Fitness in vielerlei Hinsicht ist auch für Schiedsrichter eminent wichtig! (Foto: IMAGO/Bildbyran)
Übungen für das Schiedsrichtertraining (Teil 1)
Unter der Woche Training, am Wochenende Leistung
Zum Handballtraining der Mannschaften gehören unter anderem Konditions- und Schnelligkeits-, Kraft- und allgemeines Fitnesstraining, handballbezogenes Technik- sowie Taktiktraining. Die Mannschaften trainieren Woche für Woche in unterschiedlicher Frequenz, abhängig von der Leistungsklasse.
Wie trainiert der Schiedsrichter?
Als Schiedsrichter gut vorbereitet sein, heißt nicht nur, Regelkenntnisse und Entscheidungsfähigkeit zu besitzen. Auch der körperliche Fitnesszustand entscheidet über eine gute Schiedsrichterleistung.
Neben dem Fitness-Training und „Regeln pauken“ gibt es auch schiedsrichterbezogene Übungen in der Sporthalle, um z. B. die Laufwege, das Laufverhalten, das Stellungsspiel oder die Beobachtungsgabe sowie die Abläufe im Gespann zu verbessern.
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen
"Üben ist ein methodisch wiederholtes Handeln, das darauf zielt, Können zu bewahren, zu erwerben oder zu steigern." (Wikipedia)
Warum also nicht auch mal eine Weiterbildung in Form eines praktischen Trainings (Übungen) speziell nur für die Schiedsrichter?! Denn das Verinnerlichen von Handlungs- und Bewegungsabläufen ist für den Erfolg eines Schiedsrichters ein ebenso unverzichtbarer Bestandteil.
Das Schiedsrichterverhalten im Trainingsablauf einer Mannschaft seines Heimvereins trainieren
Die in den Übungsbeispielen dargestellten Abläufe und Spielsituationen gehören mitunter zum Standardrepertoire eines jeden (Wurf-)Trainings einer Jugend- und/oder Seniorenmannschaft. Ein Schiedsrichtergespann, welches seine Beobachtungsgabe und Abläufe trainieren möchte, muss sich also nicht zwangsläufig eine der rar gesäten Hallenzeiten sowie eine gewisse Anzahl an Feldspielern und Torhüter organisieren, sondern kann einen der verantwortlichen Trainer fragen, ob sie an einem Training teilnehmen können, in denen die dargestellten Übungsbeispiele oder vergleichbare Spielsituationen thematisiert werden.
Zwei Übungsbeispiele
Übung 1: Verhalten des Torschiedsrichters bei Würfen von den Außenpositionen
Organisation
- Gemäß Abb. 1 zwei Abwehrdummys auf den Abwehrpositionen Außen-Links und Halb-Links aufstellen und eine Ballkiste auf Rückraum-Rechts positionieren. Die Positionen Rechtsaußen und Rückraum-Rechts einfach besetzten. Ein Torhüter besetzt das Tor. Die Schiedsrichter nehmen die Positionen des Tor- sowie Feldschiedsrichters (TS und FS) ein.
- Je nach zur Verfügung stehender Spieleranzahl kann die Übung auch im Wechsel auf der linken und rechten Abwehrseite durchgeführt werden (Abb. 1), sodass die Schiedsrichter mit ein und derselben Übung lernen, die Spielsituation sowohl auf der linken als auch auf der rechten Abwehrseite zu bewerten.
Ablauf
- RR stößt in Richtung Tor, bricht zur Wurfarmgegenseite durch und passt den Ball zum anlaufenden RA, der per Sprungwurf abschließt.
Aufgaben des Schiedsrichtergespanns
- Der Torschiedsrichter muss zunächst auf die Absprungposition des RA-Angreifers achten (s. o. Abb. 1, 1), um gegebenenfalls auf ein Betreten des Torraums entscheiden zu können.
