Quelle: DHB

Raus aus der Halle, rein in den Sand: Ein Einblick in das Beachhandball-Schiedsrichterwesen

Das Interesse am Beachhandball wächst in Deutschland seit einigen Jahren stetig. Es bilden sich neue Mannschaften, Vereine bauen neue Beachplätze oder richten alte Anlagen her und auch der Turnierkalender wird immer umfangreicher. Auch das Schiedsrichterwesen entwickelt sich weiter. Die deutsche Beachhandball-Schiedsrichterwartin Doreen Männich und Julius Hlawatsch, Schiedsrichter im Beachhandball-Elitekader des Deutschen Handballbundes, geben einen Einblick in die Struktur, die Ausbildung und das Zusammenspiel von Halle und Sand …

Julius Hlawatsch (links) mit Gespannpartner Gespann (Quelle: Julia Nikoleit)

 

Während für die meisten Schiedsrichter*innen des Deutschen Handballbundes in diesen Wochen nach und nach die Sommerpause anbricht, wechseln Julius Hlawatsch und eine Handvoll Kollegen aus dem Perspektivkader lediglich den Untergrund: Endet die Saison in der Halle, startet die Saison im Beachhandball. Hlawatsch, sein Teampartner Paolo D’Oria sowie die anderen zehn Beachhandball-Gespanne des Deutschen Handballbundes sind dann auf den German Beach Open (GBO) sowie vereinzelt auf internationalen Turnieren im Einsatz.

Warum sich Hlawatsch und Co. nach einer monatelangen Hallensaison noch in den Sand stellen, ist schnell beantwortet. „Es macht Spaß, wir kommen in Deutschland herum und lernen tolle Leute kennen“, fasst der Schiedsrichter zusammen. „Außerdem halten wir uns durch den Beachhandball den Sommer über automatisch fit, um bereit für die nächste Hallensaison zu sein.“

Während es vor einigen Jahren seitens des Dachverbandes nicht gerne gesehen war, wenn DHB-Schiedsrichter auch im Beachhandball aktiv sind, ist das heute anders: „Wir können und dürfen Halle und Sand vereinbaren“, freut sich Hlawatsch. „Die Beispiele zeigen sogar, dass es nicht einfach nur hingenommen wird, sondern auch sehr gut funktioniert - in beide Richtungen.“ So wurde ein Team aus der Jugendbundesliga für den Beachhandball gesichtet - und ein erfolgreiches deutsches Beachhandball-Team gelang über den Sand der Sprung in den Perspektivkader.

Auch Hlawatsch profitierte von den Erfahrungen auf dem einen Spielfeld für das andere. „Seit ich intensiver im Beachhandball pfeife, ist meine Präsenz und Kommunikation in der Halle besser geworden“, beschreibt er. „Wenn du in der Halle anfängst, wird oft vermittelt, dass Autorität ganz wichtig ist. Beim Beachhandball bist du mit den Spielern aber das ganze Wochenende zusammen, da kannst du dir ein Auftreten in der Form nicht erlauben. Stattdessen lernst du, dich auf die Spieler einzulassen. Das hat auch für die Halle sehr geholfen.“

Um Beachhandball-Schiedsrichter zu werden, ist eine Hallenlizenz keine Voraussetzung. „Es begünstigt aber natürlich den Einstieg, wenn man aus der Halle schon gewohnt ist, Entscheidungen zu treffen“, weiß Hlawatsch. Auch Schiedsrichterwartin Männich hält fest: „Es ist ein immenser Vorteil, wenn man in der Halle pfeift. Unsere DHB-Gespanne haben daher natürlich alle einen Schiedsrichterschein für die Halle. In den Regularien festgeschrieben ist es aber nicht und gerade, wenn man vor allem außerhalb der GBO pfeifen will, kann man natürlich auch ohne Hallenschein seine Lizenz für den Sand erwerben.“

Die Beachhandball-Saison beginnt in der Regel um das Pfingstwochenende herum und dauert bis zu den Finalturnieren um die Deutschen Meisterschaften der Aktiven und Jugend, die Anfang bzw. Mitte August ausgetragen werden. In dieser Zeit finden nahezu wöchentlich Beachhandball-Turniere in ganz Deutschland statt. „Im Beachhandball ist es üblich, dass du als Schiedsrichter ebenso wie die Mannschaften das ganze Wochenende vor Ort bist“, erklärt Hlawatsch und fügt mit einem Grinsen hinzu: „Man streitet sich mit den Spielern und verträgt sich sofort wieder. Wir gehören als Schiedsrichter einfach dazu.“

