Jutta Ehrmann-Wolf als Delegierte neben Zeitnehmer Dieter Klein und Sekretär Michael Knorpp (Quelle: IMAGO/wolf-sportfoto)
Julia Nikoleit: Frau Ehrmann-Wolf, der Workshop liegt inzwischen ein knappes halbes Jahr zurück. Was bleibt von der Maßnahme?
Jutta Ehrmann-Wolf: Wir haben in München viele gute Ideen entwickelt, die wir Mitte April in Halberstadt im Rahmen der Tagung der Schiedsrichterwarte und Schiedsrichterlehrwarte vorstellen wollen. Teilweise sind die Ideen schon in der Praxis umgesetzt und getestet.
Zum Beispiel?
Da will ich der Tagung nicht vorgreifen (lacht). Allgemein gesprochen haben wir versucht, in München Ideen zu entwickeln, wie wir mehr Frauen motivieren können, in eine Funktion zu gehen. Da geht es nicht nur um das Schiedsrichteramt an sich, sondern auch um andere Positionen im Schiedsrichterwesen - Zeitnehmer, Sekretär, Delegierte oder Coaches. Wir wollten einfach mal überlegen, was wir tun können, um speziell Frauen für diese Jobs zu gewinnen.
Warum dieser Fokus auf die weiblichen Unparteiischen? Der Schiedsrichtermangel ist so groß, dass auch jeder Mann gebraucht wird.
Das stimmt, wir haben einen generellen Mangel. Die Ideen wurden zwar speziell frauenspezifisch gesucht, aber die ein oder andere Idee kann man auch für beide Geschlechter nutzen. Ich sehe jedoch ein großes Potenzial gerade im weiblichen Bereich, um die leider immer noch rückläufigen Zahlen zu stoppen und neue Schiedsrichter zu gewinnen. Der Anteil an Frauen in der Schiedsrichterei ist noch immer niedrig, sodass gerade dort die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft sind.
Wie zufrieden waren Sie mit der Beteiligung an dem Workshop?
Die Rückmeldung aller Beteiligten waren durchweg positiv, was mich natürlich freut. Der Austausch wurde sehr geschätzt und ich bin überzeugt, dass die Art und Plattform zielführend war. Wir hatten eine gute Mischung, denn wir haben nicht nur Leute in einer bestimmten Funktion zusammengeholt, sondern engagierte Leute aus den verschiedensten Bereichen, die sich für das Thema begeistern.
Wir hatten alte und junge Menschen, Leute mit Erfahrung und Neulinge, Männer und Frauen - und alle haben gemeinsam Ideen entwickelt. Das fand ich sehr, sehr gut und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir gezielt über persönliche Einladungen Leute zusammenholen, die an der „Front“ im Landesverband einen guten Job machen, denn über den Austausch können wir alle von guten Ideen profitieren.
Wie geht es jetzt – abseits der Tagung im April – weiter?
Wir versuchen, in enger Zusammenarbeit mit der Mitgliederentwicklung des Deutschen Handballbundes immer wieder Aktionen zu starten. Die Hauptarbeit wird jedoch an der Basis geleistet werden müssen. Wir können nur Ideen liefern, die Umsetzung liegt in den Landesverbänden. Da mache ich mir jedoch keine Sorgen, denn wir haben sehr viele rührige Verbände, die wirklich versuchen, viel zu bewegen und neue Dinge umzusetzen.
Eins unserer Kernthemen ist beispielsweise die positive Darstellung der Schiedsrichterfunktion in der Öffentlichkeit. Wir wollen die Menschen, die hinter dem Job stehen, transportieren und nicht nur die Funktion. Da tut sich in den Landesverbänden viel, viele Verbände sind sehr aktiv und versuchen, ihre Leute zu pushen. Sie machen auch Quizze oder Wettbewerbe wie die „Schönste Kabine des Monats“, um alle Beteiligten einzubeziehen. Wir sind also auf einem guten Weg, aber der Weg ist noch sehr weit.
Wenn es um Schiedsrichterinnen geht, kommt man auch an der Gleichstellung nicht vorbei. Sie haben sich diese für das Schiedsrichterwesen im Deutschen Handballbund offensiv auf die Fahnen geschrieben. Wie ist dort nach rund zwei Jahren die Bilanz?
Da diskutieren wir gar nicht mehr (lacht). Meine Kollegen und ich sind voller Überzeugung, dass es der einzig richtige Weg ist. Und auch losgelöst von unserem Topteam Kuttler/Merz, die absolute Aushängeschilder sind, beweisen die Frauen aus dem Bundesliga- und Nachwuchskader Woche für Woche, dass es der richtige Weg ist. In der 2. Liga Männer wird inzwischen gar nicht mehr darüber diskutiert, dass da ein Frauenteam angesetzt ist - es geht nur noch um die gute oder schlechte Leistung; unabhängig vom Geschlecht.
Ist das ein Vorbild für die Entwicklung, die Sie sich auch in den Landesverbänden wünschen?
Auf jeden Fall. Es muss die Grunderwartung sein, dass es in den Landesverbänden genauso läuft. Es muss die gleichen Spiele für Männer und Frauen geben, denn nur so funktioniert es, dass auch die besten Leute mit der notwendigen Vorbereitung oben ankommen – egal, ob es Männer oder Frauen sind.