Wann kann die rosarote Brille helfen – und wann schadet sie? (Foto: IMAGO/BildFunkMV)

Positives Denken – sinnvoll oder nicht?

Antworten Menschen auf die Frage, was sie unter positivem Denken verstehen, hört es sich an, als ob ein Blick „durch die rosarote Brille“ ausreiche, um alles ins Positive zu wenden. So werden Ereignisse mit dem Verweis beschönigt, dass alles auch immer eine gute Seite habe. Positiv gedacht macht also alles gut?

Ganz so einfach ist es sicherlich nicht. Wie würde sich ein Schiedsrichter auf Dauer fühlen, wenn er offensichtliche Fehlentscheidungen für sich mit der Einstellung abtut, dass alles auch sein Gutes hat? Für den Moment hätte er so vielleicht ein besseres Gefühl; man darf aber nicht verkennen, dass schlechte Ereignisse oder Probleme so verdrängt werden. Das kann auf lange Sicht nicht gut gehen.

Aber ist das mit dem positivem Denken so überhaupt gemeint?

Das sagen Wikipedia oder auch der DFB

Laut Wikipedia zielt die Methode „Positives Denken“ im Kern darauf ab, dass der Anwender durch konstante positive Beeinflussung seines bewussten Denkens in seinen Gedanken eine dauerhaft konstruktive und optimistische Grundhaltung erreicht und infolgedessen eine höhere Zufriedenheit und Lebensqualität erzielt.

Unser „großer Bruder“ DFB gibt seinen Schiedsrichter den guten Rat mit auf den Weg (dessen konkrete Beispiele hier handballspezifisch angepasst worden sind):

Hilf dir selbst mit positiven Gedanken. Sag dir selbst in deinem Kopf, wie du es künftig besser machen kannst, anstatt darüber nachzudenken, was du zuvor schlecht entschieden hast. Die vergangene Entscheidung kannst du eh nicht mehr verändern. Also interessiere und konzentriere dich auf die nächste Aktion.
Mach dir außerdem Erfolgserlebnisse bewusst. Ein gut erkanntes Angreifervergehen, einen knappen Schrittfehler richtig erkannt oder ein antizipativ erkanntes Durchlaufen des Torraums auf der ballabgewandten Seite können dich wieder stark machen. Lobe dich innerlich selbst und sage dir: „Klasse Entscheidung! Nur weiter so und auf die Aufgabe – Leitung des Handballspiels – konzentriert bleiben.“

Zwei Seiten einer Medaille

Trotz der möglichen Motivation, die das positive Denken bewirkt, findet die Methode nicht nur Befürworter. Namhafte Wissenschaftler stellen ihre Erfolgsaussichten in Frage und warnen sogar vor Gefahren, denen sich labile und depressive Menschen bei der intensiven Anwendung aussetzen. Bei unkritischen Menschen wird sogar vor einem Realitätsverlust gewarnt. Diese wissenschaftlichen Hinweise zielen auf die Anwender ab, bei denen positives Denken das Leben allumfassend und konstant beeinflussen soll.

Für die allgemeine Tätigkeit eines Handball-Schiedsrichters gilt aber sicherlich: Mit positiven Gedanken in eine Spielleitung zu gehen (z. B.  "Ich habe mich gut vorbereitet; ich freue mich auf das Spiel.") ist für ein gutes Ergebnis hilfreich. Und sich nach einer kritischen Entscheidung mit positiven Gedanken wieder „auf Spur“ zu bringen ist ebenfalls nicht schädlich.