Leeres Tor – Wann ist ein 7-Meter-Wurf die korrekte Entscheidung?

Ein leeres Tor ist in bestimmten Situationen nicht immer der Hauptfaktor für eine Siebenmeter-Entscheidung, wie das heutige Beispiel mal wieder zeigt.

Was im Video geschieht

Mannschaft ROT spielt aufgrund einer Hinausstellung mit sechs Feldspielern. Daher ist das Tor von Mannschaft ROT leer (im Video nicht sichtbar). Rot 2 verliert den Ball und die Schiedsrichter entscheiden auf Freiwurf gegen Mannschaft ROT. ROT 2 legt den Ball nicht sofort nieder, sondern wirft den Ball ins Seitenaus. Das Tor war zu diesem Zeitpunkt immer noch leer. Die Schiedsrichter geben sofort Time-out. Im Anschluss erhält ROT 2 eine Hinausstellung und die Schiedsrichter entscheiden auf 7-Meter-Wurf.

REGELTECHNISCHE EINORDNUNG VON KAY HOLM, LEITER BEREICH LEHRE IM DHB-SCHIEDSRICHTERWESEN

Die Gründe können vielfältig sein, warum das Tor leer ist. Ob der Torwart nur an den Auswechselbereich seiner Mannschaft geht, um etwas zu trinken oder ob er zugunsten eines weiteren Feldspielers ausgewechselt wird, immer ist das Hauptkriterium dieser Regelung erfüllt: Der Torwart hat seinen Torraum verlassen.

Gemäß Regel 14:1 ist von den Schiedsrichtern auf 7-Meter-Wurf zu entscheiden, wenn durch einen Spieler der gegnerischen Mannschaft regelwidrig eine klare Torgelegenheit vereitelt wird. Der Ort des regelwidrigen Verhaltens ist dabei unerheblich. Es gilt die gesamte Spielfläche.

Zusätzliche Informationen über den Begriff der „klaren Torgelegenheit" enthält die IHF-Erläuterung 6, in diesem Fall 6c.

Die Guidelines und Interpretationen unter der Überschrift 7-Meter-Entscheidungen bei leerem Tor (Regel 14:1, Erläuterung 6c) beschreiben die Voraussetzungen, für die in Erläuterung 6c beschriebene Definition einer klaren Torchance.

Eine klare und ungehinderte Gelegenheit zum Wurf des Balls ins leere Tor setzt voraus, dass der Spieler in Ballbesitz ist und klar versucht, direkt auf das leere Tor zu werfen. Diese Definition einer klaren Torchance gilt ungeachtet der Art des Vergehens und unabhängig davon, ob der Ball im Spiel war oder nicht. Bei der Ausführung jedes Wurfs müssen sich Werfer und Mitspieler in einer korrekten Position befinden.

Bewertung und Klarstellung

Wenn eine Freiwurf-Entscheidung gegen die Mannschaft gegeben wird, die beim Pfiff des Schiedsrichters in Ballbesitz ist, muss der Spieler, der den Ball zu diesem Zeitpunkt hat, diesen umgehend an der Stelle auf den Boden fallen lassen oder niederlegen, sodass er spielbar ist (8:8b).

ROT 2 ist dieser Regelbestimmung nicht nachgekommen, der Ball war nicht spielbar. Daher ist die Hinausstellung gegen ROT 2 korrekt.

Wie ist aber die korrekte Spielfortsetzung?

Gleichwohl das Tor von Mannschaft ROT zu diesem Zeitpunkt leer war, ist die Entscheidung auf 7-Meter-Wurf nicht korrekt. Der Ball war zu diesem Zeitpunkt nicht im Spiel. Die Kriterien sind in diesem Fall definitiv nicht erfüllt. Kein Spieler von Mannschaft BLAU hatte Ballbesitz und konnte daher nicht (auch nicht versuchen), direkt auf das leere Tor werfen. Denn bei der Ausführung jedes Wurfs müssen sich Werfer und Mitspieler in einer korrekten Position befinden.

Fazit

Die Spielfortsetzung bei derartigen Situationen ist ungeachtet, ob das Tor leer ist oder nicht, nur Freiwurf. Ausgenommen, das Vergehen passiert während der letzten 30 Sekunden des Spiels, dann ist die Spielfortsetzung 7-Meter-Wurf und der Spieler muss disqualifiziert werden.