Voreiliger Wiederanpfiff
Der Fall
WEISS 5 begeht ein Foul, dass eine Hinausstellung nach sich zieht. Die Schiedsrichter halten hierzu die Zeit per Time-out an. Anschließend diskutiert WEISS 5 zunächst mit den Schiedsrichtern, dann mit einem der Gegenspieler und geht anschließend langsam zu seiner Bank. Die Schiedsrichter schauen nicht genau hin, wollen schnell weiterspielen lassen und pfeifen das Spiel wieder an, obwohl sich der hinausgestellte Spieler noch auf dem Spielfeld befindet.
Laut Regelwerk beginnt mit Wiederanpfiff die Strafzeit. Dieser hat aber noch gar nicht die Spielfläche verlassen und den Auswechselbereich erreicht.
Wie ist in dieser Situation von Seiten des Kampfgerichts bzw. der Zeitnehmer zu verfahren?
Korrektes Anzeigen von Strafen
Eine Strafe ist immer nach einer Spielunterbrechung auszusprechen. Außer bei einer Verwarnung muss bei sämtlichen Strafen mit dem vorgeschriebenen Handzeichen (Zeichen 15) Richtung Zeitnehmer sofort Time-out angezeigt werden.
Während der Spielzeitunterbrechung ist genügend Zeit für alle weiteren notwendigen Maßnahmen. Mit einer Hand wird die Strafe angezeigt, die andere zeigt unmissverständlich auf die fehlbare Person.
Generell sollte derjenige Schiedsrichter die Strafe anzeigen, der das Spiel unterbrochen hat. Der andere Unparteiische sollte während der Spielzeitunterbrechung die Gesamtsituation im Blick behalten.
Die Schiedsrichter sollten sich vergewissern (Blickkontakt), dass die Identifizierung des fehlbaren Spielers/Offiziellen durch den Sekretär zweifelsfrei erfolgt ist. Dessen Bestätigung sollte abgewartet werden. Es wird empfohlen, dass der Sekretär zur Bestätigung die entsprechende Karte in Richtung Schiedsrichter hochhält bzw. das IHF-Handzeichen deutlich wiederholt.
Schiedsrichter und Sekretär notieren sodann die Nummer des fehlbaren Spielers/Offiziellen und die Art der Bestrafung. Der Sekretär notiert zusätzlich den Zeitpunkt der Maßnahme.
Nach jeder Bestrafung muss das Spiel wieder angepfiffen werden, bei einer Hinausstellung bzw. Disqualifikation aber erst dann, wenn der betreffende Spieler das Spielfeld bzw. den Auswechselraum verlassen hat. Für Offizielle ist dies nur bei Disqualifikationen zu beachten.
Die Hinausstellungszeit beginnt mit der Wiederaufnahme des Spiels durch den Pfiff der Schiedsrichter. Ein unterbrochenes Spiel, ob mit oder ohne Anhalten der Spielzeit, kann erst wieder aufgenommen werden, wenn sich alle Spieler in ihren jeweils korrekten Positionen befinden. Hierauf haben die Schiedsrichter im Rahmen ihrer grundsätzlichen Aufgaben zu achten. Auf diese Verpflichtung wird an vielen verschiedenen Stellen des Regelwerks hingewiesen. Sollten die Schiedsrichter vor der Wiederaufnahme des Spiels eine derartige fehlerhafte Stellung einer oder beider Mannschaften bemerken, müssen sie handeln.
Nach einer Spielzeitunterbrechung, vor allem nach einem TTO und zu Beginn einer jeden Halbzeit, haben die Schiedsrichter die Pflicht, vor dem (Wieder)anpfiff die korrekte Anzahl an Spielern zu kontrollieren.
Zurück zum Fall
In der eingangs beschriebenen Situation haben sich die Schiedsrichter sehr unglücklich verhalten. Hätten sie sich an die Vorgaben gehalten, wäre es nicht zu dieser Situation gekommen.
Wenn der hinausgestellte Spieler sich noch auf der Spielfläche befindet, sollte der Zeitnehmer nicht den Arm heben und auch nicht das Handzeichen 14 zur Bestätigung anzeigen – denn wenn er den Arm hebt, signalisiert er den Schiedsrichtern, dass die Ausgangsstellung korrekt ist und diese das Spiel anpfeifen können.
Wird eine fehlerhafte Spielerzahl nach Wiederanpfiff festgestellt, sind grundsätzlich die Bestimmungen der Regel 4:6 zu beachten. Anderseits ist es auch im Sinne der Fairness regeltechnisch nicht erlaubt, im Bewusstsein einer fehlerhaften Spieleranzahl das Spiel anzupfeifen.
Die Hinausstellungszeit beginnt definitiv mit der Wiederaufnahme des Spiels durch den Pfiff.
Merke
Nach einer Unterbrechung der Spielzeit, vor allem nach einem TTO, einer Hinausstellung oder Disqualifikation sowie zu Beginn einer jeden Halbzeit, haben die Schiedsrichter die Pflicht, vor dem (Wieder)anpfiff die korrekte Anzahl an Spielern zu kontrollieren.