden, hat die Mannschaft die Möglichkeit, die Ausführung des Wurfes mit einem weiteren Pass zu verbinden, um den Angriff abzuschließen.
- Gleiches gilt, wenn ein nach dem 4. Pass erfolgter Wurf durch die abwehrende Mannschaft geblockt wird und der Ball dadurch zu einem angreifenden Spieler oder ins Tor- oder Seitenaus gelangt. Die angreifende Mannschaft hat in diesen Fällen die Möglichkeit, den Angriff mit einem weiteren Pass abzuschließen.
3. Vor dem ausgeführten 5. Pass:
Die Schiedsrichter können in den folgenden Situationen auf passives Spiel entscheiden:
- Der ballführende Spieler sucht im Stand über einen längeren Zeitraum nach Anspielmöglichkeiten;
- Die Angreifer versuchen wiederholt, von den Verteidigern gefoult zu werden, um einen Freiwurf zu bekommen;
- Die Angreifer führen Rückwärtsbewegungen in die Tiefe des Spielfelds aus;
- Der ballführende Spieler passt den Ball infolge der aktiven Abwehrspielweise in die Tiefe des Spielfelds zurück;
- Der ballführende Spieler hat aufgrund der aktiven Abwehrspielweise keine Möglichkeit zum Anspiel.
E. Besondere Situationen, in denen die Schiedsrichter direkt auf passives Spiel entscheiden können
In besonderen Situationen können die Schiedsrichter jederzeit direkt auf passives Spiel gegen die angreifende Mannschaft entscheiden, auch wenn sie das Vorwarnzeichen noch nicht angezeigt haben.
1. Auslassen einer klaren Torgelegenheit
Beobachtungskriterien sind besonders:
- Der ballführende Angreifer hat einen freien direkten Weg zum Tor (freie Räume).
- Zwischen dem Tor und dem ballführenden Angreifer befindet sich kein direkter Gegenspieler.
- Die ballführenden Angreifer bewegen sich nicht mehr nach vorne und ergreifen weder eine klare Torgelegenheit noch die Möglichkeit, einen noch besser positionierten Mitspieler anzuspielen. Die Schiedsrichter sollten jedoch die Wirkung dieses Passes berücksichtigen. Wird ein Pass zu einem besser positionierten Mitspieler gespielt, kann nicht auf direktes passives Spiel entschieden werden.
Typische Spielsituationen:
- Abbruch eines Tempogegenstoßes (keine Gegenspieler zwischen Angreifer und Tor)
- kein Herausspielen von Torgelegenheiten trotz der Chance auf einen freien Durchbruch im Positionsangriff oder in Situationen mit Manndeckung (große freie Räume)
2. Freie Würfe von den Außenpositionen
In einer freien Wurfsituation, in der genügend freier Raum auf der Außenposition vorhanden ist, setzt der Außenspieler mit voller Körper- und Ballkontrolle (kein Kontakt oder Einfluss durch einen Gegenspieler) zum Sprung in den Torraum an. Anstatt auf das Tor zu werfen, passt der Außenspieler den Ball zu einem Mitspieler in der Tiefe des Spielfelds zurück (keine direkte Angriffskooperation zwischen den Angreifern, die über den Torraum springen).
3. Manndeckung in der gegnerischen Spielfeldhälfte
Die verteidigende Mannschaft spielt Manndeckung in der gegnerischen Spielfeldhälfte. Die angreifende Mannschaft unternimmt keinen ernsthaften Versuch, zum Torwurf zu gelangen.
Beobachtungskriterien sind besonders:
- Aktionen (Prellen, Dribbeln, Passen), die nicht darauf abzielen, zum Torwurf zu gelangen, und bei denen der ballführende Spieler nicht von einem Gegner unter Druck gesetzt wird;
- Es wird ein langer Pass in die eigene Spielfeldhälfte gespielt, obwohl auch andere Möglichkeiten zur Verfügung standen;
- Der ballführende Spieler prellt den Ball im Stand auf der Stelle.