Wer entscheidet über die Spielzeit?
Gemäß Regel 2:8 2:8 entscheiden die Schiedsrichter, wann und wie lange die Spielzeit unterbrochen wird („Time-out").
In folgenden Situationen ist ein Time-out verbindlich:
a) Hinausstellung oder Disqualifikation
b) Team-Time-out
c) Pfiff vom Zeitnehmer oder Delegierten
d) notwendige Rücksprache zwischen den Schiedsrichtern entsprechend Regel 17:7
Entsprechend den Umständen wird ein Time-out normalerweise auch in bestimmten anderen Situationen gewährt (Erläuterung 2).
Einige typische Situationen, bei denen ein Time-out nicht verbindlich ist, aber unter normalen Umständen dennoch gewährt wird, sind:
a) äußere Einflüsse, z. B. muss die Spielfläche gewischt werden.
b) ein Spieler scheint verletzt.
c) eine Mannschaft spielt offenkundig auf Zeit, verzögert z. B. die Ausführung eines formellen Wurfs, ein Spieler wirft den Ball weg oder gibt ihn nicht frei.
d) der Ball berührt die Decke oder eine über der Spielfläche befestigte Vorrichtung (11:1), prallt ab und landet dadurch weit von der Stelle des fälligen Einwurfs entfernt, was zu ungewöhnlicher Verzögerung führt.
e) Wechsel eines Feldspielers mit einem Torwart zur Ausführung des Abwurfs.
Gemäß Regel 2:9 ist dem Zeitnehmer die Spielzeitunterbrechung durch drei kurze Pfiffe und Handzeichen 15 anzuzeigen.
Soweit die Theorie. In der Praxis – und das nicht nur in unteren Spielklassen - ist es oft ein Problem, dass die Schiedsrichter das Time-out durch drei kurze Pfiffe und Handzeichen 15 anzuzeigen, aber der Zeitnehmer die Uhr nicht anhält, weil er das Time-out nicht gesehen bzw. gehört hat.
Nur dem Zeitnehmer den Fehler anzulasten, ist nicht immer gerechtfertigt. Oftmals sind es auch die Schiedsrichter selbst, die nicht laut genug Pfeifen oder die drei kurzen Pfiffe nicht nutzen oder nicht korrekt anzeigen. Des Weiteren ist es oftmals auch ein Problem das Time-out zu erkennen, wenn es durch den Torschiedsrichter „versteckt“ aus der Ecke, aus dem Torraum kommt.
Ein gutes Beispiel zu Nachahmung zeigt das Video:
Was im Video geschieht
Der Torschiedsrichter gibt im Torraum stehend das Time-out (drei kurze Pfiffe und Handzeichen 15) weil auf der Spielfläche gewischt werden muss. Der Feldschiedsrichter wiederholt nur Handzeichen 15 für den Zeitnehmer und stellt damit zusätzlich sicher, dass Z/S dies auch tatsächlich mitbekommen.
Unabhängig, ob man so verfährt, in jedem Fall ist es nach der Anzeige eines Time-outs obligatorisch für die Schiedsrichter, die Hallenuhr (die Spielzeit) zu kontrollieren, ob diese auch wirklich durch den Zeitnehmer angehalten wurden (übrigens auch nach jedem Wiederanpfiff).
Fazit
In erster Linie sind die Schiedsrichter im Rahmen der Kommunikation mit Zeitnehmer/Sekretär dafür verantwortlich, dass die Entscheidungen (Time-out, Zeitstrafen etc.) der Schiedsrichter fehlerfrei wahrgenommen werden.
Abschließende Hinweise
Bei Time-out-Entscheidungen, die im Ermessen der Schiedsrichter liegen, sollten folgende Grundsätze beachtet werden:
- Jede Spielzeitunterbrechung zögert das Spielende hinaus! Je häufiger Time-out angezeigt wird, um so unberechenbarer wird, wann nun das Spiel endet, was bei Turnieren oder bei Spielen im unteren/mittleren Leistungsbereich bzw. bei Jugendspielen durchaus zu erheblichen Problemen führen kann (z. B. durch Verzögerung des Beginns nachfolgender Spiele in derselben Halle). Schiedsrichter sollten deshalb – übrigens ganz im Sinne des Spielflusses – mit Spielzeitunterbrechungen grundsätzlich sparsam umgehen.
- Bei 7-Meter-Entscheidungen liegt es jedoch im Ermessen der Schiedsrichter, bei erkennbaren Verzögerungen (z. B. Auswechseln des Werfers oder Torwarts) je nach Spielstand, verbleibender Spielzeit und der Spielsituation auf Time-out zu entscheiden.
- Zum andern sollten die Schiedsrichter immer Spielstand und Restspielzeit berücksichtigen: Wenn z. B. eine Mannschaft gegen Spielende klar führt, ist es bei einer kurzen Unterbrechung sicher nicht erforderlich, Time-out anzuzeigen. Niemals aber darf eine Mannschaft durch Verzicht auf eine Time-out-Entscheidung benachteiligt werden (Beispiel: Die angreifende Mannschaft ist in Überzahl).
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.