Quelle: DHB

Regeländerung zum 01.07.2024 – Passives Spiel

Mit den Regeländerungen zum 01.07.2024 hat sich auch im Bereich passives Spiel eine Veränderung ergeben, die wir an dieser Stelle vorstellen möchten.

Wird eine Tendenz zum passiven Spiel erkennbar, ist das Vorwarnzeichen (Handzeichen Nr. 17) anzuzeigen. Dies soll der ballbesitzenden Mannschaft die Gelegenheit geben, die Angriffsweise umzustellen, um den Ballverlust zu vermeiden. 

Bisher war auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft zu entschieden, wenn von der angreifenden Mannschaft nach maximal 4 Pässen kein Torwurf ausführt wird. Dies waren die bisherige Regel und Praxis. Ab 01.07.2024 heißt es dann in Regel 7:12

Wird von der angreifenden Mannschaft nach maximal vier Pässen kein Torwurf ausgeführt, also, wenn der 5. Pass von einem Mitspieler angenommen wurde, wird auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft entschieden.

Dies ist nunmehr eine klare Präzisierung. Die Entscheidung auf passives Spiel erfolgt erst, wenn der Mitspieler den Ball, den 5. Pass, angenommen hat und nicht schon, wenn der Empfänger des 4. Passes den Ball wieder gespielt hat.

Hier einige Beispiele

Video 1

Mannschaft BLAU ist im Angriff. Die Schiedsrichter zeigen das Handzeichen 17, wenn Rückraum Links (RL) BLAU 14 in Ballbesitz ist. RL BLAU 14 spielt den Ball zu Rückraum Mitte (RM) BLAU 24 (1. Zählbarer Pass). RM spielt den Ball zum Rückraum Rechts (RR) BLAU 33 (2. Zählbarer Pass). RR will den Ball zum Rechts Außen (RA) BLAU 18 passen. WEISS 5 versucht den Pass zum RA abzufangen und lenkt dabei den Ball (keine Ballkontrolle) in Seitenaus (Einwurf Mannschaft BLAU, kein zählbarer Pass). RA BLAU 18 führt den Einwurf aus und spielt den Ball zum RR (3. Zählbarer Pass). BLAU 33 sucht eine Anspielstation und passt dann den Ball zu RM (4. Zählbarer Pass). RM, der keinen Torwurf ausführt, spielt einen weiteren Pass zu BLAU 14. Der Pass kommt aber nicht an und die Schiedsrichter entscheiden dann auf Freiwurf für Mannschaft WEISS.

Mit der Regeländerung ab 01.07.2024 ist eine Entscheidung auf passives Spiel nicht mehr korrekt, da der 5. Pass nicht von seinem Mitspieler BLAU 14 angenommen werden konnte. Richtige Entscheidung ist dann Vorteil laufenlassen und Spielfortsetzung Abwurf.

Video 2

Mannschaft ROT ist im Angriff. Die Schiedsrichter zeigen das Handzeichen 17, wenn der einlaufende RA ROT 20 den Ball hat. ROT 20 spielt dann den Ball zum RM ROT 21 (1. Zählbarer Pass). ROT 21 spielt zum RL ROT 26. (2. Zählbarer Pass). RL passt dann den Ball zum RR ROT 4 (3. Zählbarer Pass), der dann auf das Tor wirft. Der Ball wird durch Mannschaft WEISS geblockt und der Ball landet im Seitenaus (kein zählbarer Pass). ROT 20 führt den Einwurf aus und passt den Ball zum RL ROT 26 (4. Zählbarer Pass). ROT 26 führt keinen Torwurf aus, sondern spielt den Ball zum Kempa auf den LA ROT 14. Als der Ball in der Luft ist, entscheidet der Feldschiedsrichter, noch bevor ROT den Ball gefangen hat, auf passives Spiel (Freiwurf WEISS). Auch hier muss der Schiedsrichter zunächst abwarten, ob der 5. Pass überhaupt genommen wurde, und wenn der 5. Pass von einem Mitspieler angenommen wurde, erst dann wird auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft entschieden.

Video 3

Mannschaft SCHWARZ ist im Angriff. Die Schiedsrichterinnen zeigen das Handzeichen 17, wenn RM SCHWARZ 3 den Ball hat. SCHWARZ 3 spielt dann den Ball zu SCHWARZ 15 (1. Zählbarer Pass). SCHWARZ 15 geht in die Deckung und spielt den Ball dann zu SCHWARZ 3 zurück (2. Zählbarer Pass). SCHWARZ 3 spielt den Ball mit einem Bodenpass zum Kreisläufer SCHWARZ 14 (3. Zählbarer Pass), der trotz Behinderung den Ball zu SCHWARZ 20 spielen kann (4. Zählbarer Pass). SCHWARZ 20 führt aber keinen Torwurf aus, sondern spielt den Ball zum RA SCHWARZ 34. Als SCHWARZ 34 den 5. Pass angenommen hat, entscheiden die Schiedsrichterinnen richtigerweise auf passives Spiel (Freiwurf Mannschaft GELB).

Fazit

Mit der Regeländerung zum 01.07.2024 ist nunmehr klar geregelt, wann auf passives Spiel nach dem 4. Pass zu entscheiden ist. Dies bedeutet für die Schiedsrichter in der Praxis ggf. eine kleine Umstellung (kein verfrühter Pfiff mehr). Jetzt muss man als Schiedsrichter auf den Zeitpunkt gut vorbereitet sein, nämlich genau dann zu pfeifen und auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft entscheiden, wenn der 5. Pass angenommen wurde. Denn es sollte vermieden werden, auch nicht zu spät zu entscheiden. Gleichwohl die Entscheidung dann immer noch richtig ist, wird die Erwartungshaltung der abwehrenden Mannschaft nicht sofort erfüllt und kann damit auch ggf. Akzeptanz kosten. 

Unverändert bleibt die Regel, falls sich die Angriffsweise nach dem Anzeigen des Vorwarnzeichens nicht ändert, dass jederzeit (vor dem 4. Pass) – je nach Situation – auf passives Spiel entschieden werden kann.

Ebenso bleibt es dabei, dass in besonderen Situationen (z. B. bewusstes Auslassen einer klaren Torgelegenheit) die Schiedsrichter auch ohne vorheriges Vorwarnzeichen auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft entscheiden können.