Wieder so gut gefüllte Handball-Events besuchen zu können, ist aktuell leider noch Zukunftsmusik. Deshalb trafen sich auch die Schiedsrichterwarte der Landesverbände online zur Videokonferenz. (Foto: privat)

Videokonferenz der Schiedsrichterwarte aus den Landesverbänden

Einmal im Jahr findet ein persönliches Treffen der Schiedsrichterwarte der Landesverbände und der 3. Liga mit dem DHB-Schiedsrichterausschuss Profiligen statt. Durch die Pandemie war dieses Treffen nur virtuell möglich und somit wurden am 24. Mai 2020 alle Schiedsrichterwarte per Videokonferenz zusammengeschaltet.

Wolfgang Jamelle (DHB-Schiedsrichterwart) eröffnete die Konferenz mit einer Begrüßung und der Vorstellung des Tagungsprogramms. Als Referenten fungierten:

  1. Kay Holm (neuer DHB-Schiedsrichterlehrwart)
  2. Jürgen Scharoff (IHF- und DHB-Regelexperte)
  3. Nils Szuka (Schiedsrichteransetzer Bundesligakader)
  4. Bernd Ullrich (Beauftragter Schiedsrichter-Nachwuchskader)
  5. Dirk Eggert (neuer Schiedsrichterwart 3. Liga)
  6. Frank Böllhoff (DHB-Schiedsrichterbeobachter und EHF-Delegierter)
  7. Wolfgang Jamelle (DHB-Schiedsrichterwart)

Festgelegte Regelschwerpunkte 

Kay Holm berichtete von der am Tag zuvor durchgeführten Schiedsrichterlehrwartetagung. Die besprochenen Ziele und Schwerpunkte für die Themen Progression, Außensituationen und Stürmerfoul wurden zusammengefasst und erläutert.

Ausblick des Perspektivkaders

Einen detaillierten Rückblick auf die Jugendbundesliga gaben Nils Szuka und Bernd Ullrich. Da die Schiedsrichter des Perspektivkaders – zusätzlich zu den Jugendbundesligaspielen – ebenfalls Handballspiele in den Landesverbänden leiten, sind den Schiedsrichterwarten die Leistungen ihrer Gespanne besonders wichtig. Es wurden die Platzierungen veröffentlicht und  Rankings der einzelnen Gespanne gezeigt. So erhalten die Schiedsrichterwarte einen guten Eindruck über die Entwicklung ihrer gemeldeten Gespanne.

Diesen Sommer wird kein Präsenzlehrgang für den Perspektivkader stattfinden. Der Halbzeitlehrgang im Januar 2020 wurde  bereits testweise virtuell durchgeführt, der Sommerlehrgang wird nun ebenfalls online umgesetzt. Die Lauftests des Kaders werden nicht an einem festgelegten Ort stattfinden. Sie sollen per Video aufgenommen und an den SR-Lehrstab gesendet oder von den Landesverbänden abgenommen werden. Im Großen und Ganzen war Nils Szuka mit den Leistungen der Schiedsrichter zufrieden.

Neues aus der 3. Liga

Der neue Schiedsrichterwart der 3. Liga Dirk Eggert hat sich und sein neues Team vorgestellt. Nicht nur der Posten des Schiedsrichterwarts wird neu besetzt – Dirk Eggert löst zur Saison 2020/2021 Harald Mohr ab –, sondern auch die Position des stellvertretenden Schiedsrichterwarts wird mit Jörg Berning neu besetzt. Christian Luther (neu im Schiedsrichterausschuss) wird Beauftragter der neutralen Beobachtungen. Henning Bergmann (Beauftragter Aufstiegskader) und Matthias Brauer (Beauftragter Vereinsbeobachtungen) sind ebenfalls im Schiedsrichterausschuss neu dabei.

So setzt sich der Schiedsrichterausschuss der 3. Liga in der Saison 2020/21 zusammen.

Dirk Eggert berichtete über die Punkteentwicklung der Trainerbeurteilungen im Vergleich zu den neutralen Beobachtungen der einzelnen Kader. Auffallend sind die Punktwerte des Frauenkaders. Bei den Vereinsbeobachtungen ist ein deutliches Defizit erkennbar. Hier sind intensive Maßnahmen zur Förderung der Frauenteams geplant, damit die Leistungen mit dem Anschluss- und sogar Standardkader vergleichbar sind. Derzeit werden die Frauenteams einerseits nicht zu Männerspielen der 3. Liga angesetzt, sollen andererseits jedoch Männerspiele in den Oberligen ihres jeweiligen Landesverbands leiten. Ziel ist es, den Frauenkader weiterzuentwickeln, damit dieser zukünftig auch Männerspiele in der 3. Liga leiten kann.

