Thomas Kern und Thorsten Kuschel – das Top-Team der Pfälzer Schiedsrichter. Foto: privat

„Schiedsrichter sind Freunde“

Seit Mai dieses Jahres steht Ulf Meyhöfer als Präsident an der Spitze des Pfälzer Handballverbandes. In einem Interview äußert sich der Nachfolger von Friedhelm Jakob gegenüber der Redaktion des im Landesverband erscheinenden Newsletters „die dritte mannschaft“ zum Schiedsrichterwesen. Seine Überlegungen, Aussagen und Feststellungen veröffentlichen wir mit ausdrücklicher Genehmigung von Ulf Meyhöfer gerne auch hier.


Kurzportrait Ulf Meyhöfer

Foto: Pfälzer HV

Beruf: Diplom Informatiker

Alter: 57 Jahre

Vereine:

  • FC St. Pauli (Rugby) (seit 2012)
  • TV Hochdorf (seit 2016)

Sportliche Laufbahn:

  • 1974 – 2004 aktiver Spieler (1.FC Saarbrücken; TSG Kaiserslautern; TuS Lachen-Speyerdorf; TSG Haßloch; HSG Haßloch-Hochdorf; TG Oggersheim)
  • 1985 - 1993 Schiedsrichter (bis Oberliga)
  • seit 1985 C-Trainer (Männer & Frauen bis Verbandsliga/Pfalzliga, Spielertrainer Verbandsliga/Bezirksliga), männl. & weibl. Jugend (bis A-Jugend Oberliga)
  • seit 1984 Jugendleiter / Organisationsleiter / Jugendkoordinator / Berater
  • seit 2016 zertifizierter European Handball Manager (Deutsche Sporthochschule Köln)

 

Redaktion: Schiedsrichter gehören wie Spieler und Trainer auch zum Handball dazu. Du warst früher ja selbst einmal Schiedsrichter. Wie kam es dazu und weshalb bist du es heute nicht mehr?

Ulf Meyhöfer: Ich habe Anfang der 80er in Kaiserslautern studiert und mich bei der TSG Kaiserslautern als Jugendtrainer engagiert. Bestandteil der C-Trainerausbildung war eine erfolgreich absolvierte Schiedsrichterausbildung. Ich legte daher 1985 beim damaligen Schiedsrichterwart des Kreises West, Ignaz Müller, meine Schiedsrichterprüfung ab und recht schnell pfiff ich zusammen mit meinem Studienkollegen Jürgen Binder in der Bezirksliga und dann zwei Jahre später auch in der Oberliga.

Es war eine sehr schöne Zeit mit vielen Spielen im Austausch mit Baden, Rheinhessen und dem Saarland. Es gab damals viele Vorbilder direkt im PfHV. Das waren natürlich die Thomas-Brüder, Förster/Teschauer und ganz besonders Bussjäger/Hauck, die stets sehr unauffällig ihre Spiele leiteten und eine perfekte Kommunikation mit allen am Spiel Beteiligten hatten. Die beiden hatten für mich immer eine perfekte, aber unauffällige Zusammenarbeit auf dem Spielfeld.

Nach dem Studium galt es dann, Familie, Beruf und Sport sinnvoll zu verbinden und die richtigen Prioritäten zu setzen. Da wir im Gespann auch getrennte Wege aufgrund unterschiedlicher Berufsentscheidungen gingen, war es naheliegend, mich mehr als Trainer zu engagieren.

 

Wie wichtig ist Dir als Präsident des Pfälzer Handballverbandes das Schiedsrichterwesen?

Lehrwesen, Schiedsrichterwesen sowie die Talentförderung durch die Auswahl- und Stützpunkttrainer sind die drei wichtigsten sportlichen Herausforderungen für uns als Verband, hier müssen wir uns intensiv kümmern und uns zukunftsorientiert aufstellen. Mein Wunsch ist es, dass diese wichtigen Aufgaben stärker zusammenwachsen und man voneinander mehr profitiert. Ich wünsche mir gemeinsame Traineraus- und -fortbildungen konzipiert von unserem Lehrstab, mit Auswahlmannschaften als Demo-Teams, unseren Auswahl- und Stützpunkttrainern sowie den Schiedsrichtern als Teilnehmern. Wir bekommen so ein besseres Miteinander im Verband, und unsere Trainerausbilder, Schiedsrichter und Trainer lernen sich so besser kennen und schätzen.

 

Du hast dich in den letzten Wochen recht intensiv mit der Schiedsrichterei im Allgemeinen beschäftigt. Was ist Dir positiv aufgefallen? Wo siehst du – in allen Bereichen des Schiedsrichterwesens – noch Verbesserungspotential?

Wir haben sehr gute Nachwuchsprogramme gestartet, diese gilt es weiterzuentwickeln und um eine Karrierebegleitung zu ergänzen. Gerade für unsere Jungschiedsrichter sollte alles getan werden, damit sie nicht bereits nach einer oder zwei Spielzeiten frustriert das Handtuch werfen. Dazu müssen alle beitragen: Spieler, Trainer, Vereinsvertreter und Zuschauer. Sie alle müssen den Schiedsrichtern mehr Respekt entgegenbringen. Wie die Spieler dürfen auch die Schiedsrichter Fehler machen. Und diese dürfen ruhig angesprochen werden, jedoch auf eine faire und angepasste Art und Weise.

Und übrigens: Es darf auch gelobt werden. Der Fokus muss auf dem Spiel liegen und nicht auf den Entscheidungen der Unparteiischen. Die Fans sollten ihre Mannschaften anfeuern, die Trainer ihre Teams coachen und die Spieler ihr Bestes auf dem Spielfeld geben. Die Referees sollten wie Freunde behandelt werden, sie sind nicht die Feinde. Auch die Schiedsrichter verrichten nämlich ihre Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen. Fairplay im Handball bedeutet «miteinander» statt «gegeneinander». Regelwidrigkeiten zugeben oder fehlerhafte Entscheidungen zugunsten der eigenen Mannschaft mitteilen, zeugt von wahrer Größe.

Wir wollen mehr motivierte Schiedsrichter, mehr Menschen aus allen Altersstufen sollen gut ausgebildet und intensiv beim Einstieg begleitet werden. Sie sollen bei den Spielen ein Umfeld antreffen, das von gegenseitigem Respekt und Fairplay geprägt ist. Dieser Anspruch erfordert aber auch im Schiedsrichterlehrwesen eine bessere Verteilung der Aufgaben und Herausforderungen, wir brauchen hier mehr Mitwirkende und Engagement, damit die Arbeit besser verteilt und die vorhandenen Stärken in unserem Schiedsrichterteam noch besser vermittelt werden, wir müssen auch offen sein für neue technische Möglichkeiten im Bereich der Lehre. Wer sich als Schiedsrichter einsetzen will, soll stärker begleitet und gefördert werden.