Quelle: DHB

Störung durch Kamerablitz

Geistes- oder Gedankenblitze eines Spielers sind in der Regel gut für das Spiel, der Blitz einer Kamera aber nicht immer. Die positive Berichterstattung in Wort und Bild über den Handballsport im Allgemeinen und den einzelnen Spielen im Besonderen ist wichtig für die Sportart insgesamt. Aber bestimmte Regeln und Verhaltensweisen, hier von Fotografen, sind einzuhalten.

Was im Video geschieht

Mannschaft BLAU ist im Angriff und kann im Durchbruch eine klare Torgelegenheit erlangen. Abwehrspielerin 5 ROT versucht zwar regelwidrig diese zu verhindern, aber 10 BLAU kann sich durchsetzen und ein Tor erzielen. Während des Wurfes, als sich der Ball noch in der Hand von 10 BLAU befindet, blitzt es plötzlich – ausgelöst durch den neben dem Tor stehenden Fotografen.

REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM SCHIEDSRICHTERWESEN DES DHB

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man sagen, nichts ist passiert. Warum soll ich hier als Schiedsrichter handeln?

Der Einsatz von Blitzlicht kann auch eine Gefährdung – zumindest aber Irritation – von Spielern darstellen und hat, wenn es die Sportler ablenkt oder gar beeinträchtigt bei Aufnahmen von Aktionsfotos während des Spiels nichts zu suchen.

Gemäß den IHF-GUIDELINES (RICHTLINIEN UND INTERPRETATIONEN) heißt es unter der Überschrift „Gefährdung von Spielern durch Zuschauer“: Regel 17:12 ist auch anzuwenden bei, beispielsweise durch Laser-Pointer oder andere Gegenstände. […]

Was wäre eigentlich, wenn der Ball nicht in Tor gegangen wäre?

  1. Dann hätte es auch ohne den Fotografen einen 7-Meter-Wurf geben müssen, da 5 ROT versucht, den Wurf regelwidrig zu vereiteln.
  2. Wäre die Spielerin 10 BLAU völlig frei zum Wurf gekommen und wäre durch den Blitz ablenkt gewesen, hätte es auch einen 7-Meter-Wurf geben müssen.

Wann ist ein 7-Meter-Wurf zu geben?

Bei regelwidrigem Vereiteln einer klaren Torgelegenheit ... 

  • ... auf der gesamten Spielfläche  
  • ... durch Spieler oder Mannschaftsoffizielle der gegnerischen Mannschaft  
  • ... durch einen unberechtigten Pfiff  
  • ... durch Eingreifen einer nicht am Spiel beteiligten Person  
  • ... durch ‘höhere Gewalt’ (z. B. Lichtausfall)  
  • ... durch Vergehen in den letzten 30 Sekunden des Spiels nach Regel 8:10c+d

Auch eine am Spiel nicht beteiligte Person kann eine klare Torgelegenheit verhindern, z. B. durch das Betreten der Spielfläche oder durch einen Pfiff aus dem Zuschauerraum. Hier handelt es sich aber nicht um eine abschließende Aufzählung.

Die Schiedsrichter müssen auch hier nach Time-out und Klärung der Situation als Spielfortsetzung auf 7-Meter-Wurf für die benachteiligte Mannschaft entscheiden (14:1c).

Fazit

Gleichwohl die moderne Technik in der Digitalfotografie viele Vorteile gegenüber der Analogfotografie hat, kommt man in bestimmten Situationen auch dabei nicht immer ohne Blitzbelichtung aus. Aber egal ob digital oder analog, die Nutzung von Blitzlicht ist bei Handball in dieser Form nicht erlaubt.