Joshua Köppen und Luka Preibsch beim Deutschland-Cup in Berlin. (Foto: Julia Nikoleit)

Weiterentwicklung im Fokus: Schiedsrichter-Förderung beim Deutschland-Cup

Beim Deutschland-Cup messen sich die besten Talente der Landesverbände miteinander und können sich ins Blickfeld des Deutschen Handballbundes spielen. Geleitet werden die Partien von Schiedsrichter:innen aus dem Perspektivkader. Für die talentierten Unparteiischen ist das Turnier ebenfalls eine besondere Maßnahme, bei der ihre Weiterentwicklung im Vordergrund steht. Drei Tage lang werden die jungen Teams von erfahrenen Referees gecoacht. Ein Blick hinter die Kulissen der Schiedsrichter-Förderung beim Deutschland-Cup.

Nach ihrem zweiten Einsatz beim Deutschland-Cup der männlichen Jugend sitzen Joshua Köppen und Luka Preibsch mit Christian Kroll in der Umkleidekabine in der Sporthalle Paul-Heyse-Straße in Berlin. Das Vorrundenspiel zwischen dem späteren Turniersieger Baden-Württemberg I und dem HV Brandenburg ging am Ende deutlich aus, dennoch hat das Trio genug Gesprächsstoff. Denn anders als bei den regulären Coachings im Saisonverlauf – früher Beobachtungen genannt – geht es bei dieser Besprechung nicht um einen Punktwert, sondern um die Weiterentwicklung. 

Gemeinsam mit dem ehemaligen DHB-Schiedsrichter Kroll, der an diesem Tag als Coach im Einsatz ist, gehen die beiden jungen Schiedsrichter ihren Einsatz durch und besprechen einzelne Szenen intensiv. Im Fokus steht dabei weniger die Regeltechnik, sondern der sogenannte B-Bereich: Die Persönlichkeit, das Auftreten, das Verkaufen von Entscheidungen und der Umgang mit Trainern und Mannschaften. „Das sind die Punkte, die auf dem Weg nach oben entscheidend sind, entsprechend legen wir darauf den Fokus“, wird Kroll später erklären. „Regeltechnisch sind die Gespanne alle gut ausgebildet.“

Der Coach lobt Köppen/Preibsch nach dem zweiten Spiel beispielsweise für die Zusammenarbeit und hebt explizit die Entscheidung in einer Vorteilssituation hervor („Das war sehr gut gelöst.“), er hat jedoch auch Kritikpunkte. „Wenn ihr euch dort so entscheidet, müsst ihr euch fragen: Wo ist die Grenze? Und wie findet ihr jetzt noch einen guten Einstieg in die Progression?“, merkt Kroll zu einer nicht optimal gelösten Situation an und warnt: „Ihr macht euch mit so etwas jede Menge Baustellen auf, was die Akzeptanz angeht.“ 

Ziele des Coachings

Neben Kroll waren Schiedsrichter-Lehrwart Kay Holm sowie das Berliner Elite-Anschlussteam Julian Fedtke und Niels Wienrich als Coaches in Berlin im Einsatz. Beim Deutschland-Cup der weiblichen Jugend, der am kommenden Wochenende (22. bis 24. April) in Baden-Württemberg ausgetragen wird, übernehmen Wolfgang Heinz, Christian Luther, Gunnar Beyer und Stefan Olsok  die Aufgabe. 

„Für unsere jungen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter ist diese Maßnahme eine große Chance, sich weiterzuentwickeln“, betont Nils Szuka, der gemeinsam mit Bernd Ullrich für den Perspektivkader verantwortlich ist. „Sie bekommen drei Tage lang Input und werden von uns bei ihren Einsätzen begleitet. So erhalten sie immer sofort ein Feedback, wie sie sich von Spiel zu Spiel entwickeln.“

Das ist der Kernpunkt, den auch Kroll hervorhebt. „Als Schiedsrichter musst du in der Saison immer liefern, weil es in den Coachings um Punkte für die Rangliste geht. Selbst bei der Sichtung musst du letztendlich liefern, um den Sprung in den DHB zu schaffen“, sagt er. „Das hier ist die einzige Maßnahme, bei der es explizit nur um die Ausbildung geht.“

Entsprechend steht in den Coachings immer eine Frage im Vordergrund: Wie lässt sich die Leistung auf dem Spielfeld optimieren? „Wir besprechen mit den Schiedsrichtern gemeinsam, wie und warum sie Szenen so gelöst haben – und vor allem, wie sich diese Situationen vielleicht besser lösen ließen“, erläutert Kroll. 

Im Turnierverlauf wollen die Coaches dann möglichst die entsprechenden Fortschritte sehen: „Die Coachings bauen aufeinander auf“, erklärt Kroll. „Dafür tauschen wir uns untereinander aus, damit jeder Coach weiß, was der vorherige dem Gespann mitgegeben hat.“ Nach dem ersten Tag zeigte sich der Schiedsrichterwart des HV Berlin zufrieden: „Es gelingt ihnen bisher sehr gut, unseren Input umzusetzen.“ 

Neben dem Duo Köppen/Preibsch waren in Berlin in Denis und Dustin Seidler, Jan Misselwitz und Paul Mayerhofer sowie Pelin Odabas und Lynn van Os drei weitere Gespanne aus dem Perspektivkader im Einsatz. „Da der Deutschland-Cup zugleich eine Maßnahme des EHF Young Referee Projects war, konnten wir nicht mehr Teams nominieren“, erklärt Szuka. „Das ist aber kein Problem, denn Ende des Jahres findet ja bereits der nächste Deutschland-Cup statt. Außerdem zeigt es den Stellenwert des Turniers, dass es vom europäischen Verband für eine Maßnahme ausgewählt wurde.“ Beim weiblichen Deutschland-Cup in Baden-Württemberg werden in den kommenden drei Tagen doppelt so viele Gespanne im Einsatz sein. 

