Team-Time-out – Beantragung bzw. Unterbrechung zum falschen Zeitpunkt

Anstatt die Grünen Karten zu verwenden, kann eine Mannschaft das Team-Time-out direkt durch Betätigung eines Buzzers an einem elektronischen Gerät beantragen. Dies gilt derzeit für die Ligen der HBL sowie im Bereich der EHF in der Champions League und European League.

Wird der Buzzer genutzt, gelten – exakt wie bei Einsatz der Grünen Karte - die allgemeinen Regeln bezüglich der Anzahl der Team-Time-outs. Ebenso sind die Voraussetzung, der Ablauf von der Beantragung über die Gewährung bis zur Beendigung eines Team-Time-outs regeltechnisch in allen Ligen gleich.

Bei Fehlern oder missbräuchlicher Verwendung des elektronischen Team-Time-outs oder dem Einsatz der Grünen Karte gelten allerdings unterschiedliche Anweisungen und Maßnahmen, die anhand dieses besonderen Beispiels auch erläutert werden sollen.

Beantragung eines Team-Time-outs mittels Buzzer

Was im Video geschieht

Halbzeit des Spiels, Mannschaft WEISS ist im Angriff. Der Mannschaftsoffizielle B von Mannschaft WEISS beantragt bei 29:41 ein Team-Time-out mittels Buzzer, was auch gewährt wird. Nach Wiederaufnahme des Spiels setzt Mannschaft WEISS das Spiel fort. Mannschaft WEISS erhält bei 29:50 noch einen Freiwurf, den sie schnell ausführt. Nachdem der Freiwurf ausgeführt wurde, beantragt der Mannschaftsoffizielle von Mannschaft WEISS erneut ein Team-Time-out mittels Buzzer. Gleichwohl etwas unsicher und fragend an die Delegierte und nach kurzer Diskussion der Schiedsrichter mit der Delegierten wird das Team-Time-out gewährt. Mannschaft WEISS setzt das Spiel anschließend fort, war aber nicht mehr erfolgreich.

REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM DHB-SCHIEDSRICHTERWESEN

Die entscheidende Voraussetzung für eine Beantragung und Gewährung ist - ob Buzzer oder Grüne Karte - der eigene Ballbesitz. Denn ein Team-Time-out kann nur die Mannschaft beantragen, die sich in Ballbesitz befindet.

Ferner muss der Ballbesitz auch noch zu dem Zeitpunkt bestehen, zu dem der Zeitnehmer pfeift bzw. den entsprechenden Signalknopf der Zeitmessanlage drückt oder ein Mannschaftsoffizieller den Buzzer drückt.

Gemäß dem Hinweis in der Erläuterung 3 heißt es für den Fall, dass jede Mannschaft während der regulären Spielzeit (Verlängerungen ausgenommen) Anspruch auf insgesamt drei Team-Time-outs hat, pro Halbzeit der regulären Spielzeit nur zwei Team-Time-outs möglich sind und zwischen zwei Team-Time-outs einer Mannschaft der Gegner mindestens einmal in Ballbesitz sein muss.

Bewertung

Fakt ist, dass zwischen den beiden Team-Time-outs Mannschaft BLAU nicht im Ballbesitz war.

Daher ist das zweite Team-Time-out, was grundsätzlich in einer Halbzeit möglich ist, regeltechnisch nicht korrekt, da der Gegner zwischenzeitlich nicht in Ballbesitz war.

Welche Maßnahmen hätten aber nunmehr regeltechnisch getroffen werden müssen, nachdem das zweite Team-Time-out nicht korrekt beantragt wurde?

  1. Das Team-Time-out wird nicht gewährt / hätte nicht gewährt werden dürfen.
  2. Progressive Bestrafung für den Mannschaftsoffiziellen, der das Team-Time-out durch Betätigung des Buzzers beantragt hat (hier Mannschaftsoffizieller B).
  3. Spielfortsetzung mit Freiwurf für die Mannschaft BLAU.
  4. Mannschaft WEISS verliert ein Team-Time-out (hat in der 2. Halbzeit also nur noch ein Team-Time-out zur Verfügung).

Was wäre, wenn der Buzzer gedrückt worden wäre, als Mannschaft WEISS den Freiwurf noch nicht ausgeführt hätte?

  1. Das Team-Time-out wird nicht gewährt.
  2. Progressive Bestrafung für den Mannschaftsoffiziellen, der das Team-Time-out durch Betätigung des Buzzers beantragt hat (hier Mannschaftsoffizieller B).
  3. Spielfortsetzung mit dem Wurf, der vor der Unterbrechung hätte ausgeführt werden sollen (also Freiwurf WEISS!).
  4. Mannschaft WEISS verliert ein Team-Time-out (hat in der 2. Halbzeit also nur noch ein Team-Time-out zur Verfügung).

Was wäre, wenn anstatt des Buzzers herkömmlich die Grünen Karten genutzt worden wären?

Wenn ein Mannschaftsoffizieller ein zweites Team-Time-out im selben Angriff mittels Grüner Karte beantragen möchte, darf der Zeitnehmer erst gar nicht pfeifen und muss die Grüne Karte der Mannschaft zurückgeben!

Unterbricht der Zeitnehmer das Spiel jedoch, wenn der Ball im Spiel ist, wird es mit Freiwurf für diejenige Mannschaft wieder aufgenommen, die zum Zeitpunkt der Unterbrechung im Ballbesitz war bzw. wenn der Ball nicht im Spiel war, mit dem Wurf, der vor der Unterbrechung hätte ausgeführt werden sollen.

Gleiches gilt, wenn der Zeitnehmer das Spiel wegen eines beantragten Team-Time-outs unterbricht und die Schiedsrichter dies aufgrund des falschen Timings ablehnen. Wird zum Zeitpunkt der Unterbrechung eine klare Torgelegenheit der gegnerischen Mannschaft vereitelt, muss auf 7-m-Wurf entschieden werden.

Fazit

Bei Fehlern oder missbräuchlicher Verwendung des elektronischen Team-Time-outs gilt das Reglement für elektronische Team-Time-outs mit den entsprechenden Konsequenzen, die es bei Nutzung der Grünen Karten bei falscher Beantragung so nicht gibt.