Quelle IMAGO/Eibner

Sie fragen – Experten antworten

Vor Kurzem erreichte uns eine Frage zur Ausführung des Freiwurfs. Folgende Ausgangssituation wurde beschrieben:

Freiwurf für Mannschaft WEISS ohne Anpfiff. Der ausführende Spieler WEISS 7 und alle seine Mitspieler stehen korrekt. Ohne Anpfiff prellt WEISS 7 den Ball und spielt dann zu seinem Mitspieler WEISS 9.

Wie ist zu entscheiden?

Auch wenn die Ausgangssituation und Frage banal erscheinen, beschreibt der Einreichende doch eine gewisse Unsicherheit bei den Schiedsrichtern bei diesem Thema.

Da Freiwurf-Entscheidungen und damit auch die Freiwurfausführung mit zu den häufigsten Maßnahmen der Schiedsrichter in einem Spiel gehören, ist das sichere Wissen, wann eine Ausführung korrigiert, also der Freiwurf wiederholt werden muss bzw. wann auf Freiwurf für den Gegner zu entscheiden ist, mehr als die halbe Miete.

Grundsätzlich

Zur Klarstellung der Spielfortsetzung für alle Beteiligten und Zuschauer sollten die Schiedsrichter vor allem bei Entscheidungen nahe der Torraumlinie sofort deutlich die Ausführungsrichtung (Handzeichen 9) anzeigen, damit der begünstigten Mannschaft eine umgehende Ausführung des Freiwurfs ermöglicht wird. Viele Mannschaften versuchen von Zeit zu Zeit eine sogenannte ‘schnelle’ Freiwurfausführung: Mit einem schnellen Abspiel kann so ein überraschender Torwurf gegen eine Abwehr erfolgen, die sich noch nicht vollständig zur Abwehr formiert hatte. Um solche Spielweisen zu unterstützen, muss nach Spielunterbrechungen hinsichtlich der Spielfortsetzung sofort Klarheit herrschen!

Die Schiedsrichter sollten zudem eine zügige Freiwurfausführung nicht dadurch behindern, dass sie sich zur Anzeige des korrekten Ausführungsorts dort demonstrativ und/oder länger postieren. 

Von Beginn des Spieles an sollten die Schiedsrichter für eine korrekte Aufstellung aller Spieler bei der Ausführung von Freiwürfen sorgen; hier ist es angebracht, mit verbalen Hinweisen die Beteiligten auf regeltechnische Konsequenzen im Wiederholungsfall hinzuweisen. Durch (körperliche) Präsenz der Schiedsrichter kann für eine korrekte Wurfausführung über die gesamte Spielzeit gesorgt werden.

Zur Ausführung

  • Vor der Ausführung eines (Frei-)Wurfs muss der Werfer die richtige Position eingenommen haben. Der Ball muss sich in der Hand des Werfers befinden.
  • Ein Wurf ist ausgeführt, wenn der Ball die Hand des Werfers verlassen hat.  
  • Der Werfer darf den Ball erst wieder berühren, nachdem dieser einen anderen Spieler oder das Tor berührt hat.
  • Alle Mitspieler des Werfers müssen die vorgeschriebenen Positionen eingenommen haben. Die Spieler müssen auf ihren korrekten Positionen bleiben, bis der Ball die Hand des Werfers verlassen hat. 
  • Der Ball darf während der Ausführung weder von einem Mitspieler berührt noch diesem übergeben werden.
  • Der Freiwurf wird grundsätzlich ohne Anpfiff ausgeführt

Sanktionen

Regelwidrigkeiten des Werfers oder seiner Mitspieler vor der Wurfausführung, z. B. falsche Aufstellung oder Berühren des Balles durch einen Mitspieler, sind zu korrigieren.

Die Konsequenzen von Fehlern des Werfers oder seiner Mitspieler während der Wurfausführung sind aber davon abhängig, ob die Ausführung des Wurfs angepfiffen war oder nicht.  

Bei einer Wurfausführung ohne Anpfiff sind grundsätzlich alle Fehler zu korrigieren; anschließend ist der Wurf zur Spielfortsetzung anzupfeifen. Allerdings ist der Vorteilsgedanke nach 13:2 zu beachten. Falls die Mannschaft unmittelbar nach einer falschen Ausführung den Ball verliert, gilt der Wurf als ausgeführt, das Spiel läuft weiter.  

