Quelle: DHB

Wer darf den Ball spielen?

Heute gilt es erneut eine Regelfrage zu klären, die in engem Zusammenhang mit der Haftmittelnutzung steht.

Obwohl Haftmittel nur in den oberen Spielklassen erlaubt sind, kommt es dennoch immer wieder zu Situationen, deren regelgerechte Lösung für alle Schiedsrichter von Interesse sind. So auch in der vorbereiteten Szene, die sich im Zweifel jedoch auch in einem Spiel ereignen könnte, in dem die Nutzung von Haftmitteln untersagt ist.

Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:

Ein von der Kreisläuferin ausgeführter Torwurf wird von der Torfrau mit dem linken Fuß abgewehrt. Der Ball bewegt sich anschließend zunächst springend in Richtung Torraumlinie. Gemäß Regel 6:5 Abs. 3 darf ein über dem Torraum in der Luft befindlicher Ball unter Beachtung der Regeln 7:1 und 7:8 von „Freund und Feind“ gespielt werden.

Eine Besonderheit der Spielfläche erfordert einen regeltechnischen Hinweis. Wie zu erkennen, ist gar keine Torraumlinie vorhanden, sondern der Bereich des Torraums grenzt sich von allen anderen Bereichen (Spielfeld, Tor- und Seitenaus) durch eine unterschiedliche Farbe ab. Diese Gestaltungsmöglichkeit ist durch Regel 1:3 Abs. 2 zulässig.

Der Ball verliert an Energie

Letztlich rollt der Ball im Torraum lediglich noch und nähert sich immer mehr der Torraumline (dem Ende des entsprechenden farblichen Bereichs). Gemäß den Bestimmungen der Regel 6:5 Abs: 1 Satz 1 und 2 bleibt der Ball zwar im Spiel, befindet sich aber faktisch im Ballbesitz der abwehrenden Mannschaft. Nur der Torwart darf den Ball berühren.

Nimmt der Torwart den Ball auf, ist dieser regeltechnisch aus dem Spiel und er muss ihn mit einem Abwurf wieder ins Spiel bringen (Regel 6:5 Abs. 1 Satz 3).

Wird der Ball von einem Mitspieler berührt, ist grundsätzlich auf Freiwurf für die gegnerische Mannschaft zu entscheiden. Wird durch dieses regelwidrige Verhalten für die gegnerische Mannschaft eine klare Torgelegenheit im Sinne der IHF-Erl. 6c vereitelt, ist das Spiel mit 7-m-Wurf für die nicht fehlbare Mannschaft fortzusetzen (Regel 6:5 Abs. 1 Satz 4).

Wird der Ball durch einen Spieler der gegnerischen Mannschaft berührt, ist auf Abwurf zu entscheiden (Regel 6:5 Abs. 1 Satz 5).

Der Ball liegt im Torraum

In unserem Videobeispiel spitzt sich die Sache jedoch weiter zu. Der Ball kommt, kurz bevor er die farblich abgegrenzte Fläche verlässt, zum Stillstand. Er hat noch Kontakt zur tiefblauen Fläche und befindet sich daher noch im Torraum (siehe auch Screenshot 1). Gemäß den Bestimmungen der Regel 1:3 Abs. 1 sind alle Linien der Spielfläche integraler Bestandteil des Bereichs, den sie begrenzen. Wenn, wie in unserem Fall, keine Linie vorhanden ist, erfüllt ein Kontakt zum farblich entsprechend abgegrenzten Bereich den gleichen Zweck.

Für den Fall, dass ein Ball im Torraum liegen bleibt, ist er als „außerhalb des Spiels“ (nicht zu verwechseln mit „außerhalb der Spielfläche") anzusehen. Der Torwart muss ihn dann gemäß den Bestimmungen der Regel 6:4 und 12:1-2 mit Abwurf wieder ins Spiel bringen.

Sollte ein Spieler einer der beiden Mannschaften in einem solchen Fall den Ball dennoch berühren, bleibt es vor dem Hintergrund der Vorschrift der Regel 13:3 immer bei einer Spielfortsetzung mit Abwurf.

Wenn es auch anhand des kurzen Ausschnitts nicht klar zu belegen ist, führt sehr wahrscheinlich eine Mitspielerin der Torfrau die Spielfortsetzung aus (siehe Screenshot 2). Hier müssten die Schiedsrichter die Ausführung korrigieren und die Spielfortsetzung mit Abwurf durch die Torfrau einfordern.

Screenshot 1 und 2

Screenshot 1
Screenshot 2