Auf den Turnieren der German Beach Open werden Unterkunft und Verpflegung für die Schiedsrichter üblicherweise gestellt, hinzu kommt meistens eine kleine Aufwandsentschädigung. „Natürlich ist der Zeitaufwand für so ein Turnier größer als für ein Spiel in der Halle, aber man ist auch nicht jedes Wochenende unterwegs. Die meisten von uns pfeifen drei bis vier Turniere in einem Sommer. Wer Bock drauf hat, kann aber natürlich auch mehr unterwegs sein.“

Die Einsätze über das ganze Wochenende bringen für die Weiterentwicklung einen großen Vorteil mit sich. „Man gibt sich untereinander Feedback und kann gerade von erfahrenen Kollegen etwas lernen“, sagt Hlawatsch. „Und da man mehrere Spiele am Tag pfeift, kann man versuchen, den Input direkt umzusetzen.“

Der Unparteiische selbst hat die Entscheidung, neben der Halle auch im Beachhandball zu pfeifen, nie bereut: „Es macht einfach großen Spaß“, betont Hlawatsch. „Jedem, der überlegt, ob das für ihn Frage kommt, kann ich nur raten, einfach bei einem GBO-Turnier vorbeizuschauen und sich das einfach einmal anzugucken.“

Beachhandball-Topgespann Deiters/Stumpfe (Quelle: Julia Nikoleit)

 

 

Wie werde ich Beachhandball-Schiedsrichter?

Um Beachhandball-Schiedsrichter zu werden, ist (ebenso wie in der Halle) eine Schiedsrichter-Ausbildung notwendig. Diese wurde lange dezentral durchgeführt; erst seit 2021 gibt es deutschlandweit einheitliche Ausbildungsmaterialien, die Beachhandball-Schiedsrichterwartin Doreen Männich gemeinsam mit Hlawatsch sowie den Elitekader-Schiedsrichtern Ole Horstmann, Bjarne Deiters und Jesper Stumpfe ausgearbeitet hat.

Die Ausbildung umfasst 16 UE (Unterrichtseinheiten) inklusive eines praktischen Anteils. Durchgeführt werden darf sie von den so genannten National Delegates, die vom Deutschen Handballbund ausgebildet werden. Nach Erwerb ist die Lizenz zwei Jahre gültig, bevor sie über einen Fortbildungskurs (3 UE) verlängert werden muss. Diese finden teilweise im Rahmen der GBO-Turniere statt; es ist aber auch eine Online-Fortbildung möglich.

„Die Anzahl der lizenzierten Beachhandball-Schiedsrichter liegt aktuell im mittleren dreistelligen Bereich“, sagt Männich. „Außerdem haben wir in den letzten Jahren über 30 National Delegates ausgebildet, darauf bin ich sehr stolz. In den kommenden Jahren wollen wir uns noch breiter aufstellen, aber wir sehen jetzt schon, dass die Entwicklung Fahrt aufgenommen hat.“

Informationen über die Ausbildung zum Beachhandball-Schiedsrichter erhalten Interessierte entweder bei Männich (doreen.maennich@dhb.de) oder bei ihrem jeweiligen Landesverband, der im Idealfall bereits einen für Beachhandball Schiedsrichterwart hat. Sollten Landesverbände für eine Ausbildung Kontakt zu einem National Delegate benötigen, können sie sich ebenfalls an Männich wenden.

Hilfreiche Links für Interessierte

Das Beachhandball-Regelwerk sowie Ergänzungen zu den Regelauslegungen und verschiedene Lehrvideos sind auf der Webseite der German Beach Open abrufbar:

https://www.german-beach-open.com/beachhandball-regeln

Ein Organigramm des Schiedsrichterwesens, Kaderlisten der Schiedsrichter und Delegierte sowie eine Präsentation zu den Aufgaben des Delegierten sind auf der Webseite der German Beach Open abrufbar: 

www.german-beach-open.com/schiedsrichter-und-delegierte

Die Ausschreibung der German Beach Open (GBO) gibt es unter diesem Link:

www.german-beach-open.com/kopie-von-infos-zur-gbo

Hinweis: Beachhandball-EM im Livestream

Aktuell werden die Beachhandball-Europameisterschaften in Nazare/Portugal ausgetragen (24. bis 28. Mai). Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft ist Titelverteidiger, die deutschen Männer haben sich im vergangenen Jahr mit einem Sieg bei den EHF Beachhandball Championships für das Turnier qualifiziert. Für das deutsche Top-Gespann im Beachhandball, Bjarne Deiters und Jesper Stumpfe, ist es bereits die vierte Europameisterschaft in Folge (2017, 2019, 2021, 2023).

Alle Spiele im Livestream: https://sportdeutschland.tv/