Torgewinn – ja oder nein?

Der Torerfolg ist das zentrale Spielziel des Handballs. Damit ein Tor tatsächlich anerkannt werden darf, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Der Werfer, seine Mitspieler bzw. die Offiziellen seiner Mannschaft dürfen vor oder während der Wurfausführung keine Regelwidrigkeit begangen haben.
  2. Das Spiel darf in dem Moment, in dem der Ball die Torlinie vollständig überquert, nicht unterbrochen sein bzw. das Schlusssignal ist noch nicht erfolgt.
Abb. 1: Handzeichen 12


Der Torschiedsrichter bestätigt durch zwei kurze Pfiffe und Handzeichen 12, dass ein Tor erzielt ist.

Unter den o. g. Voraussetzungen darf ein Tor nur dann anerkannt werden, wenn der Ball die Torlinie zwischen den beiden Pfosten vollständig überquert hat.

Abb. 2: Tor oder kein Tor?
Abb. 3

Das heutige Video zeigt ein Beispiel, Tor oder kein Tor, verbunden mit der Frage, ob das Spiel vorher unterbrochen war bzw. wie hier das Schlusssignal bereits ertönte.

Was im Video geschieht

Hinweis vorab: Die eingeblendete Uhr ist nicht synchron mit der Hallenuhr!

Mannschaft BLAU gegen Mannschaft WEISS. Es sind noch wenige Sekunden zu spielen. Das Spiel startet nach dem Anpfiff der Schiedsrichter mit einem Abwurf der Mannschaft WEISS.

Die Torhüterin spielt den Ball zunächst zu WEISS Nr. 15, die mit einer Finte an BLAU Nr. 6 vorbeikommt und den Ball anschließend zu WEISS Nr. 20 passen kann. Spielerin WEISS Nr. 20 kommt frei zum Wurf und der Ball landet hinter der Torlinie. Der Torschiedsrichter zeigt zunächst kein Tor an. Die Schiedsrichter sowie die Zeitnehmerin kommen dann zusammen. Nach kurzer Beratung zeigt der Torschiedsrichter deutlich an, dass das Tor nicht gegeben wird.

Tor oder kein Tor?

Überquert der Ball die Torlinie nach einem Pfiff/Signal, darf in keinem Fall auf Tor entschieden werden. Maßgebend ist der Beginn des Pfiffs/Signals.

Das gilt auch, wenn beispielsweise der Pfiff des Zeitnehmers unberechtigterweise erfolgte – das Spiel wurde auf jeden Fall unterbrochen. Ebenso unterbricht selbstverständlich auch ein Pfiff des Schiedsrichters das Spiel. Ein solcher Pfiff kann regeltechnisch allerdings nie „unberechtigt" sein.

In diesem Beispiel ist es anhand des Videos nicht eindeutig, wann das Schlusssignal exakt ertönt. Erfolgt das Schlusssignal vorher, darf das Tor, falls der Ball (Zehntelsekunden später) ins Tor fliegt, nicht anerkannt werden!

Da hier den Schiedsrichtern weder Torlinientechnik noch Videobeweis zur Verfügung stehen, müssen sie anhand ihrer Wahrnehmung eine Entscheidung treffen.

Richtig ist hier, dass sich zunächst die beiden Schiedsrichter mit dem Zeitnehmer kurz beraten. Aber bei derartig knappen Situationen kann im Prinzip allein der Torschiedsrichter die Entscheidung auf Tor oder kein Tor treffen. Richtig ist hier, dass der zuständige Torschiedsrichter auch die finale Entscheidung bekannt gibt.

Sicherlich kann der Partner und der Zeitnehmer in dieser Situation unterstützen. Aber ob der Ball die Linie vollständig vor dem Signal überquert hat oder nicht, kann nur der Torschiedsrichter entscheiden.

Fazit

In gleichartig knappen Situationen muss der Torschiedsrichter das Schlusssignal wahrnehmen und gleichzeitig erkennen, ob der Ball vorher die Torlinie vollständig überquert hat oder nicht. Er kann die Entscheidung und Verantwortung nicht seinem Partner, dem Feldschiedsrichter, überlassen, und erst recht nicht dem Zeitnehmer, denn beide stehen nicht auf Höhe der Torlinie.