Nutzen des Torraums nach dem Wurf
Was im Video geschieht
Mannschaft WEISS ist im Angriff und Spielerin WEISS 17 kommt an der Torraumlinie frei zum Wurf. Die Torhüterin von Mannschaft SCHWARZ kann den Ball halten, der daraufhin wieder in Richtung Spielfeld tippt. Spielerin WEISS 17, die nach dem Wurf den Torraum betritt, läuft durch den Torraum dem Ball nach und kann diesen wieder außerhalb des Torraums im Spielfeld vor der Spielerin 11 SCHWARZ aufnehmen. Die Schiedsrichter entscheiden unmittelbar nach Ballannahme deutlich auf Abwurf Mannschaft SCHWARZ.
Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen
Gemäß Regel 6:3 bleibt das Betreten des Torraums ungeahndet, wenn:
- ein Spieler, nachdem er den Ball gespielt hat, den Torraum betritt, sofern dieses für die Gegenspieler keinen Nachteil bedeutet.
- ein Spieler ohne Ball den Torraum betritt und sich dadurch keinen Vorteil verschafft.
Regel 6:3 beschreibt also zwei Situationen, in denen der Schiedsrichter entscheiden muss, ob sich der Angreifer beim Betreten des Torraums einen Vorteil verschafft hat oder nicht.
Die Entscheidung des Schiedsrichters hängt also von folgender Bewertung ab:
Vorteil für den Angreifer (= Nachteil für den Gegenspieler) oder kein Vorteil für den Angreifer (= kein Nachteil für den Gegenspieler).
Sollte ein Spieler der angreifenden Mannschaft mit Ball den Torraum der gegnerischen Mannschaft berühren/betreten oder ohne Ballbesitz durch das Betreten des Torraums einen Vorteil erlangen, ist die Spielfortsetzung Abwurf (Regel 6:2).
Unter Bezugnahme der oben genannten zwei Kriterien ist hier die Entscheidung im Grunde eindeutig. Die Angreiferin hat sich durch das Betreten des Torraums nach dem Wurf zweifelsohne einen Vorteil verschafft. Die Angreiferin hätte nach dem Wurf und dem anschließenden Betreten des Torraums diesen auf dem direkten oder kürzesten Weg wieder verlassen müssen. Durch die Aktion hat die Abwehrspielerin keine Chance mehr, regelgerecht in Ballbesitz zu gelangen (Nachteil für den Abwehrspieler). Hier muss die Entscheidung die Spielfortsetzung lauten: ABWURF!
Fazit
Die Schiedsrichter haben in dieser Situation schnell und richtig entschieden.
In derartigen Situationen muss der Schiedsrichter beurteilen, ob das Betreten des Torraums für den Angreifer ein Vorteil war oder nicht bzw. dadurch ein Nachteil für die abwehrende Mannschaft entstand.
Ein Verlassen des Torraums muss auf dem direkten bzw. kürzesten Weg erfolgen. Läuft der Angreifer dem Ball im Torraum hinterher – auch wenn kein Abwehrspieler in der Nähe ist – muss die Entscheidung die Spielfortsetzung ABWURF sein.
Selbst wenn der Angreifer nach dem Wurf den Torraum auf dem kürzesten Weg verlässt, dies aber ein Nachteil für den Abwehrspieler ist, muss auch auf Abwurf entschieden werden. Nur wenn das Verlassen des Torraums auf dem kürzesten Weg kein Nachteil für den Abwehrspieler bedeutet, muss der Schiedsrichter dies laufen lassen.
Dieses Betreten des Torraums bleibt nur dann folgenlos, wenn der Angriffsspieler die Gegenspieler – und vor allem den Torwart! – nicht behindert oder irritiert und den Torraum auf dem kürzesten Weg sofort wieder verlässt.
Pfiff der Woche
Unter der Rubrik "Pfiff der Woche" präsentieren wir jeweils eine beachtenswerte Szene aus dem aktuellen Spielbetrieb der Bundesligen von Männern und Frauen – und gegebenenfalls auch aus den Ligen darunter. Warum die ausgewählten Situationen besondere Beachtung verdienen? Nun, weil sie einen bestimmten Regelaspekt verdeutlichen, der uns Schiedsrichtern nicht in jedem Spiel „vor die Pfeife“ kommt.