Persönliche Entwicklung

Zurück in die Paul-Heyse-Sporthalle: Während Kroll nach der Besprechung in die Halle eilt, um den nächsten Einsatz von Seidler/Seidler zu verfolgen, bleiben Köppen und Preibsch noch in der Kabine. Durchatmen, ein Snack, auch die Blackroll kommt zum Einsatz. Ebenso wie für die Spieler ist es für auch für die Schiedsrichter eine intensive Maßnahme – sowohl physisch als auch mental. Insgesamt wird das Duo acht Spiele in drei Tagen pfeifen.

Für die beiden Berliner, die früher beim Deutschland-Cup als Helfer und Zuschauer vor Ort waren, ist die Nominierung „eine Belohnung für eine bislang gelungene Saison“, wie Köppen es formuliert. „Dass wir unseren Verband vertreten dürfen und das ausgerechnet in unseren ‚Heimhallen‘, ist eine Ehre für uns und etwas ganz Besonderes.“

Die Coachings sind für das junge Duo Gold wert. „Das Feedback ist unglaublich vielfältig, weil jeder Coach noch einen anderen Ansatz hat oder auf andere Dinge achtet“, freut sich Preibsch. „Das ist eine extreme Bereicherung für uns.“ Köppen ergänzt: „Das hilft uns bei der Weiterentwicklung sehr, weil wir dadurch ein anderes Bild von unserem eigenen Spiel gewinnen.“

Zusätzlich zu dem Input der Coaches hilft auch der enge Austausch mit den Schiedsrichterkollegen weiter. „Dass mehrere Gespanne, die wir weiterentwickeln wollen, über mehrere Tage an einem Ort versammelt sind, gibt es sonst nicht“, hebt auch Kroll hervor. „Das ist natürlich auch sehr lehrreich, weil man sich zum einen mit anderen vergleichen, sich aber auch etwas abschauen kann.“

Auch der soziale Faktor spielt für die Schiedsrichter, die sonst in der Regel alleine unterwegs sind, eine wichtige Rolle. Am Vorabend des ersten Turniertags waren die vier Gespanne gemeinsam mit den Teams aus dem EHF Young Referee Project unterwegs; ein gemeinsames Essen rundete den Tag ab. „Es war spannend, die anderen Schiedsrichter kennenzulernen – das ist es, was es am Ende ausmacht“, sagt Preibsch. „Das kameradschaftliche Miteinander ist einfach toll.“ 

Nach drei Einsätzen am ersten Tag folgen für Köppen/Preibsch auch am zweiten Turniertag drei Spiele – darunter ein Viertelfinale – sowie zwei Platzierungsspiele zum Abschluss am dritten und letzten Tag des Deutschland-Cups. „Das Viertelfinale war sicherlich das intensivste Spiel, was wir leiten durften und für uns ein Highlight des Turniers“, bilanziert Preibsch. „Aber auch das letzte Spiel, um den elften Platz war, ein besonderes Spiel, weil es in die Verlängerung ging. Das war körperlich und mental noch einmal eine Herausforderung.“ 

Insgesamt zeigt sich das Duo am Ende zufrieden. „Wir haben aus unserer Sicht eine gute Linie an den Tag gelegt und eine Weiterentwicklung gesehen, weil wir versucht haben, das Feedback immer direkt umzusetzen“, hält Köppen fest. „Außerdem können wir mitnehmen, dass das Miteinander auf dem Spielfeld, die Kommunikation und das Auftreten immer wichtiger werden, je höher es geht. Daran wollen wir weiter arbeiten.“ 

Es ist genau diese Einstellung, die für die Coaches des Deutschen Handballbundes wichtig ist. „Wir wollen sehen, dass die Schiedsrichter sich verbessern wollen“, betont Szuka. „Sie kommen alle mit unterschiedlichen Voraussetzungen aus den Landesverbänden zu uns in den Perspektivkader und wollen bei uns den nächsten Schritt machen. Das wird jedoch nur gelingen, wenn sie bereit sind, an sich zu arbeiten – und der Deutschland-Cup ist eine gute Plattform, um uns das zu zeigen.“ 

Die Gespanne beim Deutschland-Cup 

Berlin (12. bis 14. April) 

Joshua Köppen / Luka Preibsch

Denis Seidler / Dustin Seidler

Jan Misselwitz / Paul Mayerhofer

Pelin Odabas / Lynn van Os

Baden-Württemberg (22. bis 24. April) 

Janica Büschgens / Kim Büschgens

Melanie Friedrich / Andrea Hesse 

Madita Schwarz / Leonie Schwarz

Marvin Dannecker / Manuel Volz 

Fabian Förster / Tim Förster

Moritz Hartmann / Nils Hennekes

Daniel Halbach / Sebastian Halbach

Alexander Weber / Constantin Weber