Quelle: DHB

Tor oder kein Tor

Der Torerfolg ist das zentrale Spielziel des Handballs. Deshalb sollte auch nur regelgerecht erzielte Tore zählen. Der Torschiedsrichter muss von seiner Position – in der Regel an der Torraumlinie – entscheiden, ob der Ball die Torlinie vollständig überquert hat. Dass das auch für ein Schiedsrichtergespann nicht immer so einfach ist, soll das heutige Beispiel zeigen.

Was im Video geschieht

Mannschaft ROT ist im Angriff und verliert den Ball, den WEISS 39 erhält. Nach einer Drehung spielt dieser den Ball zum gegenstoßlaufenden Mitspieler WEISS 28, der allein Richtung Tor von Mannschaft ROT läuft. Der "alte" Feldschiedsrichter begleitet den Gegenstoß parallel bis ca. 9 Meter. Danach stoppt er seinen Lauf. Der Torwart kann den Ball zwar berühren, der Ball fliegt aber mit verminderter Geschwindigkeit weiter Richtung Torlinie. Der Torwart versucht noch, das Überqueren des Balles zu verhindern. Von seiner Position auf Höhe der Freiwurflinie entscheidet dann der Torschiedsrichter auf Tor. 

REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM DHB-SCHIEDSRICHTERWESEN

Tempospiel – eine fehlerträchtige Spielphase!

Eine flächendeckende Beobachtung des Spielgeschehens in Tempospielphasen ist oft recht schwierig. Gute Lauftechnik und ein situationsangepasstes Stellungsspiel der Unparteiischen sind Grundvoraussetzungen für richtige Entscheidungen.

Gerade das Tempospiel stellt besondere Anforderungen an die Lauftechnik und an das Stellungsspiel der Schiedsrichter. In Gegenstoßsituationen müssen alle Spieler und Situationen in Tiefe und Breite gestaffelt, in voller Laufbewegung möglichst zu jeder Zeit beobachtet werden.

Situationen des schnellen Ballwechsels müssen auch von den Schiedsrichtern antizipiert und durch einen schnellen Richtungswechsel begegnet werden, auch, um nicht Spieler im Gegenstoß zu stören oder sogar zu behindern.

Fazit

Wäre der Ball klar im Tor gelandet, hätte niemand die Stellung des Torschiedsrichters moniert und es wäre auch nicht erwähnenswert gewesen. Hier zeigt sich aber die Gefahr bei knappen Entscheidungen, die bestehen, wenn im Tempogegenstoß nicht bis nahe der Grundlinie mitgelaufen wird. Der Torschiedsrichter hat in dieser Position aufgrund seines Stellungsspiels einen schlechten Blickwinkel. Der Ball überschreitet nach Berührung des Torwarts nur knapp (aber wohl vollständig) die Torlinie. In dieser Gegenstoßsituation hätte er aber Möglichkeiten gehabt, eine bessere Position zu erreichen, die er aber nicht genutzt bzw. aufgegeben hat. Der Schiedsrichter hatte Glück, dass das Tor von allen akzeptiert wurde bzw. es keinerlei Proteste gab.