Die Menge der Maschen bei diesem Tor ist nicht entscheidend, die Unversehrtheit allerdings schon! (Foto: imago/Christian Schroedter)

"Wie viele Maschen hat ein Tornetz?" ...

In der Ausbildung werden an die Schiedsrichterlehrwarte eine Menge Fragen herangetragen. Einige sind einfach zu beantworten, bei anderen ist man erst einmal stutzig und muss über eine sinnvolle Antwort nachdenken.

Bevor man „dumme“ Fragen vorschnell abtut, möchten wir dafür werben, jeder Frage etwas Spannendes abzugewinnen! 

Gibt es "dumme" Fragen? – NEIN

Ich erinnere mich an drei Beispiele, über die ich selbst einmal gestolpert bin:

  • Wie viele Maschen hat ein Tornetz?
  • Warum gilt das Vorwarnzeichen nicht über den Halbzeitpfiff hinaus?
  • Welche Farbe darf die Pfeife des Schiedsrichters haben?

Nach kurzem Innehalten machte ich mir immer bewusst: „Es gibt keine 'dummen' Fragen, es gibt nur 'dumme' Antworten!“ Da ich die gerne vermeide, überlegte ich mir sinnvolle (Neben-)Aspekte zur Fragestellung, die ich zusätzlich aufgreifen und beantworten wollte.

Wie viele Maschen hat ein Tornetz im Handball?

Die Anzahl der Maschen im Handballtornetz ist keine spielentscheidende Größe. Wichtig ist, dass die Maschen so eng sind, dass auch ein Ball der Größe Null (für die Altersklasse der Bambinis) nicht durch die Maschen „flutschen“ kann. Ebenso wichtig ist es, dass die Schiedsrichter vor Spielbeginn die Tornetze unbedingt und gründlich auf Schäden oder mangelhafte Befestigung überprüfen. Ein nicht oder zu Unrecht gegebener Torerfolg, weil der Ball durch das Tornetz ins Tor gelangte, ist einer der schlimmsten Fehler, der einem Schiedsrichter unterlaufen kann. Deshalb ist es ratsam, die Prüfung der Tornetze auch kurz vor Ablauf der Halbzeitpause erneut vorzunehmen. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass keine Werbung auf den Tornetzen aufgedruckt oder befestigt sein darf.

Wird all dies beachtet, darf nach der Spielleitung auch über die Anzahl der Maschen im Tornetz nachgedacht werden.

Warum gilt das Vorwarnzeichen nicht über den Halbzeitpfiff hinaus?

Zum besseren Verständnis der Frage hatte der Fragesteller ausgeführt, dass die Schiedsrichter das Vorwarnzeichen beim Angriff von Team A kurz vor Ende der ersten Halbzeit angezeigt hatten. Nach dem dritten Pass ertönte das automatische Schlusssignal. Team A hatte zu Beginn der zweiten Halbzeit Anwurf. Die Schiedsrichter haben das Spiel ohne Anzeige des Vorwarnzeichens wieder angepfiffen.

Eine „entwaffnende“ Frage, steht doch in IHF-Erläuterung 4, Abschnitt C, dass das Vorwarnzeichen anzuzeigen ist, bis der Angriff beendet oder das Handzeichen nicht mehr gültig ist. Letztere Bestimmung kann für diese Fragestellung außen vor bleiben.

Gemäß IHF-Erläuterung beginnt ein Angriff mit Ballbesitz und endet mit Torerfolg oder Ballverlust. Vom Schlusssignal ist vordergründig keine Rede. Aber was bedeutet das Schlusssignal für die angreifende Mannschaft? Nichts anderes als Ballverlust. Mit einer gegebenenfalls noch folgenden zweiten Halbzeit oder Verlängerung beginnt ein neuer Angriff – selbst dann, wenn dieselbe Mannschaft Ballbesitz hat und, im Fall einer Verlängerung, sogar auf das gleiche Tor spielt. Der letzte Angriff aus dem vorhergehenden Spielabschnitt wird also nicht fortgesetzt und deshalb ist auch das Vorwarnzeichen nicht weiter anzuzeigen.

Eine ganz andere – und spannende – Fragestellung und Ergänzung wäre hier: „Wie sinnvoll ist es, wenige Sekunden vor dem Ende eines Spielabschnitts das Vorwarnzeichen anzuzeigen?“.

Welche Farbe darf die Pfeife des Schiedsrichters haben?

Hierzu gibt es keine unmittelbar zuzuordnende Regelbestimmung. Deshalb sind alle Farben und Farbkombinationen denkbar.

Viel wichtiger als die Farbe scheint allerdings die Auswahl der benutzten Pfeife entsprechend der Atmosphäre in der Sporthalle zu sein. Die Wahl einer besonders lauten und schrillen Pfeife in einer kaum besuchten Sporthalle wirkt nicht nur deplatziert, sondern meist auch störend; eine in einem „Hexenkessel“ kaum vernehmbare Pfeife wird für den Schiedsrichter schon bald zum ernsthaften Problem werden, wenn Entscheidungen erst mit deutlicher Verzögerung von den Beteiligten wahrgenommen werden.

Für die Spielleitung ist daher mehr die Art der Pfeife als deren Farbe von Bedeutung. Die zum Schiedsrichtertrikot farblich passende Pfeife setzt dem Ganzen nur dann das Krönchen auf, wenn damit auch regelgerechte Entscheidungen gepfiffen werden ...

Unser Appell: Fragen Sie uns!

Wie man an diesen Beispielen sehen kann: In jeder Frage steckt ein interessanter Kern, den es fachkundig zu beantworten gilt. Und vielleicht haben sich andere Schiedsrichter schon die gleiche Frage gestellt und sich bisher nur nicht getraut, sie zu äußern. Daher unser Aufruf an Sie:

„Stellen Sie uns hier Ihre Regelfragen. Unsere Experten beantworten sie Ihnen – und damit auch Ihren Kollegen – sehr gerne.“