Die Platzierungen des Anschlusskaders, Standardkaders, des Frauenkaders und des Aufstiegskaders wurden offengelegt und besprochen.

Die Pläne für die neue Saison 2020/2021 der 3. Liga stehen bereits fest und es werden, nach den zwei Online-Lehrgängen und den Leistungstests, voraussichtlich 84 Gespanne in die neue Saison starten.

Ganz besonders zu erwähnen war der am 1. und 2. Februar 2020 noch als Präsenzlehrgang durchgeführte erste Aufstiegskaderlehrgang in der Sportschule Grünberg. Am Anfang der Saison wurde aus dem Standardkader ein zusätzlicher Aufstiegskader gebildet. Ziel dieser Maßnahme ist es, den Teilnehmern den Sprung in den Bundesligakader zu vereinfachen. In der Vergangenheit war es oft so, dass die Aufsteiger in den folgenden Jahren wieder in die 3. Liga abgestiegen sind.

Der Aufstiegskader bietet besondere Fördermaßnahmen.

Um den Gespannen künftig einen besseren Start in den Bundesligakader ermöglichen zu können, erhalten sie im Aufstiegskader mehr neutrale Beobachtungen und somit ein eigenes Ranking. Dieser Kader wird von Monat zu Monat reduziert. Im Februar waren somit noch acht Gespanne beim Präsenzlehrgang, darunter zwei weibliche. Es wurden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der 1. zu den 3. Ligen ausgewertet sowie die besonderen Anforderungen an die Schiedsrichter des Profi-Bereichs besprochen. Neben den durchgeführten Leistungstests wurde das Spiel Hüttenberg gegen Eisenach der 2. Bundesliga live vor Ort analysiert.

Acht Gespanne nahmen in diesem Jahr bereits am Aufstiegskaderlehrgang teil.

Anmeldezahlen des SR-Portals teils zu gering

Wolfgang Jamelle berichtete über enttäuschende Anmeldezahlen des Schiedsrichterportals: Neben Landesverbänden, die eine Anmeldequote aller Schiedsrichter im Land von über 60 Prozent vorweisen können, gibt es immer noch Verbände, deren Quote bei unter 15 Prozent liegt. Hier muss eine deutliche Steigerung erfolgen. Es wurden die Vorteile nochmals erläutert und die anstehenden Neuerungen des Portals vorgestellt. Viele Verbesserungsvorschläge der Landesverbände konnten bereits umgesetzt werden. Neben der zukünftig bundeseinheitlichen Schiedsrichter-Grundausbildung wurde auch der vorgesehene Videotest vorgestellt, der nach erfolgreicher Entwicklung eine eigene Rubrik im Portal erhalten soll.

Neues aus dem DHB

Rund 90 Schiedsrichter*innen aus den Kadern der Profiligen werden seit Mitte 2019 bei einem gemeinsam mit der Uni Oldenburg und dem DHB durchgeführten Projekt begleitet. Es wird untersucht, ob und wie sich Belastungen auf die Schiedsrichterentscheidungen auswirken. Hierbei wird in der Praxisphase der YoYo-Test angewandt. Analog zum bekannten Shuttle-Run müssen die Schiedsrichter eine Strecke von 20 m in sich steigerndem Tempo absolvieren und zwischendurch per Video gezeigte Spielszenen bewerten. Es werden die zurückgelegten Distanzen, die Herzfrequenz, die Sauerstoffaufnahme und auch die Entscheidungsgenauigkeit bei der Bewertung der Videoszenen erfasst. (Siehe dazu auch in der Kategorie Hintergrundbericht die News vom 22.8.2019.)

Wolfgang Jamelle wies darauf hin, dass im DHB eine neue Struktur des Schiedsrichterwesens diskutiert wird, die eine Abgrenzung von Strategie und Operative zum Ziel hat und bei deren Umsetzung auch die DHB-Schiedsrichterordnung angepasst werden müsste.

Abschließend wurden die Erfahrungen mit dem geänderten Verfahren beim Schiedsrichter-Coaching zusammengefasst, in dem die Coaches neben dem Beobachtungsgespräch unmittelbar nach dem Spiel eine zusätzliche Videoauswertung des Spiels vornehmen und erst danach eine Endbewertung der Schiedsrichterleistung erfolgt. Dieses System hat sich bewährt und wird weiter ausgebaut. (Siehe hierzu auch im Newsarchiv das Interview mit Thorsten Zacharias am 22.4.2020.)