Quelle: DHB

Wechselfehler durch die Angreifer nach einer 7-Meter-Entscheidung

Wechselfehler passieren in der Regel im laufenden Spiel. Dass es auch andere Situationen mit daraus resultierenden (eher überraschenden) Spielfortsetzungen geben kann, zeigt das heutige Videobeispiel.

Was im Video geschieht

Die Schiedsrichter haben auf 7-Meter-Wurf für Team GRÜN entschieden. Die Spielzeit wurde durch die Schiedsrichter nicht unterbrochen. Spielerin GRÜN 77 begibt sich zur Ausführung. Der Feldschiedsrichter pfeift den Wurf an. Bevor der Ball die Hand verlassen hat, unterbricht der Zeitnehmer das Spiel. Der Torschiedsrichter signalisiert sofort, dass es kein Tor ist und begibt sich unmittelbar zum Zeitnehmertisch.

Der Zeitnehmer wird dem Schiedsrichter erklären, dass eine Spielerin von Mannschaft GRÜN, nachdem die Schiedsrichter den 7-Meter-Wurf für Team GRÜN angepfiffen haben, einen Wechselfehler begangen hat.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Auch in einer solchen Situation muss der Zeitnehmer oder der Delegierte das Spiel sofort mit einem Pfiff unterbrechen und die Spielzeit sofort anhalten.

Ein Wechselfehler ist mit einer Hinausstellung für den fehlbaren Spieler zu ahnden (Regel 4:5). 

Bezüglich der Spielfortsetzung sind die Konsequenzen von Fehlern des Werfers oder seiner Mitspieler während der Wurfausführung (15:1-3) davon abhängig, ob die Ausführung des Wurfs angepfiffen war oder nicht (Regel 15:7 Abs 1).

Gemäß Regel 15:7 Abs. 3 sind bei einer Wurfausführung mit Anpfiff (und der ist zur Ausführung eines 7-Meter-Wurfs zwingend erforderlich) grundsätzlich alle Regelwidrigkeiten zu ahnden, z. B. wenn der Werfer springt, den Ball länger als drei Sekunden hält oder seine korrekte Position verlässt, bevor der Ball gespielt ist. Dies gilt auch, wenn die Mitspieler nach dem Anpfiff, aber bevor der Ball die Hand verlassen hat, eine unkorrekte Position einnehmen (ausgenommen 10:3 Abs. 2). In diesen Fällen gilt der Wurf als ausgeführt und die andere Mannschaft erhält einen Freiwurf (13:1a) am Ort des Vergehens (siehe auch 2:6).

Dies bedeutet hier in dieser besonderen Situation, dass die fehlbare Spielerin von Team GRÜN eine Hinausstellung erhält und das Spiel mit Freiwurf für Team WEISS in Höhe des Auswechsellinie von Mannschaft GRÜN fortgesetzt wird.

Fazit

Dies ist sicherlich eine eher seltene Situation und für manchen Schiedsrichter in Bezug auf die Spielfortsetzung eine Überraschung. Die Verwunderung ist aber nicht (ganz) berechtigt. Denn eine ähnliche Situation führte bei einem IHF-Event bereits 2018 zu der Überlegung, was alles zu beachten bzw. welche Varianten eigentlich denkbar seien, wenn nach einer 7-Meter-Entscheidung die angreifende Mannschaft einen Wechselfehler begeht. Dies wurde in der Zeitschrift „der handballschiedsrichter“ Ausgabe 4/2018 auf den Seiten 10-12 ausführlich dargestellt. Die Ausgabe kann auch hier im Schiedsrichterportal eingesehen werden. Es lohnt also auch ein (Rück-)Blick in die Zeitschrift.