Trainer Iker Romero und Schiedsrichter Marijo Zupanovic im Gespräch (Foto: IMAGO/wolf-sportfoto)
Diese und ähnliche Sätze sind in den Handballhallen in Deutschland leider (zu) selten zu hören. Der Alltag besteht, so ist es immer wieder zu hören, aus Unmut auf und neben dem Spielfeld, lautstarken Zwischenrufen zwischen von der Tribüne und Diskussionen.
„Der Umgang von einigen Sportfreunden mit unseren Schiedsrichtern ist unter alle Kanone“, berichtete beispielsweise Kai Argewalt im vergangenen Jahr in der Serie #Basisnah. „Der Gang in die Turnhalle scheint teilweise ein Ventil zu sein, um den ganzen Frust, der sich über die Woche angestaut hat, rauszulassen – und leider trifft es dabei oft den Schiedsrichter (…) Was es in der Hinrunde bei uns im Landesverband an Beleidigungen und Anfeindungen gab, geht auf keine Kuhhaut mehr.“
Die Konsequenz: Es brechen immer mehr Schiedsrichter weg, frisch ausgebildete Schiedsrichter schmeißen im ersten Jahr wieder hin. Das vergrößert das Problem des Schiedsrichtermangels in ganz Deutschland. Diesen Trend umzudrehen, zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen, wird von vielen Akteuren versucht, doch das Grundproblem bleibt: Es gibt zu wenig Menschen, die das Amt des Schiedsrichters übernehmen wollen.
Umso wichtiger ist es, diejenigen, die zur Pfeife greifen, wertzuschätzen. „Es wird in der Regel nur über Schiedsrichter gesprochen, wenn er Fehler macht – die gute Leistung eines Schiedsrichters wird als selbstverständlich betrachtet“, sagt auch Torben Streich, Referent für Mitgliederentwicklung im HV Niedersachsen-Bremen, der in der vergangenen Saison an der Umsetzung des „Jahr des Schiedsrichters“ im HVNB beteiligt war. „Der Standard ist, dass ein Schiedsrichter keine Fehler machen darf, aber das ist ein total ungleicher Maßstab. Ein Rückraumspieler darf sich auch ein, zwei Fehlwürfe erlauben, ohne, dass gleich von einem schlechten Spiel die Rede ist.“
Die gute Nachricht: Für die Wertschätzung braucht es im ersten Schritt gar nicht viel. Wenn nach einem Spiel nur ein Spieler, ein Trainer oder ein Zuschauer zum Schiedsrichter gehen und ihm seinen Dank für das Pfeifen und/oder ein (ernstgemeintes) Lob für die Leistung aussprechen würde, würde das schon helfen – auf zwei Seiten: Für den Schiedsrichter wäre es eine Wertschätzung seines Engagements und für die Umstehenden ein Signal, dass ein anderer Umgang mit den Unparteiischen möglich ist.
Falls es in der Halle für Spieler, Trainer oder Zuschauer nicht die Gelegenheit gibt, nach dem Spiel mit dem Schiedsrichter zu sprechen und die Leistung wirklich gut war, ließe sich auch eine E-Mail an den Verein des Schiedsrichters (ggf. über das Kontaktformular auf der Webseite) mit ein, zwei kurzen Sätzen des Lobes mit der Bitte um Weiterleitung an den Schiedsrichter schreiben.
Ein Trainer könnte eine gute Schiedsrichter-Leistungen proaktiv in Statements auf der vereinseigenen Webseite oder gegenüber der Lokalpresse erwähnen; so, wie auch dem Gegner teilweise Lob gezollt wird („Sie waren gut eingestellt“ o. ä.). Auch in der Schiedsrichter-Bewertung, die in einigen Landesverbänden ab einer gewissen Liga abgegeben werden muss, könnte man nicht nur Kritik, sondern auch positive Aspekte benennen.
Ein Verein kann im Spielbericht die Schiedsrichter als Teil des Spiels erwähnen („Geleitet wurde die Partie von …“) und die reine Erwähnung (wenn es sich anbietet) positiv ausbauen. Auch kleine Zeichen der Wertschätzung am Spieltag sind eine gute Option – eine Flasche Wasser in der Kabine, einen Parkplatz freihalten, falls es nur wenig Parkmöglichkeiten gibt oder dem Schiedsrichter am Verkaufsstand einen Kaffee oder ein Stück Kuchen gratis ausgeben.
Gegenüber den vereinseigenen Schiedsrichtern sind natürlich auch weitere Dinge möglich, die den Unparteiischen zeigen, dass ihr Einsatz wertgeschätzt wird: Eine Grundausstattung stellen, einen Teamabend für alle Schiedsrichter anbieten, auf den Social-Media-Kanälen darauf hinweisen, wo die eigenen Schiedsrichter im Einsatz sind (so, wie es bei Mannschaften oft selbstverständlich gemacht wird). Und/oder am Saisonbeginn oder Saisonende eine E-Mail oder Whats-App-Nachricht mit einem kurzen Dank für den Einsatz (unabhängig von einem konkreten Spieltag).
Viele dieser Gedankenstöße sind ohne großen Aufwand und ohne bzw. nur mit geringen zusätzlichen Kosten möglich.Gelingt es einem Verein dadurch, die Strafzahlungen für fehlende Schiedsrichter zu verringern, rechnet sich das "Investment" sogar doppelt. Und vor allem wäre es eine Wertschätzung für die Personen, ohne die der Spielbericht nicht möglich ist. „Es ist wichtig, positiv über und mit den Schiedsrichtern zu sprechen“, unterstreicht HNVB-Mitarbeiter Streich. „Ihr Einsatz darf nicht selbstverständlich sein.“