Aber muss das so sein? Nein, in der wissenschaftlichen Betrachtung wird ein Misserfolg erst dann zu einem nach unserer landläufigen Auffassung schlechten Ereignis, wenn wir das Resultat bewerten.
„Werte nie, sondern lerne aus deinen Fehlern!“, sollte der Wahlspruch deshalb lauten, wenn wir uns nicht unterkriegen lassen wollen. Misserfolge stehen – sachlich betrachtet – auf der gleichen Stufe wie Erfolge. Erst unsere Wertung unterteilt Ergebnisse in gut und schlecht.
Unser Ziel sollte es daher sein, den gleichen Fehler nicht zu wiederholen. Aber selbst dabei sollten wir nicht allzu streng mit uns sein. Menschen und selbstverständlich auch Schiedsrichter – von Spielern mal ganz zu schweigen – machen Fehler, auch wenn die Forderungen manch anderer am Handballspiel Beteiligten anders lauten.
Von einem Schiedsrichter eine fehlerfreie Leistung zu erwarten oder auch nur zu verlangen, dass er Fehler nicht wiederholt, ist weltfremd! Umso mehr in einem frühen Stadium seiner Laufbahn, wenn er als Lernender die (manchmal bittere) Erfahrung machen muss, dass nicht jeder Pfiff „sitzt“. Vergleichbar mit einem Kind, das sich etliche Blessuren zugezogen hat, ehe es Radfahren gelernt hat – ich kann mich daran noch gut erinnern.
Für viele, wenn nicht gar alle von uns, wird es auch im Schiedsrichterwesen so gelaufen sein. Klar, unser Ärger – und damit auch die eigentlich nicht zulässige Wertung über missratene Leistungen – war vielfach die Triebfeder, es besser zu machen, die gesetzten Ziele zu erreichen. Jeder mag für sich beurteilen, wie gut ihm dies gelungen ist. Soweit wir aus unseren Fehlern gelernt haben, sind wir allesamt durch dieses strapaziöse Tal gegangen, an dessen Ende eine gefestigte und verbesserte Leistung stand. Insofern erschließt sich vielleicht auch die Feststellung, dass Misserfolge uns stärker machen.
Fragt man sich, warum bei wichtigen Spielen vielfach der „erfahrene“ Schiedsrichter gesucht und angesetzt wird, gibt die vorstehende Philosophie zum Umgang mit Misserfolgen die Antwort. Sie hängt einer Fehlerkultur an, die Misserfolg nicht verteufelt, sondern zu einem wertvollen Beitrag in der Entwicklung des jeweiligen Menschen macht. Fehler bereichern den Erfahrungsschatz einer Person. Erfahrung kann nicht gelernt werden – man muss sie machen! Sie beruht auf den Erlebnissen, aus denen man gelernt hat. Ohne unseren jungen Kollegen zu nahetreten zu wollen: Wäre es anders, könnte man auch nach dem „geschulten“ Schiedsrichter rufen.