- Anschließend führt der Torschiedsrichter einen Blicksprung in Richtung Tor aus, um die folgende Spielsituation beurteilen zu können (Abb. 2, 2; Entscheidung zwischen: Tor, Abwurf oder Einwurf). Gegebenenfalls muss er seine Grundposition an der Grundlinie ändern, um am Pfosten vorbei zu erkennen, dass der Ball die Torlinie komplett überquert hat.
- Hat der Ball die Torraumlinie vollständig überquert, nimmt der Torschiedsrichter zunächst Blickkontakt mit dem Feldschiedsrichter auf. Dieser hebt bei einem aus seiner Sicht regulären Torgewinn – zum Zeichen der Zustimmung – den gestreckten Arm (Abb. 3, 3).
- Der Torschiedsrichter hebt daraufhin ebenfalls den Arm und pfeift zweimal. Gleichzeitig orientiert sich der Feldschiedsrichter schon in Richtung Außenlinie, um auf die andere Spielfeldhälfte zu laufen (Abb. 4, 4).
Hinweis
- Der Fokus in dieser Übung liegt auf dem (Entscheidungs-)Verhalten des Torschiedsrichters. Zunächst muss er den Absprungort des Angreifers beobachten, um anschließend per Blicksprung (Blick von unten nach oben und ggf. inklusive Kopf-/Körperdrehung sowie Veränderung seiner Beobachtungsposition) den weiteren Spielverlauf einschätzen zu können. Um den Übungsprozess für die Schiedsrichter zu erleichtern, ist es sinnvoll, die Spielsituation zunächst ohne Abwehrspieler durchführen zu lassen.
Übung 2: Konzentration auf den Aufgaben-/Beobachtungsbereich schulen
Organisation und Ablauf
- Im 6 gegen 6 (auf ein Tor) spielt sich die angreifende Mannschaft den Ball von Position zu Position zu. Die Abwehrspieler agieren in verschiedenen Abwehrformationen (z. B. 6:0, 5:1, 3:2:1) und verschieben entsprechend der formationsabhängigen Regelbewegungen zum ballführenden Angreifer. Zunächst soll kein Torabschluss erfolgen (siehe Abb.).
- Tor- und Feldschiedsrichter verfolgen ihren Beobachtungsaufgaben entsprechend den Ball bzw. die Situationen in der Nah- und Fernwurfzone. Je nach Spielsituation müssen die Schiedsrichter ihre Beobachtungspositionen anpassen, um den bestmöglichen Blick auf das Geschehen zu erlangen.
Erweiterungen
- Während der Ball von Position zu Position gespielt wird, zeigt der Kreisspieler der angreifenden Mannschaft mit nach oben gestrecktem Arm eine Zahl mit seinen Fingern an. Der Torschiedsrichter gibt durch lautes Rufen der Zahl zu erkennen, dass er die Aktion wahrgenommen hat.
- Ablauf wie zuvor. Der Kreisspieler zeigt die Zahl jetzt ein wenig versteckter an.
- Gegebenenfalls können die Zahlen noch mit zusätzlichen Folgehandlungen verknüpft werden. Zum Beispiel bedeutet das Zeigen einer Fünf, dass der Kreisspieler ein Stürmerfoul begangen hat. Der Torschiedsrichter pfeift daraufhin dieses Vergehen, indem er zum Ort der Aktion läuft und das Handzeichen für Stürmerfoul anzeigt. Es geht mit Ballbesitz für die bis dahin verteidigende Mannschaft weiter.
Hinweis
- Die Übung ist zunächst dazu gedacht, dass Feld- und Torschiedsrichter ihre Bewegungen der Spielrichtung anpassen und mitpendeln. Schwerpunkt ist aber, dass sich der Torschiedsrichter auf seinen Aufgabenbereich konzentriert und nicht "Handball im Rückraum schaut". Mit Anzeigen der Zahl durch KM wird er quasi dazu gezwungen, seinen Aufgabenbereich zu beobachten.