Gelbe Karten sollen in den Bundesligen zukünftig im besten Fall von vorne, mit Blickkontakt und immer mit Botschaft gezeigt werden. (Foto: IMAGO/Pro Shots)
Verwarnungen – Anweisung für die DHB-Spitzenschiedsrichter
Verwarnungen
Der Umgang mit Verwarnungen war ein zentrales Thema der Tage in Halberstadt.
Die Verwarnung soll zukünftig verstärkt dem Sinn der Regel entsprechend eingesetzt werden: Als ein Signal an den Spieler und dessen Mannschaft, dass der entsprechende körperliche Einsatz grenzüberschreitend war. Weitere Vergehen der gleichen Art führen dann zu Hinausstellungen.
In der Vergangenheit wurden oft Verwarnungen nach Torerfolg oder 7-Meter-Entscheidungen gegeben, die ihre Wirkung verfehlten und teilweise nicht einmal zur Kenntnis genommen wurden. Peter Behrens, ehemaliger Spitzenschiedsrichter und Mitglied im Schiedsrichter-Lehrstab des DHB, machte in seinem Beitrag in Halberstadt deutlich, dass hier eine klarere Linie verfolgt werden soll.
Die aktuellen Regelbestimmungen
- Gemäß Regel 16:1 ist eine Verwarnung die angemessene Strafe bei
a) Regelwidrigkeiten, die progressiv zu bestrafen sind (Regel 8:3, vgl. jedoch 16:3b, 16:6d).
b) unsportlichem Verhalten, das progressiv zu bestrafen ist (Regel 8:7).
Gemäß dem Kommentar sollte ein Spieler nicht mehr als eine Verwarnung und eine Mannschaft insgesamt nicht mehr als drei Verwarnungen erhalten. Die folgende Strafe muss mindestens eine Hinausstellung sein. - Regel 8:2 zeigt Regelwidrigkeiten auf, die normalerweise nicht zu persönlichen Strafen führen; jedoch sind die Beurteilungskriterien in Regel 8:3a-d zu beachten.
Gemäß Regel 8:3 müssen aber Regelwidrigkeiten, bei denen die Aktion überwiegend oder ausschließlich auf den Körper des Gegenspielers abzielt, zu einer persönlichen Strafe führen. Zusätzlich zur Entscheidung auf Frei- oder 7-Meter-Wurf ist mindestens progressiv zu bestrafen, beginnend mit einer Verwarnung (16:1a), dann folgt die Hinausstellung (16:3b) und die Disqualifikation (16:6d).
Soweit die Regeln ...
Wie sieht die Umsetzung aus?
Nach intensiver Auswertung der vergangenen Saison wurde folgendes in Bezug auf Verwarnungen festgestellt:
- Gelbe Karten werden durch die Schiedsrichtern oft ohne Beachtung der Beurteilungskriterien "abgearbeitet":
Bei kleineren Vergehen (Regel 8:2) wurden Gelbe Karten gegeben. Und bei harten Vergehen (Regel 8:4) zu Spielbeginn gab es Verwarnungen anstelle einer Hinausstellung. (Gleichwohl wurde dies in der letzten Saison schon viel besser als in den Jahren zuvor gehandhabt.) - Eine weitere Feststellung war, dass gegebene Verwarnungen oft wirkungslos waren, da sie ohne jede Botschaft an die betroffene Mannschaft angezeigt wurden.
- Im Vergleich zu internationalen Spielen und Turnieren der EHF und IHF ist die Handhabung in Deutschland eine völlig andere. Bei den Olympischen Spielen in Tokio z. B. lag der Durchschnitt bei den Verwarnungen pro Spiel (nicht pro Mannschaft!) bei den Männerspielen bei 1,50 und bei den Frauen bei 0,95!
Fazit
Viele Fouls nach Regel 8:2 – auch oder gerade unter Beachtung der Beurteilungskriterien nach Regel 8:3 – erfordern keine progressive Strafe. Die Spieler akzeptieren in der Regel Gelbe Karten; sie sind ihnen häufig sogar egal. Auch Verwarnungen nach Torerfolgen erzielen fast nie eine Wirkung bei den Mannschaften. Gelbe Karten wurden nur administrativ oder mathematisch „abgearbeitet“. Gelbe Karten sind keine echte Strafe. Sie sind vielmehr „Erinnerungen“ an das, was erlaubt ist oder nicht.
Aktuelle Anweisung zu Verwarnungen an die DHB-Schiedsrichter
- Nicht nach kleinen Verstößen suchen.
- Keine attraktiven/schnellen Phasen für geringe Verstöße unterbrechen.
- Verwarnungen nach Torerfolgen sollen unterbleiben. (Bei Vergehen im Rahmen eines Torerfolges durch die Abwehr reichen unmittelbare Hinweise an den Spieler. Reicht dies aufgrund des Vergehens nicht aus, ist eine Zeitstrafe erforderlich.)
- Gelbe Karten möglichst von vorne zeigen, aber mindestens mit Blickkontakt. Immer mit Botschaft!
- Drei Gelbe Karten pro Team, sechs Gelbe Karten pro Spiel sind nicht zwingend.
- Keine Gelbe Karte, wenn eine sofortige 2-Minuten-Strafe erforderlich ist.
- Keine zwei Gelben Karten und keine Gelbe Karte nach einer Zeitstrafe im selben Angriff (außer bei Verzögerung der Wurfausführung der gegnerischen Mannschaft durch das Nichteinhalten des 3-Meter-Abstands oder anderer Verhaltensweisen; und bei aktivem Abwehren von Würfen oder Pässen durch das Benutzen von Fuß oder Unterschenkel).
- Keine Gelbe Karte in der zweiten Hälfte!
Wichtig für die Landesverbände: Diese Anweisungen gelten nur für die Bundesligen. Die Veröffentlichung im DHB-Schiedsrichterportal dient lediglich der Information und Transparenz.