Quelle: IMAGO/ULMER Pressebildagentur
Ungewöhnlicher Zeitpunkt für ein Team-Time-out
Folgende Frage wurde gestellt
Mannschaft WEISS ist kurz vor Spielende in Ballbesitz. Wegen Verhinderung einer klaren Torgelegenheit von SCHWARZ 9 gegen WEISS 7 entscheidet der Torschiedsrichter auf 7-Meter-Wurf für Mannschaft WEISS. Anschließend ertönt das Schlusssignal. Als WEISS 9 zur Ausführung des 7-Meter-Wurfes geht, ertönt ein Pfiff des Zeitnehmers, der anzeigt, dass Mannschaft WEISS ein Team-Time-out beantragt hat.
Die Frage: Ist das Team-Time-out noch zu gewähren oder nicht?
Je nach Spielklasse und den entsprechenden Durchführungsbestimmungen ist die Anzahl an Team-Time-out den DHB-Zusatzbestimmungen folgend festgelegt.
Die Beantragung eines Team-Time-outs folgt in der Regel unterschiedlichen (auch taktischen) Zielen, z. B.:
- Taktische Absprachen bei hohem Rückstand zu Spielbeginn oder für die Strategie bei knappem Spielstand gegen Spielende.
- Wechsel von Spieleraufgaben bzw. Umstellung von Abwehrformationen.
- Den Spielfluss des Gegners stören.
Voraussetzungen für die Beantragung (1)
Formal ist der Zeitpunkt der Beantragung wichtig: Nur bei zweifelsfreiem Ballbesitz der beantragenden Mannschaft darf der Zeitnehmer das Spiel unterbrechen.
Durch einen Mannschaftsoffiziellen darf Team-Time-out beantragt werden, wenn der Ball im Spiel ist oder das Spiel ist unterbrochen oder eine Wurfentscheidung für die beantragende Mannschaft getroffen worden ist und die beantragende Mannschaft noch in Ballbesitz ist, wenn der Zeitnehmer pfeift.
Zwischenfazit
Eine Wurfentscheidung für die beantragende Mannschaft (hier 7-Meter-Wurf) wurde getroffen. Damit ist Mannschaft WEISS formal in Ballbesitz und kann zumindest aus diesem Grund Team-Time-out beantragen.
Ist aber der Zeitpunkt noch regeltechnisch korrekt?
Förmlich endet gemäß Regel 2:3 mit dem Schlusssignal (automatisch oder durch den Zeitnehmer) die Spielzeit einer Halbzeit.
Aber gemäß Regel 2:4 sind Regelwidrigkeiten und unsportliches Verhalten vor oder mit dem Ertönen des Schlusssignals bei Halbzeit- oder Spielende (auch zum Ende der Halbzeiten einer Verlängerung) zu ahnden, auch wenn die Ausführung des Freiwurfs (nach Regel 13:1) oder 7-Meter-Wurfs nicht vor dem Schlusssignal erfolgen kann.
Damit ist aber in bestimmten Situationen das Spiel selbst noch nicht zu Ende, wenn
- die Schiedsrichter für ein noch während der Spielzeit begangenes Vergehen nach dem Schlusssignal auf Freiwurf oder 7-m-Wurf entscheiden und der Wurf noch nicht ausgeführt wurde,
- ein (direkter) Frei- oder ein 7-Meter-Wurf unmittelbar vor Ertönen des Schlusssignals ausgeführt wurde, sein unmittelbares Ergebnis aber noch nicht feststand (der Ball befand sich noch in der Luft, dieser Wurf zu wiederholen ist).
In beiden Fällen beenden die Schiedsrichter das Spiel erst, wenn der Freiwurf oder 7-Meter-Wurf ausgeführt oder wiederholt wurde und das Ergebnis dieses Wurfes feststeht.
Zwischenfazit
Formell endet die Spielzeit mit dem Schlusssignal, aber in dieser Situation ist das Spiel (die 2. Halbzeit) noch nicht zu Ende, da noch der 7-Meter-Wurf ausgeführt werden muss.
Voraussetzungen für die Beantragung (2)
Gemäß Regel 2:10 hat jede Mannschaft pro Halbzeit (ausgenommen Verlängerungen) Anspruch auf […] Team-Time-out …
Zwischenfazit 3
In Regel 2:10 ist das Zeitfenster für die Beantragung und Gewährung eines Team-Time-outs nicht auf das Ende der Spielzeit begrenzt, sondern auf das Ende der Halbzeit. Der Begriff der regulären Spielzeit (siehe Erl. 3) bedeutet die Begrenzung auf die zwei Halbzeiten eines Spieles und schließt damit die Verlängerungen aus.
FAZIT
Gleichwohl die Spielzeit mit dem Schlusssignal formell endet, ist das Spiel selbst, sprich die Halbzeit, noch nicht zu Ende. Alle Bedingungen für die Beantragung eines Team-Time-outs sind hier erfüllt.
Ergo kann und darf eine Mannschaft, die nach dem Halbzeit- oder Schlusssignal noch einen Frei- oder 7-Meter-Wurf ausführt (hier: 7-Meter-Wurf), auch zu diesem Zeitpunkt noch ein Team-Time-out beantragen (außer bei Verlängerungen).
Bemerkung
Da dies auch bei einer Freiwurfausführung nach dem Schlusssignal möglich ist, sei auf die besonderen Anweisungen bezüglich der Aufstellung und des Spielerwechsels hingewiesen. Denn hier muss nach Ende des Team-Time-outs darauf geachtet werden, dass auch die richtigen Spieler wieder auf dem Spielfeld stehen.