Quelle: DHB
Reglement für das elektronische Team-Time-out
Was im Video geschieht
Mannschaft GRÜN führt einen Anwurf aus. Kurz danach beantragt Mannschaft GRÜN ein Team-Time-out durch Betätigung des Buzzers. Schnell wird aber auch dem Delegierten klar, dass es sich hier um das vierte Team-Time-out der Mannschaft GRÜN handelt.
Nach Klärung des Sachverhalts am Zeitnehmertisch haben die Schiedsrichter den Mannschaftsverantwortlichen A von Mannschaft GRÜN progressiv bestraft (Hinausstellung, da die Bank bereits in der 39. Spielminute verwarnt worden war) und das Spiel mit Freiwurf für Mannschaft ROT in Höhe der Auswechsellinie fortgesetzt.
REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM SCHIEDSRICHTERWESEN DES DHB
Ob Buzzer oder Grüne Karte, nur in folgenden Situationen darf durch einen Mannschaftsoffiziellen ein Team-Time-out beantragt werden:
- Der Ball ist im Spiel oder das Spiel ist unterbrochen oder eine Wurfentscheidung für die beantragende Mannschaft ist getroffen worden.
- Die beantragende Mannschaft ist noch in Ballbesitz (der Ball ist noch im Spiel oder das Spiel ist unterbrochen), wenn der Zeitnehmer pfeift.
- Die Schiedsrichter hatten eine Wurfentscheidung für die beantragende Mannschaft getroffen.
Beantragt (= Drücken des Buzzers) eine Mannschaft bei Ballbesitz ein TTO und ergibt sich eine der folgenden Situationen für eine Mannschaft in Ballbesitz,
a) Beantragung eines vierten Team-Time-outs;
b) Beantragung eines zweiten Team-Time-outs in den letzten fünf Minuten eines Spiels;
c) Beantragung eines dritten Team-Time-outs in einer Halbzeit;
d) Beantragung eines Team-Time-outs in Verlängerung;
e) Beantragung eines zweiten Team-Time-outs im selben Angriff;
so ist wie folgt zu entscheiden, wenn der Ball zum Zeitpunkt der Unterbrechung im Spiel war (ANHANG 4 ZUM REGLEMENT FÜR ELEKTRONISCHE TEAM-TIME-OUTS, Nr. 5):
a) Progressive Bestrafung für den Mannschaftsoffiziellen, der das Team-Time-out durch Betätigung des Buzzers beantragt hat (siehe jedoch Abs. 9).
b) Spielfortsetzung mit Freiwurf für die gegnerische Mannschaft.
Fazit
Mannschaft GRÜN war zum Zeitpunkt der Beantragung im Ballbesitz, hatte aber zu diesem Zeitpunkt bereits alle drei Team-Time-outs genommen (12:52, 37:50 und 51:59). Damit hat sie das regeltechnisch zulässige Kontingent ausgeschöpft.
Mannschaft GRÜN stand also kein TTO mehr zur Verfügung. Dennoch beantragt Mannschaft GRÜN bei 59:37 ein TTO, das vierte TTO in diesem Spiel.
Bei den beschriebenen Situationen gemäß Nr. 5 des ANHANG 4 ZUM REGLEMENT FÜR ELEKTRONISCHE TEAM-TIME-OUTS wird noch unterschieden, ob der Ball im Spiel ist oder nicht.
Hier in der Situation war der Ball im Spiel.
Ob die progressive Bestrafung persönlich gegen den Mannschaftsoffiziellen korrekt ist, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden, da im Video nicht ersichtlich ist, wer den Buzzer betätigt hat.
Nur wenn die Delegierten oder die Schiedsrichter nicht erkennen können, wer das inkorrekte Team-Time-out verursacht hat, wird der verantwortliche Mannschaftsoffizielle (MV A) entsprechend der oben beschriebenen Sanktionen bestraft. Gemäß Spielprotokoll wurde die Hinausstellung aber für den Offiziellen B von Mannschaft GRÜN notiert.
Die progressive Bestrafung an sich ist aber regelgerecht. Ebenso die Spielfortsetzung mit Freiwurf. Gleichwohl die Situation in den letzten 30 Sekunden passiert, ändert sich nichts an der Spielfortsetzung Freiwurf. Dies wird erst interessant, wenn dies bei Ballbesitz der gegnerischen Mannschaft passiert.
Jeder Sachverhalt sollte im Spielprotokoll auch entsprechend eingetragen werden.
Hinweis
Was sich derzeit nicht aus dem Anhang 4 ergibt, ist die Frage, ob die Mannschaft (sofern noch möglich) ein TTO beim 2. TTO im selben Angriff oder beim dritten TTO in der ersten Halbzeit verliert. Dies wird derzeit noch geklärt.
Zu guter Letzt
Delegierte oder die Schiedsrichter sollten im Hinterkopf haben, ob noch ein TTO möglich ist, um entsprechend sofort reagieren zu können. Hier wurde relativ schnell gehandelt, gleichwohl die Klärung etwas länger gedauert hat. Aber lieber etwas länger und dafür richtig als andersherum.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.