Quelle: DHB

Leeres Tor, Fußspiel und die Folgen

Die Situationsbeurteilung und Entscheidungsfindung, ob eine „klare Torgelegenheit“ regelwidrig vereitelt wurde, steht für die Schiedsrichter während eines Spiels häufiger im Mittelpunkt. Dies muss von den Schiedsrichtern in der jeweiligen Situation richtig erkannt und geahndet werden. Im heutigen Pfiff der Woche haben wir erneut ein Beispiel, das zeigt, was bei leerem Tor und (hier) einer schnellen Anwurfausführung passieren kann und wie man sein Stellungsspiel optimieren kann.

Was im Video geschieht

Mannschaft WEISS ist im Angriff und spielt aufgrund einer Hinausstellung ohne Torwart (leeres Tor) und erzielt regelgerecht ein Tor (WEISS 64). Der Torwart Mannschaft GELB holt schnell den Ball aus dem Tor und passt den Ball zu seinem Mitspieler GELB 10, der in die Anwurfzone läuft und den Anwurf regelrecht als direkten Torwurf auf das leere Tor ausführt. WEISS 25 stoppt den Wurf mit dem Fuß sieben Meter vor dem Tor, während der Torwart den Torraum noch nicht betreten hat. Die Schiedsrichter entscheiden nach Beratung nur auf Freiwurf für Mannschaft GELB.

Regeltechnische Einordnung von Kay Holm, Leiter Bereich Lehre im DHB-Schiedsrichterwesen

Die Anlässe, aufgrund derer das Tor von seinem Hüter verlassen wird, können vielfältig sein. Ob er nur an den Auswechselbereich seiner Mannschaft geht, um etwas zu trinken oder ob er zugunsten eines weiteren Feldspielers ausgewechselt wird; immer ist das Hauptkriterium dieser Regelung erfüllt: Der Torwart hat seinen Torraum verlassen.

Gemäß Regel 14:1 ist von den Schiedsrichtern auf 7-Meter-Wurf zu entscheiden, wenn durch einen Spieler der gegnerischen Mannschaft regelwidrig eine klare Torgelegenheit vereitelt wird. Der Ort des regelwidrigen Verhaltens ist dabei unerheblich. Es gilt die gesamte Spielfläche.

Zusätzliche Informationen über den Begriff der "klaren Torgelegenheit" enthält die IHF-Erläuterung 6. Gemäß der dort unter dem Buchstaben c) dargestellten Situation besteht eine klare Torgelegenheit auch dann, wenn ein Gegenspieler mit Ball- und Körperkontrolle eine klare und ungehinderte Möglichkeit zum Wurf des Balls ins leere Tor der gegnerischen Mannschaft hat.

Regelwidrig

Gemäß Regel 7:8 ist es nicht erlaubt, den Ball mit Fuß oder Unterschenkel zu berühren, es sei denn, der Spieler wurde von einem Gegenspieler angeworfen.

Bestrafung

Gemäß Regel 8:8e ist das Anheben eines bzw. beider Unterschenkel oder Füße mit dem Ziel, einen Pass oder Torwurf zu blocken/wegzuschlagen, was einen deutlichen Einfluss auf die Spielsituation zur Folge hat, ein unsportliches Verhalten, das direkt mit einer Hinausstellung zu ahnden ist (siehe auch Regeln 8:7e).

Fazit

Die drei Kriterien der Erläuterung 6c sind erfüllt. Durch seine Fußabwehr verhindert der Verteidiger regelwidrig, dass der Ball ins leere Tor geht. Zum Zeitpunkt des Wurfs war das Tor noch leer, da der Torwart seinen Torraum noch nicht betreten hatte.

Die richtige Entscheidung wäre hier der 7-Meter-Wurf für Mannschaft GELB sowie eine Hinausstellung für WEISS 25 gewesen.

Anmerkungen zum Stellungsspiel