Wichtig: Bei Kopftreffern differenzieren!
Sie führen vielfach zu allgemeiner Aufregung, die für Schiedsrichter eine zusätzliche Aufgabe bereithält. Das obige Videobeispiel bestätigt diese Aussage.
Neben den Torwarten, die häufiger von Kopftreffern betroffenen sind, werden gelegentlich auch Spieler vom Wurf eines Gegenspielers am Kopf getroffen. Obwohl bei der IHF inzwischen Überlegungen angestellt werden, in Zukunft insbesondere die Torhüter besser vor Kopftreffern zu schützen, bleibt es aktuell noch bei der regeltechnischen Differenzierung, ob der Kopftreffer aus dem Spiel heraus erfolgte oder ob er Folge einer vorhergehenden Wurfentscheidung war.
Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:
Gemäß den Bestimmungen der Regel 8:9e ist der Werfer eines Freiwurfs mit Disqualifikation ohne Bericht zu bestrafen, wenn er einen Abwehrspieler am Kopf trifft und dieser seinen Kopf nicht Richtung Ball bewegt hat. Die entsprechende Regelung für den Torwart beim 7-m-Wurf findet sich unter Regel 8:9d.
Wird hingegen der Torwart oder ein Spieler aus dem Spielgeschehen heraus vom Wurf eines Gegenspielers am Kopf getroffen, sieht das Regelwerk aktuell keine persönliche Bestrafung des Werfers vor. Einzig eine deutlich erkennbare Absicht des Werfers, seinem Gegenspieler mit Wucht ins Gesicht zu werfen, kann zu einer persönlichen Strafe des fehlbaren Spielers führen. In diesem Fall könnte man sich hinsichtlich der anzuwendenden Regelvorschrift ausnahmsweise analog an die Bestimmungen der Regel 8:9c halten.
Aber Vorsicht! Während die Beurteilung eines Vergehens nach Regel 8:9c während einer Spielunterbrechung unproblematisch ist, ist eine derart absichtliche Handlung aus dem normalen Spielgeschehen heraus und insbesondere in Zusammenhang mit einem ausgeführten Torwurf weitaus schwieriger zu beurteilen.
Zweifelsohne liegt im Videobeispiel weder ein rücksichtsloses noch ein besonders rücksichtsloses Verhalten des Werfers vor. Gleichwohl müssen die Schiedsrichter das Spiel aufgrund der zu beobachtenden Auswirkungen unverzüglich unterbrechen und mit Handzeichen 16 die Behandlung des verletzten Spielers ermöglichen.
Da kein regelwidriges Verhalten des Werfers vorliegt, muss der auf der Spielfläche behandelte Spieler anschließend drei Angriffe seiner Mannschaft aussetzen (siehe Regel 4:11 Abs. 2). Da im gezeigten Videobeispiel zudem eine Spielunterbrechung – ohne Vorliegen einer Regelwidrigkeit – erfolgte, wird das Spiel gemäß den Bestimmungen der Regel 13:4 fortgesetzt: mit Freiwurf für GRÜN!
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.