Spektakuläre Spielhandlungen …
Hier die regeltechnische Einordnung von DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle:
Wie zu sehen, haben gleich drei Mitspieler die Idee, einen über den gegnerischen Torraum gespielten Pass im Rahmen eines Kempa-Tricks zum Torerfolg zu verwerten.
Die beiden ersten Spieler erreichen den Pass nicht. Für die weitere regeltechnische Beurteilung ist es völlig ohne Belang, ob dies absichtlich, als gewollte Finte oder unbeabsichtigt aufgrund eines ungenauen Zuspiels der Fall ist. Beide betreten ohne Ball und unmittelbar vor dem gegnerischen Torwart den Torraum, bevor der dritte Mitspieler den Pass in der Luft über dem gegnerischen Torraum aufnimmt und ins Tor wirft.
In der gestoppten Sequenz wird deutlich, dass die beiden zuerst in den gegnerischen Torraum eingesprungenen Mitspieler die Abwehrarbeit des Torwarts deutlich behindern.
Regeltechnisch handelt es sich dabei um ein Vergehen gemäß Regel 6:2a Satz 2. Die angreifende Mannschaft verschafft sich durch die Behinderung des gegnerischen Torwarts einen regelwidrigen Vorteil.
Die Schiedsrichter hätten in diesem Fall bereits aufgrund des regelwidrigen Verhaltens der zuerst in den gegnerischen Torraum einspringenden Mitspieler das Spiel unterbrechen und auf Abwurf für die gegnerische Mannschaft entscheiden müssen. Ein Abwarten, was sich aus der Aktion des dritten in den Torraum einspringenden Angreifers ergibt, ist nicht erforderlich und käme einem falschen Vorteilsverständnis gleich. Die im Videobeispiel erkennbare Entscheidung auf Torerfolg ist daher nicht regelgerecht gewesen.
Abschließend sei daran erinnert, dass das Einspringen eines Angreifers in den Torraum, ohne dass von einem Mitspieler ein Pass zum Kempa-Trick erfolgt, den gegnerischen Torwart in regelwidriger Weise irritiert bzw. ablenkt. Dementsprechend ist auch in derartigen Fällen gemäß Regel 6:2a Satz 2 auf Abwurf zu entscheiden.
Weitere detaillierte Informationen finden sich unter Regelwerk.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.