Umgang mit verletzten Spielern
Erkennen die Schiedsrichter, dass sofort medizinische Hilfe nötig ist, unterbrechen sie das Spiel (Handzeichen 15) und zeigen anschließend mit Handzeichen 16 an, dass zwei berechtigte Personen der Mannschaft (siehe 4:3) die Spielfläche zur Versorgung betreten dürfen.
In bestimmten Fällen muss ein Spieler nach der Behandlung für drei Angriffe seiner Mannschaft pausieren. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, die das Regelwerk klar benennt.
Beispiel-Situation
WEISS erzielt ein Tor, wird von ROT gefoult und bleibt verletzt liegen. Die Schiedsrichter sehen keinen Grund für eine Hinausstellung und lassen weiterspielen. Kurz nach dem Tor beantragt Mannschaft ROT ein Team-Time-out per Buzzer. Laut Reglement hält der Buzzer sofort die Zeit an und startet das Team-Time-out.
Nachdem die Uhr gestoppt ist, zeigen die Schiedsrichter das Handzeichen 16, sodass zwei berechtigte Personen die Spielfläche betreten und die verletzte Spielerin versorgen dürfen.
Fragestellung
Muss die Spielerin nach dem Team-Time-out für drei Angriffe pausieren?
Regeltechnische Einordnung
Wenn Schiedsrichter sicher sind, dass eine Verletzung dringend behandelt werden muss, geben sie sofort Time-out und erlauben das Betreten der Spielfläche (Handzeichen 16). Die 3-Angriffe-Regel gilt bei IHF-, EHF- und DHB-Spielen nur dann, wenn die jeweilige Durchführungsbestimmung dies vorsieht.
Ein verletzter Spieler muss – sofern Regel 4:11 gilt – nach der Behandlung für drei Angriffe pausieren, außer:
- die Verletzung entstand durch eine Regelwidrigkeit, die progressiv bestraft wurde,
- oder ein Torwart wurde am Kopf getroffen.
In der beschriebenen Situation gilt:
(1) Die Spielunterbrechung erfolgte nicht wegen der Verletzung, sondern durch das elektronische Team-Time-out.
(2) Handzeichen 16 wurde erst nach Beginn des Team-Time-outs gezeigt.
- Das Spiel war bereits aus anderem Grund unterbrochen.
- Während des Team-Time-outs dürfen sich alle Spieler und Offiziellen im Bereich der Auswechselräume bzw. Spielfläche aufhalten.
- Die Versorgung der Spielerin gilt daher nicht als Behandlung im Sinne von Regel 4:11, die die 3-Angriffe-Pause auslösen würde.
(3) Die bekannten Ausnahmen (progressive Bestrafung oder Kopftreffer) greifen hier nicht, da die Grundvoraussetzungen fehlen.
Fazit
- Da das Spiel nicht wegen der Verletzung, sondern wegen des Team-Time-outs unterbrochen wurde, greift die 3-Angriffe-Regel nicht.
- Die Spielerin darf nach dem Team-Time-out weiterspielen.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.