Quelle: DHB
Torentscheidung – auch hier ist gute Teamarbeit der Schiedsrichter gefragt!
Die richtige Aktionsfolge bei einem Torerfolg ist wie folgt:
- Ball im Tor: Blickkontakt zwischen Feldschiedsrichter und Torschiedsrichter.
- Der Feldschiedsrichter hebt zum Zeichen der Zustimmung den gestreckten Arm.
- Der Torschiedsrichter hebt ebenfalls den Arm und pfeift zweimal.
- Der Torschiedsrichter wird zum Feldschiedsrichter und pfeift den Anwurf an.
Zunächst müssen aber die regeltechnischen Voraussetzungen für einen Torerfolg erfüllt sein:
- Der Ball hat die Torlinie vollständig überquert.
- Vom Werfer oder dessen Mitspielern wurde keine Regelwidrigkeit begangen.
- Das Spiel war nicht unterbrochen.
Auch bei größeren Entfernungen zwischen Tor- und Feldschiedsrichter (z. B. beim Gegenstoß) sollte der Torschiedsrichter immer auf die zustimmende Geste des Feldschiedsrichters warten, da im Rückraum oder Mittelfeld durchaus für ihn selbst nicht erkennbare Regelwidrigkeiten geschehen sein könnten bzw. das Spiel schon vorher unterbrochen worden war (Spiel- oder Spielzeitunterbrechung). Klare Torentscheidungen sind auch deshalb notwendig, weil Tore in der Regel nur bis zum Wiederanpfiff annulliert werden dürfen. Das heutige Video zeigt ein Beispiel, wo der Ball nicht im Tor landet, aber der Torschiedsrichter zunächst auf Tor entscheidet und nach Rücksprache mit dem Partner dann doch richtigerweise auf Abwurf entscheidet.
Was im Video geschieht
Ungeachtet der Geschehnisse vor dem Torwurf kommt ROT 23 zum Torwurf. Der Ball geht aber nicht ins Tor, sondern er geht neben dem linken Pfosten am Tor vorbei und prallt von der hinteren Stange hinter das Tor. Der Torschiedsrichter entscheidet auf Tor (Pfiff und gestreckter Arm), obwohl der Feldschiedsrichter nicht den Arm hebt. Erst nach verhaltenen Protesten kommen erste Zweifel beim Torschiedsrichter. Als er sieht, wie die Torhüterin den Ball hinter dem Tor hervorholt, gibt er Time-out und berät sich kurz mit dem Partner. Nach der Rücksprache entscheiden die Schiedsrichter dann auf Abwurf für Mannschaft SCHWARZ.
Fazit
Die richtige Aktionsfolge durch die beiden Schiedsrichter bei einem Torerfolg hat ihre Berechtigung. In erster Linie dient das Zeichen des Feldschiedsrichters dazu, dass er dem Torschiedsrichter signalisiert, dass in seinem Bereich keine Regelwidrigkeit durch die angreifende Mannschaft vorliegt bzw. er das Spiel vorher nicht unterbrochen hat. Wenn der Feldschiedsrichter mal nicht den Arm hebt, sollte der Torschiedsrichter schon etwas skeptisch werden.
Warum der Feldschiedsrichter den Arm hier nicht hebt, ist spekulativ. Hätte er sofort gesehen, dass der Ball nicht die Torlinie überquert hat, hätte er wahrscheinlich sofort reagiert und wäre nicht zurückgelaufen. Wahrscheinlich hat er aus Unsicherheit nicht den Arm gehoben und sich auf die Wahrnehmung des Torschiedsrichters verlassen. Der Torschiedsrichter ist in erster Instanz für die Entscheidungen „Tor oder kein Tor“ zuständig. Daher sollte der Torschiedsrichter durch gutes Stellungsspiel und eindeutige Wahrnehmung schnell erkennen, ob es ein reguläres Tor ist oder nicht.
Hinweis
Nicht regelgerechte Tore oder sogenannte Phantomtore sollten auch im Handball vermieden werden. In jedem Fall ist bei Torerfolgen eine gute Teamarbeit gefragt.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.