Schiedsrichtergespann Frederic Linker und Sascha Schmidt im Austausch (Quelle: IMAGO/Nordphoto)

Von der Bundesliga für die Basis: 7 Tipps von Top-Referees

Früher waren sie in den Sporthallen ihrer Heimatregion unterwegs, heute stehen sie Woche für Woche in den Bundesliga-Arenen auf dem Parkett: Die Schiedsrichter:innen des Elite- und Eliteanschlusskaders des Deutschen Handballbundes achten in der LIQUI MOLY HBL auf die Einhaltung des Regelwerks.

Dabei profitieren sie von der Erfahrung, die sie über die Jahre und verschiedenen Ligen hinweg gesammelt haben. Für die Schiedsrichter-Sonderausgabe von Bock auf Handball (hier geht es zur Bestellung) gaben sieben von den besten deutschen Unparteiischen jeweils einen Tipp für junge Schiedsrichter und alle Neulinge an der Pfeife. 

 

Philip Dinges 

Minimiert die Gefahr einer gegensätzlichen Entscheidung

Wenn ihr im Team pfeift, lege ich euch einen einfachen Merksatz ans Herz: Kein Handzeichen des Torschiedsrichters (außer, die Entscheidung fällt wie ein Siebenmeter in seinen Beobachtungsbereich), bis der Feldschiedsrichter anzeigt, wie es weitergeht! Warum? So könnt ihr relativ einfach vermeiden, dass ihr bei der Spielfortsetzung in gegensätzliche Richtungen zeigt. Wird der Ball beispielsweise durch die abwehrende Mannschaft geblockt und trudelt ins Aus, kann der Feldschiedsrichter oft besser erkennen, ob der Ball noch durch den Torwart berührt wurde oder nicht. Wenn der Feldschiedsrichter auf Freiwurf für den Angriff entscheidet, kann der Torschiedsrichter ggf. sogar ganz auf das Handzeichen verzichten. So minimiert ihr die Gefahr einer gegensätzlichen Entscheidung!

 

Steven Heine

Trau dich, zu pfeifen – aber pfeif nur, was du selbst siehst!

Der Pfiff in die Pfeife: Das ist paradoxerweise oft die größte Hemmschwelle als junger Schiedsrichter. Du hast eine Entscheidung zwar im Kopf, aber zögerst, diese Entscheidung auch mit einem Pfiff zu vertreten – und dann ist die Situation vorbei. Ich kann dir nur sagen: Trau dich, zu pfeifen! Dass du Entscheidungen triffst und pfeifst, ist am Anfang das Wichtigste – ob sie richtig sind, ist erst einmal fast egal. Du musst keine Angst haben, einen Fehler zu machen. Aber: Pfeif immer nur das, was du selbst siehst. Nur, weil der Trainer von der Bank nacheinander dreimal „Schritte!“ ruft, heißt das nicht, dass es wirklich Schritte sind. Vertrau auf deine eigene Wahrnehmung - und pfeife deine Entscheidungen.

 

Marcus Hurst 

Bleibe Dir selbst treu!

Du kannst Dir anschauen, wie andere Schiedsrichter pfeifen und auftreten und daraus lernen. Dabei solltest Du Dir aber immer treu bleiben. Wenn Du versuchst, einen anderen Stil zu kopieren, der aber nicht zu Dir und Deinen Stärken passt, wirkst Du nicht mehr authentisch.

 

Markus Kauth 

Eine Erklärung schafft Akzeptanz!

Wenn ihr eine gelbe Karte oder Zeitstrafe zeigt, scheut euch nicht, die Entscheidung zu erklären - sowohl verbal als auch mit einer entsprechenden Geste bzw. einem Handzeichen. Es darf natürlich kein Vortrag sein, aber für die am Spiel beteiligten Personen (Spieler, Trainer, Zuschauer) sollte verständlich sein, warum ihr so entschieden habt. Kurz gesagt: Eine Erklärung schafft Akzeptanz.

 

Frederic Linker 

Wählt aus, was ihr annehmen wollt!

Nehmt Kritik und Verbesserungsvorschläge ernst, aber wählt für euch gezielt aus, was ihr davon umsetzen könnt – und vor allem wollt. Gerade am Anfang werdet ihr viele Dinge von allen Seiten hören, denn jeder hat seine eigenen Prinzipien, Verhaltensweisen oder Eigenschaften, die ihn als Person ausmachen. Diese habt ihr auch und das macht am Ende auch euren Wiedererkennungswert aus. Nehmt daher nur das an, was zu euch passt – und dann werdet ihr langfristig zu einem kompletten Schiedsrichter und einer Persönlichkeit auf und neben der Platte.

 

Raphael Piper 

Holt euch Hilfe von einem erfahrenen Referee!

Ich habe als junger Schiedsrichter einige Spiele gemeinsam mit einem erfahreneren Referee geleitet. Das hat mir extrem geholfen. Ich konnte mich ganz auf das Pfeifen konzentrieren, weil ich wusste: Er stärkt mir den Rücken und greift ein, wenn der Trainer zu laut wird. So konnte ich eine gewisse Grundsicherheit gewinnen. Ich habe von ihm gelernt, wie er bestimmte Situationen löst und nach dem Spiel noch Feedback bekommen. So ein „ungleiches“ Gespann ist natürlich keine Dauerlösung, aber eine sinnvolle und befristete Hilfestellung für euch, bis du dein nächstes Level erreicht hast und mit einem guten Gefühl auf das Spielfeld gehst.

 

Sascha Wild 

Schafft euch Rituale, um in euren Fokus zu kommen!

Für Schiedsrichter sind Rituale ganz wichtig. Wenn du vor einem Spiel auf einen festen Ablauf zurückgreifen kannst, nimmt dir das viel Stress. Die Aufgaben (Kabinenschlüssel, Abrechnung etc.) sind bei uns genau verteilt – und zur Auflockerung darf ein kleines Wurfduell in der Schiri-Kabine nicht fehlen. So sind wir gut vorbereitet – und wenn Fabian wie immer anpfeift (auch das ein Ritual!) ist unser Fokus voll und ganz auf das Spiel gerichtet.