Quelle: DHB
Torgewinn – Wann gilt ein Tor als erzielt?
Was im Video geschieht
Mannschaft WEISS ist im Angriff und WEISS 13 erzielt regelgerecht ein Tor. GRÜN 14 führt den anschließenden Anwurf schnell aus, indem er den Ball zu GRÜN 75 spielt, der zunächst allein auf das Tor von Mannschaft WEISS zuläuft und dann unter Bedrängnis auf das Tor wirft. Der Torwart kann den Ball halten. Der Ball prallt vom Torwart zurück in den Torraum Richtung Spielfeld gegen den rechten Fuß des Abwehrspielers WEISS 18 (im Torraum stehend), der während des Wurfs von GRÜN 75 durch den Abwehrversuch in den eigenen Torraum gelangt ist. Von dort springt der Ball ins eigene Tor. Die Schiedsrichter entscheiden auf Tor für Mannschaft GRÜN.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Ein Tor darf nur dann anerkannt werden, wenn der Ball die Torlinie zwischen den beiden Pfosten vollständig überquert hat. Dieses Kriterium allein reicht allerdings für die Toranerkennung nicht aus. Es müssen weitere Voraussetzungen gegeben sein, damit ein Tor auch tatsächlich anerkannt werden darf:
- Der Werfer, seine Mitspieler bzw. die Offiziellen seiner Mannschaft dürfen vor oder während der Wurfausführung keine Regelwidrigkeit begangen haben.
- Das Spiel darf in dem Moment, in dem der Ball die Torlinie vollständig überquert, nicht unterbrochen sein.
Die vorgenannten Voraussetzungen sind erfüllt.
Da der Ball aber im Tor durch den rechten Fuß des Abwehrspielers WEISS 11 dort gelandet ist, sind hier die Bestimmungen der Regel 9:1 Abs. 2 und Abs. 4 erster Halbsatz anzuwenden. Hier heißt es: "Gelangt der Ball ins Tor, obwohl ein Spieler der abwehrenden Mannschaft eine Regelwidrigkeit begangen hat, ist auf Tor zu erkennen." und "Spielt ein Spieler den Ball (Anm. d. Red.: auch mit dem Fuß) in das eigene Tor, führt dies zum Torgewinn für die gegnerische Mannschaft ...".
Die Entscheidung auf Tor für Mannschaft GRÜN durch den Torschiedsrichter, auch wenn Mannschaft WEISS verwundert ist, ist regelgerecht.
Fazit
Gleichwohl diese Situation eher Seltenheitswert hat, haben die Schiedsrichter die richtige Entscheidung getroffen – Sie auch?
Interessant ist in diesem Kontext, warum sich Mannschaft WEISS eigentlich nicht über das Tor wundern darf. Denn in einer ähnlichen Situation haben sie schon einmal ein Eigentor erzielt (und die Nummer 11 stand dabei auch auf dem Spielfeld). Siehe hierzu den Beitrag "Eigentor" vom 17.01.2022.
Und wer wissen möchte wie das Eigentor im Spielprotokoll zu verbuchen ist, sollte sich nochmals mit dem Artikel Ergänzendes Detailwissen zum Eigentor vom 27.01.22 beschäftigen.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.