Quelle: DHB

Passives Spiel

Bei diesem Pfiff der Woche geht es um passives Spiel nach der Regeländerung.

Was im Video geschieht

Mannschaft WEISS ist im Angriff, es sind die letzten Minuten des Spiels. WEISS 3 (RM) spielt den Ball zu WEISS 5 (RR). Die Schiedsrichter zeigen das Vorwarnzeichen an, als RR den Ball fängt. WEISS 5 spielt den Ball dann zu WEISS 3 zurück (1. Pass).  WEISS 3 wirft auf das Tor und der Ball wird durch Mannschaft ROT abgelenkt und geht daher über die Torauslinie. Die Schiedsrichter entscheiden auf Einwurf für Mannschaft WEISS. WEISS 9 führt den Einwurf aus, indem sie den Ball zur ihrer Mitspielerin WEISS 6 (RL) passt (2. Pass). RL passt den Ball zur RM (3. Pass). RM läuft Richtung Abwehr und spielt nach einer Querbewegung den Ball zur RA WEISS 10 (4. Pass). WEISS 10 spielt dann den Ball zur einlaufenden Kreisläuferin WEISS 13 (5. Pass). Die Schiedsrichter entscheiden, nachdem WEISS 13 den Ball hat, auf Freiwurf für Mannschaft ROT.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Wird eine Tendenz zum passiven Spiel erkennbar, wird das Vorwarnzeichen (Handzeichen Nr. 17) gezeigt. Dies gibt der ballbesitzenden Mannschaft die Gelegenheit, die Angriffsweise umzustellen, um den Ballverlust zu vermeiden. Falls sich die Angriffsweise nach dem Anzeigen des Vorwarnzeichens nicht ändert, kann jederzeit auf passives Spiel entschieden werden. Von der Möglichkeit, bereits vorher auf passives Spiel zu entscheiden, sollten die Schiedsrichter aber nur in begründeten Ausnahmefällen Gebrauch machen (die hier nicht vorliegen).

Wird von der angreifenden Mannschaft nach vier Pässen kein Torwurf ausgeführt, wird auf Freiwurf gegen die ballbesitzende Mannschaft entschieden.

Die Schiedsrichter haben in dieser Situation richtig entschieden. Der Pass zur Kreisläuferin war der 5. Pass. Unabhängig vom Thema ist aber die Position des Feldschiedsrichters zu Beginn des Clips überdenkenswert. Er steht und eine Spielerin von Mannschaft WEISS muss um ihn herumlaufen.

Fazit

Mit der Verkürzung auf nur noch vier Pässe müssen sich auch die Schiedsrichter etwas umstellen. Wichtig ist zunächst das klare Anzeigen des Vorwarnzeichens für die angreifende Mannschaft. Die Schiedsrichter sollten sich hier gut abstimmen. Sie sollten vorher schon Blickkontakt aufnehmen und sich gegebenenfalls durch ein verabredetes Signal verständigen (mit Headset etwas einfacher), dass das Vorwarnzeichen für passives Spiel fällig ist. Der Partner/die Partnerin sollte unmittelbar das Zeichen (am besten beide zeitgleich wie in diesem Beispiel) übernehmen und alle Spieler und Trainer müssen das Vorwarnzeichen wahrnehmen können!

Ferner sollte der Feldschiedsrichter darauf achten, den Arm nur dann zu heben, wenn ein Spieler deutlich Ballkontrolle hat und der Ball sich nicht in der Luft befindet, damit der Beginn des Zählens eindeutig ist.

An dieser Stelle auch nochmal folgender Hinweis: Wenn ein Spieler einen Torwurf ausführt und ein Abwehrspieler den Ball ins Tor- oder Seitenaus blockt, geht es mit Einwurf für die angreifende Mannschaft weiter und es ist kein zählbarer Pass (hier Wurf von WEISS 3 auf das Tor).