Torwart mit regelwidrigem Fußspiel
Eigentlich hoffnungslos zu spät hat er Glück, dass der Wurf nur den linken Torpfosten trifft und von dort Richtung Spielfeld zurückspringt. Inzwischen in seinem Torraum angekommen, kann er dadurch den Ball mit dem rechten Fuß ins Seitenaus abwehren. Wie ist das Spiel jetzt fortzusetzen?
Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:
Gemäß Regel 5:10 ist es dem Torwart untersagt, den sich Richtung Spielfeld bewegenden Ball mit dem Unterschenkel oder Fuß zu berühren. Für den Fall, dass dies doch geschieht, wird auf Regel 13:1a verwiesen. Demnach müssen die Schiedsrichter das Spiel unterbrechen und mit Freiwurf für die andere Mannschaft fortsetzen.
Analog zu den Bestimmungen der Regel 13:6 letzter Absatz ist der Freiwurf an der nächstgelegenen Stelle außerhalb der Freiwurflinie auszuführen. Maßgeblich ist dabei der Ort, an dem der Torwart den sich Richtung Spielfeld bewegenden Ball regelwidrig mit dem Unterschenkel oder dem Fuß berührt hat. Im Videobeispiel läge der Ausführungsort an der Freiwurflinie parallel zur 7-m-Markierung.
Eine progressive Bestrafung des Torwarts kommt bei derartigen Regelwidrigkeiten grundsätzlich nicht in Betracht. Lediglich in den Fällen, in denen der Torwart durch sein regelwidriges Verhalten einen gegnerischen Spieler gefährdet, ist gemäß Regel 5:5 eine zusätzliche progressive Bestrafung auszusprechen.
Die im Videoclip erkennbare Entscheidung auf Einwurf für die gegnerische Mannschaft wäre nur dann korrekt gewesen, wenn der Torwart den Ball nicht mit Unterschenkel oder Fuß, sondern mit einem anderen Körperteil über die Seitenlinie abgelenkt hätte (Regel 11:2).
Hätte der Torwart den Ball über die Torlinie abgewehrt, hätten die Schiedsrichter auf Torerfolg für die gegnerische Mannschaft entscheiden müssen (siehe Regel 9:1 Abs. 2).
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.