Bei einer Wurfausführung mit Anpfiff sind grundsätzlich ebenfalls alle Regelwidrigkeiten zu ahnden, z. B. wenn der Werfer springt, den Ball länger als 3 Sekunden hält oder seine korrekte Position verlässt, bevor der Ball gespielt ist.  

Dies gilt auch, wenn die Mitspieler nach dem Anpfiff, aber bevor der Ball die Hand verlassen hat, eine unkorrekte Position einnehmen. In diesen Fällen gilt der Wurf als ausgeführt und die andere Mannschaft erhält einen Freiwurf am Ort des Vergehens. Entsprechend 13:2 ist Vorteil zu gewähren, also nicht einzugreifen, falls die Mannschaft des Werfers den Ball unmittelbar nach der Regelwidrigkeit verliert.  

Grundsätzlich ist aber jede Regelwidrigkeit in Verbindung mit der Ausführung eines Wurfs direkt nach der Wurfausführung zu ahnden (Anm. auch wenn der Wurf nicht angepfiffen war). Gemeint sind hier Regelwidrigkeiten, z. B der Werfer berührt den Ball ein zweites Mal, bevor dieser einen anderen Spieler oder das Tor berührt hat, er prellt ihn oder legt ihn auf den Boden und nimmt ihn wieder auf.

Entscheidung

In der oben beschriebenen Situation müssen die Schiedsrichter also auf Freiwurf für den Gegner entscheiden.

Begründung

Alle Spieler standen korrekt. Auch wenn der Freiwurf nicht angepfiffen war (wird grundsätzlich ohne Anpfiff ausgeführt), gilt der Freiwurf als ausgeführt, wenn der Ball die Hand des Werfers verlassen hat. Er darf den Ball erst wieder berühren, nachdem dieser einen anderen Spieler oder das Tor berührt hat.

Die eingangs beschriebene Unsicherheit rührt daher, da normalerweise Konsequenzen von Fehlern des Werfers oder seiner Mitspieler während der Wurfausführung davon abhängig sind, ob die Ausführung des Wurfs angepfiffen war oder nicht.  

In dieser Situation handelt es sich aber nicht um einen Fehler, der hätte korrigiert werden müssen. Hierbei handelt sich um eine Regelwidrigkeit des Ausführenden, die grundsätzlich sofort mit Freiwurf für den Gegner zu ahnden ist, unabhängig ob der Freiwurf angepfiffen war oder nicht.

Anhand einiger Regelfragen soll dies veranschaulicht werden:

Situation

Es gibt Freiwurf für Team WEISS. Nach allgemein korrekter Aufstellung legt WEISS 10 den Ball nieder, um eine Anweisung zu geben. SCHWARZ 7 nimmt den Ball blitzschnell auf und läuft einen Gegenstoß. Wie ist zu entscheiden?

a) Weiterspielen lassen

b) Wiederholung des Freiwurfs mit Anpfiff

c) Freiwurf für Team WEISS, Verwarnung von SCHWARZ 7

d) Freiwurf für Team WEISS, Hinausstellung von SCHWARZ 7

Lösung: a)

Begründung

Hier gilt auch gemäß Regel 15:2, dass der Wurf ausgeführt ist. Daher kann nur die Entscheidung „Weiterspielen lassen“ korrekt sein. Hätte WEISS 10 den Ball wieder aufgenommen, hätte es Freiwurf für SCHWARZ geben müssen.

Situation

WEISS 14 will einen Freiwurf ohne Anpfiff ausführen. Er und seine Mitspieler stehen korrekt. Bevor der Ball die Hand von WEISS 14 verlassen hat, laufen WEISS 13 und WEISS 15 über die 9-Meter Linie in Richtung der Kreisposition. Wie ist zu entscheiden?

a) Korrektur

b) Freiwurf für Team WEISS mit Anpfiff

c) Weiterspielen lassen

d) Freiwurf für Team SCHWARZ

Lösung: a) und b)

Begründung

Die Konsequenzen von Fehlern des Werfers oder seiner Mitspieler während der Wurfausführung (15:3) sind davon abhängig, ob die Ausführung des Wurfs angepfiffen war oder nicht.  Und bei einer Wurfausführung ohne Anpfiff sind grundsätzlich alle Fehler zu korrigieren; anschließend ist der Wurf zur Spielfortsetzung anzupfeifen. 

