Quelle: DHB

Zeitnehmer – eindeutige Kommunikation in unklaren Situationen

Anstatt Grüne Karten zu verwenden, kann eine Mannschaft das Team-Time-out direkt durch Betätigung eines Buzzers an einem elektronischen Gerät beantragen. Bei Fehlern oder missbräuchlicher Verwendung des elektronischen Team-Time-outs bei Spielen ohne Delegierte kommt es zur Klärung der Situation auf eine klare, eindeutige Kommunikation zwischen Zeitnehmer und Schiedsrichter an.

In dem heutigen Pfiff der Woche geht es um eben diese falsche Betätigung, die dann zunächst folgende fehlerhafte Kommunikation und dann doch noch richtige Spielfortsetzung.

Was im Video geschieht

Mannschaft ROT ist im Angriff und es sind noch wenige Sekunden in der 1. Halbzeit zu spielen. Mannschaft ROT hat bereits in der 1. Halbzeit ein Team-Time-out genommen, Mannschaft WEISS noch nicht. 

Der Wurf von ROT 2 wird vom Torwart WEISS 1 gehalten und der Ball fliegt anschließend zurück Richtung Spielfeld. RA ROT 96 kann den Ball aufnehmen und setzt dann zum Wurf auf das Tor von WEISS an. Kurz vor dem Wurf betätigt der Trainer von Mannschaft WEISS den Buzzer. Den Wurf von ROT 96 kann Torwart WEISS 1 halten.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Regeltechnische Klarstellung

Ob Buzzer oder Grüne Karte, nur in folgenden Situationen darf durch einen Mannschaftsoffiziellen ein Team-Time-out beantragt werden:

  • Der Ball ist im Spiel oder das Spiel ist unterbrochen oder eine Wurfentscheidung für die beantragende Mannschaft ist getroffen worden. 
  • Die beantragende Mannschaft ist noch in Ballbesitz (der Ball ist noch im Spiel oder das Spiel ist unterbrochen), wenn der Zeitnehmer pfeift.
  • Die Schiedsrichter hatten eine Wurfentscheidung für die beantragende Mannschaft getroffen.

Zur Situation

Offensichtlich ist, dass zum Zeitpunkt der Beantragung (Betätigung Buzzer) Mannschaft WEISS eindeutig nicht in Ballbesitz ist. Die Voraussetzungen sind damit nicht erfüllt.  Das Reglement für elektronische Team-Time-outs (Anhang 4) unterscheidet zwischen verschiedenen Situationen.

Nr. 4 des Reglements trifft hier nicht zu, da Mannschaft WEISS vorher nicht in Ballbesitz war. Der Buzzer wurde auch nicht unabsichtlich betätigt (Nr. 7), auch war es kein Spieler (Nr. 8). Nr. 5 scheidet ebenso so aus. Da die Situation in der ersten Halbzeit passiert, kommt auch Nr. 3 nicht in Frage (Situation in den letzten 30 Sekunden). Bleiben also noch die Nr. 1 und Nr. 2 übrig. 

Die beiden Fälle unterscheiden sich zunächst bezüglich der Spielsituation, nämlich ob es sich zum Zeitpunkt der fehlerhaften oder gar missbräuchlicher Verwendung um eine klare Torgelegenheit handelt oder nicht, wenn die gegnerische Mannschaft im Ballbesitz ist.

Gleichwohl der ROT 96 zum Zeitpunkt der Beantragung einen Wurf ausführt, handelt es sich hier nicht um eine klare Torgelegenheit, denn die Voraussetzungen der Erläuterung 6 lit. a sind nicht erfüllt (siehe Bild 1).

Hinweis

Vereitelt ein Mannschaftsoffizieller eine klare Torgelegenheit durch Betreten der Spielfläche, wird er – auch ohne Körperkontakt – mit Bericht disqualifiziert und es gibt einen 7-Meter-Wurf. Betritt er unerlaubt die Spielfläche ohne klare Torgelegenheit, ist die korrekte Regelanwendung: Freiwurf und nur eine progressive Bestrafung.

Quelle: DHB

Bleibt also noch Nr. 1 übrig:

Beantragt (= Drücken des Buzzers) eine Mannschaft bei Ballbesitz der gegnerischen Mannschaft ein Team-Time-out, wird dies wie folgt geahndet:

  • Progressive Bestrafung für den Mannschaftsoffiziellen, der das Team-Time-out durch Betätigung des Buzzers beantragt hat.
  • 7-Meter für die Mannschaft in Ballbesitz.
  • Die Mannschaft, die das inkorrekte Team-Time-out verursacht hat, verliert ein (1) Team-Time-out (die Gesamtzahl der Team-Time-outs wird um eins reduziert).

Bis es aber zur richtigen Spielfortsetzung kommt, sind zunächst die Schiedsrichter gefordert. Richtig ist hier, zunächst nicht das Team-Time-out blindlings zu bestätigen.

Bilderfolge

Fazit

Team WEISS war zum Zeitpunkt der Beantragung eindeutig nicht im Ballbesitz.

Eine progressive Bestrafung (beginnend mit einer Verwarnung) des Mannschaftsoffiziellen, der das Team-Time-out (TTO) durch Betätigung des Buzzers falsch beantragt hat, ist zwingend erforderlich. Insofern ist die hier gegebene Hinausstellung des Offiziellen nicht richtig, da die „Bank“ vorher nicht verwarnt war. Die Spielfortsetzung mit einem 7-m-Wurf für Mannschaft ROT ist korrekt. 

Weitere Maßnahmen

Es wäre das erste TTO für Mannschaft WEISS gewesen. Durch die falsche Beantragung verliert Mannschaft WEISS ein TTO und hat daher nur noch zwei TTO für die verbleibende Spielzeit zur Verfügung.

Der Sachverhalt sollte im Spielprotokoll auch entsprechend eingetragen werden.

Wichtig

An dieser Stelle ist nochmals deutlich zu machen, warum eine klare, schnelle und richtige Kommunikation seitens Zeitnehmer zum Schiedsrichter und umgekehrt von zentraler Bedeutung ist. Nicht eindeutige oder gar falsche Aussagen können im Zweifelsfall zu falschen Entscheidungen der Schiedsrichter führen. Hier ist es nochmal gutgegangen.

Was wäre,

wenn der Trainer während ROT 96 eine klare Torgelegenheit hat, den Buzzer (falsch) betätigt hätte, dann wäre wie folgt zu entscheiden gewesen:

  • Disqualifikation gemäß Regel 8:10b (rote und blaue Karte) des Mannschaftsoffiziellen, der das Team-Time-out durch Betätigung des Buzzers beantragt hat.
  • 7-Meter für die Mannschaft in Ballbesitz.
  • Die Mannschaft, die das inkorrekte Team-Time-out verursacht hat, verliert ein (1) Team-Time-out (die Gesamtzahl der Team-Time-outs wird um eins reduziert).

Übersicht Fall 2 - Beantragung bei Ballbesitz der gegnerischen Mannschaft (klare Torgelegenheit):

Zu guter Letzt ein Hinweis für Trainer

Wenn man als Trainer den Buzzer betätigt, dann sollte seine Mannschaft zweifelsfrei in Ballbesitz sein und dabei den Blick zum Spielfeld nicht verlieren. Dann klappt es auch mit dem Team-Time-out.