Situation

Es gibt Freiwurf für Team SCHWARZ an der Freiwurflinie von Team WEISS. Als alle Spieler korrekt stehen, pfeifen die Schiedsrichter den Freiwurf an. Noch bevor der Ball die Hand des Ausführenden verlassen hat, überschreiten zwei seiner Mitspieler die Freiwurflinie von Team WEISS. Wie ist zu entscheiden?

a) Wiederholung des Freiwurfs für Team SCHWARZ

b) Freiwurf für Team WEISS

c) Mit Anpfiff

d) Ohne Anpfiff

Lösung: b) und d) 

Begründung

Bei einer Wurfausführung mit Anpfiff sind grundsätzlich ebenfalls alle Regelwidrigkeiten zu ahnden, bevor der Ball gespielt ist.  Dies gilt auch, wenn die Mitspieler nach dem Anpfiff, aber bevor der Ball die Hand verlassen hat, eine unkorrekte Position einnehmen. In diesen Fällen gilt der Wurf als ausgeführt und die andere Mannschaft erhält einen Freiwurf.

Situation

Kurz vor Spielende führt Team WEISS mit 24:23. Es gibt Freiwurf für Team WEISS, ungefähr einen Meter vor der Freiwurflinie von Team SCHWARZ. Alle Spieler haben zunächst eine korrekte Aufstellung eingenommen. Die Schiedsrichter pfeifen die Ausführung des Freiwurfs an, als WEISS 10 mit dem Ball die gegnerische Freiwurflinie deutlich um einen Schritt in Richtung Tor von Team SCHWARZ überschreitet. Wie ist zu entscheiden?

a) Freiwurf für Team WEISS

b) Time-out

c) Hinausstellung von WEISS 10

d) Freiwurf für Team SCHWARZ

Lösung: d)

Begründung

Bei einer Wurfausführung mit Anpfiff sind grundsätzlich ebenfalls alle Regelwidrigkeiten zu ahnden, z. B., wenn der Werfer seine korrekte Position verlässt, bevor der Ball gespielt ist.

Situation

Team WEISS erhält einen Freiwurf, den WEISS 9 ohne Anpfiff sehr schnell im Sprung ausführt. Der Ball gelangt zu WEISS 4, der sich völlig frei vor dem Tor von Team SCHWARZ befindet. Wie ist zu entscheiden?

a) Weiterspielen lassen

b) Freiwurf für Team SCHWARZ

c) Wiederholung des Freiwurfs für Team WEISS mit Anpfiff

Lösung: c)

Begründung

Bei einer Wurfausführung ohne Anpfiff sind grundsätzlich alle Fehler zu korrigieren; anschließend ist der Wurf zur Spielfortsetzung anzupfeifen.

Situation

Spieler SCHWARZ 4 steht korrekt zur Ausführung eines Einwurfs bereit. Da er gerade keinen anspielbaren Mitspieler sieht, prellt er den Ball einmal im Spielfeld auf. Wie ist zu entscheiden?

a) Freiwurf für Team WEISS ohne Anpfiff

b) Einwurf für Team WEISS mit Anpfiff

c) Wiederholung des Einwurfs für Team SCHWARZ mit Anpfiff

d) Freiwurf für Team SCHWARZ mit Anpfiff

Lösung: a)

Begründung

Das analoge Beispiel, hier Einwurf, zur Ausgangssituation. Auch hier gilt der Einwurf als ausgeführt, wenn der Ball die Hand des Werfers verlassen hat. Er darf den Ball erst wieder berühren, nachdem dieser einen anderen Spieler oder das Tor berührt hat. Daher Freiwurf für Team WEISS ohne Anpfiff (gilt übrigens auch, wenn er den Ball außerhalb des Spielfelds prellt).

Fazit

Es gilt zu wissen, welche Fehler/Regelwidrigkeiten bei der Ausführung von (Frei-)Würfen sofort zu einem Freiwurf für Gegner führen oder wann die Schiedsrichter den Fehler/die Regelwidrigkeit erst korrigieren müssen und der Wurf wiederholt werden muss, wenn er vorher nicht angepfiffen war.